Was ist eine Dünndarmfehlbesiedelung oder SIBO?

SIBO steht für Small Intestinal Bacterial Overgroth und bezeichnet ein Über- bzw. Fehlbesiedlungssyndrom des Dünndarms. Wie eingangs erwähnt, ist die physiologische Keimzahl im Dünndarm, verglichen mit dem Dickdarm, eher gering. Liegt die Bakterienkonzentration über 105/ ml Darminhalt, so spricht man von einer bakteriellen Fehlbesiedelung[1]. Dabei wir die natürliche Dünndarmflora aus vorwiegend Laktobazillen und Enterkokken zurückgedrängt. Die Keimzahl von Bacterioides, Bifidobakterien und Clostridien nimmt massiv zu. Diese Bakteriengattungen fermentieren besonders gerne Zucker. Im Gegensatz zum Dickdarm, werden Fermentationsprozesse im Dünndarm sehr schlecht vertragen. Die, bei der Vergärung von Zucker, endstehenden Endprodukte können dann zu teilweise heftigen Symptomen führen, wie Malabsorption, Leaky Gut und auch Sodbrennen.

Mehr über die Entstehung, Symptome und Behandlung kannst Du in diesem Artikel lesen. Ich möchte in diesem Beitrag nur auf die Frage eingehen, ob eine ergänzende Einnahme von Probiotika bei SIBO angebracht ist und worauf man bei der Wahl eines Präparats achten sollte.

Probiotika bei SIBO

Versuche, SIBO mit Probiotika zu behandeln zeigen bis jetzt, milde gesagt, sehr gemischte Ergebnisse[2]. Das Problem bei SIBO ist, dass wir oft eine Überbesiedelung von D-Laktat produzierenden Bakterienstämmen finden. Dies führt zu einer Anreicherung von D-Laktat im Dünndarm und zu vielen der Symptome, die mit SIBO assoziiert sind.

Das bedeutet, wir wollen Probiotika, die D-Laktat produzierende Bakterienspezies enthalten, möglichst vermeiden. Ein typischer Vertreter wäre Lactobacillus acidophilus. Das ist leider auch eine Spezies, die besonders häufig Teil herkömmlicher Probiotika ist.

Eine Alternative stellen Präparate dar, die frei von laktatproduzierenden Bakterienstämmen sind. Eine andere, äußerst vielversprechende Möglichkeit, ist die Verwendung von sogenannten „soil-based organisms“. Mit „soil-based“ ist gemeint, dass dies Mikroorganismen sind, die üblicherweise in der Erde vorkommen. Immer mehr Studien zeigen, dass diesen Bakterien große Bedeutung in unserem Verdauungstrakt zukommt. Wir wissen, dass Kinder, die oft im „Dreck“ spielen oder auf Bauernhöfen und in der Gesellschaft von Tieren aufwachsen, weniger oft an Allergien und Immunsystem-assoziierten Krankheiten leiden.

Unsere Vorfahren und auch heute lebende Jäger-Sammler hatten und haben sicherlich nicht die Möglichkeit, die gefundene Nahrung abzuwaschen. Das bedeutet, es ist sehr wahrscheinlich, dass wir in eine Art Co-Evolution, eine symbiontische Beziehung mit diesen Erdbakterien aufgebaut haben.

Da diese Bakterienstämme andere Stoffwechselvorgänge und Bedürfnisse haben als laktatformende Bakterien, werden sie oft von SIBO Patienten besser vertragen.

Gute Ergebnisse sieht man auch mit einer bestimmten Hefe Art, Saccharomices Boulardii. Saccharomyces boulardii ist eine Hefe, die normalerweise für die Behandlung extremer Durchfälle eingesetzt wird. Sie zeigt aber noch ganz andere Qualitäten: S. bloulardii hat entzündungshemmende Wirkung und verhindert die Besiedelung des Darms mit Candida albicans, einem pathogenem Hefevertreter. Außerdem verbessert (=verringert) es die intestinale Durchlässigkeit und unterstützt die Reparatur der Darmmucosa[3] [4].

Grundsätzlich sollte eine SIBO-Therapie aber aus zwei Schritten bestehen:

  1. Die Bakterien aushungern
    mit einer speziell abgestimmten Ernährung, soll den Bakterien so wenig Nahrung wie möglich geliefert werden. Gleichzeitig muss die Versorgung mit wichtigen Mikronährstoffen erhöht werden.
  2. Die Bakterien mit der chemischen Keule bekämpfen
    Antibiotika und Pflanzen mit anti-mikrobiellen Eigenschaften stehen hier zur Verfügung.
    Das Antibiotikum der Wahl ist heutzutage Rifaximin. Pflanzliche Substanzen sind Allicin (aus Knoblauch), Oreganoöl, Monolaurin oder Zimt.

Referenzen

[1] G. Michels u. a.: Klinikmanual Innere Medizin. Springer, 2009, ISBN 978-3-540-89109-3, S. 354–355.

[2] Dukowicz AC, Lacy BE, Levine GM. Small Intestinal Bacterial Overgrowth: A Comprehensive Review. Gastroenterology & Hepatology. 2007;3(2):112-122.

[3] Jawhara S. 2012. Modulation of intestinal inflammation by yeasts and cell wall extracts: strain dependence and unexpected anti-inflammatory role of glucan fractions. PLoS One. 7(7):e40648. doi: 10.1371/journal.pone.0040648. Epub Jul 27.

[4] Chen X. 2013. Probiotic yeast inhibits VEGFR signaling and angiogenesis in intestinal inflammation. PLoS One. May 13;8(5):e64227. doi: 10.1371/journal.pone.0064227.