Eine Sorge, die sehr oft in Bezug auf die Low-Carb Ernährung besteht, ist, dass sie Gicht auslösen könnte. Da Gicht oft mit einem erhöhten Proteinkonsum verknüpft wird und Patienten auch eine proteinarme Ernährung empfohlen wird.

Gicht ist eine entzündliche Erkrankung, ähnlich der Arthritis. Erhöhte Mengen an Harnsäure im Blut formen Ablagerungen von Harnsäurekristallen in Gelenken, Sehnen und dem umliegenden Gewebe. Unbehandelt kann es zu irreversiblen Schäden und Veränderungen an Knochen und Knorpel kommen.

Eine der häufigsten Ursachen für Gicht ist eine Niereninsuffizienz, das bedeutet, dass die Nieren nur noch eingeschränkt arbeiten. In diesem Fall ist sicherlich eine proteinarme Ernährung angebracht und jede Ernährungsumstellung mit dem behandelnden Arzt zu besprechen. 

Wie entsteht Harnsäure?

Harnsäure entsteht bei dem Abbau von Purinen und Fructose. Auf die Fructose gehe ich später ein, zuerst einmal ein paar Worte zu Purinen. Purine sind Basen aus denen die DNA und die RNA aufgebaut sind. Alle Zellen enthalten somit Purine. Es gibt allerdings unterschiede im Puringehalt. Besonders purinhaltig sind Sardellen, Getreide und Leber. Die Bildung von Harnsäure ist ein normaler Prozess und, unter normalen physiologischen Bedingungen, wird die Harnsäure einfach über die Niere ausgeschieden. 

Harnsäure schützt die Gefäße

Wenig bekannt ist, dass Harnsäure sogar einen schützenden Effekt hat. Harnsäure wirkt als Antioxidans und schützt die Blutgefäße vor Oxidation[1].

Purinreduktion, nur mäßig erfolgreich

Die Standardernährungsempfehlungen bei Gicht sind eine proteinarme und purinarme Kost. Es zeigt sich allerdings, dass diese Intervention, nur mäßige Erfolge hinsichtlich der Reduktion der Harnsäurewerte im Blut bringt[2]. Die Bedeutung von Insulinresistenz bei der Entstehung von Gicht wird dahin gehend immer deutlicher. In einer Studie mit 13 Gichtpatienten fanden die Forscher, dass sich eine kalorienreduzierte/kohlenhydratreduzierte aber proteinreiche Ernährung POSITIV auf die Harnsäurewerte im Blut auswirkte[3].

Welche anderen Faktoren beeinflussen die Bildung von Harnsäure?

Welche Rolle spielt Entzündung?

Ein anderer Faktor, der bei Gicht eine große Rolle spielt, ist Entzündung. Wir sehen bei Gichtanfällen erhöhte Entzündungswerte (CRP und IL-6). CRP und IL-6 sind bei Gichtanfällen sowohl in der Gelenksflüssigkeit als auch im Blut erhöht.

Es liegt nahe, dass systemische, den ganzen Körper betreffende, Entzündung ein zentrales Element darstellte. Somit kann man annehmen, dass jede Ernährungsform, die Entzündungsprozessen entgegen wirkt, als positiv angesehen werden kann.  Besondere Bedeutung kommt hier sicherlich Zucker und der Omega-6 zu Omega-3 Ratio zu[4].

Fructose, metabolisches Syndrom und Fettleber

Fructose ist ein Monosaccharid (Einfachzucker) und ist doppelt so süß wie Glucose. Haushaltszucker (Saccharose) ist ein Disaccharid (Zweifachzucker), er besteht aus einem Fructosemolekül und einem Glucosemolekül. Bis zur Entdeckung der Neuen Welt und dem Beginn des internationalen Zuckerhandels, der nur auf dem Rücken billiger Sklaven entstehen konnte, war Zucker eine eher seltene Sache und nur den Reichen vorbehalten. Die einzigen wirklichen Zuckerquellen vor dieser Zeit waren Honig, Trockenfrüchte und Molasse. Diese Lebensmittel enthalten mehr als 10 % Fructose. Die meisten Früchte wie Äpfel, Weintrauben, Beeren, etc. enthalten weniger als 10 % Fructose[5].

Fructose, in seiner isolierten Form, kommt relativ selten in der Natur vor. Auch wenn Fructose ein Zwischenprodukt des Glucoseabbaus im Körper ist, so gibt es keinen physiologischen Nutzen von Fructose.

In den Jahren 1970 bis 2000 ist die Fructoseaufnahme weltweit um 25 % gestiegen. Nicht weil wir so viel Obst essen, sondern durch Tafelzucker (Sucrose) und High-Fructose-Corn-Syrup (Glukosesirup bzw. Fructose-Glucose-Sirup)

Fructose wird direkt über die Leber verstoffwechselt. Dabei entstehen Fettsäuren und Harnsäure. Mehrere Studien haben gezeigt, dass eine hohe Aufnahme von Fructose zu Fettleber, Insulinresistenz und metabolischem Syndrom führt[6] [7]. Fructose wird nicht nur direkt zu Harnsäure verstoffwechselt, sondern hemmt auch die Ausscheidung von Harnsäure über die Niere. Somit wirkt es über zwei Wege – vermehrte Produktion und reduzierte Ausscheidung.

Fazit – keine Angst vor Low-Carb

Das nächste Mal, wenn ein Freund oder dein Arzt vermutet, dass eine Low-Carb Ernährung Dein Risiko für Gicht erhöht, kannst Du ihn auf diesen Artikel verweisen. Eine Ernährung, die wenig Zucker und Omega-6 Fettsäuren enthält, und auf nährstoffdichte unverarbeitete Lebensmittel setzt, wird sicherlich nicht Dein Risiko erhöhen, an Gicht zu erkranken.

 Referenzen

[1] Fabbrini, Elisa, et al. „Effect of plasma uric acid on antioxidant capacity, oxidative stress, and insulin sensitivity in obese subjects.“ Diabetes 63.3 (2014): 976-981.

[2] Choi, Hyon K., et al. „Purine-rich foods, dairy and protein intake, and the risk of gout in men.“ New England Journal of Medicine 350.11 (2004): 1093-1103.

[3] Dessein, P. H., et al. „Beneficial effects of weight loss associated with moderate calorie/carbohydrate restriction, and increased proportional intake of protein and unsaturated fat on serum urate and lipoprotein levels in gout: a pilot study.“ Annals of the rheumatic diseases 59.7 (2000): 539-543.

[4] Patterson, E., et al. „Health implications of high dietary omega-6 polyunsaturated fatty acids.“ Journal of nutrition and metabolism 2012 (2012).

[5] Bray, George A. „How bad is fructose?.“ The American Journal of Clinical Nutrition 86.4 (2007): 895-896.

[6] Nakagawa, Takahiko, et al. „A causal role for uric acid in fructose-induced metabolic syndrome.“ American Journal of Physiology-Renal Physiology 290.3 (2006): F625-F631.

[7] Khitan, Zeid, and Dong Hyun Kim. „Fructose: a key factor in the development of metabolic syndrome and hypertension.“ Journal of nutrition and metabolism 2013 (2013).