Manchmal bin ich erstaunt wie wenig auch unter Ernährungsberatern über die Biochemie des Menschen bekannt ist. Diese Woche hatte ich so ein Erlebnis. Da erzählt mir eine Ausbilderin, dass die meisten Menschen im Alter glukoseintolerant werden. Im nächsten Satz erläutert diese Dame, dass die Ernährungsempfehlung für diese alten Menschen 290g Kohlenhydrate vorsieht. Davon übrigens 30g Ballaststoffe – ein ganz wichtiger Fakt. Nicht. Denn selbst 260g Kohlenhydrate entsprechen in etwa dem Kohlenhydratbedarf eines intensiv trainierenden Freizeitsportlers, nur, dass er einem Menschen verabreicht wird, der den ganzen Tag im Altenheim sitzt oder liegt.

Kohlenhydrate sind eine der wesentlichen Ursachen, dass Menschen im Alter dicker werden, Diabetes Typ II, metabolisches Syndrom, Bluthochdruck und andere Krankheiten entwickeln, die in unserer westlichen Welt auf dem Vormarsch sind. Diese Krankheiten sind übrigens der Grund, warum man diesen Menschen kein Fett, sondern Kohlenhydrate gibt – weil sie keinen Zucker vertragen. Klingt schizophren. Ist es auch. Aber so funktioniert das mit der Ernährung in unserem Land. Schließlich hat die DGE das so festgelegt und nur was die DGE erlaubt, wird auch von den Sozialkassen bezahlt. Leider.

Nun aber Schluss mit dem Zynismus und einmal von vorn, denn das Thema geht uns alle an.

Kohlenhydrate ist ein anderes Wort für Zucker

Diese Überschrift würde ich gern blinken lassen und riesig groß und fett unterstreichen. Ich habe mich schon häufiger bemüht diesen Zusammenhang in unserem Blog darzustellen und versuche es heute nochmal von einer chemischen Betrachtungsweise, weil es so verdammt wichtig für unsere Gesundheit ist. Kohlenhydrate sind wichtige Energielieferanten für unseren Körper, sie sind aber keinesfalls die einzigen Energielieferanten und sie sind auch nicht essentiell.

Chemisch betrachtet sind alle Kohlenhydrate Zucker, die in unterschiedlich komplexen Verbindungen in unserer Nahrung vorkommen. Ein anderer Begriff für Kohlenhydrate ist Saccharid – das klingt schon wie Zucker, oder?

Es gibt 5 Hauptkategorien für die wichtigsten Kohlenhydrate; 3 davon kommen in vielen Lebensmitteln, die wir täglich essen, vor.

Wir unterscheiden:

  • Einfachzucker (Monosaccharide)
    • Glukose/Dextrose (=Traubenzucker)
    • Fruktose (=Fruchtzucker)
    • Galaktose (=Schleimzucker, z.B. in Muttermilch)
  • Zweifachzucker (Disaccharide = 2 verbundene Einfachzucker)
    • Saccharose (Rohrzucker, Rübenzucker)
    • Laktose (Milchzucker)
    • Maltose (Malzsirup)
  • Mehrfachzucker (Polysaccharide =mehrere verbundene Einfachzucker)
    • Stärke (Kartoffeln, Getreide)
    • Zellulose aus Pflanzen (Ballaststoff)
    • Glykogen (Kohlenhydratspeicher in Leber und Muskulatur)

Es ist vollkommen unerheblich, wie komplex die Zuckerverbindung ist – einfach, zweifach oder mehrfach – über die Darmschleimhaut wird nur Einfachzucker (Glukose), Fruchtzucker (Fruktose) und Milchzucker (Galaktose) direkt in den Blutkreislauf aufgenommen. Esse ich also ein Stück Traubenzucker, ist keine Umwandlung nötig und der Zucker geht sehr schnell direkt ins Blut und mein Blutzuckerspiegel schießt sofort in die Höhe.

Die Verbindungen der Zweifach- und Mehrfachzucker werden im Dünndarm zu Einfachzucker aufgespalten, damit wir sie überhaupt zur Energiegewinnung nutzen können. Nur Einfachzucker passiert die Darmschleimhaut. Je komplexer die Zuckerverbindung ist, desto länger dauert der Prozess, d.h. die Glukose wird langsamer ins Blut abgegeben und der Blutzuckerspiegel steigt langsamer an.

Deshalb rät man gemeinhin zu stärkehaltigen Lebensmitteln, wie Getreide oder Kartoffeln, weil wir länger brauchen um die Glukose ins Blut zu transportieren, d.h. der Zuckerfluss ins Blut ist stetiger und auch die Insulinausschüttung ist stetiger. Das macht länger satt. Es ändert aber nichts daran, dass Zucker ins Blut fließt. Und genau hier liegt der Hund begraben.

Alternative Energiequellen

Ist ein Mensch nun glukoseintolerant, und das ist mit zunehmendem Alter gar nicht so selten, dann bedeutet das, dass der Blutzuckerspiegel bei Zufuhr von Glukose, also Kohlenhydraten, durch die Ausschüttung von Insulin nicht mehr richtig reguliert werden kann. Eine Glukoseintoleranz ist noch kein Diabetes, aber sie ist ein Risikofaktor dafür und auch für erste Veränderungen an Blutgefäßen, Augen und Nerven. Einem Menschen mit Glukoseintoleranz Kohlenhydrate zu empfehlen, ist, wie einem Menschen mit Laktoseintoleranz Milch zu empfehlen – absurd.

Eine alternative Energiequelle für Menschen, die bereits nicht mehr gut auf Glukose reagieren ist deshalb nicht Vollkornbrot, sondern Fett und Protein. Da zu viel Protein eher kritisch ist – auch Proteine können in Glukose umgewandelt werden – bleibt die Erhöhung der Fettzufuhr und auch hier gibt es noch ein grundlegendes Missverständnis: Fett macht nicht fett, sondern vor allem erst einmal satt.

Eine Ernährung basierend auf Kohlenhydraten macht vor allem eins: hungrig. Und das wiederum löst vermehrtes Essen und damit Übergewicht aus.

Zwar hat Fett eine höhere Energiedichte pro Gramm (9kcal im Vergleich zu 4kcal pro Gramm Kohlenhydrate), aber es ermöglicht die Regulation des Blutzuckerspiegels viel effektiver, denn es wird nicht (oder nur in Ausnahmefällen) in Glukose umgewandelt. Wir wissen heute noch nicht genau, unter welchen Umständen und ob das überhaupt möglich ist. Auf jeden Fall kann der Körper aber Fettsäuren direkt zur Energiegewinnung nutzen und das hat zahlreiche Vorteile.

Die Aufforderung, weniger (gesättigte) Fette zu essen und sie womöglich durch Kohlenhydrate zu ersetzen, widerspricht sämtlichen wissenschaftlichen Erkenntnissen der letzten Jahrzehnte.

Ulrike Gonder

Gute Fette aus der Nahrung haben außerdem einen positiven Nebeneffekt: Sie machen schneller satt, sie machen das Essen schmackhaft und sie fördern die Aufnahme lebenswichtiger Vitamine und Fettsäuren für die Bildung von Gewebshormonen.

Fazit

Es spielt keine Rolle in welcher Form Kohlenhydrate über die Nahrung aufgenommen werden. Kohlenhydrate sind Zucker. Für Menschen mit beginnender Diabetes, metabolischem Syndrom, Glukoseintoleranz – wie auch immer dein Arzt das Kind nennt – sollte unbedingt eine Umstellung auf eine kohlenhydratarme und nährstoffreiche Low-Carb Ernährung als Alternative zu einer medikamentösen Behandlung (sprich: Insulin spritzen) in Betracht gezogen werden.

Übrigens:

Für die individuelle Gestaltung einer kohlenhydratarmen Ernährung oder einer ketogenen Ernährung bei Medikamenteneinnahme sollte ein kundiger Ernährungsberater hinzugezogen werden. Eine fettreiche Ernährung beeinflusst nämlich die Medikamentenwirkung und –nebenwirkung. Sie wirken dann stärker oder müssen abgesetzt werden. Wem das wohl schadet?