Viele Menschen stellen ihre Ernährung irgendwann um, weil der Arzt mit den Laborergebnissen und dem ganzen Zaun gewunken hat. Letzte Station: abnehmen, sonst droht Diabetes, Herzinfarkt und vieles schauriges mehr. Vielleicht stellst auch du gerade deine Ernährung um, weil dein Arzt mit deinen Blutwerten bei der letzten Untersuchung nicht ganz einverstanden war.

In der westlichen Hemisphäre gehören Fettstoffwechselstörungen der unterschiedlichsten Couleur mittlerweile zu den häufigsten Erkrankungen im Erwachsenenalter, die mit der Übergewichtswelle in unserer Gesellschaft einher gehen. Nicht-alkoholische Fettlebern, ungünstige Cholesterinwerte, eine unzureichende Galleproduktion oder sogar die Entfernung derselben, Gallensteine, Durchfall nach fettigem Essen usw. sind die Folgen der westlichen Ernährung mit viel Zucker und Brot.

Auch wenn ein erhöhter Cholesterinspiegel nicht unbedingt ein guter Anhaltspunkt dafür ist, ob du tatsächlich ein erhöhtes Risiko hast, einem Herz-Kreislauf-Leiden zu erliegen, drängen Ärzte gern auf Korrektur und viele Menschen fühlen sich verunsichert.

Wichtiger als der Gesamtcholesterinwert sind übrigens die Triglycerid- und HDL-Werte, die in einem guten Verhältnis zueinander stehen sollten. Die Triglyceride-zu-HDL Ratio sollte bei Frauen unter 3,5 und bei Männer unter 2,5 liegen. Einen vollständigen Überblick zum Thema findest du hier ››

Oft werden den Patienten dann cholesterinsenkende Medikamente, sogenannte Statine, ans Herz gelegt, die das Problem dann auf medikamentösem Wege richten sollen. Die handelsüblichen Statine sind allerdings leider nicht ohne Nebenwirkungen. Muskelschmerzen gehören wohl zu den häufigsten Begleiterscheinungen einer Statin-Therapie, aber auch die zunehmenden kognitiven Störungen bis hin zu Demenz und Alzheimer, scheinen in einem Zusammenhang zur flächendeckenden Statin-Behandlung zu stehen.

Dabei sind Statine zur Beeinflussung der Cholesterinwerte unter Umständen gar nicht nötig, denn es gibt einige Heilpflanzen, die mindestens ebenso gut, wenn nicht sogar besser wirken, als Statine. Mit ihnen lässt sich das erhöhte Cholesterin natürlich senken. Eine dieser Pflanzen, die sich in der Phytotherapie in ihrer Wirkung auf die Leber und damit auf den Fettstoffwechsel besonders nützlich erwiesen hat, ist die Artischocke.

Die Wirkung der der Artischocke auf die Leber ist bereits seit dem 17. Jahrhundert bekannt und wurde seither in der Medizin angewendet. Sie wird heute entweder in Pulverform als Trockenextrakt (zumeist in Kombination mit Mariendistel) oder als frisch gepresster Heilpflanzensaft angeboten.

Wirksame Inhaltsstoffe der Artischocke

Aus chemischer Perspektive enthalten die Blätter der Artischocke eine ganze Reihe wirksamer Inhaltsstoffe, darunter vor allem Derivate der Kaffeesäure, Flavonoide, gesättigte, ungesättigte und mehrfach-ungesättigte Fette, verschiedene Zucker, Aminosäuren, einige Enzyme und Mineralstoffe. Zu Beginn der Forschung um die Artischocke wurde ihre Wirkung vor allem der Kaffeesäure zugeschrieben.

Der Wirkstoff Cynarin in der Kaffeesäure hat einen anregenden Effekt auf den Gallefluss und ist zumindest teilweise dafür verantwortlich, dass sich mit Zubereitungen aus der Artischocke Cholesterin natürlich senken lässt.

Flavonoide, und hier ganz besonders Luteolin, haben einen Einfluss auf den Cholesterinspiegel über zwei verschiedene Wege. Zum einen modulieren sie die Absorption von Cholesterin, zum anderen hemmen sie die endogene Cholesterinsynthese. Sie regen außerdem die Bildung von Gallensäure an und haben eine antioxidative Wirkung in Leber und Blut.

Sesquiterpenlactone sind Sekundärmetaboliten in Pflanzen, die diesen vor allem als Abwehrstoffe gegen Fraßfeinde nützen. Sie sorgen unter anderem für den bitteren Geschmack der Artischocke und wirken toxisch auf Bakterien, Würmer und Parasiten. In der Heilkunde macht man sich einige Sesquiterpenlactone aufgrund ihrer entzündungshemmenden Wirkung seit Jahrhunderten zunutze.

Phytotherapeutische Wirkung der Artischocke

Die Wirksamkeit der Artischocke auf die verschiedenen Fettstoffwechselstörungen und auf einzelne Parameter der Herz-Kreislaufgesundheit ist heute gut untersucht.

Die wichtigsten Wirkfelder sind:
1. Blutfett-senkende Wirkung
2. hemmende Wirkung auf die Cholesterin- und Triglycerid-Synthese
3. Antioxidative Wirkung
4. leicht Blutzucker-senkende Wirkung
5. Leberschützende Wirkung
6. Leberregenerationsfördernde Wirkung
7. Gallenfluss anregende Wirkung
8. Gallenblase entleerende Wirkung

Das am weitesten verbreitete Anwendungsgebiet der Artischocke ist sicherlich ihre regulierende Wirkung auf den Fettstoffwechsel, sprich auf den Cholesterinspiegel. Mit der Artischocke lässt sich Cholesterin natürlich senken. In einer Vielzahl von Studien konnte nachgewiesen werden, dass Artischocken-Extrakt die Biosynthese von Cholesterin und Triglyceriden hemmt, die Oxidation von LDL-Cholesterin verhindert und sie über die Anregung der Gallensäureproduktion zu einer vermehrten Ausscheidung von Cholesterin aus Blut und Leber beiträgt. Darüber hinaus haben die Wirkstoffe der Artischocke auch einen stimulierenden Einfluss auf die HDL-Synthese, indem sie die Bildung der Apolipoproteine A1 und A2 in der Leber anregen.

Eine Studie aus dem Hause Novartis zeigt beispielsweise, dass sich durch die Gabe von 1800mg Trockenextrakt sowohl Gesamtcholesterin, als auch die LDL und HDL-Werte verbessern lassen. An dieser 6-wöchigen Doppelblind-Placebo-kontrollierten Studie nahmen 143 Patienten mit einem Gesamtcholesterin von > 280mg/dl teil. Das Gesamtcholesterin konnte in der Artischocken-Gruppe um 18,5% gesenkt werden, verglichen mit 8,6% in der Placebo-Gruppe. (Man beachte, dass sich schon allein durch die Wirkungsannahme (Placebo) der Cholesterinspiegel um fast 9% senken ließ.) Die LDL-Werte fielen um 22,9% (vs. 6,3%) und auch die LDL/HDL Ratio verbesserte sich um 20,2% (vs. 7,2%). Bemerkenswert ist, dass in dieser – und allen anderen Untersuchungen – keine Nebenwirkungen bei der Einnahme von Artischocken-Extrakt oder -Saft auftraten. Im Gegensatz zur Anwendung von Statinen (Cholesterinsenkern), die im Durchschnitt eine 30%-ige Absenkung des Gesamt- oder LDL-Cholesterins bewirken, ist die Verwendung der Artischocke also vor allem aus der Perspektive der Nebenwirkungen durchaus interessant.

Rondanelli et al. (2013) zeigen in ihrer Übersicht zur Wirkung der Artischocke, dass in den 1960-1990er Jahren durchaus gute Ergebnisse bei der Senkung des Gesamtcholesterins und der Triglyceride mithilfe der Artischocke erzielt werden konnten. Wie nachfolgenden Tabellen zu entnehmen ist, konnte in einigen Studien schon nach kurzer Zeit eine deutliche Verbesserung der Werte festgestellt werden.

Tabellen aus Rondanelli et al. (2013)

Verbesserung der Fettverdauung im Magen-Darm-Trakt

Neben der Lipidsenkenden oder besser gesagt: Lipidmodulierenden Wirkung, halte ich nach Jahrzehnten der fettarmen Ernährung die Wirkung der Artischocke auf die Funktionsfähigkeit der Leber und der Galle für besonders erwähnenswert.

Wer sich jahrelang fettarm und kohlenhydratreich ernährt hat, leidet mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit auch unter einer eingeschränkten oder gestörten Funktion der Gallenproduktion in der Leber, der Gallenblase oder der Gallenabgabe zu den Mahlzeiten. Das macht sich in Form von Durchfällen nach fettigen Mahlzeiten, Blähungen und Völlegefühlen bemerkbar. Um Galle zu produzieren, benötigen wir Fett und um ausreichend Galle abzugeben, müssen wir Fett essen. Diesen Prozess kann man durch eine langsame Steigerung der Fettaufnahme grundsätzlich trainieren und in der Zwischenzeit auf leicht verdauliche Fette, wie etwa Kokosöl zurückgreifen. Aber auch hier hilft die Artischocke, die sowohl eine anregende Wirkung auf die Produktion von Gallenflüssigkeit in der Leber hat, aber auch auf die Kontraktion und damit die Entleerung der Gallenblase anregend wirkt.

Eine Therapiestudie aus dem Jahr 2009 mit 110 Patienten, die unter verschiedenen Verdauungsbeschwerden, wie Appetitlosigkeit, Druck-, Schwere- oder Spannungsgefühlen, Völlegefühlen, Bauchschmerzen, krampfartigen Schmerzen, Übelkeit, Aufstoßen oder Blähungen litten, konnte festgestellt werden, dass die Gabe von 3x 10ml Frischpflanzensaft der Artischocke über 6 Woche schon deutliche Verbesserungen der Beschwerden brachte, die nach 12 Wochen weiter gesenkt werden konnten. Die subjektive Einschätzung der Patienten ergab nach 12 Wochen eine Verbesserung der Beschwerden um 60-80%. So konnten Bauchschmerzen und Übelkeit zu über 80% reduziert werden, Völlegefühle und Blähungen zu etwa 70% und auch das Aufstoßen und Appetitlosigkeit, die oft mit der Leber zusammen hängt, um rund 60%. Auch wenn dieser Studie die Placebo-Kontrolle fehlt – schließlich legen sich einige Verdauungsbeschwerden nach 12 Wochen auch von allein wieder – dürfte die Anwendung des Saftes jedoch durchaus einen Beitrag geleistet haben. Ein Teil der Wirkung ist jedoch sicher den auch den Bitterstoffen zuzuschreiben, die bereits bei Geschmack im Mund die verschiedenen Verdauungssäfte anregen. (Bei der Verwendung von Saft ist eine Doppelblind-Studie nicht durchführbar. Für die Kapselform existieren entsprechende Untersuchungen durchaus und zeigen ähnliche Wirkungen.)

Fazit

Fettstoffwechselstörungen der unterschiedlichen Art sind heute weit verbreitet. Während der eine mit ungünstigen Cholesterin-Werten kämpft, hat sich der andere die Verdauung von Fett durch eine fettarme Kost abtrainiert. Für beide bietet die Artischocke wirksame Inhaltsstoffe, die die Funktionsweise der Leber und damit die Produktion von ausreichend Gallenflüssigkeit, die Fettverdauung, die Cholesterin- und Triglycerid-Synthese positiv beeinflussen. Cholesterin natürlich senken ist also auch mit Hilfe von Heilpflanzen durchaus möglich.

 


Referenzen

Dorn, M. (1994). Besserung erhöhter Lipidwerte mit florabio naturreinem Heilpflanzensaft Artischocke. Ärztezeitschrift Naturheilverfahren, 35, 796–802.

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Rondanelli, M., Monteferrario, F., Perna, S., Faliva, M. A., & Opizzi, A. (2013). Health-promoting properties of artichoke in preventing cardiovascular disease by its lipidic and glycemic-reducing action. Monaldi Archives for Chest Disease – Cardiac Series, 80(1), 17–26. https://doi.org/10.4081/monaldi.2013.87

Sahebkar, A., Pirro, M., Banach, M., Mikhailidis, D. P., Atkin, S. L., & Cicero, A. F. G. (2017). Lipid-lowering activity of artichoke extracts: a systematic review and meta-analysis. Critical Reviews in Food Science and Nutrition, 00–00. https://doi.org/10.1080/10408398.2017.1332572

Winter, Y., & Wegener, T. (2009). Zuverlässige Wirkungen des Presssaftes aus Artischockenblütenknospen bei Verdauungsbeschwerden. Zeitschrift Für Phytotherapie, 30(3), 111–116. https://doi.org/10.1055/s-0029-1225925

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