Hast du dich dafür entschieden, auf industriellen Haushaltszucker zu verzichten oder ihn weitgehend zu reduzieren, fehlt dir vielleicht ab und zu doch etwas Süße in deinem Leben.

Dann wäre eine gesunde Portion Obst wahrscheinlich das Natürlichste. Wenn es aber doch einmal eine heiße Schokolade, ein selbstgemachtes Eis oder ein selbstgebackener Kuchen sein soll, stelle ich dir hier einige Süßungsmittel mit ihren Vor- und Nachteilen vor.

Du erfährst,

  • was hinter den natürlichen Zuckeralternativen aus den Bioregalen steckt,
  • ob es Süßstoffe gibt, die du ohne Bedenken verwenden kannst,
  • wie Zuckeralkohole gegen Karies wirken und
  • welche Ersatzstoffe sogar gesundheitsschädigender als Haushaltszucker sein können.

Vorweg einige kleine und wichtige Informationen zum Haushaltszucker: Seine wissenschaftliche Bezeichnung ist Saccharose, welche ein Zweifachzucker ist und zu 50 % aus Glucose (Traubenzucker) und zu 50 % aus Fructose (Fruchtzucker) besteht.

Alle für uns relevanten Zuckerarten (Saccharose, Maltose, Lactose, Glucose, Fructose) haben einen Energiegehalt von etwa vier Kilokalorien pro Gramm, lassen den Blutzuckerspiegel und den Insulinspiegel ansteigen.

Natürliche Süßungsmittel

In die süßen Stoffe aus der Natur wird viel Hoffnung gesetzt. Besonders um die Stevia-Pflanze und deren Zulassung gab es in den letzten zehn Jahren viel Tumult. Es gibt immer wieder eine Neuheit, die aus fernem Lande zu uns überschwappt.

In Deutschland haben es neue pflanzliche Zuckeralternativen jedoch nicht einfach. Während sie in anderen Ländern von Völkern vielleicht seit Jahrhunderten verwendet werden, unterliegen sie bei uns einem strikten Zulassungsverfahren. So kommen sie bei uns erst nach vielen Jahren – oder nie – an.

Die größtenteils natürlichen Süßungsmittel, die es schon lange bei uns gibt, sind hingegen keine besonders attraktive Alternative zum Haushaltszucker, denn sie enthalten selber jede Menge Zucker.

Fruchtzucker (Fructose): Gesunde Süße aus Früchten?

Anfang der 80er-Jahre kamen spezielle Lebensmittel auf den Markt, die statt Haushaltszucker Fruchtzucker enthielten und ein Segen für Diabetiker waren. Denn Fructose lässt den Blutzuckerspiegel langsamer und geringer ansteigen. Und die Süße aus Früchten kann doch nur gesund sein, oder?

Zumindest war das als Kind meine Vorstellung von Fruchtzucker. Auch wir hatten einen Beutel Fruchtzucker zu Hause – obwohl keiner aus meiner Familie Diabetes hatte – und jedes Mal, wenn ich mir zum Süßen etwas davon nahm, hatte ich das Gefühl, ich tue meinem Körper etwas Gutes.

Inzwischen wissen wir es aber besser.

Viele Studien und Beobachtungen zeigten, dass Fructose ein schlimmer Übeltäter ist. Sie wird nicht wie Glucose hauptsächlich in Energie umgewandelt oder in den Glykogenspeichern gelagert, sondern in Fett umgewandelt. Dadurch steigen die Fettwerte in unserem Blut und der Körper lagert Fett ein, auch in den Organen. Zusätzlich regt Fructose die Fettsynthese an, so dass Fette vermehrt aus der Nahrung als Reserve gebunkert werden.

Und noch ein weiterer Punkt: Fructose sättigt nicht so gut wie Zucker, wodurch wir mehr davon essen.

Somit kann Fruchtzucker noch stärker zu Übergewicht führen als Haushaltszucker. Essen wir regelmäßig größere Mengen, kann er außerdem eine Fettleber, Bluthochdruck, Diabetes mellitus Typ 2 und chronisch ungesunde Blutfettwerte begünstigen.

Aus diesen Gründen wurden die Diabetiker-Lebensmittel 2010 vom Markt genommen. Das war für die Industrie jedoch kein Grund, die Fructose aus allen Zutatenlisten zu streichen. Fructose hat eine höhere Süßkraft im Vergleich zu Saccharose – die Industrie muss weniger einsetzen, um mehr zu süßen. Zudem gibt es noch sehr viele Verbraucher, die Fruchtzucker für gesünder halten.

Besonders der Fructose-Sirup bietet den Herstellern viele Vorteile und wird unter anderem in Fruchtjoghurt, Fertiggerichte und Getränke gemischt. Mit der Süße aus Früchten hat das nicht mehr viel zu tun. Der Fruchtzucker wird aus den natürlichen Lebensmitteln extrahiert und stark gereinigt und verarbeitet. Je konzentrierter und isolierter er ist, desto schädlicher.

In frischem Obst hingegen ist er eingebettet in einer Vielzahl von wertvollen Stoffen, auf die wir ungern verzichten. Übertreiben sollten wir es trotzdem nicht, zwei Portionen Obst (zwei Hände voll) am Tag sind gesund.

Sobald frisches Obst weiterverarbeitet wird, sieht es mit der Fructose schon anders aus. In Fruchtsäften sind viele der wertvollen Stoffe verlorengegangen. Außerdem sättigen sie uns nicht so wie frisches Obst und wir trinken davon schnell mehr als für uns gesund ist. Getrocknete Früchte sind besonders reich an Fructose, weil ihnen das Wasser entzogen wurde.

Fructose ist also ein Zucker, den wir lieber meiden sollten und kommt als Zuckeralternative nicht in Frage.

Noch mehr Fructose: Honig, Dicksäfte und Sirupe

In den Regalen der Bioläden finden wir Süßungsmittel wie Honig, Agavendicksaft und Ahornsirup, die natürlich und gesund auf uns wirken. Im Vergleich zu Haushaltszucker wurden sie weniger stark verarbeitet und enthalten noch Mineralstoffe, Vitamine und Enzyme – allerdings in so geringen Mengen, dass sie für unsere Ernährung nicht von Bedeutung sind.

Auch diese Alternativen bestehen zum größten Teil aus Zucker – vor allem Fructose. Somit haben sie eine schlechtere Zusammensetzung als Saccharose.

Zwei Sirup-Arten tanzen hier etwas aus der Reihe: Malzsirup/ Malzextrakt und Reissirup. Beide bestehen hauptsächlich aus Malzzucker (Maltose) und Traubenzucker (Glucose) und enthalten so gut wie keine Fructose. Da viele Ernährungsreformer die Fructose als eigentlichen Bösewicht sehen, setzen sie diese Sirupe gerne als Zuckerersatz ein.

Aber auch bei ihnen gilt: Sie bestehen hauptsächlich aus Zucker und du solltest sie ebenso mit Bedacht einsetzen.

Süße Blütenpracht: Palmzucker und Kokos(blüten)zucker

Wird der Blütensaft verschiedener Palmenarten eingekocht und kristallisiert, entsteht Palmzucker. Handelt es sich bei der Palmenart um eine Kokospalme, heißt das süße Ergebnis Kokos- oder Kokosblüten-Zucker.

Palmzucker besteht hauptsächlich aus Saccharose, ist etwas weniger süß als Haushaltszucker, aber vom Gesundheits-Faktor in derselben Liga. Sein Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen ist sehr gering.

Süße Ballaststoffe aus der südamerikanischen Yacón-Wurzel

Langsam wird es etwas interessanter. Kommen wir zu drei pflanzlichen Süßungsmitteln, die keine oder sehr wenige Kalorien haben und kaum einen Einfluss auf unseren Blutzucker- und Insulinspiegel haben. Ich beginne mit zwei Sorten, die noch recht unbekannt sind: Yacón und Luo Han Guo.

Die Yacón-Pflanze kommt aus Südamerika, wo sie seit Jahrhunderten als Lebensmittel verwendet wird. Die Wurzel ist süß und hat einen hohen Kohlenhydrat-Anteil, der hauptsächlich aus Fructose besteht. Der Großteil der Fructose ist jedoch als Inulin gebunden, welches unser Körper nicht aufspalten kann.

Inulin ist ein Ballaststoff, der unser Immunsystem unterstützt. Die guten Darm-Bakterien können ihn verwerten und verbessern unsere Darmflora. Inulin ist also präbiotisch.

Die Yacón-Wurzel enthält außerdem noch einige Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium und Eisen sowie Vitamin B1 und B2, welche auch nach Trocknung und Pulverisierung zum größten Teil enthalten bleiben.

Das Pulver ist nicht wasserlöslich und eignet sich daher vor allem zum Backen.

Reines Inulin ist leicht süßlich und du kannst es als Zuckerersatz verwenden – jedoch nur in geringen Mengen, weil du sonst Blähungen und Durchfall bekommen kannst. Es ist bei uns in Pulverform besser erhältlich als die Yacón-Wurzel. Inulin wird zum Beispiel aus Topinambur und Chicoreé gewonnen und insbesondere als Ballaststoff verkauft.

Lebensmittel-Hersteller setzen es schon seit Längerem als Fettersatz (zum Beispiel in Joghurt) ein, weil es die Konsistenz verbessert oder um den Ballaststoffanteil in Produkten wie Wurst zu erhöhen.

Luo Han Guo: die super-süße Frucht aus China

Die Früchte der Pflanze Luo Han Guo verwenden die Chinesen als natürlichen Süßstoff und als Heilmittel in der Traditionellen Chinesischen Medizin.

Die frischen Früchte bestehen zu einem Drittel aus Glucose und Fructose. Ihre Süße entsteht aber vor allem durch eine Stoffgruppe namens Mogroside. Bei der Herstellung des Süßungsmittels wird das Pulver der getrockneten Frucht bis zu 80 % mit Mogrosiden angereichert. Zum Vergleich: Die getrocknete Frucht enthält 1 % Mogroside. So wird eine Süßkraft erreicht, die bis zu 300 Mal stärker ist als Zucker und dabei kaum Kalorien enthält (0,5 Kilokalorien pro Gramm).

Das Pulver der Luo Han Guo-Frucht ist wasserlöslich und eignet sich auch zum Backen und Kochen. Allerdings hat es einen lakritzartigen Geschmack und ist bei uns schwer zu bekommen. Möchtest du es einmal ausprobieren, halte in größeren Asia-Geschäften danach Ausschau.

Stevia: mehr oder weniger grün

Die aus Südamerika stammende Stevia-Pflanze hat einen langjährigen Kampf um die Zulassung in Deutschland hinter sich – und er ist noch nicht beendet. Die Pflanze ist bei uns nämlich immer noch nicht zugelassen, nur die darin enthaltenen Steviolglykoside, die ihre Süße ausmachen. Sie werden bei uns seit einigen Jahren als Süßungsmittel in Lebensmitteln verwendet.

Stevia hat keine für unseren Körper verwertbaren Kalorien und verursacht kein Karies. Sie hat einen lakritzartigen, bitteren Geschmack, der sicherlich nicht für jeden ein Genuss ist. Die getrockneten Blätter sind etwa 40 Mal süßer als Zucker, die Steviolglykoside sogar 300–400 Mal. Zum Backen eignet sich Stevia nicht, da es dem Teig dann an Masse und Volumen fehlt.

Auf dem Markt findest du eine Vielzahl an Stevia-Süßungsmittel, die unterschiedlicher nicht sein können. Sieh dir die Zusammensetzungen genau an, denn wo Stevia draufsteht, ist oft kaum welches drin. Viele enthalten nur wenige Prozent an Steviolglykosiden und werden mit Traubenzucker, Maltodextrin und anderen Pulvern gestreckt.

Stevia vermittelt uns das Gefühl einer natürlichen und pflanzlichen Zuckeralternative. Der Schein trügt jedoch. Die Pflanze wird industriell stark verarbeitet, um die süß schmeckenden Substanzen daraus zu extrahieren. Viel Natürlichkeit bleibt da am Ende nicht mehr und keiner weiß bisher, was das für Nebenwirkungen haben kann.

Übersicht zu den natürlichen Süßungsmitteln

 

Name Vorteile Nachteile
Fruchtzucker (Fructose)
  • höhere Süßkraft als Saccharose
  • vermehrte Fetteinlagerung
  • schlechte Sättigung
  • hoher und regelmäßiger Verzehr ist gesundheitsschädigend
Honig
  • enthalten geringe Mengen Mineralstoffe, Enzyme und Vitamine
  • enthalten viel Zucker und vor allem Fructose
Dicksäfte
Sirupe
Palmzucker
  • enthält sehr geringe Mengen Vitamine und Mineralstoffe
  • hauptsächlich Saccharose, aber weniger süß als Haushaltszucker
Yacón-Wurzel
  • Kohlenhydrate liegen hauptsächlich in Form von Inulin vor (präbiotisch)
  • enthält Mineralstoffe und Vitamine
  • größere Mengen führen zu Blähungen und Durchfall
Luo Han Guo-Frucht (Pulver)
  • ca. 0,5 kcal/ g
  • süßer als Zucker (je nach Konzentration bis zu 300 x süßer)
  • lakritzartiger Nachgeschmack

 

Stevia/ Steviolglykoside
  • keine Kalorien
  • nicht kariogen
  • süßer als Zucker
  • Nebenwirkungen bisher nicht klar
  • bitterer, lakritzartiger Geschmack
  • zum Backen ungeeignet

 

Süßstoffe – alles nur Chemie?

Mit den Süßstoffen ist es nicht einfach. Einerseits haben sie so gut wie keine Kalorien, beeinflussen den Blutzucker- und Insulinspiegel nicht, schützen vor Karies und wurden in Deutschland offiziell (bis zu einer bestimmten Menge) als gesundheitlich unbedenklich eingestuft. Andererseits hören wir immer wieder aus verschiedenen Ecken Erschreckendes über sie: Süßstoffe machen Appetit und Hunger, verursachen Krebs und machen dick. Versuchen wir Klarheit in das Thema zu bringen:

Das Nützlichste an Süßstoffen ist wohl, dass wir nur sehr wenig davon brauchen, um etwas zu süßen und dass sie die Zähne nicht schädigen. Dass bisher keine gesundheitsschädigenden Wirkungen vollkommen belegt sind, könnte uns aufatmen lassen, wenn die Hinweise darauf nicht so beunruhigend wären und es kaum gesicherte Ergebnisse über Langzeitfolgen gibt.

Demnach könnten Süßstoffe:

  • die Darmflora verändern,
  • zu einer gestörten Glukosetoleranz führen,
  • den Insulinspiegel bei einigen Menschen ansteigen lassen,
  • Kopfschmerzen verursachen und
  • Krebs erzeugen.

Einerseits ist es für uns sehr schwierig einzuschätzen, was an diesen Behauptungen wirklich dran ist. Andererseits haben es die Wissenschaftler auch nicht leicht, ihre Erkenntnisse durchzuboxen. Denn die Industrie hält vehement dagegen – auf Süßstoffe möchte sie bestimmt nicht verzichten.

Weiter beunruhigend ist in jedem Fall, dass Süßstoffe nicht nur als Zusatzstoff in Lebensmitteln eine Rolle spielen, sondern auch zur Tiermast verwendet werden. Das funktioniert so: Süßstoffe führen dazu, dass der Körper die Temperatur hinunterfährt, wodurch er weniger Kalorien verbraucht. Die Tiere müssen weniger fressen, um mehr Gewicht zuzulegen. Das wollen wir für uns sicherlich nicht!

Zudem ist unser Gehirn gewohnt, dass ein süßer Geschmack auch die entsprechenden Kalorien folgen lässt. Die bleiben aber aus; die Folgen davon sind noch unklar.

Übersicht zu relevanten Süßstoffen

Name Süßkraft im Vergleich zu Saccharose Geschmack Gesundheitlich unbedenklich? weitere Eigenschaften
Saccharin 550 Mal bitter, metallisch nicht klar künstlich
Cyclamat 35 Mal zuckernah vermutlich künstlich
Aspartam 200 Mal zuckernah widersprüchliche Ergebnisse künstlich
Acesulfam-K 200 Mal zuckernah unbekannt künstlich
Neohespiridin DC 400–600 Mal lakritz-, mentholartig unbekannt künstlich
Thaumatin 3000 Mal lakritzartig ja (natürlich)
Sucralose 600 Mal zuckernah in der Diskussion künstlich

 

Thaumatin ist ein natürlicher Süßstoff aus den Proteinen der westafrikanischen Katemfe-Frucht. In der Industrie hat er leider nicht mehr viel mit der Natur gemeinsam. Dort wird er gentechnisch und billig produziert.

Thaumatin wurde als gesundheitlich unbedenklich eingestuft und hat deshalb keinen ADI-Wert (siehe unten). Für den Gebrauch in unseren Küchen eignet er sich trotzdem nicht: Er ist sehr teuer und lässt sich durch seine starke Süßkraft (bis 3000 Mal süßer als Haushaltszucker) sehr schwer dosieren.

Wieviel wir maximal essen dürften: der ADI-Wert

Um uns Verbraucher vor gesundheitsschädigenden Folgen der Süßstoffe zu schützen, existiert für jeden Süßstoff, der auf dem Markt zugelassen ist ein ADI-Wert (Acceptable Daily Intake). Dieser sagt aus, wie viel wir davon täglich ein Leben lang zu uns nehmen dürften, ohne dass es sich auf unsere Gesundheit auswirkt. Mehr dazu und die genauen Werte findest du beim Bundesinstitut für Risikobewertung: http://www.bfr.bund.de/cm/343/bewertung_von_suessstoffen.pdf

Wie die Süßstoffe in Kombination in unserem Körper wirken, ist noch wenig erforscht. Jedoch werden sie so meistens von der Industrie eingesetzt, weil sie sich gegenseitig in ihrer Süßkraft verstärken und unangenehme Geschmäcker vermindern.

Zusätzlich rät die Verbraucherzentrale von Süßstoffen in der Ernährung von Kindern ab, da sie immer noch sehr umstritten sind. Durch ihr geringes Körpergewicht erreichen sie den ADI-Wert außerdem recht schnell.

Zuckeralkohole – Hoffnung für die zuckerfreie Küche?

Zuckeralkohole bzw. Zuckeraustauschstoffe haben die Endung –it und –itol. Wir finden sie nicht nur in Lebensmitteln (zum Beispiel in zuckerfreien Bonbons und Kaugummi), sondern es gibt sie auch in der Natur, unter anderem in Obst.

Diese Süßungsmittel enthalten weniger oder keine Kalorien (im Durchschnitt etwa 2 Kilokalorien pro Gramm), wirken sich nicht oder kaum auf den Insulinspiegel aus und verursachen weitgehend kein Karies. Da sie zum größten Teil nicht von uns verdaut werden können, wandern sie in den Dickdarm und können dort in größeren Mengen (bei mehr als 20–30 Gramm pro Tag) zu Blähungen und Durchfall führen.

Essen wir Zuckeralkohole, entziehen sie unserem Mund Wärme und wir spüren einen Kühleffekt auf der Zunge wie wir ihn bereits von Menthol kennen.

Wie bei den Süßstoffen sind auch die gesundheitlichen Auswirkungen der Zuckeralkohole umstritten. Einige Studien weisen darauf hin, dass es durch Xylit, Sorbit und Laktit zu Nebennierenmarktumoren kommen kann. Sorbit und Xylit könnten außerdem die Triglyceride im Blut erhöhen. Für beide Hinweise gibt es bisher keine klaren Belege und sind zu hinterfragen. In jedem Fall rät auch hier die Verbraucherzentrale, nicht häufig größere Mengen zu essen sowie vor allem Maltit, Xylit und Laktit für Kinder zu meiden.

Übersicht zu relevanten Zuckeralkoholen

Name Süßkraft im Vergleich zu Saccharose Wasserlöslich? weitere Eigenschaften
Sorbit 40–60 % gering leicht kariogen; im Körper Umwandlung zu Fructose
Maltit 90 % ja geringerer Kühleffekt im Mund
Xylit 98 % gering antikariogen
Erythrit 60–80 % sehr gering gut verträglich
Isomalt 50 % nein besteht aus Sorbit und Mannit

 

Die Zuckeralkohole variieren recht stark in ihrer Süßkraft von halb so süß bis fast genau so süß wie Saccharose. Dadurch können sie Zucker gut ersetzen und bringen auch die notwendige Masse mit, die einige Lebensmittel benötigen.

Die meisten Zuckerersatzstoffe werden in der Industrie eingesetzt. Von Xylit und Erythrit gibt es inzwischen jedoch auch für uns Verbraucher eine Vielzahl von Produkten auf dem Markt. Sie nehmen unter den Zuckeraustauschstoffen eine besondere Rolle ein.

Xylit – die Zuckeralternative gegen Karies

Nie mehr Karies? Ein schöner Gedanke, oder? Auf die leidvollen Behandlungen beim Zahnarzt verzichten wir alle gerne. Dabei könnte uns der Zuckeralkohol Xylit behilflich sein. Er verursacht nicht nur kein Karies, er wirkt ihm auch noch entgegen. Die Karies-Bakterien können sich von Zuckeraustausch- und Süßstoffen nicht ernähren und somit auch nicht verbreiten, dadurch wird vorhandene Karies nicht schlimmer oder entsteht gar nicht erst. Durch Xylit sterben die Bakterien ab, Karies wird wieder etwas erhärtet und zudem fördert er die Zahnschmelzbildung.

Wegen dieser Fähigkeiten finden wir ihn insbesondere auf der Zutatenliste von Zahnpflege-Kaugummis. Um diesen Effekt zu spüren, müssten wir etwa 5 bis 10 Gramm am Tag in mehreren Portionen kauen. Das sind zum Beispiel 5 bis 10 Xylit-haltige Kaugummis.

Xylit finden wir auch in unserem Körper. Die Leber produziert ihn als Zwischenprodukt beim Kohlenhydratabbau. Untrainierte vertragen bis zu 0,5 Gramm Xylit je Kilogramm Körpergewicht (bei 70 kg sind das 35 g) über die Nahrung. Wer ihn jedoch regelmäßig isst, kann nach 3 bis 4 Wochen bis zu 200 Gramm am Tag vertragen ohne Verdauungsprobleme zu bekommen.

Die Industrie gewinnt den Zuckeralkohol meistens aus Holzzucker, deshalb sehen wir ihn auf den Markt auch oft als „Birkenzucker“.

Da seine Süßkraft fast identisch mit der von Saccharose ist, kannst du ihn in der Küche gut verwenden und Zucker eins zu eins ersetzen.

Erythrit – der gut verträgliche Neuling

Erythrit ist der Jüngste unter den Zuckeralkoholen. Er wurde 2006 bei uns zugelassen und ist als kalorienfreie Zuckeralternative erhältlich. Da wir ihn größtenteils unverändert über die Niere ausscheiden, verursacht er kaum Blähungen und Durchfall. Wir vertragen täglich ein Gramm pro Kilogramm Körpergewicht ohne Probleme.

Auch weitere Nebenwirkungen sind nicht bekannt, so dass Erythrit bisher eine Zuckeralternative ohne gesundheitliche Bedenken zu sein scheint.

Industriell wird er aus Mais gewonnen und verarbeitet. Da Erythrit kaum wasserlöslich ist, eignet er sich vor allem zum Backen. Er hat allerdings eine geringere Süßkraft als Haushaltszucker. Möchtest du also, dass dein Kuchen so süß wie gewöhnlich schmeckt, müsstest du mehr davon verwenden.

Fazit

Selbst die Zuckeralternativen, die auf den ersten Blick auf uns natürlich wirken, sind teilweise so stark industriell verarbeitet oder konzentriert, dass etwa so viel Natürlichkeit wie bei Haushaltszucker übrigbleibt.

Sorten wie die Yacón-Wurzel, die Luo Han Guo-Frucht oder Stevia-Blätter wären in ihrer getrockneten Form noch am natürlichsten, sind bei uns jedoch schwer zu bekommen und haben einen starken Eigengeschmack.

Betrachten wir die Süßstoffe, ist wohl kein einziger dabei, den wir uns und unserer Familie wirklich zumuten wollen. Ab und zu im Kaugummi oder einmal im Monat in einem Glas Diätlimo können sie uns sicherlich nicht viel anhaben. Ich würde jedoch davon abraten, sie bewusst als Zuckerersatz einzusetzen.

Zum Schluss bleiben also zwei Zuckeralkohole, die wir ohne größere Probleme und Bedenken einmal ausprobieren können: Xylit und Erythrit.

Mit allen Süßungsmitteln ist es aber genau wie mit Zucker: in Maßen statt in Massen. Setze dir als Ziel, dich davon zu lösen, immer etwas Süßes zu benötigen und nutze auch Zuckerersatzstoffe nur für seltene Ereignisse.

Denn es lohnt sich nicht nur, sich von der Sucht nach Zucker zu befreien, sondern auch von dem starken Verlangen nach Süßem.