Zucker ist immer wieder ein viel diskutiertes Thema, wenn es um Übergewicht geht. Wir alle wissen, dass Zucker nicht gut für uns ist, aber so richtig gelingt es nur wenigen das süße Gift aufzugeben. Kein Wunder: Zucker liefert schnell viel Energie, holt dich aus jedem Nachmittags-Tief (in dem du nur bist, weil du Zucker isst) und er macht über eine erhöhte Dopamin-Ausschüttung im Gehirn auch glücklich und zufrieden. Natürlich ist es schwer, davon los zu kommen. Aber Zucker macht leider noch so viel mehr, als nur glücklich. Zum Beispiel in unserem Darm.

Sensibles Ökosystem Darm

Unser Darm ist das Zuhause für mehr als eine Billion Bakterien. Die Organismen, die in und auf uns leben, machen zusammen mehr als 10 Mal so viel aus, wie wir menschliche Zellen haben. Das Genom der Bakterien übersteigt unser eigenes um das 150-fache. Und das hat eine Auswirkung auf unseren Körper.

Der Großteil dieser Bakterien lebt in unserem Darm, der einer der komplexesten Ökosysteme auf unserem Planeten ist. Ist es intakt, geht es uns gut. Ist es gestört, spüren wir die Auswirkungen auf unsere Gesundheit oft an vielen Stellen in unserem Körper.

In unserem Darm lebt eine Vielzahl von „guten“ und „schlechten“ Bakterien, um es vereinfacht auszudrücken. Eine Studie der Universität Shenzhen in China hat die Bakterienwelt von 124 Europäern untersucht und folgende Liste der 57 häufigsten Bakterienspezies ermittelt [0]. Interessant ist, dass die von uns viel gelobten Bifido-, sprich Milchsäurebakterien in dieser Liste überhaupt nicht vorkommen. Unser Mikrobiom ist also viel mehr als das, was wir aus Sauerkraut und Joghurt zu uns nehmen können.

Darmbakterien_Spezies

Eine Störung dieses sensiblen Ökosystems wird in der Forschung schon seit mehr als 100 Jahren mit den verschiedensten Erkrankungen in Verbindung gebracht. Von Verdauungsbeschwerden und Durchfall bis hin zu Reizdarm, Reflux, Allergien, Autoimmunerkrankungen, Diabetes, Depressionen, Übergewicht, Leberzirrhose, Autismus und ADHS [1].

Zucker und unser Mikrobiom

Neben Stress, Alkohol, Chemikalien und Medikamenten hat vor allem Zucker eine wesentliche Auswirkung auf die Zusammensetzung unseres Mikrobioms. Vereinfacht ausgedrückt bieten Zucker, raffinierte Kohlenhydrate aus Weißmehl und industrielle Fertiglebensmittel ein „all-you-can-eat“ Buffet für die „schlechten“ Bakterien, Pilze und Hefen in unserem Darm. Bei einem gesunden Menschen mit natürlicher Ernährung werden diese durch die „guten“ Bakterien in Schach gehalten werden.

Das Mikrobiom der Menschen in den verschiedenen Ländern dieser Welt spiegelt auch ihre Ernährungsgewohnheiten wieder. So haben afrikanische Kinder zum Beispiel weniger Bakterien aus dem Stamm der Firmicuten; Menschen im ländlichen Russland aber sehr viel davon. Auch in Amerika sind Bakterien aus dem Stamm der Firmicuten stärker ausgeprägt. Sie werden mit einer Ernährung reich an Weißmehl und arm an Ballaststoffen in Verbindung gebracht und scheinen nach aktuellem Wissenstand auch unser Gewicht zu beeinflussen.

Förderung von Mykosen (Pilzbefall)

Ein noch größeres Problem sind aber Pilze und Hefen, die unter einer zuckerreichen Ernährung florieren. Insbesondere Candida albicans, der übrigens in und auf jedem von uns lebt, kann so einiges an Problemen verursachen. Eine übermäßige Candida albicans Population im Darm kann nicht nur einen durchlässigen Darm begünstigen, sondern begünstigt auch die Ausbreitung des Pilzes an anderen Stellen im Körper. Nagelpilz, Scheidenpilz, oraler Pilzbefall und Ekzeme, die immer wieder kommen, können die Folge sein.

vollkornbrot-penny

Das Problem ist, dass es ein immer wehrender Kreislauf ist, wenn man einen Faktor nicht beseitigt, sprich aushungert, d.h. vollständig auf Zucker verzichtet.

„Eine zuckerreiche Kost, die arm an Ballaststoffen ist, fördert direkt und massiv Mykosen (Pilzinfektionen) des Verdauungstraktes, da sie den Sproßpilzen zum einen den idealen Energielieferanten beschert. Zum anderen verlängert die ballaststoffarme Kost das Verbleiben der Speisen im Darm und setzt den mechanischen Abrieb an der Darmwand herab, der die Pilzfäden sonst beeinträchtigt.“ – Prof. Dr. Siegfried Nolting [2]

Vor allem bei einer ausgeprägten Besiedlung mit Candida ist das gar nicht so einfach, denn der Pilz verlangt wörtlich genommen Zucker und schnell zu verarbeitende Kohlenhydrate. Der „Zwang“ diese Dinge zu essen wird durch eine massive Ausbreitung des Pilzes und der Verdrängung antagonistischer (entgegen wirkender) Stämme ungleich erhöht.

Es reicht hier übrigens nicht zu wissen, dass Zucker nicht gut für dich ist, sondern es sollte für einen Zeitraum von einigen Wochen wirklich zu 100% darauf verzichtet werden. Auch auf den zugesetzten Zucker, den wir heute in den meisten Fertiglebensmitteln von Ketchup über Fruchtjoghurt bis hin zu „Vollkornbrot“ (siehe Foto) finden. Ein genaues Lesen und Verstehen der Zutatenlisten und Nährwertangaben ist unerlässlich, wenn es gelingen soll. (Ich kann dir sagen, dass du nach 2 Wochen intensivem Studiums der Zutatenlisten beim Einkaufen die Nase voll haben wirst, weil Zucker einfach überall drin ist. Die Konsequenz ist die ausschließliche Verwendung frischer Lebensmittel und Gewürze.)

Fazit

Eine zucker- und weißmehlreiche Ernährung mit wenigen Ballaststoffen fördert die Fehlbesiedlung des Verdauungstraktes vom Mund bis zum Darmausgang, aber auch anderer Organe, wie der Haut und dem Uro-Genitaltrakt. Insbesondere Hefen und Pilze vermehren sich in diesem Milieu übermäßig und können zu gesundheitlichen Beschwerden führen. Eine natürliche Ernährung, basierend auf unverarbeiteten Lebensmitteln kann die medikamentöse Pilztherapie begleiten und mittelfristig eine erneute Infektion verhindern.

Mit einer vitalstoffreichen Ernährung gelingt der Entzug. Wie du diese Schritt für Schritt im Alltag umsetzen kannst, lernst du zum Beispiel in unserem E-Mail-Coaching.


Referenzen

[0]     Qin J et al. A human gut microbial gene catalogue established by metagenomic sequencing. Nature. 2010 Mar 4;464(7285):59-65.

[1]      J. Chen, X. He, and J. Huang, “Diet effects in gut microbiome and obesity.,” J. Food Sci., vol. 79, no. 4, pp. R442–51, Apr. 2014.

[2]      S. Prof. Dr. Nolting, Mykosen des Verdauungstraktes, 2. Auflage. Hamburg: medizinisch-wissenschaftlicher Mediendienst Dr. Bernd Guzek, 1995.