Wenn ich einen Tipp an alle Menschen geben könnte, die versuchen ihre Ernährung zu verbessern um wieder gesund zu werden, dann wäre das glutenfrei zu leben. Gluten ist DER Nahrungsbestandteil, der die meisten Menschen irritiert und die größten Auswirkungen auf unsere Gesundheit hat.

Wenn ich diese Empfehlung gebe, wird in den allermeisten Fällen ganz schnell abgewehrt: „Nein, nein, ich habe keine Glutenunverträglichkeit.“ oder „Leben ohne Brot? Niemals!“

Da, wo meine und die Erfahrung vieler anderer tausend Menschen gehört wird, ist die Dankbarkeit riesig. Denn wenn wir Gluten weglassen, bekommt unser Körper die Gelegenheit zu heilen. Bei denen, die sonst sehr darmfreundlich, das heißt viele oder ausschließlich naturbelassene Lebensmittel essen, sogar sehr schnell.

Gesund sein oder Brot essen?

Ich bin mal ganz ehrlich, denn die Entscheidung ist in ziemlich vielen Fällen klar: entweder will ich gesund sein, oder ich will Brot und Nudeln essen. Beides geht nicht gut zusammen. Auch nicht ein bisschen und in sehr vielen Fällen auch nicht langsamer oder sonst irgendwie.

Brot ist in meinen Augen kein Nahrungsmittel, das in unserer täglichen Ernährung etwas zu suchen hat. Brot ist kein Lebensmittel, das uns nährt, sondern eins, das unserem Darm nie die Gelegenheit geben wird zu heilen. Ist er einmal beschädigt – und das kann ganz viele Ursachen haben, inkl. Antibiotika, chronischer Stress, Medikamente, Alkohol u.v.m. – dann ist eine reizarme Ernährung und ein stressreduzierter Lebensstil der einzige Weg, der hilft. Das kann 1-2 Jahre dauern, bis sich alles wieder reguliert hat, aber die Gesundheit kann und wird sich bei den meisten Menschen massiv zum positiven verändern, wenn sie bereit sind diesen einen Schritt zu gehen. Die Verbesserung der Symptomatik dauert übrigens nicht so lang. Nach 3-4 Wochen ist es ziemlich klar: bringt‘s was oder nicht? Und ganz ehrlich: was hast du zu verlieren?

Von mir aus, kauf glutenfreies Brot. Das würde ich normalerweise nicht empfehlen, aber es ist ein Weg zu probieren, was es bringt.

Bei uns im Blog findest du auch jede Menge glutenfreie Rezepte. Das Buch, das du bekommst, wenn du unseren Newsletter abonnierst ist ebenfalls glutenfrei.

Es gibt ein ganzes Spektrum an Erkrankungen, die mit Gluten in der Ernährung keine Besserung erfahren werden. Das ganze Autoimmunspektrum gehört dazu, aber auch ziemlich viele „moderne Darmerkrankungen“ wie Reizdarm usw. Für alle, die sich damit quälen, lohnt sich der Versuch. Gluten richtet Schaden an so vielen Stellen im Körper an. Hier einmal ein paar Beispiele:

Symptome Glutenunverträglichkeit

 

Warum sagt mein Ernährungsberater mir das nicht?

Ganz einfach. Weil viele Ernährungsberater es nicht wissen (immerhin ist das gesunde volle Korn doch unsere Ernährungsgrundlage! Mit all seinen problematischen Eiweißen und Anti-Nährstoffen…) oder, weil sie genau die Erfahrung gemacht haben, die ich oben beschrieben habe: Die meisten Menschen tun es sowieso nicht. Ein Leben ohne Brot kommt aus emotionalen Gründen nicht in Frage. Sie sind lieber krank, aber wissen dafür, dass es auch morgen früh wieder Brötchen gibt. Und zwar solche aus Getreide, nicht solche aus Mais (die schmecken ja auch nicht wirklich).

Es hilft auch nicht zum Mittagessen auf Getreide zu verzichten – ja, sowas hab ich auch schon als Antwort erhalten – sondern es hilft nur ganz darauf zu verzichten. Für mindestens 3 Wochen. Vollständig. Was das mit deinem Körper macht, kann auch nicht getestet werden, denn einige der Mechanismen, die da eine Rolle spielen, werden in der Schulmedizin überhaupt noch nicht vollständig begriffen. Ja, wir können Antikörper messen, aber so richtig zuverlässig ist das alles noch nicht. Und es gibt immer wieder Menschen, die durchs „Diagnoseraster“ fallen.

Kein Mensch kann Gluten verdauen und Gluten wird immer wieder für kleine „Verletzungen“ in deinem Darm sorgen. Dein Darm wird nicht heilen wird, wenn du ihn nicht lässt, d.h. wenn du weiter Brot isst.

Übrigens: der berühmte Stinkestuhl, den die meisten Menschen heute haben, ist nicht normal. Er entsteht durch unverdaute Eiweiße (Getreide, Soja etc.). Unser Stuhl besteht zu 80% aus toten Bakterien. Da riecht normalerweiße gar nichts.

Unsere Gesundheit sitzt im Darm und darüber sind wir uns in der Naturheilkunde, wie auch in der funktionellen Medizin alle einig. Ist der Darm nicht gesund, ist der Mensch nicht gesund. Ich habe eine ganze Weile gebraucht, um das zu verstehen.

Der Darm und das Immunsystem

Wir sagen, dass 80% unseres Immunsystems im Darm sitzen, aber was bedeutet das eigentlich? Der Darm hat im Prinzip zwei Abwehrebenen, die unseren Körper vor Eindringlingen schützt. Eine davon ist, dass die Bakterienbesiedlung. Unser Mikrobiom ist das erste Hindernis für Eindringlinge jeglicher Art. Die zweite ist die Darmschleimhaut selbst. Auch sie kann beschädigt sein und dadurch Eindringlinge in unseren Blutkreislauf lassen, die da nicht hin gehören.

Ein Darm, der nicht gesund ist, hat meist auf beiden Ebenen Schwierigkeiten, Eindringlinge aus unserer Nahrung und unserer Umwelt richtig abzuwehren. Egal, was nun in unseren Körper kommt – seien es Bakterien, Viren oder auch Bestandteile aus unserer Nahrung, die wir eigentlich unverdaut ausscheiden müssten – es löst eine Reaktion des Immunsystems und ein Entzündungsgeschehen aus. Denn es ist nicht so, dass alles, was wir essen in unseren Körper aufgenommen und in unseren Zellen verbaut wird.

Gestörte Darmschleimhaut

Ein Teil der Eiweiße, die wir essen, wird normalerweise unverdaut ausgeschieden. Das heißt, dass sie auch den Dickdarm passieren müssen, anstatt im Dünndarm bereits absorbiert zu werden. Das ist kein Defekt, sondern ein ganz natürlicher Vorgang.

Problematisch wird es aber, wenn unsere Darmschleimhaut nicht intakt ist; die Eiweiße nicht ausgeschieden, sondern aufgrund der „defekten“ Schleimhaut (Leaky Gut) in den Blut- und Lymphkreislauf aufgenommen werden. Dort gehören diese Eiweiße nicht hin und werden deshalb von der versammelten Armee unserer Immunsystems angegriffen. Das heißt, dass Entzündungen entstehen, denn das ist Teil des Heilungsprozesses. Gelangen immer und immer wieder unverdaute Eiweiße und vielleicht noch ein paar unerwünschte Bakterien in unseren Blutkreislauf, dann kommt dieses ganze Entzündungsgeschehen nie zur Ruhe.

Wir werden immer empfindlicher und empfindlicher, vertragen immer weniger und essen immer gesünder: bloß kein Fleisch, nur noch Getreide und ein paar Hülsenfrüchte, am besten vegan. Das, genau das, und die Lektine und die Phytinsäure, die wir nur in pflanzlicher Nahrung finden – das macht uns immer und immer kränker. Der Grund ist leider nicht das Immunsystem an sich, sondern ein „kaputter“ Darm und Lebensmittel, die ihn ganz sicher von der Heilung abhalten. Nicht, weil sie grundsätzlich ungesund sind, sondern zu einem großen Teil sogar, weil sie nicht mehr richtig zubereitet werden und die Anti-Nährstoffe (Lektine und Phytinsäuren) nicht richtig abgebaut werden. Bei Gluten ist die Sache jedoch anders.

Was macht Gluten im Darm?

Gluten löst nach aktuellem Stand der Wissenschaft bei jedem Menschen immer eine klitzekleine Immunreaktion in der Darmschleimhaut aus, die zur Ausschüttung von Zonulin führt. Zonulin ist wiederum ein Stoff, der die Verbindungen („tight junctions“) zwischen den Zellen in der Darmschleimhaut auflöst.

Schau mal hier: Die Auswirkungen von Gluten auf unseren Darm

Diese Immunreaktion brauchen wir nicht, wenn wir ohnehin schon nicht gesund sind. Im Gegenteil. Wir brauchen Stoffe, die unserer Darmschleimhaut helfen, sich zu regenerieren. L-Glutamin vielleicht, für den Zellaufbau oder auch Collagen – zum Beispiel aus Knochenbrühe. Und wir brauchen Futter für die „guten“ Bakterien. Ballaststoffe aus Gemüse, unter anderem.

Wessen Darm nicht gut funktioniert und gesund ist, der braucht auch mehr Nährstoffe als ein gesunder Mensch. Mehr Aminosäuren und mehr Fett – der Körper ist im ständigen Stress- und Reparaturzustand. Und wir müssen die schlechten Bakterien (Pilze, Hefen etc.), die toxische Stoffwechselendprodukte produzieren, aushungern lassen. Das heißt, keine Stärke (Getreide, Pseudo-Getreide und Kartoffeln) und auch kein Zucker – sprich Low-Carb.

Mittlerweile gibt es eine Reihe von Ernährungskonzepten da draußen, die funktionieren. Sie haben eines gemeinsam: kein Gluten und auch keine Milchprodukte, kein Alkohol und keine Zigaretten und ein absolutes Minimum an Zucker. Sprich, eine paläolithische Ernährung.

Dabei geht es auch gar nicht so sehr um die Ernährung von Gesunden, sondern, wie jeder in der Paleo-Gemeinde feststellen wird, um die Ernährung von Menschen, die gesundheitliche Probleme zu bearbeiten haben und nicht bereit sind, ihr Leben lang auf die Pharmazie angewiesen zu sein. Und das funktioniert.

Das muss für die meisten nicht für ein ganzes Leben durchgehalten werden, sondern es gibt dem Körper die Chance zu heilen und wieder zur Ruhe zu kommen. Viele können nach einiger Zeit wieder einige Lebensmittel in ihren Alltag aufnehmen. Andere sind froh und dankbar, dass sie die Medikation auf ein Minimum reduzieren oder ganz absetzen können, schubfrei sind usw.

Echtes Essen hilft eben.