Dinkel-Nuss-GugelhupfEine bedarfsgerechte Ernährung basiert nicht nur auf der individuellen Menge an Haupt- und Mikronährstoffen, sondern auch auf psychologischen Aspekten. Wie bei allem im Leben spielen dabei Intuition und persönliche Vorlieben eine übergeordnete Rolle. Bei der Zusammenstellung des Speiseplans haben viele von uns verlernt, auf ihr Bauchgefühl zu hören, und orientieren sich ausschließlich an den neusten Empfehlungen der Ernährungswissenschaft. Auch wenn viele Studienergebnisse sicher gute Hinweise für ein gesundes Ernährungsverhalten liefern, sind persönliche Vorlieben und individuelle Verträglichkeiten ebenfalls von großer Bedeutung. Wer zum Beispiel aufgrund des Booms von Superfood verschiedene Algen, Chiasamen und Co. in seinen Einkaufswegen legt, zuhause aber feststellt, dass ihm diese Produkte überhaupt nicht schmecken, sollte sie durch solche ersetzen, die ihm „das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen“. Dies soll nicht heißen, dass wir ab sofort nur noch Schokolade, Plätzchen und Pizza essen sollen. Es kommt auf das richtige Verhältnis zwischen kulinarischem Genuss – auf Wunsch auch inklusive „zuckersüßer Momente“ – und ernährungsphysiologischen Aspekten an. Und während uns die Adventszeit gerade mit besonders vielen köstlichen Versuchungen lockt, können wir diesen mit gutem Gewissen nachgeben und unsere Seele beflügeln lassen.

Purer Genuss anstatt strikter Diät

Wer sich strikt Leckereien verbietet, läuft Gefahr, früher oder später von Heißhungerattacken überrollt zu werden. Dies gilt auch im Rahmen einer Diät, wobei zahlreiche, als Diätwunder angepriesene Varianten, Süßigkeiten komplett verbieten oder Kohlenhydrate vertäufeln. Gerade bei Personen, die in puncto Ernährung verlernt haben, auf ihr Bauchgefühl zu hören, führt dies zu einer zusätzlichen Verunsicherung. Im Rahmen einer Ernährungsumstellung – dem sinnvollen Pendant zur strikten Diät – ist der Genuss ein wesentlicher Bestandteil. Wer sich Fruchtgummi, Eis, Kuchen, ein Glas Rotwein und Co. verbietet, läuft Gefahr, in die Genussfalle zu tappen. Entsprechend ist es für unser Wohlgefühl wichtig, gerade diese besonderen Highlights bewusst in den täglichen Speiseplan zu integrieren und zu genießen. Ansonsten steigt nicht nur das Risiko, dass wir abends nach einem sehr gezügelten Tag gleich eine ganze Tafel Schokolade – oder eine eben noch volle Tüte Chips – verschlingen. Aus ernährungspsychologischer Sicht ist es viel bedenklicher, dass dadurch die Basis für Essstörungen gelegt werden kann, die mitunter erhebliche Dimensionen annehmen und aus der Betroffene allein oft nicht mehr herauskommen.

Ein sinnvoller Umgang mit Süßigkeiten von Kindesbeinen anSchoko-Pflaumen-Küchlein

In puncto Prophylaxe von Essstörungen ist es darüber hinaus wichtig, Kindern einen bewussten Umgang mit Keksen, Bonbons und Co. vorzuleben. Wer Süßigkeiten als Trostpflaster einsetzt, um ein weinendes Kind zu beruhigen, setzt falsche Signale. Dieses Verhalten kann dazu führen, dass hochkalorische Lebensmittel ein Leben lang genutzt werden, um negative Emotionen zu kompensieren. Dabei bleibt der Genuss klar auf der Strecke. Je nach individueller Situation werden diese kulinarischen Tröster dann bei Stress, Langeweile, Wut oder Traurigkeit verschlungen, um sich besser zu fühlen. Kurzfristig mag dies funktionieren, kann aber früher oder später in einem schwierig zu durchbrechenden Teufelskreis münden.

Ein selbstbestimmter Genuss für Klein & Groß

Um einen bewussten Umgang mit Süßigkeiten zu fördern, hat es sich bewährt, bereits Kindern ab einem Alter von ungefähr vier Jahren eine Wochenration an Lakritz, Schoko und Co. zu geben, die es sich eigenständig einteilen kann. Es spricht nichts dagegen, wenn Kinder gelegentlich „über die Stränge“ schlagen und mehr als eine, so genannte „Genussportion“ am Tag vernaschen. Selbst wenn alles an einem Tag im Mund landet, kann dies ein wichtiger Lerneffekt sein. Wenn Kindern hingegen signalisiert wird, dass Lutscher usw. schlecht für die Gesundheit sind und sie deswegen ganz vom Speiseplan gestrichen werden, können Störungen des natürlichen Essverhaltens gefördert werden. Eltern nehmen hier eine Vorbildfunktion ein und und es ist absolut sinnvoll, zucker- oder fettreiche Lieblingsspeisen nicht nur zu tolerieren, sondern sie als tägliche Genussportion zu zelebrieren – ganz ohne den unangenehmen Beigeschmack von Reue.

Heidelbeer-SmoothieDie richtige Wahl der süßen Genüsse

Hier besetzen die individuellen Vorlieben eine Hauptrolle. Bei Kindern ist es dennoch sinnvoll zu schauen, dass die Wahl nicht auf solche Produkte fällt, die nur so vor künstlichen Farbstoffen, Geschmacksverstärkern und Co. strotzen. Eltern können diesbezüglich bereits kleinen Kindern, entsprechend des Alters, in kindgerechter Weise erklären, warum einzelne, „neon leuchtende“ Leckereien weniger geeignet sind. Ansonsten ist es empfehlenswert, die Kinder frei wählen zu lassen. Es geht hier ja nicht um große Mengen, sondern um eine Portion Süßes. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Wahl auf gebrannte Mandeln vom Weihnachtsmarkt, Gummibärchen oder ein kleines Lebkuchenherz fällt. Bei Süßigkeiten hat sich in puncto Quantität eine Handvoll als Orientierung bewährt, die entsprechend des Alters wächst. Und wenn der „Süßhunger“ trotz der bereits verzehrten Genussportion noch nicht gestillt ist, eignen sich Trockenfrüchte, frisches Obst der Saison (auch mit einem Überzug aus dunkler Schokolade), ein fruchtiger Smoothie oder ein nährstoffreicher sowie naturbelassener Müsliriegel aus Vollkornflocken, Nüssen, Honig und Co. Und noch ein weihnachtlicher Tipp: Zur Adventszeit seinen Liebsten und sich selbst einen bunt zusammen gemixten Teller aus Mandeln, Pralinen, Mandarinen, Plätzchen und Co. zusammenstellen, in den die Hände nach Herzenslust hinein greifen können.