Im letzten September habe ich auf der Paleo Convention während meines Vortrags im Primal Lab einen Satz gesagt, zu dem ein befreundeter Arzt nachher meinte: „Das kannst du doch so nicht sagen.“

Der Satz lautete:

Jeder, der sein Ziel gesund zu werden nicht erreicht, sollte sich fragen, ob er das überhaupt will.

Für Menschen, die sich seit Jahren mit gesundheitlichen Beschwerden rumärgern, von Pontius zu Pilatus laufen, um Hilfe zu finden und dabei zum Teil nicht unbeträchtliche Summen ausgeben, ist ein solcher Satz selbstverständlich ein Affront. Er polarisiert und provoziert. Und das ist ok. Genau deshalb kann ich das auch so sagen.

Selbstverständlich gebe ich das hier nicht zum besten, um jemanden zu beleidigen oder gar zu verärgern, sondern um zu helfen. Das Thema und der Zusammenhang, den ich hier erarbeiten möchte ist in meinem Beratungsalltag allgegenwärtig und auch ich selbst bin davor nicht gefeit. Lass uns also gemeinsam mal ein paar Überlegungen anstellen, die dir vielleicht helfen deine mögliche Selbstsabotage zu entdecken und dich mental so weiter zu entwickeln, dass du vielleicht überhaupt erst die Möglichkeit schaffst gesund (oder schlank) zu werden und das dann auch zu bleiben. Nicht selten hängen beispielsweise auch Rückfälle hiermit zusammen.

Unsere Seele hat immer eine gute Absicht

Die Idee, dass unsere Psyche unseren Gesundheitszustand mitbestimmt, ist den meisten Lesern sicherlich nicht neu. Viele Menschen wehren sich lange dagegen sich mit ihren seelischen Wunden auseinander zu setzen, wenn sie erkranken oder vor einer vermeintlich körperlichen Problematik stehen. Das ist ganz normal. Unser Gehirn ist darauf ausgerichtet uns und die Gemeinschaft in jeder Situation unseres Lebens zu beschützen. Dafür haben wir einige Reflexe, Akut-Reaktionen, z.B. bei Stress und Gefahr, aber auch weiter greifende Schutzmechanismen. So gibt es beispielsweise die These, dass Depressionen in der Menschheitsgeschichte eher als Reaktion auf virale oder bakterielle Infektionen aufgetreten sein könnten. Der soziale Rückzug, der mit einer Depression einhergeht, könnte also dem Schutz der Gruppe dienen. Wir wissen heute, dass Depressionen ein Symptom einer systemischen Entzündung ist, die heute weniger viral oder bakteriell, als eher lebensstilbedingt auftritt.

Wenn es jetzt um unsere seelischen Schutzmechanismen geht, dann verfolgen wir mit allem, was wir tun, im wesentlichen ein einziges Ziel: wir wollen nicht verletzt werden.

Ich denke, dass dieses Ziel für die allermeisten Menschen universell gilt. In meiner Beobachtung steht dieses Ziel über allem und sicherlich empfindest du das auch so. Verletzungen, körperliche und seelische, sind unangenehm und sollten tunlichst vermieden werden. Treten sie ein, benötigen wir eine Phase der Rekonvaleszenz, also der Heilung. Offene Wunden müssen heilen. Seelisch und körperlich. Und um beide Verwundungen können wir uns aktiv kümmern.

Und hier besteht meines Erachtens die Krux, die ja auch in der Problematik unseres Gesundheitswesens deutlich wird. Eine körperliche Verletzung oder Krankheit geht immer auch mit einer seelischen Verletzung einher und umgedreht. Eine seelische Wunde bringt immer auch körperliche Beschwerden mit sich, auch, wenn sie nicht akut auftreten. Das System ist einfach so eng miteinander verknüpft. Das lässt sich nicht trennen. Unser Körper beschützt unsere Seele und unsere Seele unseren Körper. Die zwei sind Buddys, die sich aufeinander verlassen können.

Und jetzt kommt’s: der einzige, der keinen klaren Einblick in das Spiel der beiden hat, bist du. Dein Bewusstsein denkt den ganzen Tag irgendwelches Zeug und je mehr du ihm glaubst und je weniger du die beiden anderen „hörst“, desto verrückter wird es. Und dann denkst du: „Ich will aber gesund werden.“ und dein Unterbewusstsein denkt sich: „Nö. Ohne diese Krankheit würde sich mein Leben auf eine Art und Weise verändern, für die ich noch gar nicht bereit bin.“

Vielleicht denkst du jetzt, dass das nicht sein kann. Warum sollte mein Unterbewusstes mich sabotieren? Ich kann dir aus Erfahrung sagen, dass es dafür Millionen Gründe gibt. Manche Menschen müssten sich plötzlich am Haushalt beteiligen, wenn sie gesund wären. Andere müssten Verantwortung für sich übernehmen, vielleicht wieder arbeiten gehen oder Dinge tun, die sie lange nicht getan haben und die nach langer Zeit Angst machen. Gerade in diesem Fall ist der Kopf ja voll mit selbstgemachten Phantasien über ein mögliches Worst Case Szenario. „Nein, also bevor das passiert, bleib ich lieber hier sitzen.“ denkt es da an manchen Tagen.

Ich persönlich habe, zum Beispiel, ohne meine Allergien plötzlich keine eingebauten Pausen mehr. Ich muss mich jetzt selbst disziplinieren und darauf achten, dass ich nicht nur Arbeit bin und die Yoga-Stunde für mein Wohlbefinden wirklich wichtig ist. Außerdem habe ich viel mehr produktive Zeit. Warum mein Unbewusstes mich davor schützen wollte? Weil ich Angst davor hatte mit meiner Arbeit erfolgreich zu sein. Das könnte schließlich mein Leben verändern. Was auch immer Erfolg bedeutet. Für mich heißt das zum Beispiel nur, glücklich mit dem zu sein, was ich hier tue. Gern arbeiten zu gehen. Darf man das denn?

Wie kommt man dem inneren Saboteur nun auf die Schliche?

Es gibt zwei ganz einfache Fragen, die dir den Weg in die richtige Richtung weisen können – je nachdem, was dein aktuelles persönliches Ziel ist.

Wie wäre mein Leben ohne die Krankheit?
Wie wäre mein Leben, wenn ich schlank wäre?

Mal dir das Bild einmal in aller Ruhe vollständig aus.

  • Wie fühlst du dich?
  • Wie sieht dein Alltag aus?
  • Wer ist bei dir?
  • Wer ist nicht mehr bei dir?
  • Was tust du den ganzen Tag?
  • Wer spricht mit dir und was?
  • Welche Kleidung trägst du?
  • Was isst du?

Du tust damit nichts anderes, als dein Unterbewusstsein zu befragen, welche Bilder und Zusammenhänge es über das Leben und deine Rolle darin abgespeichert hat. Du holst Dinge ins Bewusstsein, die sonst im Alltag nicht sichtbar sind.

Ich bin ganz sicher du begegnest dabei Dingen, die dir aktuell noch überhaupt nicht in den Kram passen, die dir Angst machen, die für dich eine Herausforderung darstellen.

Hier beginnt dann die eigentliche Arbeit. Ich bin aber sicher, wenn du dir bewusst bist, was da ist, bist du schon einen ganz großen Schritt weiter und kannst, so wie ich hin und wieder, über das, was da in dir ist, herzhaft lachen.