Diesen Artikel gibt es auch auf YouTube als Podcast zum Anhören ››

Wenn wir das Wort Trauma hören, denken wir an Krieg, Katastrophen, plötzliche Verluste und schwere Verbrechen. Es steht außer Frage, dass diese Dinge Folgen für das Leben von Menschen haben.

Unsere Vorfahren haben diese Traumatisierungen (fast) alle erlebt und konnten zu ihren Lebzeiten oft keine therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Es ging ums Überleben. Für sehr wenige gab es die Möglichkeit die Erfahrungen von plötzlichen Verlusten, Vergewaltigungen, Krieg und Zerstörungen in einem angemessenen Rahmen zu verarbeiten und so sind die Ängste und Verhaltensweisen, die nach einem so prägenden emotionalen Erlebnis zurück bleiben in unseren Familien und sozialen Strukturen das neue „normal“ geworden. Wir leben in einer traumatisierten Gesellschaft, wie Prof. Dr. Franz Ruppert, Psychotherapeut aus München es in seinem Buch „Wer bin ich in einer traumatisierten Gesellschaft?“ feststellt.

Bindungs- und Entwicklungstrauma

Trauma kann aber auch viel subtiler sein und trifft die meisten von uns im Laufe unseres Lebens, ohne, dass wir das bewusst wahrnehmen.

Ein Trauma ist die Folge einer emotional überfordernden Situation. Während die oben genannten Traumata bekannt sind, ist den wenigsten Menschen bewusst, dass frühe Lebens- und Beziehungserfahrungen im Elternhaus traumatisierend sein können und uns unser ganzes Leben hindurch prägen.

In uns Menschen schlummern zwei wesentliche Urängste, die tief in unserem Reptilienhirn abgespeichert sind. Sie dienen dem Überleben. Es ist die Angst vor dem „Verlassen werden“ und die „Angst vor Ablehnung“. Evolutionär hätte beides für uns als Individuum den Tod bedeutet. Wir brauchen den Schutz und die Anerkennung der Gemeinschaft.

Als Kinder sind wir zu einhundert Prozent auf den Schutz und die Anerkennung durch unsere Mutter, unseren Vater und andere nahestehenden Familienmitglieder angewiesen. Unsere Mutter spielt dabei von der Zeugung an bis etwa bis zu unserem zweiten Lebensjahr die wichtigste Rolle. Ihre Aufgabe ist es, uns zu ernähren und uns Schutz zu gewähren. Wir können nichts davon allein.

Ob wir in Sicherheit sind oder Gefahr droht, nehmen wir über die emotionale Welt unserer Mutter wahr. Hat unsere Mutter Angst, haben wir Angst. Ein rationales Verstehen dessen, warum unsere Mutter Angst hat, gibt es nicht. Alles, was wir in dieser Zeit wahrnehmen ist: bin ich in Sicherheit oder nicht?

Vielleicht kennst du die Situation in der du feststellst, dass du, obwohl du nie so werden wolltest, gerade einen Satz deiner Mutter von dir gegeben hast oder dich genauso verhalten hast wie sie. Wir alle erleben das, denn wie das Leben und Beziehung funktioniert, wer wir sein sollen, damit wir beschützt und anerkannt werden, lernen und erfahren wir vor allem in unserer Herkunftsfamilie. Wir ahmen nach, was wir bei unseren Bindungspersonen erleben.

Das Verhalten und die Worte unserer Eltern sind für uns der Maßstab, wie wir als Menschen überleben können. Hat die Mama Angst vor Hunden, lernen wir, dass Hunde gefährlich sind. Die Beziehung unserer Eltern ist der Maßstab dafür, wie Beziehung funktioniert.

Diese frühen Erfahrungen prägen unser Nervensystem derart, dass wir auch als Erwachsene schlecht in der Lage sein können uns selbst zu regulieren und angemessen mit den Herausforderungen des Lebens umzugehen. In uns tobt ein ständiger Kampf ums Überleben, wir haben vielleicht kein Gefühl von Sicherheit, sind zahlreichen Ängsten ausgesetzt und sind so in der Gestaltung unseres Lebens massiv eingeschränkt.

Am prägendsten für unser Gefühl von Sicherheit und Vertrauen in das Leben, die Welt und andere Menschen, sind unsere Erfahrungen von unserer Zeugung bis zum 8. Lebensjahr. Wer in dieser Zeit nicht seiner Entwicklung angemessen beschützt, emotional reguliert und in die Autonomie begleitet wird, hat ein Leben lang Schwierigkeiten im Umgang mit anderen und sich selbst.

Statistiken zu Folge leiden mehr als 50 Prozent der Bevölkerung unter diesen frühen Traumata. Die Bindungsforschung spricht von unsicher-ambivalenter oder unsicher-vermeidender Bindung im Gegensatz zu sicher gebundenen Menschen.

Die Folgen zeigen sich nicht nur in der Unfähigkeit gesunde, partnerschaftliche Beziehungen zu führen und ein nährendes soziales Netzwerk zu erhalten, sondern auch auf gesundheitlicher Ebene, oft als Dysregulationen des Immunsystems.

Erlernen von Verhalten zum Überleben

Psychologisch erlernen wir in einer solchen Situation neues Verhalten, dass das Überleben sichern soll. Wir lernen, dass wir in unseren Bedürfnissen nicht anerkannt werden und keinen Schutz erfahren können. Wir beginnen unsere Bedürfnisse, unsere Emotionen, unser Selbst, zu unterdrücken und uns den Umständen anzupassen. Der Körper wird auf Adrenalin und Anspannung trainiert. Einfach nur da zu Sein, ohne es jemandem anderen Recht machen zu müssen, etwas zu leisten und unter Strom zu stehen wird unerträglich.

Adrenalin macht süchtig. Entspannung wird extrem erschwert und fühlt sich irgendwann überhaupt nicht mehr gut an. Für viele schon im zarten Alter der frühen Kindheit. Nur über Leistung gibt es Anerkennung und Liebe, nur über Anpassung an den anderen Schutz.

Viele Menschen sind mit einem derart programmierten Nervensystem ins Leben gestartet und können sich überhaupt nicht vorstellen, wie sich Sicherheit anfühlt. Sie leben auf Adrenalin und stehen immer unter Strom (Flucht und Kampf).

Andere schalten komplett ab (Erstarren) und „verschwinden“ emotional aus ihrem Körper und geistig aus dem Hier und Jetzt. Die Folge sind Apathie und Depression. Beide Zustände sind nicht funktional, sondern zeigen, dass Urängste von Verlassen werden und Ablehnung erlebt wurden und später auch immer und immer wieder getriggert werden.

Wir suchten Situationen und Menschen, weil sie sich anfühlen, wie „zuhause“ – wo emotionale Verletzungen und Überlebenskampf an der Tagesordnung waren.

Wenn Mama und Papa mir dieses Gefühl gegeben haben, dann muss es ja richtig sein. Die müssen mich ja geliebt haben. Oft wird die Angst im Erwachsenenalter sogar mit Liebe verwechselt. Wir fühlen uns von Menschen angezogen, die subbewusst – auf emotionaler Ebene – genau dieses Gefühl in uns auslösen, das eigentlich Stress und Überlebenskampf bedeutet.

Liebe ist ein Gefühl von absoluter Entspannung und Lebensfreude. Denk nur mal an diese Szene im letzten Liebesfilm. Wie fühlt sich das an? Über unsere Spiegelneuronen können wir das Fühlen. Fühlt sich so dein Leben und deine Beziehungen an?

Es geht hier nicht um Schuld. Das möchte ich ganz klar sagen. Es geht um Verstehen, Ursache und Wirkung und darum, die Verantwortung für die eigenen Gefühle zu übernehmen und ohne Scham Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Wir alle brauchen sie und unsere gesellschaftlichen Strukturen mit Kleinfamilien bieten sie nicht mehr im ausreichenden Maß.

Die intensiven Gefühle von „Ich muss noch mehr leisten.“ ; „Ich bin nicht richtig.“ ; „Ich brauche Schutz und Sicherheit.“ sind lösbar, wenn wir ins Fühlen kommen und Raum schaffen für emotionale Verletzungen und Erlebnisse.

Dann heilt diese Wunde und ein Gefühl von Sicherheit und Selbstvertrauen kann entstehen.

Entwicklungstrauma, Allergien und Unverträglichkeiten (Intoleranzen)

Physiologisch bedeutet eine traumatische Erfahrung eine Aktivierung des sympathischen Nervensystems und damit auch eine Aktivierung des angeborenen Immunsystems zur schnellen Bekämpfung sämtlicher Gefahren in Form von Pathogenen (Bakterien, Viren) und Fremdeiweißen. Es wird alles registriert und an das erworbene Immunsystem weiter gegeben. Die Zellen des erworbenen Immunsystems speichern die Informationen über die Eindringlinge ab und sind in Zukunft darauf programmiert diese mit einer Immunreaktion zu bekämpfen.

Die Entstehung einer Allergie ist damit mehr oder weniger Zufall. In ihrer Symbolik, das heißt, welches Allergen abgespeichert wird, deutet sie aber oft auf das Ursprungserlebnis und -thema hin.

Nahrung in all seinen Formen kann als Symbol des mütterlichen Prinzips, der Liebe und Selbstliebe begriffen werden. Wer gelernt hat, dass er so, wie er ist, nicht geliebt wird, sondern sich unterordnen muss, verbindet mit Liebe nichts Gutes, sondern eher ein Gefühl von Angst oder verliert sogar gänzlich das Gefühl für den eigenen Körper. Das eigene emotionale Erleben wird abgespalten, weil es Gefahr bedeutet.

Die Erfahrung selbst wird in den allermeisten Fällen aus dem Bewusstsein gelöscht, um weiter leben zu können. Sie verbleibt aber als Information im Emotionalkörper, der all unsere Lebenserfahrungen abspeichert. Es bedarf oft etwas Arbeit mit dem Unbewussten, um an die Erinnerung heran zu kommen. In vielen Fällen gelingt das und hilft Betroffenen das Geschehen im eigenen Körper zu verstehen.

Für die Verarbeitung und Auflösung der Allergie ist es allerdings nicht unbedingt nötig. Es reicht das Unbewusste, also das Nervensystem, davon zu überzeugen, dass es hier einen Fehler gemacht hat. Das kann durch zahlreiche Therapieverfahren ermöglicht werden, die eine Veränderung im Unbewussten, im Nervensystem, im Denken und Handeln, im Erleben von Selbstwirksamkeit und Selbstsicherheit bewirken.

Das Gefühl von Selbstwirksamkeit und Sicherheit

Sicherheit kann heute oft nicht mehr im Außen erlebt werden, sondern muss mehr denn je im Inneren gefunden werden. Um glücklich und gesund zu sein, braucht es die innere Überzeugung dem Leben gewachsen zu sein, Konflikte lösen zu können und auch dann, wenn alle sozialen Kontakte wegfallen, Überleben zu können.

Dahinter steht die Frage, wie du selbst mit ständigen Veränderungen im Außen umgehst und ob du dich in der Lage fühlst, allen Herausforderungen des Lebens zu begegnen, deine Bedürfnisse zu artikulieren und durchzusetzen. Das Leben ist heute mehr noch als bei unseren Eltern und Großeltern ständige Veränderung, nicht immer zum positiven. Wer in der Angst lebt das Leben nicht bewältigen zu können, erlebt chronischen Stress und fortschreitende Krankheit. Er verliert sich in Kompensationsmechanismen, um die eigene Hilflosigkeit und Angst nicht zu fühlen.

Allergien bleiben länger und entstehen auch später noch

Vor einigen Jahren war man in der Medizin der Ansicht, dass ca. ab dem vierzigsten Lebensjahr Allergien weniger werden. Aus meiner Sicht hing das insbesondere damit zusammen, dass Menschen in diesem Alter eine gewisse Selbstwirksamkeit und Selbstbewusstsein durch das Erlangen von Status und wirtschaftlicher Sicherheit erlangt haben.

Das ist heute nicht mehr so. Andere wirtschaftliche Umstände, Unsicherheiten, stetige Veränderungen in den Rahmenbedingungen, mehr Druck, aber auch die lauter werdenden Sinnfragen in der Gesellschaft führen dazu, dass das Gefühl von die Selbstwirksamkeit und Sicherheit auch in späteren Lebensjahren verloren gehen kann oder nie hergestellt wird.

Viele meiner Kursteilnehmer und Klienten sind bereits in ihren Fünfzigern, Sechzigern und auch Siebzigern und haben teilweise erst seit dem Auszug der Kinder mit Allergien und Unverträglichkeiten zu kämpfen. Trennung und Abschied von dem, was als Lebensaufgabe begriffen wurde, kann traumatische Folgen haben und Sinnkrisen auslösen, die zu Ängsten und Depressionen führen können. Auch das therapeutische Aufdecken von Kindheitstraumata kann dazu führen.

Ziel jeder ganzheitlichen Therapie muss es zum einen sein, ein Gefühl von Sicherheit, Urvertrauen und Selbstwirksamkeit im Leben herzustellen, um den Cortisolspiegel, also das Stresslevel, zu senken und die Entstehung weiterer Allergien und Unverträglichkeiten zu verhindern.

Im weiteren ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Angst vor dem Leben, dem Gefühl „nicht richtig zu sein“ und dem Erarbeiten eines guten Gefühls von Selbstwirksamkeit und Macht über das eigene Leben sehr hilfreich, um den Körper zur Ruhe zu bringen.

Das schafft nicht nur ein Nachlassen der körperlichen Beschwerden, sondern auch mehr Freiheit das eigene Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten, die eigenen Grenzen zu erweitern und Erfolgserlebnisse zu schaffen, die zu einem glücklichen Leben wesentlich beitragen.

Den ersten Schritt kannst du jederzeit machen indem du beginnst ehrlich zu dir selbst zu sein und dein Erleben im Innen ernst zu nehmen, dein Denken und Handeln zu reflektieren und dort Hilfe in Anspruch zu nehmen, wo du feststellst, dass es ein neues Fühlen, Denken und Handeln braucht, damit du deine eigenen Bedürfnisse durchsetzen kannst und ein Leben führen kannst, in dem du dich wohlfühlen kannst.

Hypnose und Meditation als EIN Weg der Persönlichkeitsentwicklung

Eine äußerst wirksame Möglichkeit vergangene Erfahrungen so zu verarbeiten, dass sie sich in deinem Leben nicht weiter negativ auswirken, ist die Hypnose und Meditation. Beides ist EIN Weg, die Glaubenssysteme zu verändern, die sich in deinem Unbewussten aufgrund deiner Lebenserfahrungen etabliert haben.

Ich arbeite seit vielen Jahren damit und konnte die Wirksamkeit bei vielen Herausforderungen in meinem Leben immer wieder feststellen. Aus diesem Grund habe ich eine Reihe von Hypnosen und Meditationen entwickelt, die dir dabei helfen können, deine Vergangenheit anders, besser zu verarbeiten, die emotionale Ladung dahinter zu entkoppeln und dich von den engen Grenzen zu befreien, die die Erfahrungen deines Lebens in dir zurück gelassen haben mögen.

Hier kannst du mehr über die Hypnosen und Meditationen erfahren ››

 

Literaturhinweise

Ruppert, Franz; Mein Körper, mein Trauma, mein Ich: Anliegen aufstellen – aus der Traumabiografie aussteigen, 2017

Ruppert, Franz; Symbiose und Autonomie: Symbiosetrauma und Liebe jenseits von Verstrickungen (Leben lernen 234), 2017

von Bessel van der Kolk, Sean Pratt, et al.;  The Body Keeps the Score: Mind, Brain and Body in the Transformation of Trauma, 2015

Maté, Gabor; When the Body Says No: The Cost of Hidden Stress, 2019

 

Bildquelle: S. Hermann & F. Richter, Pixabay