Zucker ist die Grundlage des Lebens. So abwegig das im ersten Augenblick vielleicht klingt, aber der menschliche Körper enthält eine ganze Menge davon.

Fraglich ist jedoch, ob wir Zucker in der Form, die den meisten von uns geläufig ist, wirklich über die Nahrung zuführen müssen. Denn der weiße, süße Stoff, den wir uns oft unbedacht in den Kaffee rühren, hat neben seinen Kalorien noch jede Menge mehr zu bieten.

Liefert Zucker leere Energie?

Wahrscheinlich wäre Zucker für unsere Vorfahren ein Segen gewesen: Gerade gegessen und der Körper ist schnell mit Energie versorgt, um zu jagen, zu rennen oder den Weg nach Hause zu schaffen. In vielen indigenen Völkern gilt Honig deshalb auch heute noch als beliebtes Nahrungsmittel.

Für uns Europäer hingegen ist Zucker wohl weniger ein Segen, denn Energie haben wir genug – viel mehr als wir brauchen. Zudem versorgt Zucker unseren Körper nicht einmal mit ein paar überlebenswichtigen Stoffen. Der industriell verarbeitete, weiße Haushaltszucker enthält nichts außer einfachen Kohlenhydraten und damit auch eine sehr hohe Energiedichte. Die Bezeichnung „leere Energie“ oder „leere Kalorien“ passt also sehr gut.

In natürlicher Form ist Zucker im Zuckerrohr oder der Rübe in Vitaminen, Mineralstoffen, Ballaststoffen und anderen pflanzlichen Inhaltsstoffen eingebettet. Würden wir heute noch Zuckerrohr kauen, wie die Sklaven im 19.Jhd. auf den Plantagen, wäre das kein größeres Problem, doch nach dem langen Weg in unsere Küche ist davon nichts übrig. Stattdessen essen wir die Essenz der Pflanze.

Bei den naturbelasseneren Varianten sieht es besser aus: Vollrohrzucker, Muskovade (unraffinierter, brauner Zucker), Ahornsirup, Agavensirup und ähnliche Produkte enthalten immerhin noch ein paar Vitamine und Mineralstoffe. Eine viel bessere Alternative zu Haushaltszucker sind sie deshalb aber nicht, denn sie bestehen trotzdem zum größten Teil aus Zucker.

Ist Zucker ein Glücklichmacher?

Warum essen wir also überhaupt Zucker? Dafür gibt es mehrere Gründe, die sich auf unsere Psyche, die heutige Zeit und unsere Biologie zurückführen lassen:

Genuss

Die meisten Nahrungsmittel, die viel Zucker enthalten, schmecken meistens auch lecker. Eine Präferenz für Süßes liegt uns übrigens in den Genen, denn süß bedeutet in der Natur, dass die Nahrung ungiftig und energiereich ist. Die Präferenz für Süßes ist bereits beim Fötus vorhanden, nimmt aber mit dem Alter ab. Auch die Muttermilch – unsere erste Nahrung – ist süßlich.

Zeitmangel, Faulheit und großer Hunger

Wenn es schnell gehen muss, ist der Griff zum Schokoriegel nicht schwer – wir müssen ihn nicht zubereiten, er ist schnell gegessen und macht uns vorerst ganz gut satt.

Zucker wirkt auf unser Belohnungssystem

Dieses Problem entsteht schon früh in unserer Kindheit: „Die süße Nachspeise bekommst du erst, wenn du das Gemüse gegessen hast.“, „Wenn du aufgeräumt hast, bekommst du ein Bonbon.“ – Süßigkeiten bekommen eine positive Wertung. Das ist heute noch viel schlimmer als in unserer Kindheit. Überall werden Kinder mit Süßwaren überflutet, die tolle Formen und Farben haben oder auf denen die Charaktere aus ihrem Lieblingsfilm abgebildet sind.

Wenn wir dann erwachsen sind, ist das bereits in unserem Verhalten und unseren Gefühlen fest verankert. Süße Leckereien sind die Lösung für vieles: Die Belohnung für eine gelöste Aufgabe, die Entschädigung für einen stressigen Tag oder die verlässliche Zuflucht aus negativen Gefühlen.

Zucker erhöht die Konzentration des Glückshormons Serotonin in unserem Gehirn und sorgt dafür, dass das Gehirn Dopamin ausschüttet. Damit hat es eine ähnliche Wirkung wie Drogen.

Wie können wir bei diesen Voraussetzungen dem Zucker überhaupt noch widerstehen?

Das ist sicherlich nicht einfach, aber vor allem für unsere Gesundheit, wert es zu versuchen. Denn mit regelmäßigem Verzehr von Zucker in höheren Dosen schaden wir auf lange Sicht unserem Körper. Übrigens hat die WHO das genau definiert: 9 Teelöffel Zucker am Tag sind „erlaubt“.

Ist Zucker Gift?

Dass Zucker die Zähne schädigt, weiß wohl jeder. Das ist jedoch nur eine der kaum zählbaren negativen Auswirkungen, die Zucker auf unseren Körper hat. Schauen wir uns ein paar wichtige einmal genauer an:

Schwächung des Immunsystems

Unsere Darmflora ist ein sehr wichtiger Teil unseres Immunsystems. Sie besteht aus einer Vielzahl von Bakterien. Darunter sind einerseits gute Bakterien, die unsere Gesundheit fördern, andererseits aber auch schlechte Bakterien, die uns krank machen können. Wie die Darmflora sich entwickelt und welche Bakterien sich vermehren, liegt bei uns, denn wir füttern sie täglich mit dem, was wir essen.

„Schlechte“ Bakterien und Pilze lieben Zucker. Je mehr Zucker wir essen, desto besser können sich diese Bakterien in unserem Darm vermehren. Außerdem sinkt dadurch der Anteil der guten Bakterien, die wichtig für ein starkes Immunsystem sind. Die Folgen sind Infektanfälligkeit, Unwohlsein, Schwäche, Durchfall und vieles mehr.

Was können wir nun tun? Zum einen können wir versuchen, möglichst wenig Zucker zu essen. Zum anderen können wir unsere guten Bakterien ebenfalls füttern, und zwar mit Ballaststoffen. Diese werden im Darm von den Bakterien fermentiert und dienen ihnen als Nahrung.

Zucker fördert Entzündungen

Entzündungen sind die Reaktion unseres Körpers auf kleine Fehler in unserem Stoffwechsel. Äußere Folgen sind zum Beispiel unreine Haut, die Verschlechterung einer Neurodermitis oder schlecht heilende Wunden. Schlimmer sind die inneren Folgen, zum Beispiel chronische Entzündungen, die sich im inneren des Körpers abspielen und die durch stetige Zufuhr von Glucose verschlimmert werden. Die Forschung der letzten Jahre deutet darauf hin, dass dieses Entzündungsgeschehen auch einen Einfluss auf unsere Stimmung hat. Es gibt beispielsweise immer mehr Studien, die untersuchen, ob auch Depressionen mit diesem Entzündungsgeschehen in unserem Körper zu tun haben.

Krebs

Inwieweit Zucker zur Krebsentstehung beiträgt, ist noch unklar. Gewiss ist aber, dass der Verzehr von Zucker das Wachstum von Krebs fördert, denn die Tumorzellen ernähren sich von dem süßen Stoff.

Heißhunger

Reiner Zucker oder Nahrungsmittel, die hauptsächlich aus Zucker bestehen (und kaum Fett oder komplexe Kohlenhydrate enthalten), führen schnell zu einem sehr hohen Blutzuckerspiegel, der wiederum die erhöhte Ausschüttung von Insulin verursacht. Das viele Insulin sorgt dafür, dass der Zucker schnell in die Zellen transportiert wird und der Blutzuckerspiegel absinkt. Dabei fällt der Blutzucker innerhalb kurzer Zeit so stark ab, dass wir Heißhunger bekommen. Jetzt will unserer Körper Energie, die er möglichst schnell aufnehmen kann: Zucker. So sind wir in einem Teufelskreis gefangen und kommen von einer Heißhungerattacke in die nächste.

Störung des Insulinhaushaltes

Je mehr Zucker wir essen, desto mehr Insulin muss unser Körper produzieren und ausschütten. Das kann – neben anderen möglichen Ursachen – irgendwann zu einer Insulinresistenz und schließlich zu Diabetes Typ 2 beitragen. Diese Krankheit ist sehr ernst zu nehmen, denn sie zerstört langsam unseren Körper und erhöht das Risiko für andere Krankheiten. (Zu viel Zucker ist nicht immer der Grund für Diabetes, aber nach aktuellem Stand der Wissenschaft ein möglicher Verursacher für Diabetes Typ 2.)

Fazit

Im Duden steht: „Gift ist ein in der Natur vorkommender oder künstlich hergestellter Stoff, der nach Eindringen in den Organismus eines Lebewesens eine schädliche, zerstörende, tödliche Wirkung hat.“

Mit dem Konsum von Zucker fördern wir Vorgänge in unserem Körper, die unsere Gesundheit schädigen. Darüber, ob diese Wirkung nun als giftig bezeichnet werden kann, können wir uns sicherlich streiten. Weit davon entfernt ist sie jedoch sicherlich nicht.

Für unsere Gesundheit hat Zucker sehr viele Nachteile. Das, was uns Zucker gibt, ist wohl in erster Linie seine kurzzeitige, direkte Wirkung auf unser Wohlbefinden: Er befriedigt schnell unser Bedürfnis nach Energie, macht uns glücklich und schmeckt lecker.

Aber ist dieser Genuss es wert, unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden auf Dauer zu gefährden oder gibt es nicht genügend andere Dinge in unserem Leben, die uns glücklich machen und die zudem vielleicht sogar noch gesund sind?

Wie siehst du das? Verzichtest du auf Zucker, nutzt du Alternatven oder ist dir das alles schnuppe?