In den letzten Jahren wurden im Bereich der ernährungstherapeutischen Behandlung von Reizdarm-Patienten große Fortschritte gemacht. Die gängigste und erfolgsversprechendste Form der Ernährungsumstellung ist die Therapie basierend auf den Prinzipien der FODMAP-Ernährung. Mittlerweile wird FODMAP-Diät auch in zahlreichen gastroenterologischen Praxen an die Patienten weiter gegeben.

Was sind FODMAP?

FODMAP ist die Abkürzung für eine Gruppe von schlecht verdaubaren, kurzkettigen Kohlenhydraten. Es steht für „Fermentable Oligosaccharides, Disaccharides, Monosaccharides and Polyols“ und meint auf deutsch fermentierbare Vielfachzucker, Zweifachzucker (z.B. Milchzucker), Einfachzucker (z.B. Fruktose) und Zuckeralkohole (Polyole).

Die Nahrungsbestandteile, die in die Gruppe der FODMAPs gehören, sind insbesondere:

  • Fruktose
  • Fruktooligosaccharide (FOS) :
    • Fruktane
    • Inulin
    • Levane
  • Laktose
  • Galaktooligosaccharide (GOS):
    • Galaktane
    • Raffinose
    • Stachyose
  • Polyole

FODMAPs sind vor allem in pflanzlichen Lebensmitteln, aber auch in Milchprodukten in unterschiedlichen Konzentrationen enthalten und können unter verschiedenen Umständen Verdauungsstörungen auslösen.

Prinzipien der FODMAP-Diät

Die Ernährung nach FODMAP-Prinzipien sieht vor, dass diese kurzkettigen Kohlenhydrate der FODMAP-Gruppe für einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen stark reduziert werden. Anschließend können Lebensmittel mit einem höheren Gehalt dieser Zucker und Zuckeralkohole in einem Zeitraum von ein bis zwei Wochen ausgetestet werden und so die individuelle Verträglichkeit festgestellt werden. Eine Ernährung nach diesen Prinzipien hat in Studien zu einer nachhaltigen und deutlichen Linderung der Symptome bei 74% der untersuchten Reizdarmpatienten geführt [1].

Ein Linderung der Beschwerden tritt in der Regel schon nach einer Woche ein. Sollten sich nach acht Wochen jedoch keine Verbesserungen einstellen, kann davon ausgegangen werden, dass eine weitere Verfolgung der FODMAP-Ernährung keinen Nutzen für den Patienten bringt.

Wirkung von FODMAPs im Körper

FODMAPs können im menschlichen Darm nicht wie Traubenzucker unmittelbar über die Darmschleimhaut ins Blut aufgenommen werden, sondern bedürfen einiger Enzyme und Transporter, die sie durch die Darmschleimhaut in unseren Blutkreislauf transportieren. Ist die Darmschleimhaut geschädigt, liegt eine Dünndarmfehlbesiedlung vor oder werden große Mengen FODMAPs konsumiert, kann dies die Kapazität der vorhandenen Enzyme übersteigen. Die Kohlenhydrate gelangen dann in den unteren Teil des Dünndarms und in den Dickdarm, wo sie eine osmotische (wasseranziehende) Wirkung haben oder von Gärkeimen fermentiert werden. Diese beiden Prozesse führen zu typischen Beschwerden, die mit dem Oberbegriff funktionale Verdauungsstörungen beschrieben werden.

Dazu gehören Bauchschmerzen, Blähungen, Verstopfungen, Durchfälle, Übelkeit oder auch eine psychische Lethargie, die einer Depression ähneln kann. Diese funktionalen Verdauungsstörungen werden heute auch meist als Reizdarm bezeichnet. Der Reizdarm ist meist eine Unverträglichkeit eines oder aller Kohlenhydrate der FODMAP-Gruppe. In den Erklärungen zu den gängigen Stuhlanalysen ist hier auch oft von einer Kohlenhydratintoleranz die Rede.

Eine osmotische Wirkung haben vor allem Fruktose, Fruktooligosaccharide und Fruktane. Das heißt, dass diese Kohlenhydrate Wasser in den Darm ziehen. Dadurch wird die muskuläre Bewegung des Darms angeregt, was zu Durchfällen oder wässrigen Stühlen führt.

Laktose, Galaktane und Zuckeralkohole (Polyole) werden hingegen vorwiegend von Gärkeimen fermentiert und führen so zu einer erhöhten Gasbildung, was wiederum zu Blähungen, Schmerzen durch erhöhten Druck und zu Darmwinden führen kann.

Je nachdem welche Bakterienbesiedlung vorzufinden ist, kann sich die Kohlenhydratintoleranz auch durch Verstopfungen zeigen. Das ist dann der Fall, wenn Bakterien verbreitet sind, die Stickoxide bilden und darüber eine entspannende Wirkung auf die Muskulatur haben. Hierdurch wird die Darmperistaltik beeinträchtigt und der Stuhl nicht weiter transportiert, was zu Verstopfungen führt.

Die Ursachen für die Unverträglichkeit dieser Kohlenhydrate können, wie bereits im Abschnitt zur Fruktosemalabsorption erwähnt, unterschiedlicher Natur sein. Zum einen ist die westliche Ernährung sehr reich an diesen Kohlenhydraten, für die der menschliche Körper generell nur eine limitierte Aufnahmefähigkeit besitzt. Zum anderen kann eine Beschädigung der Darmschleimhaut zu einer verringerten Aufnahmefähigkeit führen, da die notwendigen Transporter und Enzyme nicht in ausreichender Menge produziert werden können. Auch ein schlechtes Essverhalten, d.h. schnelles Essen im Gehen oder zwischendurch kann dazu beitragen. Und letztlich kann eine Fehlbesiedlung des Dünndarms (DDFB) zu erhöhter Gärtätigkeit führen. In allen drei physiologisch bedingten Fällen hilft eine vorübergehende Ernährung nach den FODMAP-Prinzipien die Beschwerden zu lindern.

Welche Lebensmittel sind zu meiden?

Die Verträglichkeit von FODMAPs sind sehr individuell. Was für den einen funktioniert, kann für den anderen Beschwerden verursachen. In der Literatur finden sich sehr unterschiedliche Angaben zur Verträglichkeit einzelner Lebensmittel. Diese habe ich in dieser kurzen Übersicht mit * gekennzeichnet. Als Rahmen kann die folgende Liste aber genutzt werden. Wie bei vielen Dingen, macht oft eben auch hier die Dosis das Gift.

Fruktose (mit abnehmender Menge freier Fruktose)

  • Ananas
  • Apfel
  • Birne
  • Feigen
  • Honig
  • Honigmelone*
  • Lychee
  • Mandarine
  • Mango
  • Orange*
  • Pfirsich
  • Sternfrucht*
  • Wassermelone

Fructo-Oligosaccharide (Fruktane, Inulin, Levane)

  • Ananas
  • Artischocken
  • Frühlingszwiebeln (das Grüne geht)
  • Inulin (auch als Zusatzstoff in vielen NEMs)
  • Knoblauch
  • Lauch/Porree
  • Mango
  • Persimone
  • Pfirsich, weiß und gelb
  • Schalotten
  • Spargel
  • Wassermelone
  • Weintrauben
  • Weizen
  • Zucchini*
  • Zwiebeln

Galakto-Oligosaccharide (Raffinose, Galaktane, Stachyose)

  • Alle Linsensorten
  • Baked Beans
  • Butterbohnen
  • Gelbe Bohnen
  • Grüne Bohnen
  • Kichererbsen
  • Kidney Bohnen
  • Kohl*
  • Rosenkohl
  • Schwarze Bohnen

Polyole (Zuckeralkohol)

  • Äpfel
  • Aprikosen
  • Birnen
  • Kirschen
  • Nektarinen
  • Pfirsiche
  • Pflaumen
  • Zuckeraustauschstoffe, wie Sorbitol, Mannitol, Isomalt, Xylitol – Achtung vor allem bei Fertiglebensmitteln, Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln!

Referenzen

[1]  Gibson PR, Shepherd SJ. Evidence-based dietary management of functional gastrointestinal symptoms: The FODMAP approach. J Gastroenterol Hepatol [Internet]. 2010 Feb [cited 2015 Feb 9];25(2):252–8. Available from: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20136989