Um Fette verdauen zu können, muss der Körper ein paar Tricks anwenden. Fette sind ja bekanntlich nicht sonderlich gut in Wasser löslich. Jeder kennt das Phänomen,  wenn man versucht Essig und Öl zu mischen. Kurzfristig verbinden sich die beiden Flüssigkeiten, doch sobald man aufhört darin zu rühren, trennen sich Essig und Öl voneinander. Das selbe „Problem“ haben wir im Magen und im Dünndarm. Fette oder Öle würden einfach oben auf schwimmen und die Verdauungsenzyme könnten nur schlecht arbeiten. Aus diesem Grund, gibt es mehrere Strategien, um Fette gut verdauen zu können.

  1. Magen- und Darmperestaltik: Sowohl der Magen als auch der Darm sind ständig in Bewegung. Diese Bewegung führt zu einer mechanischen Durchmischung des Speisebreies.
  2. Gallensäure: wirkt als Emulgator
  3. Lipasen: fettspaltende Enzyme

Gallensäure

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung, ist die Gallensäure nicht direkt an der Aufspaltung des Nahrungsfettes beteiligt, sondern sie dient als Emulgator. Was bedeutet das? Damit die fettspaltenden Enzyme ihre Wirkung entfalten können, muss das Fett in winzig kleine Tröpfchen aufgeteilt werden. Dies übernimmt die Gallensäure. Diese Fetttröpfchen, auch Micellen genannt, sind dann gut in dem wässrigen Speisebrei verteilt und die fettspaltenden Enzyme (Lipasen) können optimal arbeiten.

 

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Micelle[1]

Das Lecithin im Eigelb ist ein Emulgator

Jeder Koch und jede Köchin kennt die phänomenale Bindungseigenschaft von Eigelb. Ein einziges Eigelb reicht aus um 250 ml Öl zu emulgieren. Das beste Beispiel ist die Mayonnaise. Das Eigelb verhindert, dass sich das Öl von den restlichen Zutaten trennt. Diese Fähigkeit ist dem im Eigelb enthaltenen Lecithin zuzuschreiben. Lecithin wird auch in der Lebensmittelherstellung häufig als Zusatzstoff verwendet.

Was ist Gallensäure eigentlich und wo wird sie produziert?

Die Gallensäure wird in der Leber produziert und in der Gallenblase zwischengespeichert. Es führt ein Zugang von der Gallenblase direkt in den ersten Abschnitt des Dünndarms, den Zwölffingerdarm. Dorthin wird die Gallensäure bei Bedarf abgegeben.

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7 – Ductus, 9 – Gallenblase, 10 – Leber, 11 – Gallengänge, 14 – Magen, 15 – Dünndarm, 17 – Bauchspeicheldrüse[2]

Die Gallensäure wird in den Leberzellen (Hepatozyten) aus Cholesterin gebildet. Cholesterin ist also ein unverzichtbarer Baustein um Gallensäure herzustellen. Die Gallensäure wird dann am Anfang des Dünndarms in das Innere des Dünndarms abgegeben. Weil der Körper nichts gerne verschwendet, wird sie am Ende des Dünndarms, im Illeum, wieder absorbiert. Bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, ist die Absorptionsfähigkeit oft eingeschränkt, und Gallensäure wird mit dem Stuhl ausgeschieden. Dies kann die Fettverdauung stark beeinträchtigen und zu Fettstühlen führen.

LCHF ohne Gallenblase, geht das?

Für die meisten ist es kein Problem, trotz entfernter Gallenblase einer LCHF Ernährung zu folgen, denn die Gallenblase ist nur der Speicherort für Gallensäure. Ist der Körper an eine höhere Fettaufnahme bereits gewöhnt, dann wird auch entsprechend viel Gallensäure produziert. Sollte die Ernährung gerade erst umgestellt werden, dann empfiehlt sich eine schrittweise Erhöhung des Fettanteils in der Nahrung. Gibt es anfangs Probleme mit Fett im Stuhl, dann kann man zusätzlich die Verdauung durch die Einnahme von Verdauungsenzymen unterstützen.


Referenzen

[1] By Smokefoot, original by Mariana Ruiz Villarreal ,LadyofHats [Public domain], via Wikimedia Commons

[2] By Jmarchn – Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14612350