Wenn ich den Deutschen fünf allgemeine Gesundheitstipps geben sollte, würde die Salzreduktion jedenfalls nicht dazugehören.

Friedrich C. Luft, Bluthochdruck-Experte am Max-Delbrück-Center für molekulare Medizin in Berlin war 1985 an der bisher größten internationalen Studie zum Thema Salzkonsum, der „Intersalt“ beteiligt. Die epidemiologische Studie wies, wie viele Ernährungsstudien, zahlreiche Mängel auf und die Statistiker mussten einige Nachtschichten schieben, um den gewünschten Zusammenhang zwischen Salzkonsum und Bluthochdruck nachzuweisen.

Sie verglich nicht nur unvergleichliche Bevölkerungsgruppen, wie Europäer und Yanomami-Indianer, deren Lebenswelten sich auf vielen verschiedenen Ebenen deutlich unterscheiden, sondern wies auch andere methodische Mängel auf. Die Untersuchung, die die heute in der westlichen Welt empfohlene Salzzufuhr begründet, basiert auf Urinproben, die als wenig aussagekräftig gilt. Die Menge Natrium, die über den Urin ausgeschieden wird, folgt physiologischen Rhythmen, die die Salzausscheidung bestimmen. So werden nachts zum Beispiel nur 70% des Tageswertes erreicht – egal wieviel Salz konsumiert wurde. Darüber hinaus wurde nur eine Urinprobe pro Person genommen [1].

Eine neue epidemiologische Studie aus Kanada bestätigt die unsichere Datenlage. Andrew Mente von der McMaster University in Hamilton veröffentlichte 2016 im renommierten The Lancet eine Untersuchung mit 130.000 Probanden aus 49 Ländern. Seine Beobachtungsstudie ergab, dass ein erhöhter Salzkonsum von mehr als 15g pro Tag bei Bluthochdruckpatienten das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko erhöht. Ebenso stieg das Risiko unabhängig von bereits bestehenden Bluthochdruck bei weniger als 7,5g Salz pro Tag [2]. Die Deutschen konsumieren derzeit durchschnittlich 8,4g pro Tag bei Frauen und 10g bei Männern. Für Gesunde besteht also vermutlich überhaupt kein Grund auf die Salzzufuhr zu achten.

Da es sich hier nur um Beobachtungsstudien handelt, kann kaum eine zuverlässige Aussage darüber gemacht werden, was ein sinnvolles Maß ist. Klinische Untersuchungen, die die Probanden ausreichend dicht überwachen können, scheinen derzeit viel zu kostspielig. Im Gegensatz zu dem, was wir seit vielen Jahren hören und lesen, gibt es derzeit also keinen Grund für gesunde Menschen Zeit und Energie in die Reduktion von Salz in der Ernährung zu stecken.

Salz bei Paleo und Low Carb

Ich sehe insbesondere bei Menschen, die auf eine Paleo- oder natürliche Low Carb-Ernährung umstellen immer wieder, dass mit Salz sparsam umgegangen wird. Wenn auf Fertiglebensmittel verzichtet wird, dann sinkt der Salzgehalt der Nahrung fast von allein auf nahezu Null. Die Folge sind Müdigkeit, Erschöpfung, Kopfschmerzen und ähnliches. Achtet bitte unbedingt auf eine ausreichende Salzzufuhr. Wer sein Essen nicht gern salzt, kann seinen Salzkonsum auch mit einem halben Esslöffel Meersalz auf ein Glas Wasser am Tag oder einem Becher Knochenbrühe auf die Sprünge helfen.

Referenzen

[1]: Friebe R. Gesalzene Rechnung. DIE ZEIT (35). Hamburg; 2016 Aug;35.

[2]: Mente A, O’Donnell M, Rangarajan S, Dagenais G, Lear S, McQueen M, et al. Associations of urinary sodium excretion with cardiovascular events in individuals with and without hypertension: a pooled analysis of data from four studies. Lancet [Internet]. Elsevier; 2016 Jul [cited 2016 Aug 21];388(10043):465–75. Available from: http://linkinghub.elsevier.com/retrieve/pii/S0140673616304676

Bildquelle: Sea Wave – fotolila.com