Kohlenhydrate gelten landläufig als DIE Energielieferanten für den Körper. Ohne Kohlenhydrate funktioniert unser Gehirn nicht gut, wir fühlen uns schlapp und ausgelaugt. Kurz: Kohlenhydrate sind essentiell. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt rund 50-60% des kalorischen Tagesbedarfs aus Kohlenhydraten zu decken. Aber ist das wirklich sinnvoll?

Was sind Kohlenhydrate?

Chemisch betrachtet ist es ganz einfach: Kohlenhydrate sind Zucker. Je nach Aufbau und Struktur der Kohlenhydrate teilt man sie in verschiedene Gruppen ein. Ihnen allen ist gemeinsam, dass unser Körper sie soweit zerlegen muss, dass er sie in Form von Glucose für die Energiegewinnung nutzen kann. Dafür sind verschiedene Enzyme in unserem Darm zuständig. Sie zerlegen die Kohlenhydrate in Glucose und sorgen dafür, dass diese Glucose über die Darmschleimhaut in den Blutkreislauf aufgenommen werden kann.

  • Einfache Kohlenhydrate: sie sind leicht verdaulich und unser Körper kann schnell über Energie aus ihnen verfügen. Das heißt, dass die Enzyme so gut wie nichts zu tun haben, sondern die Zucker direkt über die Darmschleimhaut aufgenommen werden können und sie so schnell ins Blut gehen. Zu den einfachen Kohlenhydraten gehört beispielsweise Haushaltszucker, Honig, Fruchtzucker, aber auch raffinierte Getreideprodukte, wie Weißmehl in Toastbrot, Nudeln oder Pizzaboden enthalten vorwiegend einfache Kohlenhydrate.
  • Komplexe Kohlenhydrate: sie sind schwerer verdaulich und unser Körper muss erheblich mehr Energie aufwenden, um die Struktur aufzuspalten. Die Enzyme im Darm brauchen dann eine Weile, bis sie die komplexen Kohlenhydratstrukturen in einfache Glucose zerlegt haben. Dadurch gehen sie langsamer ins Blut. Komplexe Kohlenhydrate finden wir in stärkehaltigem Wurzelgemüse, Kartoffeln, Süßkartoffeln und Vollkornbrot.
  • Ballaststoffe (unverwertbare Kohlenhydrate): sie sind für uns Menschen gar nicht verdaulich, aber für unsere Bakterien im Darm sehr wichtig. Sie werden keineswegs einfach unverdaut wieder ausgeschieden, sondern bilden für unsere Darmflora die Grundlage zur Produktion wichtiger Fettsäuren. Siehe auch: Präbiotika – gesundes Futter für die Darmflora

Was passiert in unserem Körper, wenn wir Kohlenhydrate essen?

Nachdem die Enzyme im Darm die Kohlenhydrate aufgespalten und in Form von Glucose für die Aufnahme durch die Darmschleimhaut bereitgestellt haben, gelangt die Glucose in unseren Blutkreislauf. Der Blutkreislauf transportiert den Zucker dorthin, wo er benötigt wird. Weil der Blutzuckerspiegel immer ein bestimmtes Niveau haben sollte, schüttet unsere Bauchspeicheldrüse Insulin aus. Insulin sorgt dafür, dass unsere Zellen im Gehirn oder in der Muskulatur, den Zucker aus dem Blut aufnehmen können. Es öffnet quasi die Türen zu den Zellen.

Je mehr Zucker, sprich Kohlenhydrate, wir essen, desto fleißiger muss die Insulinproduktion vonstattengehen, denn der Blutzuckerspiegel muss immer auf ein bestimmtes Maß normalisiert werden. Arbeitet unser Körper fleißig, kommt es dann zu einem raschen Abfall des Blutzuckerspiegels. Das ist ein Alarmsignal für unser Gehirn, das dann Hunger meldet. Unser Hirn schlägt Alarm, denn es lebt ja schließlich von Zucker. Ein Teufelskreis beginnt. Denn wirklich brauchen, tun wir den ganzen Zucker keinesfalls. Unser Körper kann durchaus mit weniger zurecht kommen. Auch unser Gehirn. Wir können ihm beibringen seine Energie aus Fett zu beziehen, aber dafür müssen wir den ständigen Zuckernachschub abstellen.

Die ketogene Ernährung und auch die Low Carb-Ernährung ist beispielsweise ein Weg, der diese Fähigkeit unseres Körpers nutzt.

Wenn wir den Körper über seinen Bedarf mit Kohlenhydraten versorgen, dann speichert er sie in den Glykogenspeichern oder alternativ als Fett.

Kohlenhydratspeicher (Glykogenspeicher)

In unserem Körper gibt es eine ganze Reihe von Orten an denen wir Kohlenhydrate speichern können. Die wichtigsten Kohlenhydratspeicher sind die Leber (<150g) und die Muskulatur (<600g je nach Muskelmasse, normal eher <300g).

Sind beide Speicher voll, hat die Natur uns einen dritten Speicher eingebaut: Bauch, Hüften, Oberschenkel und all die anderen Orte, die wir dann gern als Problemzone bezeichnen. Essen wir stetig zu viele Kohlenhydrate, wird die Glucose in Fett umgewandelt und dort gespeichert. Für schlechte Zeiten, versteht sich. Die kommen bei uns aber viel zu selten vor. Stattdessen füllen wir unsere Speicher immer und immer wieder und geben dem Körper nie die Gelegenheit, von all den Reserven zu leben.

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