Die Paleo- oder Steinzeiternährung, ist ja mittlerweile nicht mehr ganz so exotisch, wie noch vor ein paar Jahren und man findet schon sehr viele gute Informationen im Internet. Und das ist leider auch das Problem. Jeder hat eine „Meinung“ zur Paleo-Ernährung und wie diese umzusetzen bzw. zusammengesetzt sein soll. Die Paleo-Ernährung ist wirklich nur als Grundgerüst zu verstehen, innerhalb dessen Rahmenbedingungen eine Individualisierung absolut notwendig ist. Jeder Mensch hat andere Bedürfnisse, jeder Mensch braucht andere Nährstoffverteilungen.

# 1: Zu viel (fettarmes) Fleisch

Ein Missverständnis, das mir oft begegnet, sowohl bei Kunden als auch bei Kritikern der Paleo-Ernährung, ist die Meinung, dass es sich bei Paleo um eine besonders eiweißreiche Ernährungsform handeln würde und man kiloweise Steaks essen müsste.

Erstmal zur Definition: ja, tierische Lebensmittel spielen in der Paleo-Ernährung eine wichtige Rolle. Trotzdem liegt nicht jeden Abend das T-Bone Steak auf dem Teller. Wir wissen aus archäologischen Untersuchungen und aus der direkten Beobachtung von Jäger-Sammler Gesellschaften, dass die Ernährung im Schnitt zu 2/3 aus tierischer und zu 1/3 aus pflanzlicher Nahrung bestand bzw. noch heute besteht[1]. Genau hier liegt auch das Missverständnis, tierisch bedeutet nicht „mageres Muskelfleisch“.

Die Panikmache vor Fett und die überwiegend katastrophalen Haltungsbedingungen, unter denen die Tiere ihr kurzes Dasein fristen müssen, haben uns den Appetit auf fettreiches Fleisch und Innereien gründlich verdorben. Aber genau das zeichnet eine richtig formulierte Paleo-Ernährung aus: Jäger und Sammler haben nicht nur das Filet-Steak gegessen und den Rest weggeworfen. Das Konzept heißt auf Englisch „Nose to Tail“ – also von der „Nase bis zum Schwanz“ – alles kommt auf den Teller. Und damit möchte ich gleich zum nächsten Fehler überleiten…

# 2: Keine Innereien

Leber, Niere, Hirn, Herz, Zunge – Innereien sind wahre Nährstoffbomben und dürfen bei einer Paleo-Ernährung nicht fehlen. Beim Kauf von Innereien steht Qualität und Frische an oberster Stelle. Innereien sollten wirklich ausschließlich aus biologischer bzw. Freilandhaltung kommen, da man schlechte Haltungsbedingungen deutlich schmecken kann und die Nährstoffbilanz ähnlich negativ ausfällt. Die Zubereitung ist meist unkompliziert, beachtet man ein paar Grundregeln. Innereien werden zum Beispiel immer gewässert. Dann steht dem Genuss nichts im Wege.

# 3: Zu viel „natürlicher“ Zucker

Nur weil etwas „natürlich“ ist, heißt es noch lange nicht, dass dieses „Etwas“ für uns gut oder gesund ist. Arsen ist auch natürlich; ist es für uns gut? Eher nicht. So ähnlich verhält es sich mit Zucker. Zucker versteckt sich in vielerlei Gestalt. Wir haben Sucrose, Fructose, Glucose, Lactose, Maltose, Stärke, … egal wie wir das Kind nennen, im Endeffekt ist es Zucker und dem Körper ist es kurz gesagt „wurscht“ ob es weißer Kristallzucker oder Agavensirup ist.

Wer eine Paleo-Ernährung umsetzt, wird über kurz oder lang auf die Nachspeisen und Dessert-Kreationen im Netz stoßen und dort natürliche Zucker wie Honig, Molasse, Agavensirup, Ahornsirup und seit neuestem Kokosblütenzucker finden. Ich möchte nicht sagen, dass diese Zucker per se schlecht sind, man sollte sich nur nicht einreden, dass diese Zuckervarianten eine bessere oder gesündere Alternative zu gewöhnlichem Haushaltszucker darstellen. Sowohl die hormonelle als auch die metabole Reaktion ist dieselbe.

Durchschnittlicher Zuckergehalt in 100 g
Produkt Zuckergehalt Fructose Glucose Sucrose andere Zucker
Honig 82 g 38-55 % 31% 1,30% 8,60%
Agavensirup 76 g 47-56 % 16-20 %
Ahornsirup 67 g 1,50% 2,40% 89% Rest
Kokosblütenzucker 92 g 2,90% 3% 70-80%
Reissirup 80 g 3% 97%
HFCS 76 g 55% 45%

 

Vorsicht auch bei sehr süßem Obst und Trockenfrüchten. Besonders bei Menschen, bei denen bereits eine Stoffwechselstörung vorliegt (Übergewichtige, Diabetiker, etc.), sollte auch auf Zucker in Obst und Trockenfrüchten geachtet werden.


Referenzen

[1] Cordain, Loren, et al. „Plant-animal subsistence ratios and macronutrient energy estimations in worldwide hunter-gatherer diets.“ The American journal of clinical nutrition 71.3 (2000): 682-692.