Laut der meisten Kalorientabellen, die Abnehmwillige konsultieren, enthält Kaffee genau 1kcal. Für viele Frauen auf Diät ist das nicht selten ein Grund den Appetit und das Unwohlsein, die Erschöpfung und auch das alltägliche Zufriedenheitsfeuerwerk im Kopf über Unmengen Kaffee zu regulieren. Ich bin jedenfalls eine davon. Ganz klar, ich bin eine Kaffeetante. Und damit in bester Gesellschaft.

Kaffee schmeckt nach einer Gewöhnungsphase den meisten Menschen. Er ist überall und jederzeit erhältlich und kann seit einigen Jahren auch „to go“ ständig und überall konsumiert werden. Zudem ist er für die Gastronomie natürlich ein Geschenk. Für wenige Cent Einsatz lassen sich ziemlich viele Euros umsetzen.

Kaffee gehört einfach zum Erwachsen sein dazu. Aber: Kaffee macht dick und das, obwohl er nur eine einzige Kalorie enthält. Aber wie funktioniert das?

Die, die diesen Blog schon eine Weile verfolgen, wissen, dass unser Essen viel mehr ist, als nur die Kalorien, die es enthält. Es löst immer eine hormonelle Kaskade in uns aus, die bestimmte Funktionen in unserem Körper beeinflussen. Das Gleiche gilt natürlich auch für unsere Getränke.

Kaffee lässt den Cortisolspiegel steigen

Der wesentliche Inhaltsstoff in Kaffee, der uns immer wieder zur Kaffeemaschine zieht, ist Koffein. Koffein ist Wachmacher und Nervengift zugleich. In unserem Körper löst es die wesentliche Antwort auf den Konsum von Kaffee aus und die hat viel mit Stress zu tun, denn Koffein sorgt in unseren Nebennieren für die Freisetzung von Cortisol, unserem Stresshormon. Cortisol ist wiederum für die berühmte akute Stressreaktion verantwortlich: Fight or Flight, Kampf oder Flucht. Mit jedem Becher Kaffee schütten wir uns also eine Portion Stress in unseren Körper. Und genau hier liegt der Hund begraben, denn Stress macht dick.

Cortisol ist für unseren Körper ein Signalhormon, fast wie Insulin, für eine ganze Reihe von Funktionen verantwortlich. Eine der Reaktionen auf Stress ist das Ansteigen des Blutzuckerspiegels. Dazu wird in der Leber gespeichertes Glykogen in Glucose umgewandelt und in den Blutkreislauf abgegeben. Dieser Prozess soll uns im Stress dabei helfen, schnell Energie aufzubringen, z.B. um vor dem berühmten Säbelzahntiger zu fliehen. Du fühlst dich wach und dein Gehirn meldet eine gewisses Hochgefühl, denn Dopamin signalisiert ihm, das es jetzt wach und achtsam sein muss. Gleichzeitig wird der Blutfluss zum Gehirn reduziert. Das brauchen wir jetzt, um die Muskulatur bei voller Kraft arbeiten zu lassen. Das ist übrigens einer der Gründe, warum viele Sportler vor dem Sport Kaffee trinken. Er ist schlicht legales Dope. Fällt der Blutzuckerspiegel wieder, weil die Wirkung des Kaffee nachlässt, kommt der Heißhunger.

Wenn der Stress chronisch wird

Gleichzeitig hat Cortisol aber noch eine andere wesentliche Wirkung: es ist eines der wichtigsten Hormone bei der Fetteinlagerung. Hält der Stress konstant an, wird also chronisch, verändert unser Körper unseren Umgang mit dem Stress. Aus der akuten Stressreaktion wird eine chronische Stressreaktion. Der Körper klammert sich an jeden Fetzen Energie, dem wir ihm zuführen.

Für viele Frauen ist das häufig sehr viel, denn anhaltender Stress regt den Appetit auf Süßes, Salziges, Fettes und überhaupt alles an, was viel Energie bietet. Das Salz führt zu Wassereinlagerungen, der Rest wird keinesfalls fürs Überleben gebraucht, sondern eingelagert und schon haben wir ein ordentliches Kilo oder zwei auf der Hüfte.

Und das alles wegen Kaffee?

Nein. Natürlich nicht. Selbstverständlich muss der Kaffee nicht im Zentrum des Geschehens stehen, sondern kann nur ein Puzzleteil sein. Für manche aber ein sehr wichtiges. Wenn du unter Stress leidest – und wer tut das heute nicht – sollte deshalb versuchen dem Körper regelmäßig eine Kaffeepause zu gönnen.

Unsere individuelle Schwelle, ab der Kaffee für uns zum Problem wird, ist sehr unterschiedlich. Bei einem reicht eine Tasse, beim anderen eine Kanne. Letztlich ist das vor allem eine Frage des sonstigen Stressprofils.

500 bis 1000mg Koffein am Tag werden allerdings für jeden ein gesundheitliches Problem. Eine Tasse Kaffee enthält rund 100mg, eine Tafel 85%ige Schokolade rund 40mg, eine Tasse grüner Tee rund 50mg (bei 1-2 Minuten Ziehzeit).

Das ungünstige am Kaffee ist, dass er, wie jede andere Droge auch, mit steigender Dosierung seine Wirkung verliert oder sogar umgekehrt wirkt. Je mehr wir trinken, desto erschöpfter und müder werden wir.

Aber Kaffee soll doch gesund sein?

Immer wieder hört man in den Medien, dass es unwahrscheinlich gesund ist, Kaffee zu trinken. Unabhängig davon, dass solche Beobachtungsstudien oft nicht besonders aussagekräftig sind, scheint der Grund für den gesundheitlichen Nutzen von Kaffee ein anderer zu sein. Verantwortlich dafür ist wahrscheinlich nicht der Koffein-Kick, sondern die Polyphenole, Flavonoide und andere sekundäre Pflanzenstoffe, die Kaffee enthält. Die kann man allerdings ebenso gut aus einer bunten Auswahl an Gemüse bekommen.

Hier könnt ihr den ganzen Effekt des wunderbaren Koffeins nochmal in Ton und Bild erklärt bekommen:

Für die nächsten Wochen bin ich jedenfalls auf Kaffee-Entzug. Und du?