Über diesen Text habe ich wirklich lange nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass mir das Thema so sehr am Herzen liegt, dass ich dazu schreiben muss.

Auch, weil wir bereits die Beweggründe für eine vegetarische/vegane Ernährung einer unserer Kolleginnen dargestellt haben und ich es nur fair finde beide Lebenswelten zu zeigen. Ich respektiere jede Meinung, wir lernen alle ständig dazu (wenn wir wollen) und ich bin auch kein Fan von Dogmen, die für jeden gelten sollen. Im Gegenteil: Jeder hat einen eigenen Körper, auf den er hören kann und auf jeden Fall auch hören soll. Mein Körper ist einzigartig, genauso wie deiner – das ist die Idee hinter foodlinx. Und wer weiß, wie ich in 4 Jahren (in einer anderen Lebensphase) darüber denke…

Warum tierische Produkte?

Wer heute noch öffentlich zugibt gerne Fleisch zu essen, wird angeschaut als wäre er für das Leid des Planeten allein verantwortlich. In dieser Woche hatte ich so ein Erlebnis, als Christine Kätzel (Lehrkraft an der Med. Akad. Hamburg und Ultramarathonläuferin) an der Paracelsus-Schule Hamburg einen Vortrag zum Thema Sport und Ernährung hielt. Die Aussage, dass der Mensch auch Fleischfresser ist und ein Leben ohne tierische Produkte nicht artgerecht ist, bringt alle zum Schweigen – insbesondere angehende Ernährungsberater. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Vegetarismus und Veganismus ist im Trend. Auch und erst recht bei angehenden ganzheitlichen Ernährungsberatern. Aber warum? Tierische Produkte sind gesund und wichtig in unserer Ernährung!

Massentierhaltung und Lebensmittelskandale prägen heute die Bilder von „Fleischproduktion“ – allein das ist schon ein perverses Wort. Trotzdem esse ich gerne Fleisch und Fisch, weil ich es in der menschlichen Ernährung für unersetzlich halte. (Das ist wissenschaftlich bestätigt. Ich habe mir das nicht ausgedacht. Ich weiß aber, dass man auch andere Studien findet. So ist das in der Ernährungswissenschaft.)

Fleisch und andere tierische Produkte enthalten eine Vielzahl von Nährstoffen, die sich mit pflanzlichen Lebensmitteln nur schwer aufnehmen lassen. Das fängt bei Eisen an, geht bei essentiellen Fettsäuren weiter und endet letztlich bei Vitamin B12. Die Evolution hat uns zu dem gemacht, was wir heute sind, weil wir – wie viele andere Tiere – auch Fleischfresser waren. Natürlich kann man Nahrungsergänzungsmittel nutzen, aber die Nährstoffe sind in echten Lebensmitteln auch in einem Kontext verbunden, der einen bio-chemischen Sinn hat. Allein reines B12 gibt es nicht in der Natur.

Veganismus ist nicht nur Essen ohne tierische Produkte

Wer sich für eine vegetarische oder sogar eine vegane Ernährung entscheidet, muss ganz genau wissen, was er da tut. Es reicht nicht einfach aufzuhören tierische Produkte zu essen und B12-Tabletten zu kaufen. Der Körper braucht mindestens 0,8g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht (darunter essentielle Aminosäuren), er braucht 1,5mg Eisen pro Tag (dafür müssen 15mg gegessen werden, d.h. jede Mahlzeit muss auf Eisen ausgerichtet sein), er braucht ausreichend B-Vitamine für Haut und Nerven und er braucht Omega-3-Fettsäuren, die wir nur aus tierischen Quellen bedarfsgerecht verstoffwechseln können (nein, Leinöl reicht nicht aus). Sicher kann man das mit sehr viel Aufwand und Wissen sinnvoll hinbekommen, aber es ist sehr schwierig und nicht ohne Risiko.

Vor allem für Schwangere, Stillende und für Kinder ist eine vegane Ernährung sehr, sehr kritisch. Ohne das entsprechende umfangreiche Wissen ist es in meinen Augen egoistisch und verantwortungslos. Das sah übrigens in dieser Woche auch ein italienisches Gericht so und verdonnerte eine vegan lebende Mutter dazu, ihrem Sohn einmal pro Woche Fleisch zuzubereiten.

Sind tierische Produkte ökologisch verantwortungsvoll?

Wir brauchen keine Gesichtswurst auf dem Brot und auch keine mit Wasser aufgespritzten Hühnerbrüste für 1,99EUR. Auch Geringverdiener brauchen das nicht. Wir können unseren Fleischkonsum reduzieren und dafür qualitativ hochwertige Lebensmittel von Bio- oder sogar Demeterhöfen wählen. Wir können weniger Käse kaufen, der keine Farbstoffe enthält, anstatt uns billige Cheeseburger einzuverleiben. Wenige richtig gute Lebensmittel sind für unseren Körper mehr, als viele billige.

Über die Qualität unserer Lebensmittel entscheiden wir bei jedem Einkauf. Einmal pro Woche hochwertiges Fleisch reicht für Otto Normalverbraucher ohne sportlichen Leistungsanspruch auch völlig aus (der eine mehr, der andere auch gern weniger), aber tierische Produkte gehören zu unserem genetischen Erbe.

Eine sehr interessante Reportage zu diesem Thema findest du übrigens bei
National Geographics: The evolution of Diet – Could eating like our ancestors make us healthier?

Wie siehst du das? Ich freue mich über deine Meinung!

P.S.: Ich habe zu diesem Text, der in unserem Newsletter erschien, einige Rückmeldungen erhalten. Manche waren beleidigend. Ich würde es begrüßen, wenn du bedenkst, dass auf der anderen Seite ein Mensch sitzt. Auch Menschen haben Gefühle, nicht nur Tiere. Das gerät in der Diskussion um Fleisch oder nicht Fleisch sehr oft in Vergessenheit. Dankeschön.