Eine verantwortungsvolle Ernährung hört in der Weihnachtszeit nicht auf. Im Gegenteil. Viele Menschen würden staunen wie wenig Süßkram und Glühwein bei anderen in der Weihnachtszeit verzehrt wird. Sich der allgemeinen Wollust und „Is mir doch egal, es ist Weihnachten“-Fresserei hinzugeben, muss nicht sein. Und die gute Nachricht für alle, die sich in Ernährungsfragen noch suchen ist: Salat ist keine Lösung!

Seit wir unser Leben freizügig in den sozialen Medien teilen, fällt mir immer häufiger auf, wie viele Menschen auch im Winter kalt essen. Klar, weder Low Carb noch Paleo sagen besonders viel über verschiedene Ernährungsweisen zu den unterschiedlichen Jahreszeiten. Das halte ich für einen großen Mangel, denn es gibt viele Ernährungsfragen, die sich im Winter ganz anders beantworten lassen, als im Sommer.

Insbesondere Salate stechen mir immer wieder ins Auge und ich denke bei den Bildern oft, dass mein Körper sich dagegen sehr wehren würde. Und das, obwohl ich eher ein feuriger Typ bin und das durchaus verdauen könnte. Essen ist mehr, als nur die Inhaltsstoffe, die wir chemisch nachweisen können. Nahrung hat auch eine subtile Wirkung auf unseren Körper. Das ist nicht esoterisch gemeint, sondern schlicht überliefertes Wissen unserer Vorfahren.

Gerade im Winter ist Salat kein Lebensmittel, das auf deinem Teller landen sollte. Das Gleiche gilt für grüne Smoothies. Und dafür gibt es viele gute Gründe.

Blattsalat hat keine Saison

Der erste und wichtigste Grund ist für mich natürlich immer die Saisonalität. Die klassischen Blattsalate haben im Sommer Saison und sind jetzt vor allem aus Gewächshäusern zu haben. Neben dem ökologischen Faktor glaube ich, dass die Natur uns die Lebensmittel grundsätzlich zu der Jahreszeit gibt, zu der sie uns auch nützlich sind.

Schauen wir in der Menschheitsgeschichte zurück, sehen wir, dass es in der Salatecke vor allem Wildkräuter und Triebe von Laub- und Nadelbäumen gab – und die natürlich vornehmlich im Frühling, wenn die Säfte schießen. Salat, wie wir ihn heute kennen, ist ein Produkt menschlicher Züchtung, aber dennoch gedeiht er außerhalb der Gewächshäuser überwiegend im Sommer. Die Tatsache, dass wir heute alles zu jeder Jahreszeit kaufen können, bedingt noch nicht, dass wir das auch tun müssen.

Nun kann man auch aus saisonalen Lebensmitteln Salat machen. So eignet sich z.B. Apfel, Rotkohl, Weißkohl etc. wunderbar für kalten Salat. Aber auch das ist eher ungünstig. Und damit kommen wir eigentlich auch schon zu einem weiteren Grund, den Salat mal weg zu lassen.

Salat ist schwer zu verdauen

„Die Lattiche (Salat, engl. lettuce) sind kalt. Wenn man sie ohne Würze isst, verursachen Sie Gehirnleere und Magenkrankheiten. Deshalb soll man sie vor dem Essen mit Dill oder Essig beizen oder mit etwas anderem. So gegessen stärken sie das Gehirn und sorgen für eine gute Verdauung.“ Hildegard von Bingen

Zu Zeiten Hildesgards war Salat auch ein Sommergewächs, da, wo es in den Klostergärten überhaupt angebaut wurde. Und auch wenn der Salat Hildegards (um 1100 nach Chr.) noch viel bitterer geschmeckt haben dürfte, weist Hildegard auf einen Umstand hin, der heute oft in Vergessenheit gerät. Salat ist ein schwer zu verdauendes Lebensmittel, das eine Art Vorverdauung benötigt. Dafür eignet sich ihrer Ansicht nach Essig. Essig hilft dabei den Salat besser zu verdauen und regt die körpereigenen Verdauungssäfte an.

Die Lehre des Ayurveda, die noch wesentlich älter ist als Hildegards Aufzeichnungen, sieht das anders. Im Ayurveda ist Essig ein verdorbenes Lebensmittel, das eher gemieden werden sollte. Stattdessen werden eher Zitrusfrüchte und Gewürze genutzt. Aber auch die haben eine Wirkung, die wir im Winter nicht haben wollen. Und damit kommen wir zum wichtigsten Grund im Winter keinen Salat zu essen.

Salat kühlt uns aus

In der ayurvedischen Lehre ist der Winter Vata-Zeit. Vata (eines der drei ayurvedischen Doshas) zeigt sich im Winter insbesondere durch Kälte, Wind und Lichtmangel, was für unseren Körper eine Herausforderung darstellt. Im Ayurveda führt der Überhang eines Doshas immer zu Krankheit. Salat selbst und vieles, was wir oft als Dressing verwenden, fördert Vata zusätzlich und führt dazu, dass wir unsere Kraftreserven aufbrauchen. Zu viel Vata führt nicht nur zu körperlicher, sondern auch zu seelischer Schwäche. Kalten Hände und Füße, Einschlafschwierigkeiten, Blasenentzündungen, emotionales Ungleichgewicht sind klassische Zeichen für ein zu starkes Vata.

Um diese Bedingungen auszugleichen und uns gesund und wohl zu fühlen, sollten wir Kapha und Pitta, die beiden anderen Doshas, stärken. Wir sehnen uns ganz natürlich nach Ruhe, Geborgenheit und Wärme (Kapha). Warme Ölmassagen, Saunabesuche, Meditation und Yoga-Stunden sind jetzt genau das Richtige.

Um die auszehrende Wirkung der Jahreszeit nicht zu verstärken, sollten wir uns in der Ernährung jetzt vor allem auf warme Getränke und warme Mahlzeiten konzentrieren. Jetzt sind scharfe Gewürze, wie Ingwer, Galgant, Zimt und Muskat angesagt, um das Feuer (Pitta) in uns zu stärken. „Süße“ Lebensmittel (in Maßen), wie kohlenhydratreiches Gemüse und Trockenfrüchte, stärken hingegen unser Kapha und machen uns dadurch widerstandsfähiger und vermehren die Lebenskraft und -freude.

Auch in der Ernährung nach TCM ist Salat im Winter eher ungünstig, weil er abkühlend wirkt. Er eignet sich demnach nur für Typen, die sehr viel Hitze in sich tragen. Das sind Menschen mit Übergewicht und rotem Kopf – der klassische Bluthochdruck-Typ eben. Hier kann ein kleiner Blattsalat auch im Winter nicht schaden, um etwas abzukühlen.

Salate auch im Winter genießen

Wer auf seinen Salat im Winter nicht verzichten will, kann stattedessen jetzt auf gekochte Salate umsteigen. Dazu gehören zum Beispiel warme Kartoffelsalate oder Salate aus gekochten Möhren, roter Bete oder auch Kürbis. Auch Ofengemüse lässt sich wunderbar als Salat servieren oder für unterwegs mitnehmen. Dabei kommt es gar nicht so sehr darauf an, dass das Essen tatsächlich warm ist, sondern eher darauf, dass es mit Wärme zubereitet wurde. Auch kalter (glutenfreier) Haferbrei oder kaltes Ofengemüse (Kürbis, Wurzeln, Pastinaken etc.) hat eine wärmende Wirkung.

Gemüsesorten, die du jetzt gut dafür verwenden kannst:
– Möhren
– Pastinaken
– Butterrüben
– Champignons
– Kartoffeln/Süßkartoffeln
– Porree
– Rosenkohl
– Rote Bete
– Schwarzwurzeln (Nicht zu viel! Sie sind Ballaststoffbomben.)
– Steckrüben
– Topinambur

Ansonsten ist es sehr hilfreich zu dieser Jahreszeit die langen Abende zu nutzen und Essen selbst zuzubereiten. Es geht nichts über eine warme Mahlzeit, wenn es draußen stürmt, regnet und schneit.

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