Seit den 1970er Jahren wird uns eingeredet, dass wir tierische Fett meiden, und  diese durch Pflanzenfette ersetzten sollten. Die wissenschaftliche Datenlage dazu steht damals wie heute auf äußerst wackeligen Beinen.

Wieso glaubte man, dass Pflanzenöle förderlich für die Gesundheit wären? Pflanzenöle senken den Cholesterinspiegel. In Pflanzenölen finden sich sogenannte Sterine. Das sind pflanzliche Membranlipide, die strukturell dem Cholesterin sehr ähnlich sind. Diese Sterine senken den Cholesterinspiegel beim Menschen. Schön und gut, wirst Du dich vielleicht fragen. Wo ist jetzt das Problem? Das erste Problem liegt darin, dass Gesamtcholesterin kein Risikomarker ist und es so oder so fraglich ist, ob es überhaupt relevant ist, diesen zu senken. Der zweite Aspekt betrifft die Cholesterin-Subgruppen, nämlich HDL und LDL.

Kurze Exkursion ins Reich der Lipoproteine

Cholesterin besteht aus Lipoprotein-Subgruppen. Es gibt HDL, gemeinhin als das „gute Cholesterin“ und LDL als das „schlechte Cholesterin“ bezeichnet.  Während schon alleine die Einteilung in gut und schlecht, wissenschaftlich nicht korrekt ist, den Rahmen dieses Artikel aber sprengen würde und wohl in einem anderen Beitrag erklärt werden sollte, bleibt zu sagen, dass im Allgemeinen höhere HDL-Werte als kardio-protektiv angesehen werden und als erstrebenswert gelten.

Pflanzenöle senken HDL

Gesamtcholesterin setzt sich aus HDL und LDL zusammen. Was nun Pflanzenöle machen ist, dass sie die HDL-Fraktion im Cholesterin senken. Dadurch sinkt zwar Gesamtcholesterin, aber in erster Line das „gute“ HDL. Also im Endeffekt verschlechter man seine Werte, da sich das Verhältnis von HDL zu LDL verschlechtert, auch wenn das Gesamtcholesterin sinkt.

Omega-3 zu Omega-6

Die mehrfach ungesättigten Fettsäuren haben einen besonders gesundheitsfördernden Ruf. Eine ganz besondere Stellung nehmen die Omega-Fettsäuren sein. Marketing und Lebensmittelproduzenten nutzen die Komplexität der Sache aus.

Sowohl Omega-3 als auch Omega-6 Fettsäuren gehören zu den sogenannten essenziellen Fettsäuren. Das bedeutet, dass der Körper sie nicht selber herstellen kann, sondern mit der Nahrung aufnehmen muss.  Was die Industrie verschweigt ist, dass diese beiden Fettsäuren auch in einem sehr diffizilen Verhältnis zueinander im Körper vorkommen sollten. Außerdem haben die beiden Fettsäurengruppen sehr unterschiedliche Wirkung um menschlichen Organismus.

Während die Omega-3 Fettsäuren entzündungshemmend wirken,  zeigen Omega-6 Fettsäuren eine entzündungsfördernde Wirkung. Dies ist, so lange sie im richtigen Verhältnis auftreten kein Problem. Das optimale Verhältnis von Omega-3 zu Omega-6 liegt bei 1:1 bis 1:4. Dieses Verhältnis ist mit einer westlichen Ernährung eigentlich unmöglich zu erreichen. Das Missverhältnis ist gewaltig und liegt bei 1:15 bis 1:40! Eine übermäßige Entzündungsreaktion im ganzen Körper ist meist die Folge [1].

2013 wurde im British Medical Journal eine Meta-Analyse zu dem Thema veröffentlicht.  Die Daten stammten aus der Sidney Heart Study. Im Rahmen dieser Studie wurde den Teilnehmern geraten gesättigtes Fett durch mehrfach ungesättigte Linolensäure (Omega-6) aus Distelöl zu ersetzen. Dies führte zu einer Zunahme der Gesamtsterblichkeit und der Herzinfarkte in der Interventionsgruppe. Die Forscher schlussfolgern trocken, dass die Intervention keinen Vorteil für Herz-Kreislauferkrankungen bringt und momentan geltende Empfehlungen überdacht werden sollten [2].

Fazit

Eine bewusste Reduktion der Omega-6 haltigen Fette ist daher sehr empfehlenswert. In der Natur ist es sehr schwer große Mengen an Omega-6 Fettsäuren zu sich zu nehmen. Erst durch die industrielle Herstellung von Pflanzenfetten konnten große Mengen Omega-6 Fettsäuren den Weg in unsere Ernährung finden.

Möchtest du weiterhin pflanzliche Fette verwenden, dann nimm ausschließlich Olivenöl, Kokosöl und Leinöl. Nussöle können in kleinen Mengen ohne Bedenken gegessen werden.


Referenzen

[1] Patterson, E., et al. „Health implications of high dietary omega-6 polyunsaturated fatty acids.“ Journal of nutrition and metabolism 2012 (2012).

[2] Ramsden, Christopher E., et al. „Use of dietary linoleic acid for secondary prevention of coronary heart disease and death: evaluation of recovered data from the Sydney Diet Heart Study and updated meta-analysis.“ Bmj 346 (2013): e8707.