Rund 3 % der Erwachsenen in Deutschland leiden an Neurodermitis und die Zahlen steigen stetig. Wie bei allen anderen allergischen Erkrankungen lässt sich auch hier in den letzten Jahren ein deutlicher Anstieg verzeichnen, den niemand so richtig erklären kann. Gerade bei Neurodermitis bekommt man nach dem Arztbesuch schon einmal das Gefühl, dass das eine Verlegenheitsdiagnose ist, die nicht so recht weiter hilft. Jedenfalls ging mir das so, denn es wird so getan, als wäre das mittlerweile völlig normal, dass man im Erwachsenenalter plötzlich juckende Ekzeme bekommt. Dabei war Neurodermitis lange nur auf Kleinkinder beschränkt und nur wenige Erwachsene behielten die störenden Hautveränderungen ihr Leben lang.

Was ist Neurodermitis?

Neurodermitis ist eine chronische entzündliche Hauterkrankung, für die juckende und gerötete Hautausschläge charakteristisch sind1. Die Ausschläge machen sich bei Babys und Kleinkindern vor allem im Gesicht und am Po bemerkbar, bei Erwachsenen tauchen sie in den Gelenkbeugen und im Nacken am häufigsten auf.

Neurodermitis ist mit einer Häufigkeit von 15 bis 30% eine der am weitesten verbreiteten Hauterkrankungen bei Kleinkindern und Kindern bis zum Schulalter 1. In der erwachsenen Bevölkerung sind zwischen 2 und 10% betroffen, wobei die Krankheit in den Industrienationen zwei- bis dreimal häufiger auftritt als noch vor 30 Jahren.

In ärmeren Ländern dieser Welt und auch im ländlichen Raum ist Neurodermitis seltener. Das gibt einen Hinweis darauf, dass sowohl die Entstehung als auch der Verlauf von den individuellen Lebensumständen und Umweltfaktoren beeinflusst wird2.

Was hat Neurodermitis mit Allergien zu tun?

Neurodermitis steht in einem engen Zusammenhang zu Allergien jeglicher Art. Rund 80% der Patienten leiden unter einer Allergie auf Lebensmittel oder auf Allergene aus der Luft und der Umwelt (Pollen, Hausstaubmilben, Schimmelpilze)3.

Etwa die Hälfte aller Neurodermitis-Patienten weist eine oder mehrere Lebensmittelallergien auf, wobei die häufigste Kombination eine Allergie auf Ei und Milch zu sein scheint4,5. Der Zusammenhang zu einer Lebensmittelallergie ist nicht immer sofort ersichtlich, da es bis zu 24 Stunden oder länger dauern kann, bis eine Verschlechterung der Ausschläge sichtbar wird.

Die Allergieproblematik betrifft sowohl Kinder als auch Erwachsene. Die weite Verbreitung von Allergien unter Neurodermitikern weist darauf hin, dass die Diagnose und Berücksichtigung der Allergene in der Ernährung zu den wichtigsten Therapiemöglichkeiten bei der Verbesserung einer Neurodermitis zählt.

Allergien gehen eigentlich immer mit einer erhöhten Histaminbelastung einher. Besonders bei Menschen, die von ganzjährigen Allergien betroffen sind, wie etwa bei einer Hausstauballergie. Aber auch, wenn die Allergie noch nicht bekannt ist und das Allergen weiter konsumiert wird. Ein Zusammenhang zwischen Neurodermitis, Allergien und einer erhöhten Histaminbelastung bei Neurodermitis wurde zwar lang vermutet, aber der genaue Zusammenhang war lange unklar. Die Frage war, warum manche Menschen auf Allergene mit Hautausschlägen reagieren?

Vermehrt Mastzellen in der Haut von Neurodermitis-Patienten

Erst im letzten Jahr konnten Wissenschaftler nachweisen, dass Mastzellen – also die Zellen, die die Botenstoffe Histamin und Heparin enthalten, um unser Immunsystem zu aktivieren – bei Menschen mit Neurodermitis vermehrt in der Haut vorkommen. Das heißt, dass die allergische Reaktion auf der Haut sichtbar und leider eben auch durch Juckreiz spürbar wird. Für Hautpatienten wird deshalb oft eine allergenarme und histaminarme Ernährung empfohlen. Aber auch psychischer und physischer Stress kann eine Aktivierung der Mastzellen hervorrufen.

Die Forscher haben außerdem herausgefunden, dass diese Mastzellen die aktive Form des Proteins STAT5 enthalten. Bei Mäusen hat die Blockierung des Proteins STAT5 dazu geführt, dass die Mäuse praktisch immun gegen Neurodermitis waren. Zwar untersuchte die Studie auch die Wirkung eines Enzyms, das einen beruhigenden Effekt auf STAT5 hat, aber eine Schlussfolgerung für Patienten mit Hautausschlägen kann daraus noch nicht abgeleitet werden6.

Nichtsdestotrotz zeigt die Beteiligung von Mastzellen in der Haut, dass ein gesunder Darm zur Abwehr von Eindringlingen in den Organismus und eine histaminreduzierte Kost besonders für Menschen mit Neurodermitis und Urtikaria (Nesselsucht) wichtig ist.

Was sind die typischen Lebensmittel-Allergene?

Bei Kindern:

  • Ei
  • Kuhmilch
  • Soja
  • Erdnüsse
  • Weizen

Bei Erwachsenen:

  • Nüsse
  • Kreuzallergene zu Pollen, wie Sellerie, Apfel, Pfirsich etc.

Mehr zum Thema Histamin in der Nahrung erfährst du hier: Histaminintoleranz


Referenzen

  1. Hoare C, Li Wan Po a., Williams H. Systematic review of treatments for atopic eczema. Health Technol Assess (Rockv). 2000;4(37). doi:10.1016/S0190-9622(02)61464-1.
  2. Bieber T. Atopic dermatitis. Ann Dermatol. 2010;22(2):125-137. doi:10.5021/ad.2010.22.2.125.
  3. Werfel T, Schwerk N, Hansen G, Kapp A. The diagnosis and graded therapy of atopic dermatitis. Dtsch Arztebl Int. 2014;111(29-30):509-520, i. doi:10.3238/arztebl.2014.0509.
  4. Kwon J, Kim J, Cho S, Noh G, Lee SS. Characterization of food allergies in patients with atopic dermatitis. Nutr Res Pract. 2013;7(2):115-121. doi:10.4162/nrp.2013.7.2.115.
  5. Röckmann H, van Geel MJ, Knulst AC, Huiskes J, Bruijnzeel-Koomen CA, de Bruin-Weller MS. Food allergen sensitization pattern in adults in relation to severity of atopic dermatitis. Clin Transl Allergy. 2014;4(1):9. doi:10.1186/2045-7022-4-9.
  6. Pivotal cellular protein underlying eczema identified — ScienceDaily. http://www.sciencedaily.com/releases/2014/01/140109132140.htm. Accessed March 4, 2015.
  7. Bildquelle: © thodonal – Fotolia.com