Was dem einen gut tut, muss noch lange nicht für alle anderen passend sein. Bei der Auswahl der richtigen Lebensmittel sollte viel stärker dem individuellen Temperament Beachtung geschenkt werden. Diese Meinung vertrete ich auch in meinem gerade neu erschienenen E-Book, das sich dabei unter anderem auf die mehr als 2.000 Jahre alte Temperamentenlehre der Griechen bezieht.

Was ist denn nun richtig?

Selten treffen so viele unterschiedliche Meinungen aufeinander, wie bei der Diskussion um die geeignetste Ernährungsform. Rohkost, Trennkost, Abnehmen im Schlaf oder Blutgruppen-Diät: Bei dem großen Angebot ist es nicht einfach, sich zu entscheiden. Welches ist denn nun die richtige Ernährungsweise? Die Antwort auf diese Frage ist einfach zu beantworten. Es gibt nicht die eine Ernährungsform, die für alle Menschen passend ist. Schaut man sich das jeweilige Temperament des Einzelnen an, so kann daraus abgeleitet werden, welche Nahrung hilfreich ist, das individuelle Potential am besten zu nutzen.

Schon die griechischen Ärzte und Philosophen unterschieden vor mehr als 2.000 Jahren zwischen vier verschiedenen Temperamenten, deren Charaktere sich in vier entsprechende Naturelemente wieder findet: Das sind der Choleriker (Feuer), Sanguiniker (Luft), Phlegmatiker (Wasser) und Melancholiker (Erde).

Jedes Element hat seine speziellen Eigenschaften und Bedürfnisse hinsichtlich einer gesunden Ernährung.

Die Elementverteilung im Menschen ist dabei nicht als feststehend oder starr zu betrachten. Sie ist ständigen Veränderungen unterworfen. Diese werden von der Lebensepoche, der Jahreszeit, der Art der Ernährung und vielem mehr beeinflusst. Die Beschreibungen der einzelnen Temperamente sollten nicht dazu verleiten, sich selbst und seine Mitmenschen in eine Schublade zu stecken. Die Temperamentbeschreibungen möchten vielmehr die Möglichkeit aufzeigen, sich und seine Mitmenschen besser zu verstehen und tolerieren zu lernen.

Die Frage ob die Wirkungsbeschreibungen der einzelnen Lebensmittel wirklich zutreffen, kann letztendlich jeder nur für sich selbst beantworten. Indem wir beobachten und spüren, was die verschiedenen Nahrungsmittel tatsächlich in uns bewirken, können wir erfahren, inwieweit sie uns hilfreich dabei sind in Harmonie und Wohlbefinden zu leben. Die temperamentvolle Ernährung hat den Ansatz zwischen den zahlreichen Köstlichkeiten, die uns die Natur schenkt, zu unterscheiden und zu erkennen, welche Nahrung auf uns stärkend oder schwächend wirkt. Sie zeigt auf, dass so verschieden wie wir Menschen sind, sich entsprechend unterschiedlich sich auch unsere Bedürfnisse gestalten. Was dem einen gut tut, muss noch lange nicht für alle passend sein. Es liegt nun an Dir herauszufinden, welche Nahrung harmonisierend auf Dich wirkt. Schule Dein inneres Urteilsvermögen, denn nur Du ganz allein weißt, was für Dich richtig oder falsch ist.

Die vier Elemente und ihre Eigenschaften

Wasser-Temperament: Phlegma und Gefühl

Menschen mit einem hohen Anteil am Element Wasser sind sehr gefühlvolle, tief gehende und intuitive Persönlichkeiten. Oft sind sie künstlerisch begabt. Sie sind bekannt für ihr zufriedenes und gemütliches Auftreten und neigen zu Phlegmatismus. Der Wasser-Typ nimmt leicht an Gewicht zu. Das Abnehmen fällt ihm schwer. Daher leidet er oft an Übergewicht. Charakteristisch für das Wasser-Temperament ist, dass es oft kalte Hände und Füße hat und besonders im Winter zu Erkältungen neigt.

Übergewicht und Kreislaufstörungen

Ist die Gesundheit des Menschen gestört, so ist dies ein Zeichen, dass eines der vier Elemente im Ungleichgewicht ist. Bei einer Störung des Wasserelements können unter anderem folgende Symptome auftreten: Übergewicht, Wasseransammlungen im Körper, Erkältungen, Verschleimungen, Kreislaufschwäche.

Feurig und scharf machen Träge munter

Harmonisierend auf das Wasser-Temperament wirken sich wärmende, anregende und scharfe Nahrung aus. Hierzu gehören Zwiebeln, Radieschen, Rettich und Gewürze wie Cayenne Pfeffer, Curry und Chili. Ihre anregende und trocknende Wirkung tut phlegmatischen Menschen, die zu Trägheit und einen aufgeschwemmten Körper neigen, besonders gut. Scharfe Lebensmittel verstärken auch die beim Wasser-Temperament oft sehr labile Verdauung. Auch bitter und herb schmeckende Nahrung eignet sich für den Wasser-Typen gut. Zu der Gruppe der bitteren Lebensmittel gehören unter anderem Endivien, Lollo Rosso, Löwenzahn und Rhabarber. Sie alle hemmen den Drang nach Süßem, zu dem der Wasser-Typ neigt. Bittere Nahrung stärkt zudem schlaffes Körpergewebe und ist daher ideal geeignet für Menschen mit Übergewicht. Von herbem Geschmack sind Bohnen, Linsen, Brokkoli und das Gewürz Gelbwurz. Diese wirken trocknend und zusammenziehend, was sich bei Übergewicht und Ödemen positiv auswirkt.

In der kalten Jahreszeit wirken Früchte- und Blütentees sehr wohltuend auf dieses Temperament, zum Beispiel Orangenschalentee mit Zimt und etwas Honig oder Ingwertee, der bei Schnupfen und Husten sowie in energiearmen Phasen des Lebens wahre Wunder vollbringt.

Süßigkeiten, Puddings und Cremes, all die Schleckereien zu denen sich der Wasser-Typ hingezogen fühlt, erschweren ihm das Leben. Sie wirken schwerefördernd, verstopfend und kühlend. Stark salzhaltige Lebensmittel fördern die Stagnation von Flüssigkeiten im Körper. Sie sind daher für das Wasser-Temperament, welches zu Ödemen neigt eher ungeeignet. Sehr fette Speisen sind ebenfalls nicht zu empfehlen, da sie das ohnehin schwache Verdauungssystem des Phlegmatikers beeinträchtigen und auch das Gewicht zulegen lassen.

Feuer-Temperament: Hitzig und dominant

Der gemütliche Wasser-Typ findet im temperamentvollen, hitzigen Feuer-Temperament seinen polaren Gegenpart. Attribute wie Willensstärke, Mut, Selbstbewusstsein und Stolz stehen für ihn. Bei Menschen die gerne im Mittelpunkt stehen, die ein Führungsnaturell haben und starke Gemütsregungen zeigen, ist das Feuerelement dominierend. Auffallend beim Feuer-Typus sind seine leuchtenden, ja fast stechend wirkenden Augen. Er neigt verstärkt zu Schweißabsonderungen. Typisch für ihn ist, sein ausgeprägter Appetit. Obwohl er viel verzehren kann, neigt er aber nicht zu Übergewicht. Dies ist auf seinen gut funktionierenden Stoffwechsel und seine Bewegungsdrang zurückzuführen.

Ist das Feuerelement im Ungleichgewicht, was beim Feuer-Temperament, aber auch bei den drei anderen Konstitutionen der Fall sein kann, so können unter anderem folgende Symptome auftreten. Sodbrennen, Magenreizungen, Entzündungen, ‚brennende‘ Hämorrhoiden.

Obstkuren im Sommer vertreiben die Hitze

Für den hitzigen Feuer-Typen ist es wichtig, sich abzureagieren, und zwar auf allen Ebenen. Im Nahrungsbereich geschieht dies durch knackiges, rohes Gemüse (z.B. Möhren, Kohlrabi, Rote Bete), rohes Obst (Äpfel, Birnen) und lang gelagertes, bissfestes Vollkornbrot, am besten aus Roggen. Dieses Getreide fordert die Verdauungskraft sehr, was dem Feuer-Naturell sehr dienlich ist.

Das Feuer-Temperament ist das Einzige von allen vier Konstitutionen, welches den reinen Verzehr von Rohkost, aufgrund der starken Verdauungskraft, auch über einen längeren Zeitraum hinweg gut verträgt. Es bieten sich für dieses Temperament auch aufgrund ihrer kühlenden Wirkung reine Obstkuren an. Interessant ist, dass die Vertreter der Rohkost als Ernährungsform meist auch sehr stark vom Feuer-Element geprägt sind. Für sie ist die kühlende Frischkost genau die Richtige.

Sehr wohltuend für den Feuer-Typen sind Lebensmittel mit der Geschmacksrichtung bitter und herb. Dank ihrer kühlenden und appetithemmenden Qualitäten können sie von diesem Temperament ohne Bedenken in großen Mengen verzehrt werden. Bittere Nahrung wirkt lindernd bei jeglichem ‚Brennen‘ im Körper, also auch bei Entzündungen. Besonders tun dies Löwenzahn, Ampfer, Rhabarber und Bockshornklee. Lebensmittel mit der Geschmacksrichtung herb wirken beruhigend und fördern das Abheilen von Entzündungen. Blumenkohl, Kohlrabi, Bohnen, Linsen und Kartoffeln sind in diesem Zusammenhang zu erwähnen. Auch die Geschmacksrichtung süß ist aufgrund ihrer beruhigenden, entzündungshemmenden und kühlenden Wirkung für das feurige Temperament zu empfehlen. Dazu zählen Süßungsmittel wie Vollrohrzucker, Ahornsirup sowie Apfel- und Birnendicksaft. Aber auch süßes Obst (Bananen, Pfirsiche), Nüsse sowie sämtliche nichtgesäuerten Milchprodukte sind dieser Geschmacksrichtung zuzuordnen.

Würde sich der Wasser-Typ hauptsächlich von Nahrung mit der Geschmacksrichtung süß ernähren, so würde sein Phlegma dadurch noch verstärkt werden. Er benötigt zum Ausgleich wie schon erwähnt eher scharfe und anregende Nahrung. Dem Feuer-Temperament ist dagegen die süße, beruhigende Komponente zur Erlangung des inneren Gleichgewichts dienlich. Hier können wir sehr gut erkennen, dass die Art von Nahrung, die dem einen Temperament gut tut, noch lange nicht für alle Konstitutionen passend sein muss.

Vom Salzigem, Kaffee und Alkohol die Finger lassen

Ein Übermaß an salziger Nahrung verstärkt das Verlangen nach Flüssigkeit und verstärkt entzündliche Hautkrankheiten. Dies sind Symptome, die dem Element Feuer zugeordnet werden. Mit ihnen sollte der Choleriker sparsam umgehen, da sie seine feurige Konstitution noch mehr verstärken. Der übermäßige Genuss von Kaffee und Alkohol verstärkt ebenfalls das hitzige Gemüt des Feuer-Typus und strapaziert außerdem noch seine empfindliche Magenschleimhaut. Aufgrund ihrer überhitzenden Wirkung sollte auch in Öl Gesottenes, Gebratenes und Frittiertes nur ab und an gegessen werden. Scharf gewürzte Speisen werfen das Feuer-Temperament aus dem Gleichgewicht. Besonders wenn von der Jahreszeit her das Feuerelement dominiert – im Sommer. Wenn der Feueranteil zu hoch ist, empfiehlt es sich im Allgemeinen sparsam mit Gewürzen umzugehen, da sie fast alle die innere Flamme noch verstärken.

Luft-Temperament: Gesellig und voller Ideen

Der Luft-Typ liebt die Geselligkeit und benötigt für seinen Seelenfrieden Menschen um sich herum. Nichts langweilt ihn mehr als geordnete Verhältnisse und alte Traditionen. Menschen mit einem hohen Anteil am Element Luft sind ideenreich, flexibel, experimentierfreudig und neugierig. Ihre Stimmungslagen können wechselhaft wie das Wetter sein. Von der Gestalt her ist der Luft-Typ schlank gebaut. Schmale Schultern und Hüften sind charakteristisch für ihn. Er nimmt nur langsam an Gewicht zu und leicht ab und neigt daher zu Untergewicht. Alles was mit Trockenheit zu tun hat ist typisch für ihn, so zum Beispiel trockene, raue Haut und trockenes Haar. Der Luft-Typ ist jemand, der körperlich wie geistig immer aktiv ist, nur schwer zur Ruhe kommt. und daher zu Nervosität und Schlafstörungen neigt.

Ist das Luftelement im Ungleichgewicht, so kann es unter anderem zu Ruhelosigkeit, Abgespanntheit, Hyperaktivität, Energiemangel, trockenem Husten und Schnupfen sowie Abmagerung und Austrocknung des Körpers kommen.

Wer meint, ein Mensch mit dominanten Luftelement oder mit dem Element Luft im Ungleichgewicht geraten zu sein, sollte sich folgende Ernährungsempfehlungen beherzigen:

Süß bekommt dem Luftikus am besten

Süß ist die Geschmacksrichtung, die besonders wohltuend für das Luft-Naturell ist. Hierbei sind nicht die mit weißem Zucker gesüßten Schleckereien zu empfehlen, sondern diejenigen in denen der Zucker in natürlicher Form vorliegt: Aprikosen, süße Beeren, Trauben etc. Aber auch Getreide wie Hafer, Vollreis und Dinkel und daraus hergestellte Produkte wie Vollkornbrot, Nudeln oder warme Getreideaufläufe sind bestens für dieses Temperament geeignet. Ebenso alle nichtgesäuerten Milchprodukte. Sie alle wirken schwerefördernd, beruhigend, fördern Beständigkeit und vermitteln Kraft für Körper, Geist und Seele des Luft-Naturells.

Sauer regt die Verdauung an

Neben der Geschmacksrichtung süß spielt auch sauer aufgrund ihrer appetit- und verdauungsanregenden Wirkung eine wichtige Rolle in der Ernährung des Luft-Temperaments. Gemeint sind alle gesäuerten Milchprodukte, milchsauer eingelegtes Gemüse sowie alle sauer schmeckenden Früchte wie zum Beispiel rote Johannisbeeren.

Da es für den zu Trockenheit neigenden Luft-Typen wichtig ist, das Wasserelement zu betonen, wirken flüssigkeitsreiches Gemüse und Obst (Gurke, Kürbis, Melone, Pfirsich) wohltuend auf dieses Temperament.

Nicht empfehlenswert für den Luft-Typus ist ein Übermaß an Lebensmitteln mit herben und bitteren Geschmack, da diese von zusammenziehender, austrocknender und leichtigkeitsfördernder Wirkung sind. Scharfe Speisen wirken anregend, austrocknend, können bei übermäßigem Verzehr Unruhe verursachen und sind deshalb für das oft aufgekratzte, zu trockener Haut neigende und nervöse Temperament nicht geeignet. Behutsam sollte das Luft-Naturell mit kühlen Speisen umgehen, da diese sein ehe schon schwaches Verdauungssystem zu stark belasten.

Erd-Temperament: Vernünftig, ordnungsliebend

Der Erd-Typ bildet das Gegenstück zum Luft-Naturell. Menschen mit einem hohen Erdelementanteil sind vernünftig, realistisch, beständig und verantwortungsbewusst. Lebensnotwendig für diesen Typus sind geordnete Verhältnisse: Ein sicheres Einkommen, einen Partner auf den man sich verlassen kann, ein geregelter Tagesablauf.

Das Erd-Temperament ist von stämmiger Statur mit schwerem Körperbau. Körperlich wie seelisch zeichnet ihn eine große Ausdauerkraft aus. Charakteristisch für dieses Naturell ist sein tiefer und fester Schlaf.

Wenn das Erdelement im Ungleichgewicht ist, kann es zu folgenden Symptomen kommen: Jegliche Art von Verhärtungen und Versteifungen (zum Beispiel Stiernacken), Schwielen, Arthrose, Obstipation, Verschlackung, Gliederschwere.

Honig – ein Heilmittel für Erd-Typen

Für das Erd-Temperament und für diejenigen, bei denen das Element Erde im Ungleichgewicht ist, bietet sich ‚lösende‘ Nahrung zur Harmonisierung an. Damit ist vor allem Honig gemeint, der ein wahres Heilmittel für dieses Naturell ist. Mehr als ein bis zwei Esslöffel pro Tag sollte aber auch der Erd-Typ nicht zu sich nehmen, denn auch er ist nicht gefeit vor Karies und Übergewicht. Den kaltgeschleuderten Honig kann das Erd-Temperament am besten in Früchte- oder Blütentees gelöst zu sich nehmen. Die genannten Tees eignen sich aufgrund ihrer öffnenden und verströmenden Wirkung hervorragend für das tendenziell verschlossene Erd-Temperament.

Für das zu Verstopfung und Verschlackung neigenden Erd-Naturell ist Frischkost, das heißt unerhitztes Obst und Gemüse, wahre Heilnahrung, da diese entschlackend wirkt. Besonders dann, wen uns die Natur die rohe Nahrung im Vollen schenkt – im Sommer. Zur inneren Reinigung eignen sich für den Erd-Typus feurige Gewürze wie Pfeffer, Ingwer oder Curry. Aber auch bittere und herbe Nahrung ist aufgrund ihrer entschlackenden Wirkung für das Erd-Temperament zu empfehlen. Um Schlacken (die sich meist im Darm ansammeln) und die symptomatische Schwere zu lösen bietet sich auch eine Fastenkur an. Generell ist eine ballaststoffreiche Ernährung aufgrund ihrer verstopfungslösenden und entschlackenden Wirkung für den Erd-Typen passend.

Schwächend auf das Erd-Temperament wirken sich zerkochte und wiederaufgewärmte Speisen aus. Ebenso Fertiggerichte und Konserven. Sie alle haben gemein, dass sie vitalstoffarm und von schwerefördernder Wirkung sind. Gerade die Ernährung bietet dem Erd-Typen eine gute Möglichkeit, die für ihn charakteristische Schwere und Starrheit auszugleichen, indem er sich von frischer, vitalstoffreicher Nahrung ernährt, was heißt, einen Großanteil roher Lebensmittel zu sich zu nehmen.

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