…wenn es dir schmeckt (und du auf die Ökobilanz pfeifst).

Vor einigen Tagen ging mal wieder eine Horrormeldung durch die Presse, die so einige Paleo und Low Carb Freunde verunsichert hat. Die famose American Heart Association lies sich wieder einmal dazu hinreißen, die bösen gesättigten Fette in den Mittelpunkt der Debatte um Herzgesundheit, Infarktrisiko usw. zu stellen. Ganz klar: wer gesättigte Fette gegen mehrfach-ungesättigte Fette in seiner Ernährung austauscht, reduziert das Risiko an kardiovaskulären Erkrankungen zu sterben um satte 30%. Das, so der wunderbare Abstract der Studie (die ich mir ehrlicherweise gespart habe zu lesen), ist ein ebenso tolles Ergebnis, wie bei der Gabe von Statinen (Cholesterin-Senkern) erzielt werden kann. Wenn das nicht heißt, dass wir Kokosöl links liegen lassen sollten, dann weiß ich es auch nicht.

Gesättigte Fette machen uns also alle zu Herzpatienten.

Als ich die ersten Artikel zur Tödlichkeit von Kokosöl sah, dachte ich, dass das so eine Art content recycling aus den 70ern ist. Oder? So fühlt man sich doch manchmal in dieser Endlosschleife von Angstmache um das böse Fett. Früher die Butter und heute eben das Kokosöl, da ist schließlich noch viel mehr gesättigtes Fett drin, als in der Butter, die wir vor dreißig Jahren schon längst gegen die „gute“ Margarine aus dem Labor ersetzt haben.

Und dann kam mir eine hervorragende Analyse der wunderbaren Denise Minger in den Kopf. Das epische Werk stammt aus dem Jahr 2011 und nimmt den Blödsinn hinter den amerikanischen Ernährungsrichtlinien schön auseinander. Auch in den offiziellen Ernährungsempfehlungen der Welt – die ja letztlich alle beim großen Bruder abgeschrieben werden – sind gesättigte Fette ja seit Jahrzehnten ein Dauerthema und Denise fragt sich, warum die gesättigten Fette denn so schlecht weg kommen.

„Rein zufällig“ so schreibt Denise „macht die USDA (Landwirtschaftsministerium) einen großartigen Job, der zeigt, dass gesättigte Fette mit Junk Food Hand in Hand gehen. Es ist ein Albtraum das in epidemiologischen Studien voneinander zu trennen und führt sehr wahrscheinlich dazu, dass gesättigte Fette „schuldig wegen Korrelation“ sind, wenn es um Krankheiten geht.“

(Kurz zur Erinnerung: Korrelation zeigt, dass zwei Dinge in einem statistischen Zusammenhang stehen, sie sagt aber nichts darüber aus, dass das eine wirklich die Ursache für das andere ist. Korrelation sagt nichts über Kausalität.)

Dass das ein wichtiger Gedanke bei der ganzen Sache ist, zeigt folgende Knaller-Grafik, die die Amerikaner gleich mitliefern. Sie zeigt, was die Quellen der festen (=gesättigten) Fette in der Ernährung der Amerikaner so sind.

Von Seite 28 der USDA Dietary Guidelines for Americans 2010

Dem geneigten Hobby-Statistiker mag auffallen, dass die findigen Illustratoren nicht einfach so ein Tortendiagramm gewählt haben. Getreide-basierte Desserts (Kuchen, Kekse, Gebäck) sind Amerikas zweitgrößter Lieferant von gesättigten Fetten, direkt hinter den etwas schwammigen „Alle anderen Lebensmittelkategorien“. Rechnet man das mal zusammen, dann machen getreidebasierte Lebensmittel insgesamt satte 28,4% der Lebensmittel aus, die die gefährlichen gesättigten Fette enthalten. Die gefürchteten Lebensmittelgruppen Butter, Eier und Vollfett-Milch kommen hingegen gerade einmal auf lächerliche 10%, rechnen wir den „regulären Käse“ dazu, sind es 17,6%.

Fakt ist also, dass 45% der gesättigten Fette aus getreidebasierten Lebensmitteln und Gerichten, süßen Desserts und verarbeiteten Fleischprodukten kommen und nur 32% aus echten Lebensmitteln, wie Milch, Eier, Butter, Käse.

 

Sollten wir also jetzt alle aufhören Kokosöl zu essen, wenn es uns doch schmeckt und wir die Sache mit der Ökobilanz irgendwie mit unserem Gewissen vereinbaren können?

Ich schließe mich da Denise in folgender Überlegung an: wenn eine Studie gesättigte Fette mit Krankheiten in Verbindung bringt, geht es hier wirklich um Kokosöl, Eier, Butter und ein gutes Steak? Oder wird hier eher gezeigt, dass Tiefkühlpizza und Oreo-Kekse uns krank machen? Ich bin sicher du findest die Antwort für dich allein.

Übrigens: 2015 wurden laut Branchenverband OVID 200.000kg Kokosöl nach Deutschland importiert. Klingt viel, ist aber nichts gegen die 13,6 Mio. t Sojabohnen und Raps, die wir hier verarbeiten.

Bildrechte: highwaystarz – fotolila.com