Der Sommer und die gößte Hitze ist vorbei und seit 2 Tagen gibt es bei mir wieder warmes Frühstück. Warmen Obstsalat mit Leinsamen, Kokoschips, Zimt und manchmal etwas gepopptem Amaranth um genau zu sein. Was für die meisten Europäer nicht besonders appetitlich klingt, ist für Asiaten vollkommen normal. Das Frühstück wird traditionell warm gegessen.

Aber warum eigentlich? Ich finde es ja immer wieder interessant, was man aus den Ernährungslehren dieser Welt so lernen kann. Gerade alte traditionelle Ernährungs- und Gesundheitslehren, wie etwa die Elemente-Küche oder Ayurveda sind ein toller Schatz für kleine Kniffe und Tricks, die wahre Wunder bewirken können. Auch in der westlichen Welt und auch, wenn wir nicht jedes exotische Gemüse und Gewürz, das in Indien oder Südostasien auf dem Teller landet, einfach so beziehen können. Was hat es also mit dem warmen Frühstück auf sich.

Vata, Pitta, Kapha und das Verdauungsfeuer

In der ayurvedischen Lehre entzündet ein warmes Frühstück am Morgen Agni, das Verdauungsfeuer. Agni ist auch Lebenskraft. Wer gut verdaut, der ist stark und leistungsfähig. Wer nicht gut verdaut, der ist kränklich und schwach. Ein warmes Frühstück hilft am morgen die Verdauung anzuregen und dir so Kraft für den Tag zu geben. Im Prinzip gilt das für alle drei Konstitutionstypen im Ayurveda, denn die ayurvedische Küche ist überwiegend warm.

In der ayurvedischen Medizin gibt es drei Konstitutionstypen, die ein grundlegendes Bild über den Typ Mensch abliefern. Diese drei Konstitutionstypen (Doshas) sind Vata, Pitta und Kapha. Sie beschreiben die angeborene Bio-Energie eines jeden Menschen. Jeder hat alle drei Energien zu unterschiedlichen Anteilen in sich. Indem er sie durch seinen Lebensstil und seine Ernährung in Balance hält, bleibt er gesund. Kritisch wird es, wenn die vorwiegende Lebensenergie durch eben diese Faktoren vermehrt wird. Dann entstehen Dysbalancen und der Mensch wird krank.

Die drei Konstitutionstypen setzen sich aus den fünf Elementen Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde zusammen und vereinen jeweils die Eigenschaften dieser Elemente. Jeder Mensch hat alles zu unterschiedlichen Anteilen in sich. Ich will nicht so detailliert darauf eingehen, ich denke folgende Grafik kann dir einen kurzen Überblick verschaffen. Die Liste unter den Doshas zeigt, welche Lebensaspekte das jeweilige Dosha fördern oder anregen.

doshas

Ein Beispiel: Ich bin ein ziemlicher Pitta-Kapha-Typ. Hier mal ein Schnelltest meiner Konstitution. Das ersetzt natürlich keinen ayurvedischen Arzt (vidya), aber das soll zur Veranschaulichung genügen. Fördere ich die lebensenergie Pitta in mir, führt das zu diversen gesundheitlichen Problemen, unreine Haut etc. All das weiß die ayurvedische Medizin und es ist auch so.

ayurveda test

Test bei yoga-vidya

„Rein körperlich betrachtet äußert sich PITTA in den Eigenschaften sauer, scharf und flüssig. Dies macht sich vor allem in übermäßigem Schwitzen, Übersäuerung und starkem Appetit bemerkbar. Ist das PITTA zu hoch, so brennt die Verdauungsenergie sehr stark. Man hat ständig Hunger und ist sehr ungeduldig, ärgerlich und gereizt, wenn nicht sofort etwas Essbares zur Verfügung steht. Alle natürlich süßen Speisen, Rohkost und grünes Gemüse bieten dann den idealen Ausgleich.“ Parvati Ruth Burbach

Interessanter Weise zieht es einen genau zu denen Dingen, die die eigene Konstitution und das überwiegende Dosha fördern. Ich mag es also scharf, würzig, voller Action usw. Damit mich das nicht in eine Dysbalance bringt, sollte ich in meinem Leben Kapha und Vata fördern, das heißt, mich mal entspannen, mal was natürlich süßes (mein Obstsalat) essen oder auch einfach mal nichts tun (hahaha!). Mein täglicher Salat ist optimal, um mein Pitta zu reduzieren. Für dich als Vata oder Kapha-Typ kann das ein Albtraum sein, denn Rohkost ist für dich nicht gut verträglich und dein Verdauungsfeuer nicht stark genug.

Wer mehr Vata in sich trägt, kommt mit einem warmen Frühstücksbrei super zurecht. Wer viel Vata oder viel Kapha hat, kann sein Pitta mit warmem Ingwerwasser vor dem Essen stärken und so die Verdauung und sein Verdauungsfeuer anregen. Er kann auch mehr Gewürze nutzen. Curry, Paprika, Kardamom – alles, was die Gewürzküche so her gibt.

Funktioniert das?

Ayurveda ist 4 bis 5.000 Jahre alt. Ich würde sagen, da gibt es eine gewisse empirische Grundlage. Medizin war nicht immer das, was es heute ist. Es ging nicht immer um Reparatur, sondern auch viel um Prävention. Die Gedanken des Ayurveda oder der Elemente-Ernährung können so Lebensqualität verbessern, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist. Ich glaube um solche Kniffe wie warmes/kaltes Essen oder einen vernünftigen Ausgleich zwischen Entspannung/Anspannung für sinnvoll zu halten, muss man keinen besonderen Hang zu Esoterik und östlicher Lehre haben.

Menschen, deren Doshas sehr aus dem Gleichgewicht geraten sind, berichten, dass es ihnen viel besser geht, wenn sie die beiden anderen nicht-dominanten Doshas „füttern“, d.h. ihr eigenes dominantes Element abschwächen; lieber warm statt kalt essen oder lieber Salat statt indisches Curry wählen.

Angesichts dieser Systematik, finde ich meine eigene Ernährung sehr interessant, denn das, was mir gut tut, passt in die Vata und Kapha-Energien. Mich kann man mit Chili jagen und ich merke, dass Salat für mich super ist – auch abends um 10. Für andere Menschen ist das anders und das das ist auch völlig in Ordnung und normal. Ich finde es unwahrscheinlich spannend, dass solche Jahretausende alten Traditionen so viel Wahrheit in sich tragen und sich jeder Mensch bei der Beschreibung der Elemente und Typen irgendwo wieder finden kann.

Mehr über das Thema Ernährung nach Temperament findest du übrigens in unserem E-Book.

Und wie machst du das? Hast du warmes Frühstück mal ausprobiert? Ich freue mich über deinen Kommentar und deine Erfahrungen.