Closeup on medical doctor woman giving a choice between apple and donut

Lange hielt sich der Irrglaube, dass gestresste Menschen weniger wiegen, als Menschen, die entspannt durch das Leben gehen – schließlich haben Gestresste ja gar keine Zeit zum Essen. Mittlerweile ist jedoch erforscht, dass genau das Gegenteil der Fall ist: Stress macht dick!

In Deutschland sind bereits 49% der Frauen und 64% der Männer übergewichtig. Die Folgen sind verheerend: Diabetes Typ 2, Herzinfarkt, Bluthochdruck, Brust- und Darmkrebs und Unfruchtbarkeit sind nur einige Beispiele von Krankheiten, die durch die Extrakilos entstehen können. Doch nicht immer ist die übermäßige Zufuhr von Kalorien ausschließlich verantwortlich. Auch psychische Leiden wie Stress können Übergewicht begünstigen. Stress wiederum kann ebenfalls zu Herz-Kreislauf-Beschwerden und Verdauungsproblemen führen, den Blutdruck und den Cholesterinspiegel steigen lassen. Gründe genug, sich dem Zusammenhang zwischen Stress und unserer Figur einmal anzunehmen!

Frustessen und Nervennahrung

Bei Zeit- und Leistungsdruck, Ärger mit dem Chef oder in anderen stressigen Situationen essen viele Menschen nicht ausgewogen, sondern neigen vielmehr zum „Frustessen“ oder greifen zu „Nervennahrung“. Wer hat schon nach einem anstrengenden Arbeitstag spät abends noch Lust, einzukaufen und zu kochen? So ist der Gang ins Restaurant oder der Griff zum Hörer des Lieferdienstes nah. Meist werden dann Pizza, Fast Food, Schokolade und Co. verschlungen – Heißhunger auf Äpfel und Möhren bekommt so gut wie niemand. Wir haben vielmehr die Veranlagung, Stress mit Süßigkeiten und fettigem Essen kompensieren zu wollen. Nahrung wird so zum Beruhigungsmittel.

Glückshormone vs. Stresshormone

Es gibt aber noch einen weiteren Grund, weshalb wir im Stress zu Schokolade, statt zum Apfel greifen. Denn dafür, dass wir uns nach einem Stück Schokolade besser und entspannter fühlen, ist das „Glückshormon“ Serotonin verantwortlich, welches durch den Verzehr von Schokolade angeregt wird. Intuitiv merken wir, dass Schokolade uns glücklich macht und unserer Seele guttut. Serotonin hebt unsere Stimmung. Umgekehrt wird bei einem Serotoninmangel, der in stressigen Zeiten oftmals herrscht, automatisch auch der Appetit gesteigert und unser Verlangen nach süßen und fettigen Speisen nimmt zu.

Stress wiederum fördert die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol. Dieses kann, genau wie der Serotoninmangel, ein Hungergefühl hervorrufen und dafür sorgen, dass der Mensch mehr isst, als nötig. Gleichzeitig sorgt das Hormon auch für eine Verlangsamung des Fettabbaus.

Stress hemmt den Fettabbau

Wissenschaftler rund um Prof. Janice Kiecolt-Glaser der Ohio State University fanden außerdem in einer Studie heraus, dass Menschen, die am Vortag Stress hatten, deutlich weniger Fett verbrennen, als solche, die keinen Stress hatten. Da der Stoffwechsel gebremst wird, baut der Körper in stressigen Zeiten weniger Fett ab als gewöhnlich. Auf lange Sicht gesehen kann Stress somit zu einer Gewichtszunahme führen.

Was tun?

Wichtig ist zunächst, das eigene Verhalten in stressigen Zeiten genau zu beobachten und Strategien zu entwickeln, mit dem Stress umzugehen. So können Entspannungsübungen nicht nur dabei helfen, im Alltag ruhiger zu werden, sondern auch das Abnehmen unterstützen. Wer mehr Gelassenheit und Ruhe in seinen Alltag bringt, bekämpft den Heißhunger auf Süßes und Fettiges, außerdem wird der Stoffwechsel durch den Abbau des Stresshormons Cortisol wieder angeregt.

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