Einigen von euch ist es sicher aufgefallen, dass hier im Blog seit einigen Wochen nichts los ist. Das ist ziemlich schade und ich wünschte, dass es mir leichter fiele, in die Tasten zu hauen. Im Moment geht das aber einfach nicht. Ich bin raus. Erst nur zögerlich, aber im Moment so richtig. Das Leben schlägt gerade andere Bahnen und ich brauche meine volle Konzentration und Kraft für alles, was ich mir dieses Jahr vorgenommen habe. Ein Buch, das ich fast fertig wähnte, ist immer noch nicht das, was ich mir vorstelle. Das bremst und frustriert auch ein wenig, aber das geht ja vielen so, die sich im Schreiben üben.

Weiterhin steht nächste Woche mein voll ausgebuchtes Seminar an der Akademie für seelische Gesundheit an, das aktuell nochmal viel Aufmerksamkeit in der Vorbereitung benötigt. Sicher gehört auch die Pflege dieses Blog dazu, aber er steht im Moment einfach nicht an erster Stelle. Meiner Gesundheit zuliebe und, weil ich aktuell wirklich raus bin. Ich bin auf digitalem Entzug – zu Neudeutsch: digital detox oder low information diet – wie auch immer man es nennen will. Ich bin gerade raus bei Facebook, Google, Instagram und Co., die eigentlich einen wichtigen Teil meiner Arbeit bedeuten. Aber warum?

Ganz einfach: ich habe es satt.

Ständig online, immer erreichbar scrollen wir uns durch Newsfeeds und Fotostrecken, die von einem Algorithmus so zusammengestellt werden, dass sie uns garantiert in ihren Bann ziehen. Wir lernen im Prinzip nichts Neues, sondern bekommen nur das bestätigt, was wir schon wissen und für richtig halten, weil wir es Hundertmal gesehen, „geliked“ und geklickt haben. Andere Perspektiven? Fehlanzeige. Alle Netzwerke merken sich unser Verhalten und bestätigen uns unsere eigene Meinung jeden Tag aufs Neue. Aber muss das sein? Entwickeln wir uns dadurch weiter oder stehen wir immer nur auf der gleichen Stelle?

Während des vergangenen US Wahlkampfs hat man Wählern der opponierenden Lager den Facebook Feed der jeweils anderen Seite gezeigt. Beide Seiten waren erschrocken darüber, dass sie selbst keine der Informationen erhalten haben, die da zu sehen waren. Im Positiven wie im Negativen. In Zeiten von immer billigerer Informationsverbreitung sind Fake News und einseitige Meinungsbildung durch schlechte Quellen an der Tagesordnung. Vieles – gerade politischer Natur – wühlt uns auf. Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten. Aber welche Konsequenzen haben all diese Informationen für unser eigenes Leben? Ist die Gefahr so groß, dass wir uns ständig in Angst um Leib und Leben wähnen müssen? Jetzt, heute, hier? Was macht das mit unserem Denken, unserem Körper (Stichwort: Stress) und unserer Gefühlswelt? All diese Dinge tragen wesentlich zu unserer Gesundheit bei.

Wieviel Zeit verschwendest du mit unwichtigen Dingen?

Hand aufs Herz: wieviel Zeit pro Tag verbringst du damit deinen Facebook oder Instagram-Stream zu checken? Wie oft nimmst du das Telefon zur Hand um belanglose WhatsApp Nachrichten zu verschicken? (Ich meine nicht die wichtigen, die gibt es ja auch.) Wie oft liest du Artikel oder hörst Nachrichten über Dinge, die dich emotional belasten, weil sie ungerecht, traurig, erschreckend oder alles zusammen sind? Und was bringt dir das?

Auf der letzten Paleo Convention habe ich einen Vortrag von Christian Otto zum Thema Social Media Slowdown verfolgt. Eine „Idee“ habe ich sofort umgesetzt: alle Benachrichtigungen auf meinem Smartphone ausgeschaltet. Nie wieder bedrohlich rote Punkte über verpasste „News“ auf Facebook, Instagram und Co. Kurzzeitig habe ich sogar überlegt das Smartphone für einige Zeit gegen ein altes Mobiltelefon zu tauschen – eine weitere schöne Idee. (Ich habe es aus verschiedenen Gründen nicht getan, aber finde den Gedanken immernoch charmant.)

Mein Leben findet jetzt und hier statt. Ich habe den Alltag zu bewältigen und damit genug zu tun. Das, was auf dieser Welt an Leid und Unglück passiert, hat darauf erstmal keinen Einfluss. Das, was andere aus meinem Freundeskreis haben und tun auch nicht. Das kann man für ignorant halten – sicher, ich setze Scheuklappen auf – aber es ist auch eine Befreiung. Eine Befreiung von Dingen, die keine Rolle für meine eigenen Ziele und Vorhaben spielen. Eine Befreiung von Dingen, die mich emotional belasten – allzu oft, ohne, dass ich es merke. Darauf zu verzichten, ist ein Gewinn.

Ein Gewinn an Zeit, in der ich Gelegenheit habe mit mir selbst in Kontakt zu kommen und herauszufinden, was für mich eigentlich wichtig ist, was mir und meinem Leben Sinn gibt. Zeit, die ich in echte Freundschaften stecken kann, selbst solche, die aufgrund von räumlicher Distanz nur auf WhatsApp oder am Telefon stattfinden. Und es ist ein Gewinn an Einsichten, die ich sonst nicht hätte. Ich habe Zeit Bücher richtig zu lesen, anstatt sie nur querzulesen. Ich habe Zeit mir neue Quellen zu suchen, die ich für glaubwürdig halte und ich habe ansonsten den Kopf frei von Dingen, die mich nicht betreffen und in Zukunft nach allerhöchster Wahrscheinlichkeit auch nicht betreffen werden. Letztlich ist es doch egal, ob uns jemand in einem Facebook-Video zeigt, wie man ein Hühnchen in den Ofen bringt. Damit es uns etwas nützt, müssen wir es selbst tun. Und das beginnt beim selber machen, nicht beim Videos ansehen.

Wie gehst du mit Informationen, Nachrichten und dem dauernden Hintergrundrauschen in deinem Leben um? Willst du es auch mal versuchen, wie sich dein Leben ohne Datenmüll anfühlt? Oder hast du Angst, dass eine Leere entsteht, die du mit deinem Leben nicht zu füllen weißt?

Hier sind meine wesentlichen Tipps für Einsteiger und Social Media Junkies.

3 Tipps zum Abschalten

1. Benachrichtigungen der Apps abschalten.

Stelle alle Benachrichtigungen (Mitteilungen) der Apps auf deinem Smartphone ab. Beim iPhone geht das unter Einstellungen > Mitteilungen > dann die jeweilige App auswählen. Beim Android unter Einstellungen > Anwendungen/Apps > dann Mitteilungen bei der jeweiligen App abstellen.

2. Router zu Hause ausschalten

Bei den meisten Routern lassen sich die WLAN Zeiten einstellen. Mein WLAN ist zwischen 22:00 und 6:30 Uhr abgeschaltet. Theoretisch kann ich mobil weiter surfen, aber das tue ich nicht, das Telefon wird dann in den Flugmodus geschaltet und fertig. Das sichert mir nicht nur den Schlaf. Das WLAN auszuschalten hat übrigens noch einige gesundheitliche Vorzüge, auch wenn die in vielen Mietshäusern kaum zur Last fallen dürften, da man ohnehin in einem Netz von Strahlung lebt.

3. Achtsam sein, nachdenken und beobachten

Besonders am Anfang erwischt man sich immer wieder dabei, das Telefon in der Hand zu haben und die einschlägigen Apps zu checken. Je achtsamer du deinem Verhalten gegenüber wirst, desto eher merkst du, was du da gerade tust und legst das Telefon auch bewusst weg. Mit etwas Übung bleibt es bald schon liegen. Such dir einfach etwas anderes, relevanteres, womit du deine Zeit verbringen kannst. Lange nicht gemalt, musiziert, gestrickt oder Gesellschaftsspiele gespielt? Alte Hobbys oder Interessen mit denen du deutlich besser abschalten und dein Stresslevel senken kannst, finden sich sicher genug. Beobachte dich ohne dein Smartphone und fühl mal, wie es sich anfühlt, nicht alles zu wissen. Macht es dich ruhiger? Entspannter? Angstfreier? Die Antworten findest du nur, wenn du es ausprobierst.

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