fasten

Es gibt eigentlich fast keinen Bereich der Naturheilkunde und der Ernährung bei dem man nicht ein irgendein Zitat von Hippokrates von Kos aufführen kann. So auch beim Fasten.

„Wer stark, gesund und jung bleiben will, sei mäßig, übe den Körper, atme reine Luft und heile sein Weh eher durch Fasten als durch Medikamente.“ Hippokrates von Kos

Aber natürlich hat Hippokrates das Fasten nicht erfunden. Vielmehr gehört es schon seit jeher zur Überlebensstrategie des Menschen. Hätte unsere Spezies nicht Fasten, also auf andauernde Nahrungszufuhr verzichten können, wären wir längst ausgestorben.

Was einst selbstverständlich war, ist mittlerweile jedoch in seiner Funktion für unsere Gesundheit in der westlichen Welt weitgehend in Vergessenheit geraten und nur wenige Menschen praktizieren das Fasten regelmäßig und richtig. (Wir sprechen hier nicht von religiös motiviertem Fasten, das häufig nicht mit dem vollständigen Verzicht auf feste Nahrung verbunden ist.)

Fasten ist mehr als nur der Verzicht auf Nahrung. Es hat einen positiven Effekt auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. In der Naturheilkunde ist das Fasten eines der wesentlichen Maßnahmen, um den Körper bis zu zweimal im Jahr eine Pause von allen Umwelteinflüssen zu gönnen. Der bewusste Verzicht auf Nahrung und alles was nicht lebensnotwendig ist, kann, regelmäßig praktiziert, Krankheiten vorbeugen und sogar Zipperlein heilen.

Heilfasten – ein natürlicher Weg zur Gesundheit

Im Jahr 1935 erschien das bis heute als Standardwerk des Fastens bekannte Buch „Das Heilfasten“ von Otto Buchinger. Buchinger steht aufgrund schweren Gelenkrheumas kurz vor dem Aus seiner Karriere. Mit gerade einmal 40 Jahren raten ihm Freunde zum Fasten. Nach knapp 3 Wochen war er schmerzfrei und nach eigenen Angaben sogar geheilt. Ein Schlüsselerlebnis, das ihn bestärkte das Fasten als Therapie weiterzugeben. In Fastenkliniken und Sanatorien weltweit wird auch heute noch nach seinen Anleitungen gefastet.

Beim Buchinger-Fasten wird für einen längeren Zeitraum bewusst auf feste Nahrung verzichtet. Zu Beginn der Fastenkur unterzieht sich der Fastende ein bis zwei sogenannten Entlastungstagen, bei denen nur Obst oder Reis mit leicht verdaulichem Gemüse gegessen wird. Am ersten Fastentag wird der Darm zum Beispiel mit Hilfe von Glaubersalz gereinigt. Dann beginnt das eigentliche Fasten.

Die tägliche Nahrungsaufnahme wird auf 2-3 Liter stilles Wasser und/oder Kräutertees beschränkt. Um den Entgiftungsprozess des Körpers zu unterstützen, werden verschiedene Fastenanwendungen durchgeführt. Dazu gehören leichte Bewegung an der frischen Luft, Saunagänge, Leberwickel und auch Einläufe zum Abtransport der Schadstoffe aus Galle und Leber. So entledigt man sich nach und nach von Abbauprodukten des Entzündungsstoffwechsels, des Eiweißstoffwechsels, von alten, kranken und geschwächten Zellen, Eiweißen und Fetten, Medikamentenrückständen, Lebensmittelzusatzstoffen und vielem mehr. Im Laufe des Fastens regulieren sich auch die messbaren Stoffwechselwerte: Cholesterin, Triglyzeride, Zucker und Insulin [1]

Das Heilfasten hat einen nachgewiesenen Nutzen für Menschen mit Gelenkerkrankungen wie Arthrose [2], Rheuma und auch Gicht. Aber auch bei Krebs sind mittlerweile Forschungen im Bereich des Fastens erfolgreich durchgeführt worden. So konnte in Kalifornien gezeigt werden, dass eine Chemo-Therapie bei Krebspatienten deutlich besser vertragen wird, wenn vorher einige Tage gefastet wurde [3]. Ähnliche Mechanismen scheinen übrigens auch bei der ketogenen Ernährung zu greifen.

In Deutschland wird das therapeutische Fasten vor allem in der Buchinger-Klinik am Bodensee und in Bad Pyrmont sowie in einigen naturheilkundlichen Abteilungen der Unikliniken unter ärztlicher Aufsicht über einen Zeitraum von 2 bis 4 Wochen durchgeführt. Die Erfolge, die hier erzielt werden können, sind beachtlich. Dennoch gilt das Fasten laut Techniker Krankenkasse als „medizinisch umstritten“. Und das, obwohl weltweit überwiegend positive Erfahrungen mit dem Fasten gemacht wurden. Einige Mediziner glauben jedoch, dass der Körper sich allein regeneriere.

Positive Effekte des Heilfastens

  • Abbau von Übergewicht
  • Rückgang Hyperlipidämie (zuviel Fett im Blut)
  • Reduzierung einer Fettleber
  • Unterstützend bei Diabetes Mellitus Typ II
  • Abbau von arteriosklerotischen Gefäßablagerungen
  • Ruhigstellung des Magen-Darm-Traktes
  • Verbesserung chronischer Verdauungsbeschwerden
  • Immunmodulation, z.B. bei Allergien und Abwehrschwäche
  • Verminderung entzündlicher Prozesse
  • Polyarthritis, Arthrose, Gicht, Rheuma
  • Entwässerung und Entsalzung
  • Senkung von Bluthochdruck
  • Verbesserung von Durchblutungsstörungen
  • Verbesserung des Gas- und Nährstoffaustausches zwischen den Zellen
  • Verjüngung des Eiweißpools
  • Verstärkung der Serotoninwirkung, d.h. Stimmungsaufhellung
  • Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes, Antithrombotische Wirkung
  • Einstellung einer Abneigung gegen das Rauchen

Fasten für Gesunde

Im Gegensatz zu dem von Buchinger beschriebenen Heilfasten, ist das Fasten für Gesunde eine eher präventive Maßnahme, die den Körper reinigt und ihm die Möglichkeit gibt zu regenerieren. Das regelmäßige Entschlacken, wie es Buchinger genannt hat, gibt uns die Chance alles auf null zurück zu fahren und dem Körper eine Pause von der heute allgegenwärtigen ständigen Beanspruchung zu schenken. Auch das Fasten für Gesunde wird von körperlicher Bewegung, Fastenanwendungen und ausreichend Entspannung begleitet. Bewegung beugt dem Muskelabbau vor und hat außerdem eine entgiftende Funktion.

Das Fasten für Gesunde kann in unterschiedlichen Abwandlungen durchgeführt werden, da auch schon eine Entlastung von einigen Lebensmitteln einen positiven Effekt auf das Wohlbefinden haben kann. Basenfasten, Suppenfasten und das sich gerade entwickelnde Smoothie-Fasten, gehören zu den individuell gestaltbaren sanften Fastenformen. Wer zu Hause fasten möchte, sollte sich einer Fastengruppe unter ausgebildeter Fastenleitung anschließen um das Fasten richtig zu erlernen, die richtige Geisteshaltung einzunehmen und motiviert durch die sogenannte Fastenkrise zu kommen. Viele Volkshochschulen bieten zur christlichen Fastenzeit zwischen Fastnacht und Ostern solche begleiteten Fastengruppen an. Auch geführte Fastenwanderseminare sind eine gute Alternative mal richtig abzuschalten und die Zeit des Fastens als kleines Reset zu nutzen. Dort wird mit engem Bezug zur Natur das Fasten erlernt und in der Gemeinschaft durchgeführt.

Überhaupt: die Gemeinschaft spielt beim Fasten eine wichtige Rolle zur mentalen Unterstützung. Der Fastenleiter liefert neben wichtigen Informationen zum richtigen Fasten auch Gelegenheiten zum Erfahrungsaustausch. Er oder sie liefert Motivation, wenn es schwer wird und bestärkt das Gefühl mit den Erfahrungen während des Fastens nicht allein zu sein. Denn, so formulierte Lützner, der Entwickler des Fastens für Gesunde [5]:

 „Fasten schafft starke Erlebnisse.“

Wer sollte nicht fasten

Im Prinzip kann jeder fasten, der sich bewusst dafür entscheiden kann. Gänzlich auf das Fasten verzichten sollten allerdings Schwangere und Stillende. Menschen mit fortgeschrittenen Krebs-, Nieren- und Leberleiden, Schilddrüsenüberfunktion sollten laut Buchinger auf das Fasten verzichten. Ebenso ist es für Menschen mit Essstörungen wie Binge Eating und Magersucht nicht geeignet. Für alle anderen chronischen Erkrankungen, meint Buchinger, lohnt sich ein Versuch [1].


Referenzen

[1] Françoise Wilhelmi de Toledo, Buchinger-Heilfasten: ein Erlebnis für Körper und Geist, Trias Verlag, 2006

[2] Uhlemann, Christine; http://www.uni-jena.de/PM070709_Fastenstudie.html

[3] Safdie, Fernando M. et al. “Fasting and Cancer Treatment in Humans: A Case Series Report.” Aging (Albany NY) 1.12 (2009): 988–1007. Print.

[4] Hussin NM, Shahar S, Teng NI, Ngah WZ, Das SK. Efficacy of fasting and calorie restriction (FCR) on mood and depression among ageing men. J Nutr Health Aging. 2013;17(8):674-80. doi: 10.1007/s12603-013-0344-9. PubMed PMID: 24097021.

[5] Lützner, Hellmut, Fasten- und Ernährungstherapie: 40 Jahre Erfahrung, Books on Demand, Lützner 2009

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