Über Gluten haben wir in unserem Blog schon sehr viel geschrieben, das Thema lasse ich hier deshalb bewusst außen vor. Wenn du mehr über Gluten wissen möchtest, findest du Informationen in folgenden Beiträgen:

Auswirkungen von Gluten auf den Darm

Leaky Gut – wenn der Darm „undicht“ wir

Ist Getreide ein neues Lebensmittel für den Menschen?

In vielen Blogs und auch in der Paleo-Gemeinde wird viel darüber geschrieben, dass Getreide ein vergleichsweise neues Lebensmittel für den Menschen ist. Das ist leider nur teilweise richtig. Getreide hat in den indigenen Kulturen auch vor über 10.000 Jahren durchaus eine Rolle gespielt. Die Nutzung von Getreide geht laut einiger Wissenschaftler mindestens 100.000 Jahre zurück.

Der Unterschied vom Steinzeitmenschen zu den ersten Bauern war, dass Getreide angebaut wurde und durch Lagerung in großeren Mengen und länger als zur Erntezeit zur Verfügung stand. Man war also nicht mehr vom Suchen und Sammeln von Getreide und anderen Pflanzen abhängig, sondern konnte direkt vor der Haustür ernten. Diesen Zweck haben im Prinzip alle landwirtschaftlichen Tätigkeiten.

Auch die Aborigines in Australien haben vor der „Invasion“ der Weißen Gräser und deren Samen (das Korn) gesammelt und daraus eine Art Brot gebacken. Getreide ist nicht per se giftig oder bringt den Menschen um. Sonst hätten wir es niemals begonnen anzubauen.

Das Wachstum der Bevölkerung auf dieser Erde, wäre ohne die Entwicklung der Landwirtschaft und den systematischen Anbau von Getreide nicht möglich gewesen. Wie gesund wir sind und wie alt wir damit werden, spielte dabei übrigens keine Rolle. Der Sinn des Lebens ist Fortpflanzung (ja, so banal ist das – nur falls noch jemand nach dem Sinn sucht…) und die Phase in der das für den Menschen möglich ist, ist mit 40 weitgehend abgeschlossen.

Es ist also aus evolutionärer Sicht nicht nötig, dass wir 80 oder 100 Jahre alt werden und dabei auch noch Fahrrad fahren und den Müll alleine raus bringen. Trotzdem liegt uns heute daran sehr viel älter zu werden und gesund zu bleiben – obwohl wir für die Gesellschaft im Rentenalter wirklich kaum noch eine Funktion haben. Unsere Alten leben allein, passen noch nicht einmal auf ihre Enkelkinder auf oder führen den Berufstätigen den Haushalt. Wir leben weit weg von dem, was die Natur sich mal gedacht hat.

Was hat sich also verändert, dass viele Menschen heute Getreide als Nahrungsmittel ablehnen – mich eingeschlossen?

Dabei spielt eine Reihe von Faktoren eine Rolle. Erfahrung ist sicher der wichtigste. Aber auch Gluten ist nur ein Puzzleteil.

Die Dosis macht das Gift

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht‘s, dass ein Ding kein Gift sei“ Paracelsus

Zum einen wurde Getreide in der Geschichte mit ziemlicher Sicherheit nicht in der Menge gegessen, wie das heute der Fall ist. Morgens Müsli, mittags Nudeln, nachmittags Kuchen, abends Abendbrot. Und zwar nicht 2-3 Monate nach der Erntezeit, sondern 12 Monate im Jahr, 365 Tage am Stück. Getreide verdrängt zu einem großen Teil wesentlich nahrhaftere pflanzliche, aber auch tierische Lebensmittel. Eine Kollegin sagte mal zu mir, dass das doch kein Mensch machen würde. Doch, das machen sehr viele Menschen, das ist ein klassischer deutscher Teller. Wir bekommen ja auch ständig gepredigt, wie wichtig das volle Korn ist. Eines der Hauptprobleme mit Brot und Nudeln ist also die Menge, die es in der Ernährung vieler Menschen einnimmt. Welche irre Lebensmittelmenge die DGE als Standard empfiehlt, will ich hier gar nicht weiter ausbreiten. Ich sag nur 8 Brötchen – Vollkorn natürlich. Wo bleibt da noch Platz für 600g Gemüse und 200g Obst?

Züchtung

In einigen Büchern liest man, dass Getreide in den letzten Jahren so gezüchtet wurde, dass es mehr Gluten enthält, als die alten Sorten. Dieser Fakt erscheint sinnvoll, denn Gluten sorgt dafür, dass Teig besser industriell verarbeitet werden kann. Wie man sich vorstellen kann, findet man dazu allerdings wenige bis gar keine Daten und die Landwirtschaft streitet das ab. Für mich ist es deshalb kein ausschlaggebendes Kriterium.

Industrielle Verarbeitung

So, nun kommen wir zu dem Thema, das für mich der ausschlaggebende Punkt für ein Plädoyer gegen Brot und Nudeln ist. Denn das, was wir heute mit dem wie auch immer gezüchteten Getreide machen, hat nichts mehr mit natürlicher Ernährung zu tun. 1,8 Millionen Tonnen Brot werden jährlich in Deutschland verkauft, 2/3 (1,2 Millionen Tonnen) davon werden von der Industrie hergestellt und gehen laut ARD an Tankstellen, Backshops und Supermärkte. Also dahin, wo die meisten von uns ihr Brot kaufen.

Diese Brote bestehen weitgehend aus industriellen Backmischungen in denen rund 200 Zusatzstoffe erlaubt sind. Sie sorgen dafür, dass der Teig besser aufgeht, geschmeidiger wird, sich mich Maschinen besser verarbeiten lässt, besser riecht und länger hält. Ein Heer an Lebensmittelchemikern ist damit beschäftigt, diese Zusatzstoffe zu optimieren, Brot noch länger haltbar zu machen und den Verbraucher noch effizienter zu „verführen“. Viele dieser Zusatzstoffe sind im Einzelnen sicher unbedenklich. In der Kombination aber, ist deren Auswirkung kaum zu überblicken.

Aber nicht nur in der Produktion selbst wird mit Zusatzstoffen und Chemie gearbeitet. Auch die Lagerung von Getreide in großen Silos geht nur gut, wenn Schädlinge fern gehalten werden. Dazu muss Getreide zum Beispiel mit Monophosphan begast werden.

„Monophosphan ist ein sehr starkes Nerven- und Stoffwechselgift, das nicht nur bei Säugetieren, sondern auch bei Insekten schon bei niedriger Konzentration hochwirksam ist. Beim Menschen löst es Blutdruckabfall, Erbrechen, Lungenödeme und Koma aus. Außerdem ist Monophosphan durch Spuren von Diphosphan an der Luft selbstentzündlich, was die Handhabung sehr heikel macht.“ Wikipedia

Natürlich kommen wir mit dem Gas nicht unmittelbar in Kontakt, denn es dient „nur“ der Schädlingsbekämpfung in Silos und Schiffen, aber stutzig macht das schon.

Noch weiter vorn im Herstellungsprozess wird noch Glyphosat beim Anbau von Getreide verwendet. Glyphosat ist ein Nervengift, das lange als unbedenklich galt, aber zahlreiche Kritiker hat und in den Augen vieler Experten keinesfalls als unbedenklich gilt. „Es gibt genügend stichhaltige Hinweise auf genotoxische Wirkungen“ – also Schädigungen des Erbguts, die krebserzeugende Prozesse auslösen können.“ schreibt Die Zeit im Gespräch mit Kurt Straif, Leiter des Prüfungsgremiums der WHO.

Auch ohne Gluten sind Getreideprodukte in meinen Augen zumindest bedenklich. Und ja, ich weiß, dass das auch für alle anderen industriell und konventionell hergestellten Lebensmittel gilt.

Apropros Industrie: Maschinenbau, Chemie und Lebensmittelproduktion belegen in Deutschland Platz 2 – 4 der umsatzstärksten Industriebranchen, obwohl sie keinesfalls die meisten Arbeitsplätze stellen. Was das mit unserem Essen zu tun hat, darüber kann sich jeder selbst Gedanken machen.

Fazit

Brot ist in den meisten Fällen ein hochverarbeitetes, lebensmittelähnliches Produkt. Gluten, ATI und andere Themen mal beiseite gelassen, ist es allein deshalb nicht bevorzugt auf meinem Teller zu finden.

Kann man überhaupt noch Brot essen?

Ja, sicher, wenn du gesund bist und sonst keine weiteren Probleme hast, dann kann auch etwas Brot gegessen werden. Aber auf die Qualität und die Menge kommt es an.

Warum es aber wichtig ist auf traditionelles Sauerteig- oder Keimling-Brot auszuweichen, erfährst du im nächsten Artikel.

 

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