In wenigen Tagen ist es wieder soweit. Nach der Fastnacht beginnt für viele wieder die Zeit des Fastens und der körperlichen und seelischen Reinigung. Egal, ob Verzicht auf Zucker, Alkohol oder gar der vollständige Verzicht auf Nahrung: das Frühjahr gibt uns immer wieder die Gelegenheit den ollen Trott mal zu unterbrechen und dem Körper die Chance der Regeneration zu geben. Wer nicht vollständig auf Nahrung verzichten möchte, dem möchte ich für dieses Frühjahr mal die Pumpe-Kur ans Herz legen. Ich starte auf jeden Fall wieder damit und bin gespannt welche Erfahrungen ich diesmal mache. Meine letzten Versuche habe ich wegen allzu großer Weinerlichkeit abgebrochen 😉

Heilkraft der Pflanzen

Pflanzen waren seit jeher das Mittel der Wahl bei allen möglichen Krankheiten. Egal ob Bombastus von Hohenheim (Paracelsus) oder Hildegard von Bingen – über Jahrtausende hat man Kräuter, Gemüse und andere Pflanzen genutzt, um bestimmte Leiden zu heilen. Letztlich ist genau daraus die Pharmazie entstanden. Bis vor 150 Jahren ging es in der Pharmazie weniger um Chemie, mehr aber um Biologie und Pflanzenkunde. Das Sprichwort „Dagegen ist kein Kraut gewachsen.“ deutet darauf hin, wo wir über Generationen Heilung gesucht haben: in der Natur.

Gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen. Sebastian Kneipp

Ich selber bin ein großer Fan der Phytotherapie. Kräuter, Gewürze und Gemüse haben in meinen Augen auch heute noch genau diese Funktion. Sie müssen nur eingesetzt werden und das ist leider immer seltener der Fall. So hilft zum Beispiel Oregano-Tee, wenn du dir eine ordentliche Erkältung eingefangen hast. Stattdessen laufen wir aber in die Apotheke und holen uns etwas aus dem Chemiebaukasten – obwohl Pflanzen meist genauso effektiv, nebenwirkungsarm oder sogar -frei und deutlich kostengünstiger sind.

In den letzten Jahren wird auch in der Wissenschaft immer deutlicher, warum die Heilkunst mit Pflanzen funktioniert. Die Fortschritte in der Erforschung der Epigenetik zeigen, dass zahlreiche Gene, die wir in uns tragen, durch die Vielfalt an sekundären Pflanzenstoffen aus- oder auch eingeschaltet werden können. Nicht zuletzt deshalb ist es wichtig Pflanzen zur Grundlage der eigenen Ernährung zu machen.

Die Pumpe-Kur

Das Verfahren, das vor einigen Jahren meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat und dieses Frühjahr noch einmal probiert wird, ist die Frischsaftkur nach Heinrich Pumpe. Heinrich Pumpe verfasste im Jahr 1939 eine kleine Broschüre mit dem Titel „Die Wildkräuter-Frischsaftkur im Frühjahr: Bereitg v. Wildgemüsen u. Wildsalaten“ , die damals im Kneipp-Verlag erschien. Der Titel deutet bereits darauf hin, dass es sich um eine Kur handelt, die man klassischer Weise im Frühjahr macht. Zu Pumpes Zeiten war es nötig, den Presssaft selbst herzustellen, d.h. morgens Kräuter zu sammeln und dann auszupressen. Das müssen wir heute nicht mehr unbedingt. Es gibt in den Reformhäusern gute Produkte, die ganzjährig erhältlich sind, weswegen auch nichts dagegen spricht sie im Herbst zu machen. Geht man danach, dass die Natur uns bestimmte Sachen dann liefert, wenn wir sie brauchen, dann ist die Pumpe-Kur allerdings am besten im Frühjahr platziert.

Warum sollte ich die Pumpe-Kur machen?

Pumpes Frischsaftkur dient der Entgiftung des Körpers. Sie reinigt das Blut, regt Niere und Blase an und fördert über die Bitterstoffe in den Pflanzen die Tätigkeit des gesamten Verdauungstraktes vom Mund bis zum Darm. Den Pflanzen, die in der Kur verwendet werden, werden unterschiedliche Funktionen zugeschrieben, die alles in allem und in der angegebenen Reihenfolge eine umfassende Entgiftungskur für den Körper darstellen. Kern der Sache sind neben den sekundären Pflanzenstoffen auch die Bitterstoffe, die aktivierend auf den gesamten Organismus wirken und die Verdauung anregen.

Sie entlasten den Organismus von Blockaden des  Bindegewebes, befreien von Stoffwechselendprodukten und von Herdbelastung  bzw. Fehlbesiedelung des Magen-Darm-Traktes und aktivieren damit die  Selbstheilungskräfte.

Die Naturwissenschaftler schütteln jetzt wieder den Kopf. Natürlich haben wir für die Entgiftung Leber und Niere und wir brauchen keinesfalls irgendwelche Mittelchen um zu entgiften. Das ist natürlich richtig, aber Pflanzen können die Entgiftungstätigkeit unseres Körpers durchaus anregen und fördern – im Gegensatz zu Fast Food, Bratwurst und Weißbrot. Zusätzlich enthalten sie Vitalstoffe, wie Mineralien und Vitamine, die das „normale“ Funktionieren unseres Körpers unterstützen. In einer Welt, in der viele Menschen kaum noch pflanzliche Nahrung abseits von Getreide zu sich nehmen, ist die Pumpe-Kur sicher eine gute Variante den Körper mal wieder aufzutanken und zu reinigen. Die meisten Pflanzen haben zudem eine antioxidative Wirkung und fördern die Neubildung antioxidativ wirkender Enzyme, die uns vor dem Burn-Out der Mitochondrien in der Zelle bewahren.

Neben der physischen Entgiftung soll die Pumpe-Kur auch geistige Entgiftungen mit sich bringen. Den einzelnen Pflanzen werden verschiedene geistig-seelische Wirkungen zugesprochen, die sich während der Kur einstellen können.

Fakt ist, dass die stoffwechselanregende Wirkung der Pflanzen- und Bitterstoffe auch positive Auswirkungen auf die Sauerstoffversorgung des Gehirns und der Organe hat, sie entspannen und entkrampfen, die Stimmung aufhellen und den Blutzucker stabilisieren.

Wie funktioniert die Pumpe-Kur?

Die Frischsaft-Kur nach Heinrich Pumpe dauert zwischen 6 und 8 Wochen. Sie basiert auf dem ausgepressten Saft von

  1. Löwenzahn,
  2. Brennnessel,
  3. Zinnkraut (Schachtelhalm) und
  4. Birke

Jeden Morgen und Abend wird ein Esslöffel Frischsaft mit einem Schluck Wasser verdünnt vor dem Essen getrunken. Wer sehr viel Zeit hat und im Grünen wohnt, kann die Kräuter selbst sammeln und auspressen. Wer, wie ich, in der Stadt lebt und morgens eher nicht in den Wald fahren kann, geht ins Reformhaus und findet dort gute Frischsäfte, z.B. von der Fa. Schoenenberger (zwischen 6 und 8 EUR, auch online erhältlich).

Die Flaschen aus dem Reformhaus enthalten 200ml und reichen etwa 8-14 Tage. Wenn eine Flasche leer ist, kommt der Frischsaft der nächsten Pflanze dran (Reihenfolge siehe oben). Nach 6-8 Wochen hast du alle Säfte einmal durch. Wer am Aschermittwoch beginnt, schafft es also gerade bis zur nächsten Schlemmerei an Ostern.

Stellt man fest, dass man sehr intensiv auf den Saft reagiert – Achtung: auch emotional und psychisch! – , reduziert man die Menge oder setzt den Saft ab und beginnt von vorn mit dem Löwenzahn. Die Pumpe-Kur kann bis zu 3-mal hintereinander wiederholt werden.

Wer sollte die Pumpe-Kur nicht machen?

Im Prinzip kann jeder die Pumpe-Kur zur Förderung der Entgiftung ein- oder mehrmals im Jahr machen. Einzige Gegenanzeige ist das Vorhandensein von schweren Herz- und Nierenerkrankungen und damit verbundenen Ödemen.

Wer schwere Allergien gegen eine der Pflanzen hat, kann alternativ zum Frischsaft für die einzelne Substanz auf eine Urtinktur oder Globuli in der Potenz D6 ausweichen.

Muss ich meine Ernährung ändern?

Jein, viele Autoren schreiben, dass die Pumpe Kur zusammen mit einer veganen Ernährung umgesetzt werden sollte. Davon bin ich bekanntlich kein großer Fan.

Die Heilpraktikerin und Phytoexpertin Ina Kollmorgen, von der ich die Pumpe-Kur habe, sieht das anders. Sie „erlaubt“ ihren Patienten eine pflanzenreiche Ernährung ohne Zucker, Brot, Fleisch, jedoch mit Milchprodukten und viel Wasser.

Ausreichendes Trinken ist bei der entwässernden Wirkung der Frischsäfte sehr wichtig – und ich meine nicht Coca Cola oder Bier.

Ich bleibe natürlich bei meiner Low-Carb/Paleo-Ernährung.

Über die Pflanzen in der Pumpe-Kur

Löwenzahn (Taraxacum Officinale)

Was Löwenzahn ist, muss ich hier sicher nicht beschreiben. Jeder kennt die gelb blühende Pflanze, die uns als Kinder als Pusteblume begeistert hat. Löwenzahn ist kein Unkraut, sondern seit jeher eine einheimische Heilpflanze. Besonders inhaltsreich ist die starke Wurzel des Löwenzahns, die beim Herstellen eines eigenen Frischsafts nicht vergessen werden sollte.

Die Wurzel des Löwenzahns wirkt

  • galle- und schweißtreibend
  • diuretisch (harntreibend)
  • beruhigend
  • hustenlösend
  • entzündungshemmend
  • abführend
  • wundheilend
  • blutstillend
  • antiarterosklerotisch
  • appetitanregend
  • tonisierend und stoffwechselverbessernd
  • unterstützend bei der Regeneration der Leber
  • milchbildend bei stillenden Müttern und
  • senkend auf den Blutzuckerspiegel

Emotionale Wirkung

  • beruhigt hitzige Gemüter
  • fördert die Anpassungsfähigkeit
  • weckt müde und lustlose Geister

Löwenzahn kann, wie alle anderen Pflanzen auch, auch als Tee genossen werden. In letzter Zeit ist Löwenzahn auch als koffeinfreier Kaffee (dandelion coffee) sehr beliebt.

Brennnessel (Urtica dioica)

Die Brennnessel ist ebenso verbreitet, wie bei Gärtnern unbeliebt. Verwendet werden die oberirdischen Teile der Brennnessel, die den meisten als Zutat für Tee oder Suppe bekannt sein dürften. Die Wirkung der Brennnessel ist in der Volksmedizin auf der ganzen Welt bekannt und deckt sich weitgehend mit der des Löwenzahns. Sie kann ebenfalls als Tee zubereitet werden und verbessert bei Menschen, die an Eisenmangel leiden, die Aufnahme dessen aus der Nahrung.

Emotionale Wirkung

  • vertreibt Ängste und Unsicherheiten
  • weckt die Fähigkeit für tiefe Gefühle

Zinnkraut (Ackerschachtelhalm)

AckerschachtelhalmDer Ackerschachtelhalm (auch Zinnkraut genannt) ist ebenfalls bei uns heimisch und wächst vorwiegend auf sandigem Boden in Wäldern, an Flüssen oder Sümpfen. Verwendet wird das Kraut, das Kohlenhydrate, organische Säuren (u.a. Kieselsäure), Steroide, Flavonoide, Carotinoide und Vitamin C enthält.

Wie die anderen Pflanzen treibt auch das Zinnkraut den Harn und wirkt blutstillend. Es hemmt das Wachstum entarteter Zellen und fördert die Entgiftung.

Emotionale Wirkung

  • fördert freieres Denken und Entscheidungen
  • hebt starre Strukturen auf
  • fördert Willenskraft

Birke (Betula pendula)

Das letzte einheimische Gewächs in der Pumpe-Kur ist die Birke. Sie ist nicht nur Sinnbild des Frühjahrs, sondern wird ebenfalls seit hunderten von Jahren in der Medizin und Naturheilkunde genutzt. Die Birke hat ebenfalls eine reinigende, durchspülende Wirkung und wird deshalb bei Leber-, Nieren- und Harnblasenerkrankungen, Gischt, Rheuma, Arteriosklerose, Bronchitis und Tracheitis eingesetzt. Sie steigert nämlich den Leber-, Blasen- und Nierenstoffwechsel und fördert so die Blutreinigung. In der Phytotherapie werden vor allem die Blätter und Knospen verwendet, wobei die Knospen noch Harze enthalten. Die Blätter werden als Tee bei Nierenleiden eingesetzt. In der Volksheilkunde wurde die Birke auch angeritzt und ihr Saft geerntet und getrunken.

Emotionale Wirkung

  • bringt Licht in die Dunkelheit -> wirkt aufmunternd, vor allem bei Leberdepressionen
  • fördert geistige und emotionale Flexibilität
  • löst verfestigte negative Haltungen und Ansichten

Wie stehst du zur Heilkraft der Pflanzen? Hast du Erfahrungen mit der Pumpe-Kur?

Falls ja, würde ich mich freuen zu hören, wie es dir dabei ging. Falls nicht, warum startest du nicht mit mir nach Fastnacht in die Pumpe-Kur und entdeckst, was Pflanzen mit dir und deinem Körper machen?


Literatur

Die Wildkräuter-Frischsaftkur im Frühjahr: Bereitg v. Wildgemüsen u. Wildsalaten, Heinrich Pumpe, 1939, Kneipp-Gesundheits-Verlag

Die Meisterkräutertherapie, Verlag der Heilung, Infos: https://www.heilkraeuterbuch.de