Viele Menschen sind von einem sogenannten „leaky gut“ betroffen, ohne es zu wissen. Leaky Gut – kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „undichter Darm“. Bezeichnet wird damit eine Erkrankung des Darms, bei der die Barrierefunktion des Darms gestört und die Durchlässigkeit erhöht ist. Verdauungsprobleme können ein Teil der Symptomatik sein, müssen es aber nicht. Lebensmittelunverträglichkeiten, Akne, wiederkehrenden Infekten, Energielosigkeit, Allergien, Autoimmunerkrankungen[1] oder depressiven Verstimmungen – all das dies ist eng mit dem Darm und der Darmflora, bzw. mit einer Störung dieser, assoziiert[2].

Was ist das Leaky-Gut Syndrom?

Der Darm stellt eine wichtige Barriere zwischen der Außenwelt und dem Körperinneren dar. Er liegt zwar in unserem Körper, ist aber, ähnlich einem nach innen gestülpten Schlauch, eigentlich eine äußere Oberfläche, so wie auch die Haut. Der Darm wird im Allgemeinen in zwei große Abschnitte unterteilt, den Dünndarm und den Dickdarm. Dünndarm und Dickdarm unterscheiden sich sowohl in Aussehen als auch in ihrer Funktion stark.

Der Dünndarm ist stark gefaltet, die Oberfläche ist mit Darmzotten (Vili) bedeckt, die wiederum mit mikroskopisch kleinen Zotten, den sogenannten Mikrovili, bedeckt sind. Diese mehrfache Faltung ist enorm wichtig, damit der Dünndarm seine Hauptfunktion, die Nährstoffabsorption, erfüllen kann. Im Dünndarm werden 99% aller Nährstoffe, Vitamine und Mineralstoffe aufgenommen, darum muss die Oberfläche so groß wie möglich sein.

Die Darmzellen funktionieren also wie eine strenge Grenzkontrolle und lassen nur durch, was keinen Schaden anrichten kann. Ist diese Barriere allerdings beschädigt, wie das bei dem Leaky-Gut Syndrom der Fall ist, dann gelangen unter anderem unzureichend verdaute Nahrungspartikel in die Blutbahn. Der Körper reagiert dann mit einer Aktivierung des Immunsystems und daraus folgenden Entzündungsprozessen. Wird die erhöhte Durchlässigkeit des Darms nicht erkannt, behandelt und die auslösenden Faktoren entfernt, kann dies schwere gesundheitliche Konsequenzen haben.

Was macht den Darm durchlässig?

Die Ursachen für eine erhöhte Durchlässigkeit (Permeabilität) des Darms können vielfältig sein. Fehlernährung, die entweder direkt die Darmschleimhaut angreift oder indirekt über vermehrte Entzündungsreaktionen wirkt, ist ein Faktor. Andere Faktoren sind anhaltender Stress, Medikamente und fehlende Regeneration, beispielsweise durch Übertraining.

Leaky gut, Gluten und Lektine

Gluten ist das sogenannte Klebereiweiß in bestimmten Getreidearten. Glutenhaltige Getreidesorten sind Roggen, Weizen, Gerste, Dinkel, Grünkern, Emmer, Einkorn, Kamut und Triticale.

Gluten besteht aus zwei verschiedenen Proteinen – Glutein und Gliadin. Gliadin hat die Eigenschaft, durch die Bindung an einen Rezeptor in den Darmzellen, die Verbindung zwischen den Darmzellen, den sogenannten „tight juctions“ (engen Verbindungen) zu öffnen und so die Durchlässigkeit zu erhöhen[3]. Lange dachte man, dass dieser Mechanismus nur bei Menschen mit Zöliakie zu beobachten ist, neuere Studien bestätigen aber den Verdacht, dass auch ein gesunder Darm mit erhöhter Permeabilität, also Durchlässigkeit, reagiert[4].

Lies auch hier: Die Auswirkungen von Gluten auf den Darm

Ein weiterer Faktor ist das „Verteidigungssystem“ von Pflanzen. Pflanzen haben keine Zähne und Klauen um sich zu verteidigen, hilflos sind sie jedoch keineswegs. Pflanzen haben andere Mechanismen entwickelt um sich zu schützen, zum Beispiel Lektine.

Lektine sind spezielle Proteine, die sich an Kohlenhydratstrukturen binden und daher in der Lage sind an Zellen und Zellmembranen zu binden. Durch diese Eigenschaft können Lektine aus der Nahrung an die schützende Schleimhaut des Darms binden und diese schädigen[5][6][7].

Stress und Schlafmangel

Stress, in jeglicher Form, schwächt die Barrierefunktion des Darms und führt zu einer erhöhten Durchlässigkeit. Insbesondere chronischer Stress ist Gift für unseren Organismus. Darum ist es extrem wichtig, dass man neben einer Ernährungsumstellung auch aktiv an der Stressreduktion arbeitet.

Wie kann eine Ernährungsumstellung zur Heilung beitragen?

Eine richtig formulierte, kohlenhydratreduzierte Ernährung ist essentiell für die Regeneration des Darms. Ich lehne mich bewusst an den von Dr. Phinney und Dr. Volek geprägten Begriff „richtig formuliert“ an, denn ich bin der Meinung, dass dies, besonders bei Darmerkrankungen elementar ist. Das zentrale Element einer richtig formulierte kohlenhydratreduzierten Ernährung in diesem Kontext, ist der Fokus auf Nährstoffdichte und unverarbeitete oder minimal verarbeitete Lebensmittel.

Die typische westliche Ernährung ist stark Getreide- und Kohlenhydratbasiert. Getreide ist nicht nur auf Grund seiner Wirkung auf die Darmschleimhaut äußerst problematisch. Die in Getreide und auch Hülsenfrüchten enthaltenen Antinährstoffe behindern auch die Aufnahme von wichtigen Mineralstoffen und Spurenelementen.

Durch die Elimination von Getreide werden also nicht nur schädliche Substanzen aus der Ernährung entfernt, es wird auch Platz für echte Lebensmittel geschaffen. Bei einer richtig formulierten, kohlenhydratreduzierten Ernährung stehen grünes, blättriges sowie farbenfrohes Gemüse im Zentrum. Kombiniert man dies mit tierischen Eiweiß- und Fettquellen und achtet hierbei besonders auf Herkunft und Fütterung, ist eine gute Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen gesichert.

Malabsorption und optimale Nährstoffversorgung

Die optimale Nährstoffversorgung ist ganz besonders bei einem bereits geschädigten Darm von großer Bedeutung.  Sowohl die Darmflora als auch die Darmschleimhaut sind elementar für die Absorption von Nährstoffen. Sind Darmflora und –schleimhaut geschädigt, ist auch die Nährstoffabsorption eingeschränkt.

Ein wahres „Super Food“ für die Regeneration des Darms ist selbstgemachte Knochensuppe. Sie ist reich an Kalium, Natrium, Calcium, Phosphor, Magnesium und essentiellen Fettsäuren und hilft so die geschädigte Darmschleimhaut wieder aufzubauen. Knochensuppe ist auch eine tolle natürliche Quelle für L-Glutamin. L-Glutamin ist eine Aminosäure welche eine essentielle Rolle für die Gesunderhaltung der Darmzellen spielt. Ein weiterer Vorteil ist, dass all diese wichtigen Nährstoffe, in einer für den Darm leicht absorbierbaren und wenig belastenden Form kommen.


Referenzen

[1]Fasano A. 2012. Leaky gut and autoimmune diseases. Clin Rev Allergy Immunol. 201;42(1):71-8.

[2] Taneja V. 2014. Arthritis susceptibility and the gut microbiome. FEBS Lett.

[3] Lammers, KM. et al. 2009. Gliadin Induces an Increase in Intestinal Permeability and Zonulin Release by Binding to the Chemokine Receptor CXCR3. Gastroenterology. 135(1): 194–204.

[4] Drago S .et al. 2006. Gliadin, zonulin and gut permeability: Effects on celiac and non-celiac intestinal mucosa and intestinal cell lines. Scand J Gastroenterol. 41(4):408-19.

[5] Pusztai A, et al. 1993. Antinutritive effects of wheat-germ agglutinin and other N-acetylglucosamine-specific lectins. Br J Nutr. 1993 Jul; 70(1):313-21.

[6] Freed D.L.J. 1991. Lectins in food: Their importance in health and disease. J. Nutr. Med. 1991;2:45–64.

[7] Kesherwani V. 2007. Production of TNF-alpha, IL-1beta, IL-12 and IFN-gamma in murine peritoneal macrophages on treatment with wheat germ agglutinin in vitro: involvement of tyrosine kinase pathways. Glycoconj J. 24(9):573-82.