Vor einigen Tagen bin ich in einem Blog über einen Kommentar zum Thema alternative Heilmethoden bei Depressionen gestolpert. Die Kommentatorin mochte Medikamente nicht in den Himmel heben, sah aber das Potential von Ernährung und Sport bei Depressionen als sehr limitiert an, vor allem in schweren Fällen. Als ich den Kommentar las, fiel mir eine Studie ein, die ich vor einigen Wochen gefunden hatte und die mich zu dem Zeitpunkt in ihrer formulierten Konsequenz einigermaßen irritierte.

Als Ernährungsberaterin und Betroffene weiß ich, dass Ernährung und vor allem unentdeckte Allergien und Unverträglichkeiten das Blatt der psychischen Erkrankungen komplett wenden können. Findet man das Allergen und meidet es, wird man in wenigen Tagen symptomfrei.

Ein anderes Thema ist Sport. Sport ist für die meisten Menschen erstmal nichts, was sie mit großer Freude und Verve betreiben. Für viele von uns ist es ein notwendiges Übel zu dem man sich einigermaßen überwinden muss. Zumindest am Anfang. Bis der Zeitpunkt erreicht ist, an dem man sich an den eigenen Erfolgen erfreut und es nicht alles ein einziger Quälkram ist, vergehen schon ein paar Wochen.

Das ist in der Regel nichts, was man im Zustand der Depression gut schafft. Aber: Sport hilft. Und das ist wissenschaftlich erwiesen. Ich halte es deshalb für essenziell das Thema ins Auge zu fassen, wenn man langfristig von der Depression genesen will.

Sport für Depressionen: der Cochran Review

Seit mehreren Jahren betreibt die Cochrane Library Forschung im Sinne der evidenzbasierten Medizin. Über sich selbst schreibt das Netzwerk: „Cochrane, [ist] ein internationales Netzwerk von Wissenschaftlern und Ärzten, das sich an den Grundsätzen der evidenzbasierten Medizin orientiert. Das zentrale Ziel ist die Verbesserung der wissenschaftlichen Grundlagen für Entscheidungen im Gesundheitssystem.“ [1]

Cochrane macht es sich also zur Aufgabe qualitativ hochwertige Studien zu finden, zu untersuchen und schlussendlich Ableitungen als Anhaltspunkte für die Praxis zu treffen. Im Jahr 2010 publizierte das Netzwerk erstmals eine Untersuchung zum Thema Sport bei Depressionen, die sie mit der aktuellen Untersuchung aus dem Jahr 2013 ergänzte.

In den Review des Cochrane Teams schafften es 39 randomisierte, kontrollierte Studien mit 2.236 Teilnehmern, die sowohl über 18 Jahre alt, als auch mit einer Depression diagnostiziert waren [2]. Die durchgeführte Aktivität musste gewisse Kriterien erfüllen, um als „körperliche Bewegung“ zu gelten. Die Bewegungsarten lassen sich im Wesentlichen in Laufen (Outdoor/Laufband) und aerobe Übungen unterteilen, zwei Studien nutzten auch Kraft-Ausdauer-Training und Dehnübungen. Die Dauer der Studien reichte von 10 Wochen bis 8 Monate.

Das Team sortierte die Studien nun nach vier Untersuchungsgruppen, die Sport jeweils mit keiner oder einer anderen gängigen Behandlungsmethode verglichen.

  1. Körperliche Bewegung im Vergleich zu keiner Therapie
  2. Körperliche Bewegung im Vergleich zu psychologischer Therapie
  3. Körperliche Bewegung im Vergleich zu Tageslichttherapie
  4. Körperliche Bewegung im Vergleich zu medikamentöser Behandlung

Schlussendlich kommen die Forscher zu dem Schluss, dass Sport einen moderaten Effekt auf Depressionen haben kann, sie aber keine Daten darüber haben, ob der Effekt nach Beendigung des Sportprogramms anhält.

Den markantesten Satz fand ich aber am Ende der Praxisempfehlungen. Er lautet: „The evidence also suggests that exercise may be as effective as psychological or pharmacological treatments.“

Die Evidenz legt nahe, dass Sport genauso effektiv ist, wie die Kognitionstherapie oder medikamentöse Therapien.

Um das zu bestätigen, brauchen wir selbstverständlich noch viele hundert mehr Studien, aber letztlich ist die Aussage klar: Bewegung hilft. Und zwar nicht ein bisschen, sondern genauso gut wie Medikamente.

Solange es also möglich ist, sich trotz der Depression zu überwinden, ist Sport immer eine gute Option. Eventuell mit Unterstützung von Aminosäuren und Vitaminen.

Die Konsequenz, die mich übrigens irritierte, war die Zusammenfassung in der Zusammenfassung der Studie: Bewegung ist nicht effektiver als Medikamente.

Nun ja, da Bewegung genauso effektiv ist, würde mir eventuell eine andere Formulierung einfallen, denn man kann guten Gewissens sagen, dass Sport als Therapie bei Depressionen zur evidenzbasierten Medizin gehört.


Referenzen

[1] Cochrane Deutschland, Webseite auf http://www.cochrane.de/de [accessed: 25-10-2016]

[2] Cooney GM, Dwan K, Greig CA, Lawlor DA, Rimer J, Waugh FR, et al. Exercise for depression. Cochrane database Syst Rev [Internet]. 2013 [cited 2016 Aug 16];(9):CD004366. Available from: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24026850