Kaffee ist eines der beliebtesten Genussgifte unserer Zeit. Ohne ihn kommen die meisten Deutschen morgens kaum auf die Beine, geschweige denn in den Tag. Pro Kopf trinken wir im Laufe unseres Lebens rund 77.000 Tassen Kaffee, was einem Durchschnittskonsum von 0,4l pro Tag entspricht. Kaffee ist überall.

Bevor ich vor ein paar Wochen darüber berichtet habe, dass Kaffee uns hier und da ein paar zusätzlich Pfund auf den Hüften bescheren kann, habe ich meinen Selbstversuch gestartet. Da es nun seit einigen Wochen ziemlich gut ohne Kaffee geht, wird es Zeit den Schritt mal weiter zu geben. Ich trinke inzwischen zwar mal eine Tasse Kaffee, aber längst nicht mehr täglich und dann auch nicht mehr als eine Tasse am Tag. Alles andere ist für mich kaum noch auszuhalten, denn ich werde für mich selbst unerträglich „rasend“.

Zielsetzung: Adé Kaffee

Mein Auslöser waren nicht so sehr die Kilos, die es sich ganz sicher aufgrund eines erhöhten Stresspegels bei mir bequem gemacht haben, sondern vielmehr der Stresspegel selbst, der bei mir immer wieder zu Neurodermitis führt. Außerdem bin ich natürlich immer daran interessiert mehr zu schaffen, konzentrierter zu arbeiten und natürlich vor allem klar im Kopf zu sein. Das Thema hat mich deshalb einige Wochen begleitet und ich habe letztlich verstanden, dass es sinnvoll ist dem Kaffee mal den Rücken zu kehren. Ihr wisst schon, man braucht seine 40 Impulse bis man den Weg für valide hält. (An dieser Stelle vielen Dank an ein Heer von YouTubern, die ihre Meinung dazu in die Kamera gesprochen haben.)

Wie bei jedem Selbstversuch, startet ich nicht mit dem Ziel ab jetzt nie wieder Kaffee zu trinken, sondern schlicht mal eine Woche ohne Kaffee auszukommen. Das ist absehbar und psychologisch erträglich, denn ich habe sehr gern und nicht eben wenig Kaffee getrunken. Im Urlaub geht es allerdings unbewusst eigentlich immer ohne, also warum nicht im Alltag.

Alternativen suchen: Tee statt Kaffee?

Wer regelmäßig und viel Kaffee trinkt braucht selbstverständlich eine Alternative. Es ist also wichtig, sich zu überlegen warum man Kaffee trinkt, statt etwas anderem. Der Grund war schnell gefunden: im Büro geht es einfach am schnellsten mal eben auf den Knopf des Vollautomaten zu drücken anstatt zu warten, bis der Wasserkocher warmes Wasser für einen Tee bereitet hat. Das klingt albern, war aber mein wesentlicher Grund immer wieder zum Kaffee zu greifen. Interessanterweise hat eine kleine Umfrage im Büro ergeben, dass ich damit nicht allein bin. Es ist für die Kaffeetrinker tatsächlich ein Beweggrund. Also habe ich mir eine schöne Thermoskanne zugelegt, die mir das Teewasser den ganzen Tag warm hält. Sie wird jetzt morgens und am nachmittag einmal befüllt und gibt mir die Möglichkeit ohne viel Aufwand Tee statt Kaffee zu trinken.

Zwar enthält grüner Tee, den ich bevorzuge, auch Koffein, aber durch die Gerbstoffe, die ab einer Ziehzeit von mehr als 1 Minute freigesetzt werden, kann das Koffein nicht mehr so unmittelbar aufgenommen werden. Ab einer Ziehzeit von mehr als 2 Minuten ist das Koffein durch die Gerbstoffe gebunden und kann gar nicht mehr aufgenommen werden.

Hinzu kommt, dass grüner Tee nur rund 50mg Koffein auf 300ml enthält, Kaffee hingegen bis zu 120mg auf eine Tasse mit 150ml. Als Alternative habe ich ein wahres Sammelsurium an Kräuter- und Gewürztees, die mir schmecken und die ich im Laufe des Tages trinken kann. Wer gutes Wasser hat, kann auch auf warmes Wasser zurückgreifen. Für mich ist kaltes Wasser gerade im Winter keine Alternative und damit bin ich ebenfalls sicher nicht allein. Viele Menschen finden Wasser zudem ziemlich langweilig (sicher eine Frage des Wassers und der Gewohnheit). Hildegard von Bingen meint übrigens, dass Tee immer eine Heilwirkung hat. Nur Fencheltee könne man ihrer Lehre nach bedenkenlos öfter trinken. Auch gute Säfte, wie z.B. 100%iger Holundersaft (mit 6g/100ml ziemlich zuckerarm) sind jetzt im Winter eine gute Grundlage für ein warmes Getränk. Einfach einen Schluck in die Tasse geben und mit warmem Wasser aufgießen.

Was hat’s gebracht?

Wie der ein oder andere vorhergesagt hat, bin ich ohne Kaffee nicht müder, sondern eher viel wacher. Mein Energielevel hat sich ganz wunderbar stabilisiert. Laura Seiler meinte neulich in einem Podcast, wie absurd es doch sei, dass wir Kaffee brauchen, um aufzuwachen. Haben wir doch alles von der Natur dafür angelegt, dass wir wach sein können. Sind wir es nicht, z.B. weil wir die eigentlichen Probleme, die wir in unserem Leben haben verdrängen, ist Kaffee leider auch keine Lösung.

Erfreulich ist zudem, dass ich wesentlich achtsamer anderen Stressoren gegenüber geworden bin. Ich merke jetzt viel eher, dass mir etwas zu viel wird oder ich Pausen brauche. Auch, weil meine Neurodermitis in den Armbeugen weg ist und nur dann zurück kommt, wenn ich in echten Stress gerate. Der künstliche Stressor Kaffee, der mit jedem Schluck für einen Anstieg meines Cortisolspiegels sorgt, überdeckt den tatsächlichen Stress nicht mehr.

Ich höre schon die Einwände: aber ist Kaffee nicht gesund? Magazin xyz hat das doch neulich erst geschrieben. Ja, es gibt Stoffe im Kaffee, die gesund sein können. Die Polyphenole gehören beispielsweise dazu. Die finden wir allerdings auch in den Blättern der Weinrebe und die essen wir trotzdem nicht regelmäßig. Polyphenole finden sich darüber hinaus auch im Tee und in so ziemlich allen pflanzlichen Nahrungsmitteln, vor allem in Gemüse. Und das kommt sowieso jeden Tag in großer Menge auf meinen Teller.

 

Unser neues Buch ist da! Interessiert dich, welche Auswirkungen Stress auf unseren Körper hat und wie du ihnen entkommen kannst? In „Diagnose: Nebennierenerschöpfung“ zeigen wir, welche Auswirkungen chronischer Stress auf unseren Hormonhaushalt hat und wie du selbst dafür sorgen kannst, dass dein Körper sich auf natürlichem Wege erholt. Weitere Informationen findest du auf www.nebennierenhilfe.de 

 

Bildquelle: rekre89 © fotolila.com