Im Internet und den Gesundheitsforen schwirren viele verschiedene Begriffe herum und das kann zur allgemeinen Verwirrung beitragen. Doch bevor ich im Einzelnen auf die Unterschiede eingehe, möchte ich auf die Gemeinsamkeiten hinweisen.

Die Gemeinsamkeiten

Low-Carb (heutige Form), Paleo, Ketogen, LCHF oder Primal, alle eben genannten Ernährungsformen sind, in unterschiedlichen Ausprägungen, reduziert an Kohlenhydraten. Vor allem reduziert, im Bezug zu den offiziell geltenden Ernährungsempfehlungen in Österreich, Deutschland und der Schweiz. In allen genannten Ernährungsformen stellt der Verzicht auf  Getreide und Zucker ein zentrales Element dar.

Die Ernährungsformen im Detail

Low-Carb Diäten

Low-Carb per se, sagt eigentlich nur, dass der Anteil an Kohlenhydraten eingeschränkt wird. Aussagen zu den Anteilen der anderen beiden Makronährstoffen Protein und Fett, werden nicht definiert. Aus diesem Grund bildet die Bezeichnung „Low-Carb“ eine Art Überkategorie, in die viele verschiedene Ernährungsformen fallen.

Dies ist dann auch gleichzeitig das Problem dieses Begriffs. Die schwammige und ungenaue Beschreibung des Begriffes,  lassen viele Interpretationsformen zu. In die Gruppe der Low-Carb Diäten fallen Ernährungsformen wie LOGI, Atkins, Ketogene Ernährung, The Zone-Diet, The South Beach Diet, Montignac, LCHF, etc… Ja, all diese Diäten sind „Low-Carb“, aber dies alleine macht sie noch nicht vergleichbar.

Ab wann ist eine Diät „Low-Carb“?

Wie niedrig müssen die Kohlenhydrate sein, damit sich eine Diät als „Low-Carb“ bezeichnen darf? Eine gute Frage, und genau das ist auch der Knackpunkt. Es gibt eigentlich keine wirklich allgemein gültige Definition. Eigentlich ist jede Ernährungsform, die weniger Kohlenhydrate empfiehlt, als es die offiziellen Stellen tun, bereits „Low-Carb“. Spätestens jetzt sollte das Problem mit diesem groben Überbegriff offensichtlich werden. Eine Low-Carb Ernährung kann alles sein – von 140 g bis 10 g pro Tag. Das erklärt auch, warum Low-Carb Diäten in Studien so unterschiedliche Ergebnisse liefern. Weil nun mal eine Diät mit 140 g Kohlenhydraten pro Tag, andere Effekte hat, als eine mit 10 g pro Tag.

Very Low Carb und „wohl formuliert”

Da auch viele Forscher die Problematik erkannt haben, hat sich eine neue Nomenklatur etabliert. Diäten, die weniger als 30 g Kohlenhydrate pro Tag zulassen, werden als VLC (Very Low Carb) bezeichnet. Da noch andere Faktoren den Erfolg und Misserfolg einer Low-Carb Diät bestimmen, haben die Forscher Jeff Volek und Steven Phinney den Begriff der „wohl formulierten“ (well formulated) Low-Carb Diät eingeführt.

LCHF – Low Carb High Fat

Der Begriff LCHF hat sich als erstes in Schweden etabliert und ist nun ein anerkannter Begriff, der auch in wissenschaftlichen Publikationen Verwendung findet. Der Vorteil, zwei von drei Makronährstoffen sind definiert – wenig Kohlenhydrate und viel Fett. Die Kohlenhydrate werden im Schnitt auf  <50 g pro Tag beschränkt.

Die gedanklichen Väter von LCHF sind Atkins und Banting. LCHF stellt eine Weiterentwicklung der ursprünglichen Atkins Diät dar. Während anfänglich noch der Fokus rein auf den Makronährstoffen lag und Herkunft und Qualität eher eine untergeordnete Rolle spielte, so hat das LCHF von heute, die Ideologie der „real food“ Bewegung aufgenommen.

Das bedeutet, dass wie bei der Paleo-Ernährung (dazu später mehr) echte, unverarbeitete Lebensmittel im Vordergrund stehen. Herkunft, Fütterung und Haltungsbedingungen beeinflussen maßgeblich die Qualität der Nahrungsmittel. Milchprodukte wie Käse, Sahne und Jogurt sind Teil der LCHF Ernährung und es werden auch Süßstoffe wie Erythrit, Xylith und Stevia verwendet.

Paleo-Ernährung (auch Paläo-Diät, Steinzeit-Diät)

Die Paleo-Diät sagt nicht etwa, wie der etwas unglücklich gewählte Name suggeriert, dass wir wie Steinzeitmenschen leben und essen sollten, sondern dass wir unser evolutionäres Erbe anerkennen müssen.

Die Pioniere der Paleo-Diät sind einerseits der, Anfang des 20. Jahrhunderts lebende Zahnarzt Weston A. Price, sowie  die zeitgenössischen Wissenschaftler Loren Cordain[i] und Boyd Eaton[ii].

1894 begann Prices Interesse für Ernährung und er sah diese als Hauptfaktor in der Entstehung von Karies. Verwundert von den seit Ende des 19. Jahrhunderts zunehmenden Fällen von Zahnfäule und generellem Abbau physischer Stärke seiner Patienten, versuchte Dr. Price einen Grund für diese Symptome zu finden. Er begibt sich, zusammen mit seiner Frau, auf eine Reise um die Welt. Die Suche nach einer Antwort führte ihn zu verschiedensten Völkern über den gesamten Globus verstreut, die in Abgeschiedenheit von der modernen Zivilisation lebten.

Weston A.Price

Weston A. Price

1939 veröffentlicht er seine Ergebnisse in einem Buch „Nutrition and Physical Degeneration“. Er kommt zu dem Schluss, dass gewisse Aspekte der modernen westlichen Ernährung, vor allem Zucker, Mehl und Pflanzenfette, die Ursache für Nährstoffdefizite, Karies und andere gesundheitlichen Probleme darstellen[iii].

Prof. Dr. Loren Cordain und Dr. Boyd Eaton haben in zahlreichen Publikationen (unter anderem erschienen in: The American Journal of Clinical Nutrition, The British Journal of Nutrition und European Journal of Clinical Nutrition) über die Ernährung von steinzeitlichen und heute lebenden Jäger-Sammler Gesellschaften geschrieben und welche Auswirkungen positiven Auswirkungen ein solche Ernährung auf die Gesundheit hat.

Die Paleo-Diät ist nicht per se „Low-Carb“. Folgt mal allerdings den Lebensmittelempfehlungen, und verzichtet auf Zucker, Getreide und Hülsenfrüchte, so landet man automatisch bei einer, zumindest, kohlenhydratreduzierten Ernährungsweise. Der Fokus liegt auf möglichst unverarbeiteten Lebensmitteln, viel Gemüse, faserreiche Wurzeln, Nüsse, wenig und zuckerarmes Obst, Fleisch, Fisch Innereien und tierisches Fett. Moderne Pflanzenfette sind nicht Teil einer Paleo-Ernährung.

Ketogene Ernährung

Die ketogene Ernährung ist eine Sonderform der VLC-Diäten. Man spricht dann von einer ketogenen Ernährung, wenn es durch entsprechende Manipulation der Makronährstoffe, zur Bildung von Ketonkörpern kommt.  Eine ketogene Ernährung ist dadurch relativ gut definiert, da die Ketonkörper mit einem unkomplizierten Test in Blut oder Urin nachgewiesen werden können. Eine ketogene Ernährung besteht zum Großteil aus Fett, wenig Protein und sehr wenigen Kohlenhydraten. Die genaue prozentuale Aufteilung kann von Individuum zu Individuum sehr stark schwanken. Metabolische Gesundheit, Aktivitätsstatus und Genetik spielen hier eine Rolle.

Ketogene Diäten werden seit den 1930er Jahren als nicht-medikamentöse Therapie bei Kindern mit Epilepsie eingesetzt, und gewinnt nun auch als begleitende Therapie bei verschiedenen Krebsformen[iv] und neurodegenerativen Erkrankungen[v], zunehmend an Bedeutung.


Referenzen

[i] Cordain L, Eaton SB, Miller JB, Mann N, Hill K. The paradoxical nature of hunter-gatherer diets: meat-based, yet non-atherogenic. Eur J Clin Nutr. 2002;56(Suppl 1):S42–S52.

[ii] Eaton, S. Boyd. „The ancestral human diet: what was it and should it be a paradigm for contemporary nutrition?.“ Proceedings of the Nutrition Society 65.01 (2006): 1-6.

[iii] Price, Weston A. Nutrition and Physical Degeneration: A Comparison of Primitive and Modern Diets and Their Effects 1939. Paul B. Hoeber, Inc; Medical Book Department of Harper & Brothers.

[iv] Bozzetti, Federico, and Beth Zupec-Kania. „Toward a cancer-specific diet.“ Clinical Nutrition (2015).

[v] Gasior, Maciej, Michael A. Rogawski, and Adam L. Hartman. „Neuroprotective and disease-modifying effects of the ketogenic diet.“ Behavioural pharmacology 17.5-6 (2006): 431.