Methy-Was? Keine Angst, wir gehen jetzt nicht zu tief in die Biochemie. Der Prozess der Methylierung, ist ein ganz wichtiger, in unzähligen Stoffwechselvorgängen im Körper, und leider auch einer, der sehr oft gestört ist.

In diesem Artikel werde ich Dir ganz kurz erklären, was Methylierung eigentlich ist, welche Folgen eine eingeschränkte Methylierungsleistung auf deine mentale Gesundheit hat und wie Du herausfinden kannst, wo Du stehst.

 

Also, was ist Methylierung?

Als Methylierung wir der Prozess bezeichnet, bei dem eine Methylgruppe, von einem Molekül auf ein anderes übertragen wird. Die Methylgruppe besteht aus einem Kohlenstoffatom und drei Wasserstoffatomen (CH3).

Im Körper wird die Methylierung durch Enzyme katalysiert. Die Methylierung ist an zahlreichen Vorgängen im Körper beteiligt, wie zum Beispiel der Genexpression, Proteinfunktion, Entgiftung, Neurotransmittersynthese, und vielem mehr.

Die Methylierungsfähigkeit wird in erster Linie durch zwei Faktoren bestimmt, genetische Prädisposition (MTHF  und COMT Mutationen) und Mangel an elementaren Mikronährstoffen – im speziellen B12 (Methylcobalamin), B6, Betain und Folat (Methylfolat).

Woher bekommt man Methylgruppen?

Der Körper kann Methylgruppen selber herstellen, zum Beispiel das S-Adenosylmethionin (SAMe).  Methylgruppen können auch mit der Nahrung aufgenommen werden. Eine Ernährung, die vor allem auf natürliche und frische Zutaten setzt, wie die Paleo-Ernährung, liefert ausreichend Methylgruppen. Besonders reichhaltig sind grünes Gemüse, Lamm, Huhn und Rüben. Bei einer eingeschränkten Fähigkeit zu Methylieren, kann eine Supplementierung sinnvoll sein. SAMe und TMG (Trimethylglycin) sind hier übliche Nahrungsergänzungsmittel.

Methylierung und die Psyche

Ich habe am Anfang des Artikels schon erwähnt, dass Methylierung auch bei der Synthese von Neurotransmittern eine wichtige Rolle spielt. Menschen mit verminderter Methylierungsfähigkeit weisen oft niedrige Serotonin, Dopamin und Noradrenalin Werte auf.  Der Zusammenhang zwischen Mikronährstoffdefiziten und psychischen Erkrankungen ist nicht neu. Bereits 1984 wurde ein Artikel mit dem Titel „Methylation and Mood“ in dem renommierten Wissenschaftsmagazin „The Lancet“ veröffentlicht[1].  Reynolds et al. beschreiben in ihrer Arbeit, den Zusammenhang zwischen Folsäuremangel und Depression, sowie die antidepressive Wirkung von SAMe.

Aber auch aktuellere Literatur findet sich[2]. Die Forscher fanden bei 52% der Patienten mit schwerer Depression, signifikant verminderte Folsäurewerte. In einer Review-Studie aus 2005, kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass eine Supplementierung mit Vitamin B12 und Folat, eine wichtige Strategie bei der Behandlung von Depressionen sein sollte[3]. Die Forscher würden 300mcg Folat (Methylfolat) und 1 mg Vitamin B12 (Methylcobalamin) pro Tag empfehlen.

Bin ich ein schlechter Methylierer?

Wie lässt sich nun herausfinden, ob du eine verminderte Methylierungsfähigkeit hast? Du kannst zum Beispiel bei 23andme einen Gen-Test machen lassen. Das ist mittlerweile wirklich leistbar geworden. Ich habe meine DNA analysieren lassen und weiß, dass ich die Mutation des MTHFR C677T Gens besitze. Einen andere Möglichkeit ist Homocystein im Blut bestimmen zu lassen. Erhöhte Homocysteinwerte sind mit verminderter Methylierungsfähigkeit verbunden.

Grundsätzlich kann man einfach mal ausprobieren, wie man auf Vitamin B12- und Folat-Supplementierung anspricht und ob sich eine Verbesserung der Symptome einstellt. Auch SAMe ist in Europa zugelassen und problemlos erhältlich.

Referenzen

[1] Reynolds, E. H., M. W. P. Carney, and B. K. Toone. „Methylation and mood.“ The Lancet 324.8396 (1984): 196-198.

[2] Bottiglieri, Teodoro, et al. „Homocysteine, folate, methylation, and monoamine metabolism in depression.“ Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry 69.2 (2000): 228-232.

[3] Coppen, Alec, and Christina Bolander-Gouaille. „Treatment of depression: time to consider folic acid and vitamin B12.“ Journal of Psychopharmacology 19.1 (2005): 59-65.