Salicylate sind chemische Verbindungen, die sowohl in vielen Lebensmitteln, als auch in Schmerzmitteln wie Aspirin und Kosmetikprodukten vorkommen.

Salicylate sind Derivate der Salicylsäure. Sie kommen in vielen Pflanzen vor und dienen dort als Immunmodulator und als Schutz vor Pilzen, Insekten, Krankheit und schädlichen Bakterien. Sehr große Mengen Salicylate würden bei jedem Menschen zu negativen Reaktionen führen, jedoch sind die meisten in der Lage normale Mengen gut zu vertragen. Wie viele Menschen in Europa von der Salicylatintoleranz betroffen sind, lässt sich  nicht sagen, nur dass es mehr sein dürften als bisher angenommen.

Was passiert bei der Salicylatintoleranz?

Salicylate und andere Schmerz- und Entzündungshemmende Verbindungen, insbesondere die meist in der Rheumatologie eingesetzten nichtsteroidalen Antiphogistika (NSAID), hemmen Entzündungsvorgänge[1]. Bei intoleranten Personen ist dabei eine Aktivierung von Leukozyten, Makrophagen, Mastzellen, Thrombozyten und Lymphozyten erkennbar. Sie sind an den Krankheitserscheinungen wesentlich beteiligt[2]. Diese spezielle Art der Aktivierung wird als „Pseudo-Allergie“ bezeichnet. Die Salicylatunverträglichkeit hat zugleich Züge einer Pseudo-Allergie und einer Intoleranz[3].

Klassische Symptome

Zu den am häufigsten auftretenden Symptomen gehören Erkrankungen der Atemwege wie Asthma, Nasennebenhöhlenentzündung und die Bildung von Nasenpolypen. Weitere Symptome betreffen vor allem die Haut und den Magen-Darm Trakt. Da die Zusammenhänge oft nicht erkannt werden, kommt es zu chronisch verlaufenden Krankheitsbildern wie Urtikaria (Nesselsucht), Kolitis und Durchfall[4] [5].

Aber auch andere Symptome können damit verbunden sein:

  • Kopfschmerzen
  • Tinnitus
  • Übelkeit
  • Depression
  • Aufmerksamkeitsstörungen
  • Anschwellen von Hände und Füße
  • Verhaltensprobleme (bei Kindern)

Diagnose

Die Anamnese ist hier ein wichtiges Diagnosewerkzeug. Die Problematik ist, dass Reaktionen oft nicht direkt nach der Einnahme auftreten, sondern verzögert einsetzten. Ein Zusammenhang ist hier oft schwer feststellbar. Der Arzt wird nach Asthma, Hauterscheinungen, Schwellung der Nasenschleimhaut und Magen-Darm-Beschwerden fragen. Bei langsam wachsenden und später entstehenden Polypen in Nase und Nebenhöhlen könnte eine Salicylatintoleranz vorliegen, vor allem wenn nach einer operativen Entfernung, die Polypen rasch zurückkehren.

Es besteht die Möglichkeit eines Provokationstest.  Dabei kann man aber nur bei rasch einsetzenden Reaktionen, wie etwa Asthma, einen Zusammenhang sehen.

Salicylate in der Nahrung

Grundsätzlich zeigen, die in Pflanzen vorkommenden Salicylate und die künstliche hergestellten, ähnliche Wirkung. Auch wenn eine Intoleranz vorliegt, ist die Reaktion auf unterschiedliche chemische Verbindungen verschieden.

Die vollständige Elimination von Salicylaten aus der Nahrung ist sehr schwer, da es wenig Lebensmittel gibt die keine Salicylate enthalten. Prinzipiell sollte auf Aspirin und Ähnliches verzichtete werden und die Aufnahme über Kosmetiker möglichst eingeschränkt werden. Zu den besonders salizylathaltigen Lebensmitteln gehören:

Obst

Avocado, die meisten anderen Sorten von Äpfeln, Cantaloupe-Melone, Kirsche, Grapefruit, Mandarine, Maulbeere, Nektarine, Pfirsich, Minneola/Tangelo, Wassermelone.

Gemüse

Alfalfa-Sprossen (Luzerne), Aubergine mit Schale, Ackerbohne, Brokkoli, Gurken, Okra aus der Dose, Pastinaken, frischer Spinat, Süßkartoffel, Tomaten aus der Dose (ganz oder passiert), Brunnenkresse.

Getreide

Mais.

Samen und Nüsse

Paranüsse, Macadamia-Nüsse, Pinienkerne, Pistazien, Sesam.

Kräuter, Gewürze und Würzmittel

Hefe-Extrakte.

Öle und Fette

Mandelöl, Maiskeimöl, Erdnussöl, Sesamöl, Walnussöl.

Getränke

Kaffee.

Intoleranzen und geschädigte Darmschleimhaut

So wie andere Intoleranzen auch, kann eine geschädigte Darmschleimhaut die Entstehung einer solchen Intoleranz begünstigen. Darum kann es durchaus sein, dass Lebensmittel, die zuerst nicht toleriert werden, nach einer gewissen Zeit, durchaus wieder in die Ernährung eingebaut werden können.

Also nicht verzagen. Beginne mit einer Eliminationsdiät und entferne alle problematischen Lebensmittel.  Außerdem solltest Du ALLE Kosmetikprodukte, Duschgels, Deos, etc. genau unter die Lupe nehmen und dort nach Salicylaten Ausschau halten.

Beobachte Dich gut. Kannst Du Veränderungen bemerken? Dann kannst Du beginnen „verdächtige“ Lebensmittel wieder in die Ernährung aufzunehmen. Beobachte Dich dabei gut und Du wirst selber merken, was Dir gut tut und was nicht.


Referenzen

[1] Willis AL, Smith DL: Metabolism of arachidonic acid. In: Cunningham FM (ed.): The handbook of immunopharmacology and lipid mediators. London: Academic Press 1994; 1–32.

[2] Szczeklik A, Stevenson DD: Aspirin-induced asthma: advances in pathogenesis, diagnosis and management. J Allergy Clin Immunol 2003, 111: 913–20

[3] Schiavino D, Nucera E, Milani A, Del Ninno M, Buenomo A, Sun J, Patriarca G: The aspirin disease. Thorax 2000; 55: 66–9

[4] Velten FW, Bayerl C, Baenkler HW, Schaefer D: Functional eicosanoid test and typing (FET) in acetylsalicylic acid intolerant patients with urticaria. J Physiol Pharmacol 2006, 57: 35–46.

[5] Raithel M, Baenkler HW, Naegel A, Buchwald F, Schultis HW, Backhus B, Kimper S, Koch H, Mach E, Hahn EG, Konturek P: Significance of salicylate-intolerance in diseases of lower gastrointestinal tract. J Physiol Pharmacol 2005; 56: 89–102.