Der letzte Donnerstag im Juli, 04:30 Uhr, mein Wecker klingelt und ich hüpfe voller Vorfreude aus dem Bett. Heute ist ein Ausflug nach Süddeutschland auf dem Programm, genauer nach Magstadt bei Stuttgart. Die Firma Schoenenberger hat mich eingeladen ihre Produktionsstätte für Frischpflanzensäfte zu besuchen. Ich freue mich schon seit einigen Wochen auf den Besuch und bin gespannt was mich erwartet.

Als ich um 10 Uhr am Werk eintreffe wartet vor dem Eingang bereits Andrea Frank-Bühler, Produktmanagerin für die Heilpflanzensäfte, auf mich. Das in den 1980er Jahren errichtete und 2007 erweiterte Gebäude steht am Stadtrand von Magstadt, dahinter grüne Wiesen und Wald. Eigentlich ein schöner Arbeitsplatz, denke ich. Aus der kleinen Blogger-Runde, die geplant war, ist eine Exklusiv-Führung geworden. Nicht schlecht, schließlich bleibt so mehr Raum für die eigenen Fragen.

Kaum haben wir das Werk betreten, geht es auch schon in die ersten Teile der Produktion. Vorbei an den Maschinen, auf denen heute frisch gepresster Weißkohlsaft für den Handel etikettiert wird, geht es zu den Abfüllanlagen für Gewürze der Firma Herbaria, die auch hier an Magstadt verpackt werden, hin ins große Lager, wo jede Menge Rohstoffe und Halbfertigprodukte auf ihren Einsatz warten.

Echinacea (Sonnenhut) im Vorzeigegarten auf dem Werksgelände

Wer hier schon länger mitliest, weiß, dass ich die Produkte der Firma Schoenenberger sehr schätze (siehe z.B. mein Beitrag zur Pumpe-Kur). Es fasziniert mich, dass es heute noch so gute, naturreine Arzneimittel gibt, die die Tradition der Phytotherapie, also dem Heilen mit Pflanzenkraft, auch in unserer heutigen Zeit noch für Jedermann ermöglichen. Das Unternehmen produziert hier am Rande des Schwarzwalds seit 1927 nach einem von Walther Schoenenberger (1901-1982) entwickelten Verfahren Frischsäfte aus Pflanzen, die ganz ohne Konservierungsstoffe auskommen und alle wirksamen Pflanzenstoffe noch enthalten. Neben der Methode der Pressung ist es Walther Schoenenberger vor allem auch zu verdanken, dass die Presssäfte aus Brennnessel, Huflattich, Löwenzahn und Co. in den 1960er Jahren als frei verkäufliche Arzneimittel in das Arzneimittelgesetz Einzug hielten, erklärt Andrea Frank-Bühler. Es ist damit einzigartig auf dem deutschen Markt.

Die Anlieferung der Echinacea-Ernte wird abgewogen

Nach einer kurzen Firmengeschichte und etwas Hintergrundwissen über Anbau und Produktpalette, geht es für uns raus in die eigentliche Pflanzensaftproduktion. Das gesamte Werk ist heute erfüllt von einem angenehmen, leicht süßlichen Geruch. Als wir in den Hinterhof treten steht ein kleiner LKW gerade auf der Fahrzeugwaage. Er ist bis oben voll mit frisch geernteten Echinacea, auf deutsch: Sonnenhut, der heute in der hochmodernen Edelstahlanlage gepresst werden soll. Für den Anbau der Pflanzen ist die Familiengärtnerei Winter zuständig, die rund um das Werk in Magstadt rund 100ha Fläche im biologischen Landbau bewirtschaftet. Hier wird alles angebaut, was in unseren Klimazonen möglich ist. Nur ein paar wenige Exoten, wie etwa die Kaktusfeige, werden aus milderen Klimazonen bezogen.

Rund 40.000 Hackstunden pro Jahr verbringt die Gärtnerei Winter damit, die Felder vom Unkraut frei zu halten, erfahre ich. Wer reine Säfte produzieren will, muss dafür Sorge tragen, dass bei der Ernte keine anderen Pflanzen in die Presse geraten. Dafür muss das Feld frei von Unkraut sein. Das versteht sich eigentlich von selbst, aber der Aufwand, den die chemiefreie Biolandwirtschaft dafür betreiben muss, ist dann doch sehr beeindruckend.

Der kleine LKW hat mittlerweile die Sonnenhut-Ernte in der ersten Lagerhalle abgeladen, von wo aus zwei Mitarbeiter mit Heugabeln nach und nach das Förderband befüllen. Rund 11 Tonnen Sonnenhut werden sie heute bewegen. Das Förderband führt geradewegs in die eigentliche Produktion.

Verteilung der warmen Pflanzenteile in der Pressvorrichtung

Hier werden die Pflanzenteile zunächst über Wasserdampf aufgeschlossen und anschließend über eine vollautomatische Anlage portionsweise zu zwei Mitarbeitern transportiert, die sie in reißfesten Tüchern verpackt zwischen Akazienholzplatten stapeln. Etwa 17 Schichten heißer Sonnenhut zähle ich auf dem Presswagen. Als die Mitarbeiter fertig sind, fährt dieser automatisch zur eigentlichen Pflanzenpresse. Mit rund 300kg pro Quadratzentimeter werden hier die Pflanzenteile in rund 6 Minuten ausgepresst. Aus der Leitung schießt der reine Echinacea-Saft anschließend in ein ausgeklügeltes System an Zentrifugen, die die letzten Schwebstoffe entfernen. Dann wird der Saft kurz erhitzt, kommt im Anschluss direkt in sterile Flaschen und wird wieder herunter gekühlt. Dank dieses Verfahrens kommt der fertige Saft vollständig ohne Konservierungsstoffe aus, beinhaltet trotzdem noch alle wichtigen Pflanzenwirkstoffe und ist bis zu fünf Jahre haltbar. Die Freude, die die Herstellung eines solchen Produktes macht, ist allen Mitarbeitern anzumerken. Viele arbeiten bereits seit Jahrzehnten für das Unternehmen und können den Pflanzensaft nicht genug loben. Qualität wird hier groß geschrieben und so bekomme ich zum Schluss noch eine kleine Einführung ins Qualitätsmanagement bei Schoenenberger. Hier sitzen auch die Kollegen, die aus den hochwirksamen Pflanzenstoffen an der Entwicklung von Naturkosmetik arbeiten, die ebenfalls zum Sortiment gehört.

Bepackt mit einem dicken Ordner voller wertvoller Informationen über die Anwendung der Pflanzensäfte und beeindruckt von einem Unternehmen, dessen Mitarbeitern die Freude an der Kraft der Natur anzumerken ist, trete ich am nachmittag den Heimweg an.

Wer ebenfalls Lust hat bei Schoenenberger mal hinter die Kulissen zu schauen und etwas über die Phytotherapie mit Heilpflanzen zu erfahren, kann das Anfang September vor Ort tun.

Am 01.September 2017 findet der Fachtag für Apotheker, Ärzte, Heilpraktiker, PTA, Naturheilberater, Naturkost-/Reformhaus-Mitarbeiter statt.
Weitere Informationen dazu findest du hier: Fachtag für „Phytotherapie mit Heilpflanzensäften“

Am 02. September 2017 stehen zum Tag der offenen Tür die Tore für alle Interessierten offen. Auch hier gibt es interessante Vorträge, einen Werksverkauf, Infostände und eine Betriebsführung. Mehr dazu findest du hier: Tag der offenen Tür 2017 bei Schoenenberger in Magstadt

Pressung der Pflanzen in der Pflanzenpresse

 

Abgefüllte Flaschen am Ende der Pflanzensaft-Produktion

 

 

Transparenz ist Pflicht: Dieser Beitrag wurde nicht von der Fa. Schoenenberger vergütet. Ds Unternehmen hat freundlicherweise lediglich die Reisekosten übernommen. Vielen Dank dafür.