Protein triggert Insulin

Dass Kohlenhydrate eine Insulinantwort provozieren, ist ja mittlerweile kein Geheimnis mehr. Wenige wissen jedoch, dass auch Aminosäuren, also die Bausteine aus denen Proteine aufgebaut sind, ebenfalls Insulinsekretion triggern. Je fettärmer und „reiner“ das Protein, umso größer der Insulinausstoß. Insulin ist wichtig um die Aminosäuren in die Zellen aufnehmen zu können. Interessanterweise wird auch gleichzeitig der Gegenspieler von Insulin, Glucagon, aktiviert. Glucagon aktiviert den Prozess der Gluconeogenese, also die Neubildung von Glucose, in der Leber. Somit kann trotz Insulin, der Blutzucker stabil gehalten werden.

Menschen mit Typ-2 Diabetes oder eingeschränkter Insulinsensibilität kann diese Eigenschaft von Protein zu schaffen machen. Diese Menschen reagieren auch auf Protein mit einem wesentlich stärkeren Insulinausstoß, was im Gegenzug den Blutzucker stark abfallen lässt[1]. Warum ist das gerade am in der Nacht ein Problem? Hypoglykämie, also Unterzucker, löst die Ausschüttung von Cortisol aus. Cortisol ist ein Stresshormon. Die Anwesenheit von Cortisol weckt uns auf und stimuliert die Neubildung von Glucose in der Leber. Wer also des Öfteren mitten in der Nacht aufwacht und hell wach ist, sollte mal darauf achten, was er oder sie am Abend gegessen hat.

Das passiert eigentlich nur, wenn man wirklich größere Mengen an Protein auf einmal zu sich nimmt.  Essen wir Protein zusammen mit der natürlichen „Fettverpackung“, wird einerseits die Absorption der Aminosäuren verlangsamt, andererseits ist die Proteinportion dadurch maßvoll und der Insulinausstoß entsprechend gering.

Größere Mengen Protein, wirken stimulierend

In den 1990er Jahren entdeckten Forscher einen, bis dahin unbekannten Neurotransmitter. Dieser Neurotransmitter wird als Orexin oder Hypocretin bezeichnet. Orexin ist ein stimulierender Neurotransmitter, der wohl maßgeblich am Schlaf-Wach Zyklus beteiligt ist. Wir wissen, dass große Mengen Protein, die Ausschüttung von Orexin stimulieren[2], was sich natürlich negativ auf den Schlaf auswirken würde.

Proteinversorgung auch in der Nacht wichtig

Denn, auch wenn es nach außen hin nicht den Eindruck macht, aber während wir schlafen, ist unser Körper ganz schön beschäftigt. In der Nacht finden wichtige Reparaturvorgänge statt. Wir benötigen Protein um Muskulatur aufzubauen und für ein funktionierendes Immunsystem. Darum ist es wichtig, dem Körper ausreichend Rohmaterial zur Verfügung zu stellen.

Darum sind 1-2 Esslöffel hydrolisiertes Kollagen oder ein natürliches, nicht denaturiertes Molkeprotein vor dem Schlafengehen empfehlenswert.

Das sind vielleicht 10-15 g Protein, in leicht absorbierbarer Form. Diese Menge wirkt sich nicht dramatisch auf das Insulin aus und liefert gleichzeitig „Baumaterialien“ für  notwenige Reparaturprozesse. Gerade in Zeiten größerer Belastung, sei es durch Sport oder Arbeit, kann eine solche kleine Eiweissdosis, vor dem Schlafen gehen, zur optimalen Regeneration beitragen.

Fazit

Auch was Protein betrifft, gibt es ein „zu viel des Guten“. Wer also große Mengen fettarmer Proteinquellen zu sich nimmt, sollte dies vielleicht überdenken, besonders wenn es um das Abendessen geht. Das Gute ist: wer nach evolutionärem Vorbild isst, läuft kaum Gefahr zu viel Protein auf einmal zu sich zu nehmen. Der Fokus auf fettreiche Teile vom Tier, Innereien und Bindegewebe sowie große Mengen an Gemüse, verhindern automatisch, dass zu viel Protein auf einmal aufgenommen werden kann.


Referenzen

[1] Nuttall, Frank Q., and Mary C. Gannon. „Metabolic response of people with type 2 diabetes to a high protein diet.“ Nutr Metab (Lond) 1.1 (2004): 6.

[2] Karnani, Mahesh M., et al. „Activation of central orexin/hypocretin neurons by dietary amino acids.“ Neuron 72.4 (2011): 616-629.