Letzte Woche habe ich darüber geschrieben, dass ich vermute, dass die Sucht nach Social Media, die wir in unserer Gesellschaft beobachten können, etwas mit der Flucht vor uns selbst zu tun haben könnte. Mit der Flucht vor dem Chaos in uns und den schmerzhaften Emotionen, die uns bei genauerem Hinsehen begegnen könnten.

Die Frage nach dem Umgang mit negativen oder vielmehr stressigen Emotionen beschäftigt mich nun schon einige Jahre. Wir alle haben sie ständig. Wir sind wütend auf den Chef, auf unsere Kollegen, Partner, Kinder. Wir sind unzufrieden mit dem, wie unser Leben läuft, mit unserer Figur, unseren Süchten, unseren verfehlten Zielen und machen uns Sorgen über Gott und die Welt. Das Thema bewegt mich, weil unsere Gefühle das sind, was uns zum Handeln motiviert, wie wir essen, ob wir Sport treiben, wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen.

Die Art und Weise, wie wir handeln und was wir tun, wird dadurch bestimmt, wie wir uns fühlen wollen.

Seit einigen Jahren lese ich zu diesem Thema, habe viel ausprobiert und manchmal sogar geglaubt verstanden zu haben. Aber das Gefühl, das ich haben wollte, hat sich nie eingestellt. Meine Gedanken erzeugen meine Gefühle. Soweit so gut, aber wie verändere ich meine Gedanken wirklich nachhaltig?

In der letzten Woche habe ich mir deshalb eine Woche Auszeit verordnet. Urlaub mit mir allein, um herauszufinden, wo der Schuh drückt und was ich tun kann. Ich bin gern allein, aber so richtig wohl habe ich mich dabei nie gefühlt, wenn es länger als ein paar Stunden oder Tage waren. Ich wollte herausfinden, was das ist, was mich so unruhig macht, wenn ich Zeit mit mir allein verbringen muss. Also rein in die Angst, rein in das Unbequeme um ihm in die hässliche Fratze zu starren. Das soll ja helfen.

Eine Woche mit mir allein sein: kann ich das?

Mein ursprünglicher Plan war, die Zeit zu nutzen, um mit dem inneren Kind zu arbeiten. Ich habe das Arbeitsbuch von Stefanie Stahl zur Arbeit mit dem inneren Kind eingepackt und wollte sehen, was es so für Probleme hat. Doch dann habe ich es keine Sekunde aufgeschlagen.

Stattdessen habe ich eine Methode wiederentdeckt, die mir zwar seit Jahren bekannt ist, aber für die ich wohl immer zu ängstlich war, sie wirklich zu praktizieren. Es war wohl einfach nicht der richtige Zeitpunkt. Von dieser Methode möchte ich heute gern berichten, weil sie mein Leben innerhalb sehr, sehr kurzer Zeit (eine Stunde?) in ein ganz anderes Licht gerückt hat. Sie hat das Leben vieler anderer Menschen verändert und wird meins nach der Erfahrung in der letzten Woche sicher in Zukunft immer wieder zum Positiven verändern.

Ich bin sicher, dass diese Methode für viele Menschen nützlich ist, weil es dabei nicht darum geht, Antworten im Außen zu finden, sondern im Innen, im eigenen Gedankenkonstrukt und in der eigenen Gefühlswelt. Und wenn wir unsere Gefühlswelt verändern können, dann wird vieles im Leben ganz leicht. Dann hören wir auf uns zu mästen, wir hören auf, unsere Partner, Kollegen und Vorgesetzten für unser Leben verantwortlich zu machen, wir fliegen förmlich zum Sport und wir werden plötzlich ganz weich, zufrieden mit dem, was ist. Ist das nicht ein tolles Versprechen?

„The Work“ von Byron Katie ®

Den Satz „Byron Katie hat mein Leben verändert.“ habe ich in den letzten Jahren nicht nur einmal gehört. Ich habe ihn sogar selbst gesagt, obwohl sie das aus heutiger Sicht noch gar nicht richtig getan hatte. Byron Katie, eine amerikanische Geschäftsfrau, verfiel vor vielen Jahren für zwei Jahre in Depressionen und verlies ihr Zimmer in dieser Zeit kaum. Bis sie eines Tages eine Eingebung hatte. Von da an ging es bergauf und sie entwickelte ihr verändertes Denken zu einer Methode, die sich heute wie ein Lauffeuer verbreitet, weil sie einfach funktioniert. Diese Methode wird „The Work“ genannt.

Bei der Work geht es darum, die eigenen Gedanken und Glaubenssätze, die sich in unserem Leben langsam in unser Unterbewusstsein fressen und uns in unserem Handeln steuern, zu erkennen und zu verändern. Das hat nichts mit Gehirnwäsche zu tun, sondern ist einfach eine bewusste Reflexion unserer Überzeugungen, die wir über uns und unsere Mitmenschen haben. Dafür hat Byron Katie eine Fragetechnik entwickelt, die in der aktiven Schreib-Meditation zu einer Veränderung der Perspektiven führt und unsere inneren Antreiber, unsere stressigen Gedanken damit auflöst. Als solche Technik ist sie ein Interventionsformat des NLP, dem neurolinguistischen Programmieren.

Als ich „The Work“ das erste mal richtig praktiziert habe, hätte ich danach tagelang vor Glück heulen können – und habe es zwischendurch auch mehr als einmal getan. Alles war plötzlich ganz leicht, richtig und perfekt. Sogar das Alleinsein wurde plötzlich ein purer Genuss.

Ich kann also jeden, der emotionale Schmerzen in sich spürt, Stress oder Anspannung, ermuntern sich auf diese Technik wenigstens einmal einzulassen und zu sehen, was passiert.

Vier Fragen und eine Umkehrung

Um „The Work“ zu praktizieren, braucht es zunächst einmal einen stressigen Glaubenssatz in uns. Viele Menschen tragen Dinge mit sich herum, wie „Ich bin nicht gut genug.“, „Mein Partner/Mutter/Vater liebt mich nicht.“, „Mein Kind sollte aufhören dies und jenes zu tun.“ und so weiter. Die meisten von uns sind voll mit solchen und ähnlichen Glaubenssätzen. Am besten eignen sich für diese Übung solche Überzeugungen, die wir über andere haben. Andere Menschen sind ein Spiegel unseres selbst. Wenn du die Methode anwendest, wirst du verstehen warum.

Schreibe dir also deinen Glaubenssatz auf. Du musst ihn wirklich aufschreiben, denn unser Gehirn ist clever. Das Aufschreiben ist wichtig.

Dann wird dieser Glaubenssatz mit den folgenden Fragen reflektiert:

1. Ist das wahr? (Ja oder Nein)

Schließe die Augen und fühle, ob der Glaubenssatz für dich wirklich wahr ist.

2. Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?

Schließe die Augen und fühle, ob das wirklich ganz sicher zu 100% immer wahr ist. Hier kommen meist schon erste Zweifel, dass es zumindest noch eine andere Perspektive auf die Sache geben kann.

3. Wie reagierst du, wenn du diesen Gedanken glaubst?

Schließe die Augen und fühle, wie sich das anfühlt. Bist du angespannt? Spürst du den Stress, den dieser Gedanke in dir auslöst oder bist du entspannt und friedlich? Wo im Körper spürst du den Stress? Lokalisiere ihn möglichst genau. Welche Bilder aus der Vergangenheit tauchen in dir auf, die mit diesem Gedanken in Verbindung stehen? Wie reagierst du, wie reagiert dein Körper?

4. Wer wärst du ohne diesen Gedanken?

Stell dir vor es gäbe diesen Gedanken nicht. Wie wäre dein Leben? Wäre es leichter? Hättest du keine Angst, keinen Stress? Würde dir etwas fehlen?

Und nun kehre den Gedanken um. (Deswegen musst du ihn aufschreiben, damit du genau weißt, wie der Gedanke war. Wir verlieren ihn sonst zu schnell.)

Ein Beispiel: Mögliche Umkehrungen für „Mein Partner liebt mich nicht.“ wären:
a) „Ich liebe mich nicht.“ (Umkehrung zu mir selbst.)
b) „Ich liebe meinen Partner nicht.“ (Umkehrung zum anderen.)
c) „Mein Partner liebt mich.“ (Ins Gegenteil.)

Könnten diese Sätze ebenso wahr sein? Fühle, was jeder einzelne der Sätze in dir auslöst.

Nun suchst du drei konkrete Beispiele aus deinem Leben, wie diese Umkehrungen ebenso wahr sein könnten.

Bist du derjenige, der mit sich selbst nicht im Reinen ist (hallo Spiegel!)? Sind deine Gefühle für deinen Partner vielleicht nicht mehr das, was sie mal waren? Gab es konkrete Situationen, in denen dein Partner dir seine Liebe gezeigt hat? Schreibe zu jeder Umkehrung drei konkrete Situationen aus deinem Leben auf, die zeigen, dass die jeweilige Umkehrung ebenso wahr sein könnte.

Insbesondere, wenn es um unsere Beziehung zu anderen Menschen geht, sind die Anschuldigungen, die wir anderen gegenüber haben deutlich umfangreicher. Wir haben oft nicht nur einen Satz zu klären. Andere sind faul, kritisch, unfair, arrogant, ignorant, desinteressiert und vieles andere mehr, was wir nicht mögen, was aber eigentlich zu uns gehört und mit dem anderen nichts zu tun hat. Der andere ist ok, so wie er/sie ist. Er ist nur ein Spiegel deines eigenen Innenlebens, eine Projektion deiner Gedanken.

Die Übung „Urteile über deinen Nächsten“ hilft dir dabei das aufzulösen. Du kannst dir auf der Webseite von Byron Katie dazu das Arbeitsblatt herunterladen und Schritt für Schritt klären, was du dem anderen vorwirfst und was das Ganze mit dir zu tun hat.

Hier findest du das Arbeitsblatt „Urteile über deinen Nächsten“.

Wer sich wünscht, dass sein Leben einen anderen Weg nimmt, wer weniger Stress mit sich und seinem Umfeld haben will, ist hier wirklich wunderbar aufgehoben. Nimm dir das Arbeitsblatt (und viel weißes Papier), einen Stift, eine halbe Stunde oder Stunde Zeit, mach dir einen Tee, setz dich in die Sonne und denke nach. Du wirst erstaunt sein, was in deinem Inneren passiert und zu entdecken ist.

Ich verspreche dir, dass dein Leben danach ganz, ganz anders aussieht. So leicht war es noch nie.

Buchtipps zum Thema

Und ein wirklich phantastisches und inspirierendes Buch über die angewendete Work im Leben der Schauspielerin, Autorin und The Work Coach Ina Rudolph. Jede Menge „Aha-Momente“ zumindest für Frauen garantiert:

Ich will ja loslassen, doch woran halte ich mich dann fest?
  • Ina Rudolph
  • Herausgeber: Goldmann Verlag
  • Taschenbuch: 256 Seiten