Die Unverträglichkeit von Gluten hat in den letzten Jahren einiges an Aufmerksamkeit bekommen. Zum Glück, denn bisher war es kaum bekannt, dass es Menschen gibt, die auf das gute alte Brot mit heftigen Krankheitssymptomen reagieren können.

Vorkommen von Zöliakie in Deutschland

In Europa und der westlichen Welt sind rund 1% der Bevölkerung von Zöliakie betroffen. In Deutschland sind das rund 820.000 Menschen, also etwas so viele Fälle wie Frankfurt am Main und Offenbach zusammen an Einwohnern hat.

Eine Untersuchung im Rahmen der KIGGS-Studie (Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland) hat festgestellt, dass von 9 Kindern, bei denen Antikörper festgestellt wurden, nur 1 Kind die Diagnose Zöliakie bereits erhalten hatte. Dieser Trend dürfte sich auch bei Erwachsenen zeigen. Zum Vergleich: In Schweden gibt es für jeden diagnostizierten Zöliakiefall nur 2-3 nicht diagnostizierte Fälle [1].

Zöliakie ist in Deutschland also deutlich unterdiagnostiziert.

Autoimmunerkrankung Zöliakie

Als Zöliakie (alt: einheimische Sprue) bezeichnet man die Unverträglichkeit von Gluten aufgrund einer Immunreaktion des Körpers auf das in Getreide enthaltende Klebeeiweiß Gluten. Sie wird auch als glutensensitive Enteropathie, also glutensensitive Erkrankung des Dünndarms, bezeichnet.

Gluten ist ein Protein, das in den meisten Getreidesorten vorkommt und dafür sorgt, dass Brot und Kuchen nicht krümeln, sondern zusammenhalten. Nach den Forschungen des Forschungszentrums Zöliakie an der Universität Maryland in Baltimore besitzt der Mensch generell kein Enzym um dieses Eiweiß aufzuspalten. Bei vielen Menschen macht das nichts und das Eiweiß wird unverdaut wieder ausgeschieden. Bei einigen Menschen verursacht es jedoch ernsthafte Beschwerden.

Bei Menschen mit Zöliakie löst dieses Eiweiß entzündliche Reaktionen im Dünndarm aus und sorgt dafür, dass die Darmzoten (Villi) verkümmern und nicht mehr neu gebildet werden können. So verringert sich die Resorptionsfläche für alle wichtigen Nährstoffe im Darm, die Darmschleimhaut wird durchlässiger für Pathogene und im gesamten Körper können schwere Krankheiten entstehen.

Die Zöliakie ist sehr schwer zu erkennen, weshalb viele Ärzte sie nicht in Betracht ziehen. Sie kann zu jedem Zeitpunkt im Leben auftreten und muss nicht, wie vielfach angenommen, von Kindesbeinen an aktiv sein.

Die Zöliakie wird oft als Chamäleon-Krankheit bezeichnet. Derzeit werden mehr als 300 Symptome mit ihr in Verbindung gebracht. Häufig treten zumindest einige davon gemeinsam auf.

Ein häufiges Zeichen einer gestörten Dünndarmschleimhaut ist ein ausgeprägter Eisenmangel, aber auch viele andere oft durch Nährstoffmängel ausgelöste Symptome, können darauf hinweisen [2].

Zähne

  • wunde Schleimhaut
  • Geschwüre
  • Weicher oder beschädigter Zahnschmelz

Verdauung

  • Durchfall
  • Blähungen
  • Magenschmerzen
  • Verstopfungen
  • Übelkeit

Haut, Haare und Nägel

  • Akne
  • Ekzeme
  • Schuppenflechte (Psoriasis)
  • Blässe (keine Bräunung möglich)
  • Brüchige Nägel
  • Haarausfall
  • Dermatitis Herpetiformis

Psyche

  • „Brain fog“ (kogn. Dysfunktion)
  • Depressionen
  • Reizbarkeit/Aggressivität
  • Irrationale Wut
  • Unbeherrschtheit
  • Stimmungsschwankungen

Gynäkologie

  • Fehlgeburten
  • Starke Regelschmerzen/PMS
  • Unfruchtbarkeit
  • Myome
  • Unregelmäßigkeiten in Menarche oder Menopause

Gelenke und Muskeln

  • Gelenkschmerzen
    (z.T. pulsierend/brennend)
  • Steifheit
  • Schwellungen

Vitaminmangel

  • Niedriges Vitamin D und Vitamin B12 Level

Sonstiges

  • Migräne/Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Dauerhaft verstopfte Nase

Diagnose

So vielfältig die Symptome der Zöliakie sein können, so schwierig ist es auch sie zu diagnostizieren. Kaum ein Arzt schaut über das eigene Fachgebiet hinaus und kennt die Symptome, die in seinem Bereich durch das Vorliegen einer Zöliakie auftreten können.

Nur wenige wissen die Symptome ihrer Fachrichtung mit Zöliakie in Verbindung zu bringen. Bisher wurde neben der Symptomatik als Indiz, eine Biopsie des Dünndarms zur Diagnose genutzt. Dabei wird etwas Dünndarmschleimhaut operativ entnommen um sie histologisch zu untersuchen. Sind die Darmzoten (Villi) abgeflacht oder verkümmert, liegt eine Zöliakie vor.

biopsie dünndarm zöliakie

Einige Universitätskliniken nutzen heute auch den Gentest und untersuchen HLA-DQ2 (DQ8) auf genetische Prädisposition sowie TG2 (Gewebetransglutaminase) als pathogenetisch beteiligtes Autoantigen. Die diagnostische Zuverlässigkeit hat sich durch Gentests verbessert.

Bisher erfordern alle Methoden, dass bis zur Diagnose Gluten verzehrt wird, sodass eine Diagnostik für manche Menschen sehr schwer bis unmöglich wird. Wer bereits glutenfrei lebt, muss mindestens 8 bis 12 Wochen wieder Gluten zu sich nehmen um eine gesicherte Diagnose zu erhalten. Viele Betroffene, die bereits Besserung durch eine glutenfreie Ernährung erfahren haben, setzen sich diesem Leid nicht aus.

Therapie

Als Therapie gibt es heute ausschließlich die Möglichkeit eine strikt glutenfreie Diät einzuhalten. Dies fällt vielen Betroffenen in der Anfangsphase sehr schwer, weshalb eine qualifizierte Diätberatung, die auch psychologisch unterstützen kann, in Anspruch genommen werden sollte.

Sobald eine glutenfreie Diät durchgehalten werden kann, verbessern sich die Symptome meist sehr schnell. Erste Verbesserungen stellen sich meist schon nach einer Woche ein, vor allem Verdauungsprobleme legen sich schnell. Andere Symptome brauchen etwas mehr Zeit.

Die meisten Menschen erholen sich dann innerhalb von 6 Wochen. Der beschädigte Darm heilt bei Einhaltung einer strikt glutenfreien Ernährung innerhalb des ersten Jahres weitgehend aus.

Präparate, die entsprechende Enzyme versprechen, die Gluten verträglich machen sollen, halten ihre Versprechen nicht. Spar dir das Geld. Hier wird nur mit der Hoffnung der Leute gespielt.

Die Paleo-Ernährung oder eine natürliche Low-Carb Ernährung bietet dir eine gute Möglichkeit deine Ernährung ohne Getreide und Getreideprodukte nährstoffreich und ausgewogen zu gestalten. Die Zöliakie ist nicht heilbar und auch wenn die Symptome verschwinden, ist eine Wiedereinführung von glutenhaltigen Getreidesorten nicht ratsam.

Gluten ist in folgenden Getreidesorten enthalten:

  • Weizen
  • Roggen
  • Gerste
  • Dinkel
  • Grünkern
  • Emmer
  • Einkorn
  • Kamut
  • Hafer (meist produktionsbedingt)

Referenzen

[1]      M. W. Laass, R. Schmitz, H. H. Uhlig, K.-P. Zimmer, M. Thamm, and S. Koletzko, “The Prevalence of Celiac Disease in Children and Adolescents in Germany.,” Dtsch. Ärzteblatt Int., vol. 112, no. 33–34, pp. 553–60, Aug. 2015.

[2]      J. F. Ludvigsson, D. A. Leffler, J. C. Bai, F. Biagi, A. Fasano, P. H. R. Green, M. Hadjivassiliou, K. Kaukinen, C. P. Kelly, J. N. Leonard, K. E. A. Lundin, J. A. Murray, D. S. Sanders, M. M. Walker, F. Zingone, and C. Ciacci, “The Oslo definitions for coeliac disease and related terms.,” Gut, vol. 62, no. 1, pp. 43–52, Jan. 2013.