Eins vorweg: in diesem Artikel geht es um eine persönliche Beobachtung, die ich in den letzten Jahren machen durfte. Ich erhebe keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit, aber möchte dich gern zum Nachdenken über dein Leben anregen. Für Gesundheit muss Körper, Geist und Seele in Balance sein. Das ist mein Verständnis. Vielleicht entdeckst du Parallelen, vielleicht bist du auch noch nicht soweit.

Das ist nicht schlimm. Du darfst den Artikel trotzdem lesen und staunen, was mit dir in den nächsten Wochen passiert.

Schon seit Jahren fällt mir auf, dass sich in meinen Coachings und Kursen überwiegend Frauen einfinden. Das kann damit zu tun haben, dass ich selbst eine Frau bin, aber auch damit, dass die Probleme, die ich bearbeite, deutlich häufiger Frauen treffen.

Das Robert-Koch-Institut hat ermittelt, dass Frauen mit 35% im Erwachsenenalter deutlich häufiger betroffen sind, als Männer mit 24%. Vor allem aber sind Frauen von Lebensmittelallergien und Unverträglichkeiten deutlich häufiger betroffen.

Die Gründe dafür mögen vielfältig sein.

Ich möchte diesen Artikel aber einmal der Beobachtung widmen, wie Frauen so sind, wenn sie eine Unverträglichkeit entwickelt haben.

Ich spreche hier insbesondere von Lebensmittelunverträglichkeiten, d.h. Laktose-, Fruktose- und ganz besonders Histaminintoleranz.

Die Story von Mann und Frau

Neulich habe ich zum Mittagessen mit einem befreundeten Coach zusammengesessen, der aktiv in der Männerbewegung ist. Sein Spezialgebiet ist das Verhältnis zwischen den Geschlechtern. Warum suchen sich die Jungs immer die falschen Frauen? Wie finde ich eine Frau, die zu mir passt? usw.

Wir wissen alle, dass unsere Eltern einen prägenden Einfluss auf uns haben. Bestimmte Mechanismen, die unsere Eltern bereits vorgelebt haben, machen wir (unbewusst) nach. Wir suchen uns Männer, die wie unsere Väter sind. Wir entwickeln die gleichen Süchte und oft ähnliche Ansprüche. Wir kennen es eben nicht anders. Das meiste passiert einigermaßen unbewusst. So sind wir eben. Manche Dinge machen wir vielleicht bewusst gegenteilig, aber vieles bleibt einfach in uns. Manchmal holt es uns erst spät ein.

Als wir so in unseren Leben rumstöberten und erörterten, was der Vater für die Frau (mich) und die Mutter für den Mann (ihn), meinte ich, dass es interessant sei, was ich in den letzten Jahren so beobachten durfte.

Beschwerden, wie die Histaminintoleranz, haben für mich einen klar weiblichen Bezug.

Aber warum ist das so?

Äußere Stressoren bei Unverträglichkeiten

Auf geistig-seelischer Ebene ist eine Unverträglichkeit ein Zeichen dafür, dass etwas nicht verdaut werden kann. (Du erinnerst dich: ganzheitliche Gesundheit heißt Körper, Geist und Seele)

Das können äußere Einflüsse sein, wie etwa unkontrollierter und unnötiger Medienkonsum. Dieses Problem ist heutzutage natürlich weit verbreitet. Die Folgen werden wir erst in der nächsten Generation so richtig sehen.

  • Wer braucht schon soziale Medien, wenn er ein funktionierendes, echtes soziales Umfeld hat? Das ist manchmal Flucht aus dem Bestehenden.
  • Wer braucht schon angstmachende Nachrichten, wenn er versteht, dass sein Leben nur bedingt von all den Schreckensmeldungen betroffen ist? Ist das eigene Leben zu langweilig?
  • Welche Frau braucht schon Topmodels und die armen Hungerhaken, wenn sie mit sich selbst im Reinen ist? (Wie steht es um dein Körpergefühl?)

Sich darüber Gedanken zu machen, wenn man nicht mehr richtig verdauen kann, ist in meinen Augen wichtig.

Ich denke auch, dass es einen Versuch wert ist, die entsprechenden Apps vom Telefon zu löschen, die Nachrichten und sonstigen Trash einmal nicht anzusehen. Vielleicht auch für längere Zeit. Ich handhabe das lange so und habe damit wesentlich zu meiner Gesundheit beigetragen.

Für den ein oder anderen mag das ignorant klingen, aber ich habe für mich festgestellt, dass es meine Lebensqualität deutlich erhöht, wenn ich nicht jeden „Scheiß“ verdauen muss. Dann hab ich auch nicht so viel Schiss. (Die Familientherapeutin Virginia Satir hat uns gelehrt die Menschen wörtlich zu nehmen. Das darfst du hier gern auch tun. Lies die letzten beiden Sätze gern nochmal, wenn deine Verdauung ein Thema ist. Das Gegenteil ist übrigens nicht Loslassen können.)

Innere Stressoren bei Unverträglichkeiten

In den allermeisten Fällen sind es aber nicht äußere, sondern innere Faktoren, die nicht verdaut werden können. Es ist ein inneres Zuviel, ein innerer Stressor.

Ich habe meinem Freund in unserem Gespräch erzählt, dass die Frauen, die mit Unverträglichkeiten/Intoleranzen zu mir kommen, sich selbst oft unwahrscheinlichem Druck aussetzen.

Alles muss erreicht werden. Alles muss perfekt sein. Das, wofür sie sich einmal entschieden haben, müssen sie jetzt auch zu Ende bringen. Sie stehen zu ihrer Verantwortung und versuchen in allen Bereichen das Beste zu erreichen – mindestens. Auch dann, wenn der Körper bereits klare Signale sendet, dass das so nicht geht und so manches viel zu viel ist. Oder, dass der Weg einfach falsch ist.

Manchmal ist es der falsche Mann, manchmal der Job, manchmal alles. In den seltensten Fällen sind es aber sie selbst. Die eigenen psychischen Strukturen sind so eine Art blinder Fleck.

So war das auch bei mir und ich durfte meinen eigenen Anspruch an meine Leistung und an mein Leben in vielerlei Hinsicht hinterfragen. Das war kein Prozess über Nacht, sondern dauert immer noch an.

Der wesentliche Unterschied, den ich mittlerweile machen kann, ist, dass ich nicht mehr in der Opferrolle bin, sondern gelernt habe, dass ich allein für mein Leben Verantwortung tragen darf.

Nicht mein Mann, nicht meine Eltern, meine Geschwister, nicht meine Geschäftspartner, nicht mein Arzt, die Industrie oder sonst irgendjemand sind für mein Leben verantwortlich.

Ich allein darf entscheiden, ob ich etwas will und schaffe oder eben nicht. Und ich gebe dem ganzen mehr Zeit sich zu entfalten.

Warum sollte ich schließlich das, was andere mit 45 erreicht haben, schon mit 30 haben? Der Vergleich mit anderen hinkt einfach immer. Es ist mein Weg und das Gras wächst nicht schneller, nur, weil ich wie eine Wahnsinnige daran ziehe.

Das ist das unwahrscheinliche Privileg (m)eines Lebens in der westlichen Welt. Wir müssen so wenig und dürfen so viel.

Was ist also das Ding mit den Frauen heute?

Mein Freund bezog sich dann auf unsere Elterngeneration. Ich fasse darunter einmal unsere, während und nach dem Krieg geborenen Mütter. Natürlich ist jedes Familienschicksal anders, aber diese Generation Frauen ist oft ohne Vater oder mit einem Vater aufgewachsen, der nie da war. Die Männer sind entweder gefallen oder sind schwer traumatisiert aus dem Krieg zurück gekommen und haben dann mit viel Arbeit das Land aufgebaut.

Emotionale Nähe? Das ging bei vielen Männern gar nicht mehr. Wir wissen heute, was das post-traumatische Stresssyndrom ist. 1950 hat darüber niemand gesprochen. Die Männer sind zurück gekommen und haben „funktioniert“.

Wir dürfen dabei auch nicht vergessen, dass es auch unseren Omas und Uromas mit unseren Opas und Uropas schon so ging. Ich kann persönlich in meiner Familie mütterlicherseits mittlerweile mindestens drei Generationen nachvollziehen, bei denen die Männer irgendwann weg waren. Manche sind gefallen, andere früh verstorben, andere waren dank traumarisierter Eltern selbst nie zu echter Nähe fähig. Da wurden fünf Kinder nebst Bäckerei im Erzgebirge allein unterhalten. Kindergarten gab es nicht und der kranke Opa im Schaukelstuhl hat auf die Kinder „aufgepasst“.

Möglicherweise hat die ein oder andere Frau unserer Ahnen gelernt: auf die Männer ist kein Verlass.

In den letzten Jahrzehnten gab es dann eine interessante gesellschaftliche Entwicklung. Die Frauen haben sich emanzipiert. Irgendwann – und das ist noch nicht so lange her – durften die Frauen ohne Erlaubnis ihres Mannes Arbeit annehmen.

Emanzipation, von lateinischen emancipatio = die Freilassung eines Sklaven (Wikipedia)

Das war cool, denn plötzlich durften die Frauen einfach so einen Beruf ergreifen.

Und dann ist in den letzten 20 Jahren etwas schiefgelaufen. Und ich fürchte, dass das eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung ist, die mehrere Aspekte hat.

Punkt 1 …

ist, dass es auch für die Männer oft unmöglich geworden ist eine Familie allein zu ernähren. (Die Gründe darf sich jeder selbst herleiten.) Das bedeutet, dass Familie häufig überhaupt nur möglich ist, wenn beide arbeiten oder ein Einkommen beziehen. Dabei hat die Frau ja eigentlich einen Beruf und der heißt „Familie“. Darunter verstehe ich sowohl Kinder als auch (pflegebedürftige) Eltern. Die gesellschaftliche Anerkennung dessen ist mittlerweile allerdings ins bodenlose gesunken, obwohl diese Arbeit der Kern der Gesellschaft ist. Ohne Familie keine Gesellschaft.

Wir können ja schließlich nicht erwarten, dass das Ganze funktioniert, wenn die einzelnen Teile kaputt sind. Eine gesunde, funktionierende Familie ist deshalb für mich der beste Dienst an der Gesellschaft, am Wohlstand und allem, was in Zukunft damit verbunden sein wird.

Punkt 2…

Hier geht es um Prioritäten.

Ich zähle mal so ein paar Optionen auf, die ich als Frau habe:

  • Familie (Mann, Kinder, Eltern)
  • Beruf (Geld verdienen)
  • Familie + Beruf
  • Familie + Beruf + Karriere (irgendwohin Aufsteigen)
  • Familie + Beruf + Karriere + Ich (gut aussehen, fit sein etc.)

Wahrscheinlich gibt es noch mehr Aspekte, die man verfeinern kann.

Das Problem ist, dass das irgendwann zu viel für einen menschlichen Körper ist. Es fehlen viele Stunden am Tag, um alles „richtig“ zu machen. Denn, um alles auch nur gut zu machen, brauchen wir Wissen, Erfahrung und Zeit. Die Zeit geben wir uns nicht, wenn wir ‚Familie + Beruf + Karriere + Ich‘ morgen haben wollen.

Das alles ist kompliziert und vieles verstehen wir ohnehin erst im Rückblick.

Punkt 3…

Stichwort: alles richtig machen. Warum wollen wir das? Warum wollen so viele Frauen alles und dann auch noch alles richtig machen? Hier geht es eigentlich in der Essenz „nur“ um Liebe und Anerkennung.

Wie geliebt und wie anerkannt wir sind, lernen wir in frühester Kindheit. Zum ersten selbstverständlich durch unsere Mutter. Aber eben auch durch unseren Vater.

Der erste männliche Partner in unserem Leben als Frau ist unser Vater. An ihm probieren wir etwa mit 4 oder 5 Jahren das erste Mal aus, wie die Beziehung zum anderen Geschlecht funktioniert. Unsere Mutter wird in dieser Zeit zur Konkurrentin und unser Vater zum ersten Mann in den wir uns „verlieben“.

Er ist einfach unser erster männliche Kontakt im Leben. Alles, was wir in dieser Zeit über die Beziehung von Mann und Frau lernen, begleitet uns unser ganzes Leben. Im Positiven, wie im Negativen.

Ist unser Vater liebevoll und für uns da, sieht uns und schenkt uns Zuneigung, dann ist alles gut und wir werden nie ein Problem damit haben Zuneigung und Anerkennung zu empfinden.

Ist das nicht der Fall, wird es kritisch. Als kleines Mädchen kann ich mich dann abstrampeln, um die Aufmerksamkeit und Anerkennung des Vaters zu erhalten. Unter bestimmten Umständen gelingt das nie. Das ist dann der Fall, wenn der Vater körperlich oder auch emotional nicht anwesend ist (siehe oben).

Zurück bleibt dann eine Frau, die gelernt hat, dass sie einen Mordsaufwand betreiben muss, um Liebe und Anerkennung zu erhalten. Manchmal bis hin zur Selbstaufgabe.

Und trotzdem kommt keine Liebe und keine Anerkennung.

Wie lange, glaubst du, kann man das machen?

Wie lange kann man sich auf der Suche nach Liebe und Anerkennung abstrampeln, ohne es je zu erreichen und ohne, dass das körperliche Folgen hat?

Woran machst du fest, dass du für etwas, das du tust, Liebe und Anerkennung erhältst?

Es wird Zeit Erwachsen zu werden

Wenn du jetzt in einer Situation bist, in der du dein Leben nicht mehr verdauen kannst, dann wird es höchste Zeit, dass du beginnst dich mit dir selbst zu beschäftigen. Die Antworten sind in der Regel nicht im Außen zu finden, sondern Innen.

Das Essen, das du nicht verträgst, ist nur ein Symbol. (Essen ist übrigens das Symbol für Mütterlichkeit, denn die Mutter nährt…wie stehst du zu deiner weiblichen Rolle?)

  • Vielleicht bist du Single und suchst noch den Mann, der dich gut behandelt. Die letzten haben nur die Verletzungen wiederholt, die du schon (von Papa) kennst? Das ist kein Zufall. Konzentriere dich auf das, was DU möchtest. Entwickle deine Persönlichkeit weiter (Stichwort: Persönlichkeitsentwicklung).

    Ist das, was du gerade tust dein(e) Beruf(ung)? Woher weißt du, dass es in der Partnerschaft besser wird? Woher willst du wissen, dass es überhaupt in einer Partnerschaft besser ist? Vielleicht dient diese Zeit der Erkenntnis, wer du bist, damit dann jemand kommen darf, der die Person sucht, die du sein wirst? So ganz ohne Selbstzweifel, Bedürftigkeit und Kontrolle. (Tipp: kein Mann, den du wirklich haben willst, will Kontrolle und Bedürftigkeit…)

  • Vielleicht bist du in einer Beziehung und dein Mann sagt auch, dass er für dich sorgt, du vertraust ihm, aber du willst dich niemals in diese Abhängigkeit begeben, in der deine Mutter/Oma war (auf die ist eh kein Verlass).

    Gilt das heute noch? Wie sieht deine Beziehung aus? Eine Partnerschaft basiert auf Kommunikation. Kommunikation vermittelt auch ganz eindeutig und unmissverständlich Wünsche und Träume. Seid ihr im Einklang? Sprichst du vom neuen Sofa, das du so gern hättest und möchtest eigentlich nur, dass dein Mann dich in den Arm nimmt? Das kann man(n) nicht erraten. Du kannst konkret danach fragen, dann musst du nicht ins Blaue erwarten, dass dein Mann/Partner etwas denkt, was du brauchst. Gedankenübertragung läuft heute noch nicht so gut.

    Und willst du wirklich etwas verdauen, was dein Partner gar nicht denkt, sondern nur du dir ausspinnst? Was wäre, wenn du vertrauen könntest, dass es dir immer gut geht mit ihm? Wäre deine Beziehung entspannter? Wärst du entspannter? Was hindert dich daran?

  • Vielleicht bist du alleinerziehend und hast manches schon hinter dir. Du glaubst, dass du Vater und Mutter gleichzeitig sein musst. Natürlich + Beruf + Karriere und + sexy Mama. Der Druck könnte nicht größer sein.

    Aber: du kannst auch nur Mutter sein und darfst anderen Männern die Rolle des Mannes überlassen. Vielleicht möchte dein Sohn zum Fußball oder deine Tochter zum Hockey-Club?

    Vielleicht ist es die Aufgabe deines Lebens ein Kind zu erziehen, das die besten Voraussetzungen hat allein klar zu kommen? Geld ist dabei am Ende selten das Thema. Bildung, Liebe, Nähe, Vertrauen, Respekt und Kommunikation schon eher. Vorbild bist du immer und du formst in diesem Moment die Gesellschaft der Zukunft. Im Ernst: wie verantwortungsvoll kann deine Aufgabe es noch werden?

Was ich über Frauen mit Unverträglichkeiten gelernt habe

Wir wollen zu viel oder das Falsche.

Vor allem wollen wir aber etwas, das nicht is(s)t. Und können das, was is(s)t nicht verdauen.

Nicht selten, weil es eben einfach nichts mit uns zu tun hat. Liebe und Anerkennung gibt es nicht von außen.

Happiness is an inside job.