Die Diagnose für eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut lässt sich heute mit einfachen, kostengünstigen, nicht-invasiven Untersuchungsverfahren sichern. Die meisten Ärzte unterstützen das Verfahren und die Diagnose noch nicht, da das Krankheitsbild Leaky Gut in der Schulmedizin derzeit noch nicht anerkannt ist. Die Untersuchung lässt sich aktuell am einfachsten über einen Heilpraktiker oder naturheilkundlich praktizierenden Arzt durchführen.

Im Internet sind darüber hinaus Testkits für die Stuhlprobe erhältlich, die auch dem Verbraucher zugänglich sind.

Die Stuhlprobe kann damit einfach zu Hause durchgeführt werden und bedarf nicht zwingend ärztlicher Beratung und Betreuung. Wer möchte, kann das Testkit für die Stuhlprobe direkt bei einem Labor (z.B. Medivere) bestellen. Sie bietet kein vollumfängliches Bild, aber einen guten ersten Hinweis darauf, ob die aktuellen Symptome durch eine kompromittierte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut oder eine ungünstige Verschiebung des Mikrobioms entstanden sein könnten.

Aktuell sind die Tests, die sich über einen erfahrenen Heilpraktiker beziehen lassen, aussagekräftiger als die im Internet erhältlichen Tests. Letztere sind jedoch ausreichend, um einen ersten Verdacht auf Leaky Gut zu bestätigen. Das ist vor allem für jene sinnvoll, die keine Privatversicherung oder Zusatzversicherung für Heilpraktiker besitzen. Grundsätzlich empfehle ich jedoch immer die Begleitung durch einen Heilpraktiker, einen Arzt für Naturheilkunde oder einen entsprechend ausgebildeten Ernährungsberater.

Nach der Einsendung deiner Stuhlprobe an das Labor erhältst du einen umfangreichen und erklärten Bericht zum Zustand des Stuhls mit vielen verschiedenen Parametern, Biomarkern für Verdauungsrückstände und den Besiedlungszustand mit Leitkeimen. Im Folgenden möchte ich konkreter auf die wichtigsten Parameter eingehen. Dein Bericht enthält eine detaillierte Einschätzung deiner persönlichen Stuhlprobe mit Hinweisen, die du aufmerksam und gegebenenfalls mehrmals lesen solltest.

Es empfiehlt sich den Konsum von Nahrungsergänzungsmittel, Probiotika und ähnlichem für 48 Stunden vor der Stuhlprobe auszusetzen.

Leitkeime

Ein erwachsener Mensch trägt rund 2 kg Mikroorganismen im Verdauungstrakt. Unser Verdauungstrakt ist damit das vielfältigste Ökosystem, das wir bisher kennen. Die Zellen unseres Mikrobioms übersteigen die Zellen unseres Körpers um ein 100-faches, was deutlich macht, wie wenig Mensch und wie viel Mikroorganismus wir eigentlich sind.

In den gängigen Laboruntersuchungen (Florastatus) wird deine Stuhlprobe auf zwei Gruppen von Leitkeimen untersucht. Zum einen die anaeroben Leitkeime, zum anderen die aeroben Leitkeime. Sie liegen beim gesunden Menschen in einem charakteristischen Verhältnis vor. Überwiegen eiweiß- oder fettverwertende Keime, wie Chlostridien oder Enterobacteriaceae, kann dies zur vermehrten Produktion alkalischer Stoffwechselprodukte führen, die zu einem Anstieg des pH-Wertes im Dickdarm führen und die Leber belasten [3].

Aerobe Leitkeime

Eine Verschiebung der aeroben Leitkeime gehört zu den am häufigsten vorkommenden Veränderungen der Darmflora. Bei dieser Veränderung überwiegen aerobe Leitkeime der Kategorie E.Coli, Citrobacter, Klebsiella etc., die in deinem Befundbericht sämtlich einzeln aufgeführt werden. Sie sind Teil der „schlechten“ Bakterien, die normalerweise durch die „guten“ anaeroben Leitkeime in Schach gehalten werden.

Eine Vermehrung dieser Bakterien geht meist mit einer Verminderung der Bifidobakterien aus der Gruppe der anaeroben Leitkeime einher.

Anaerobe Leitkeime

Anaerobe Leitkeime bilden den überwiegenden Teil unseres Mikrobioms. Zu ihnen gehören die bekannten „guten Bakterien“ Lactobacilli und die Bifidobakterien. Eine Verminderung dieser Bakterien kann durch Antibiotika, Durchfälle, Bestrahlung aber auch Fehlernährung eintreten.

Auch der Befall mit Clostridium difficile, der selbst zu schweren Durchfällen und Verdauungsbeschwerden führen kann, wird hier aufgeführt.

Entzündungsmarker und Marker des Immunsystems

Neben dem Florastatus lassen sich im Stuhl ebenfalls Marker des Entzündungsstatus und des Immunsystems feststellen.

Je nach Labor finden sich im Stuhl nur einer oder zwei der drei aktuell etablierten Biomarker zur Diagnostik einer erhöhten Durchlässigkeit der Darmschleimhaut. Einige Labors bieten im Stuhl nur den Biomarker alpha-1-Antitrypsin und Calprotectin, während andere auch auf Zonulin im Stuhl zurückgreifen. Die frei im Internet erhältlichen Tests (Gesundheitscheck Darm) des oben genannten Labors enthalten den Test auf Zonulin aktuell nicht.

Zonulin

Zonulin ist das Protein, das an der Regulation der tight junctions, also der Verbindungen zwischen den Zellen der Darmschleimhaut, wesentlich beteiligt ist. Bindet Zonulin an die Zellen der Darmschleimhaut, wird eine biochemische Reaktion in Gang gesetzt, die zu einer Öffnung der tight junctions führt. Diese Reaktion findet zum Beispiel bei jedem Menschen bei der Verdauung von Gluten, dem Klebereiweiß in Getreide, statt [1]. Neben Gluten können auch Bakterien im Dünndarm die Ausschüttung von Zonulin veranlassen. Man geht derzeit davon aus, dass dies Teil unseres angeborenen Immunsystems ist, die den Dünndarm vor Fehlbesiedlungen schützt [2].

Erhöhte Zonulin-Werte führen dazu, dass die tight junctions dauerhaft geöffnet sind. Sie deuten auf eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, wie beispielsweise Zöliakie hin, können aber auch einer Autoimmunerkrankung, wie Typ-1-Diabetes, Multiple Sklerose oder einer rheumatoiden Arthritis voraus gehen. Auch eine Antibiotika-Therapie oder eine Allergie kann unter Umständen zu erhöhten Zonulin-Werten führen.

Normwerte:

  • im Stuhl bis 78 ng/ml
  • im Blut bis 48 ng/ml

In den aktuell gängigen Stuhlanalysen ist der Zonulinwert nicht in allen Laboren enthalten. Einige Labors nehmen Zonulin nur im Serum (Blut).

Darüber hinaus liefert der Stuhl über andere Biomarker wichtige weitere Hinweise auf Entzündungsaktivitäten im Darm. Dazu gehören alpha-1-Antitrypsin und Calprotecin. Lysozym und das sekretorische IgA. Alle drei sind in den gängigen Laboruntersuchungen auf Wunsch enthalten.

alpha-1-Antitrypsin

alpha-1-Antitrypsin ist ein Eiweiß, das in der Leber und in der Schleimhaut des Dünndarms gebildet wird. Er gilt in allen gängigen Labors als Marker für die erhöhte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut.

Ein erhöhter Wert spricht für eine erhöhte Durchlässigkeit, gibt Hinweise auf IgE- und IgG-vermittelte Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten, eine vorliegende Histaminose oder Veränderungen der Darmschleimhaut durch den Einfluss von Gluten (z.B. Zöliakie oder NZGS). Je nach Symptomlage kann alpha-1-Antitrypsin auch auf einen Keimbefall, eine bakteriell oder viral bedingte Entzündung des Dünn- und Dickdarms oder Autoimmunerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa hindeuten.

Normwerte:

  • im Stuhl bis 27,5 U/ml

Calprotectin

Calprotectin ist ein Marker, der auf ein erhöhtes Entzündungsgeschehen an der Darmschleimhaut hindeutet. Dieser Marker kann damit auch ein Hinweis für eine notwendige Differentialdiagnose sein. So zeigen sich beispielsweise bei aktiven Schüben von Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa besonders hohe Calprotectin-Werte, wohingegen bei den klassischen Unverträglichkeiten oft keine erhöhten Werte vorliegen. Calprotectin wird also bestimmt, um solche entzündlichen Darmerkrankungen auszuschließen.

Normale Werte sind zu sehen bei:

  • Zöliakie
  • Laktoseintoleranz
  • Exokriner Pankreasinsuffizienz
  • Lebensmittelunverträglichkeiten
  • Reizdarmsyndrom

Erhöhte Werte sind vorzufinden bei:

  • Bakteriellen Besiedlungen, z.B. mit Clostridium difficile
  • Noroviren
  • cystischer Fibrose
  • Veränderungen durch dauerhafte Einnahme von nicht-steroidalen Antirheumatika (z.B. Ibuprofen)

Normwerte:

  • im Stuhl bis 50 mg/kg

Schleimhautimmunität

Neben den gängigen Entzündungsmarkern, die Aufschluss darüber geben, ob die Darmschleimhaut beschädigt ist, geben die Marker der Schleimhautimmunität Hinweise darauf, wie aktiv die darmeigene Immunabwehr ist.

Lysozym

Lysozym gibt Auskunft über die Immunfunktion der Darmschleimhaut und weniger über ihre Durchlässigkeit. Es ist kein notwendiger Parameter, ergänzt aber die Marker alpha-1-Antitrypsin und Calprotectin. Durch das Enzym Lysozym werden vor allem die Zellwände grampositiver Bakterien (überwiegend Firmicutes), wie Streptococcus, Enterococcus, Staphylococcus, Listeria, Bacillus, Clostridium und Lactobacillus, zerstört.

Sekretorisches IgA (sIgA)

Sekretorisches IgA ist in nahezu allen Körpersäften des Menschen zu finden und gehört zur ersten Abwehrlinie gegenüber Eindringlingen und Pathogenen. Es dient der Abwehr und der Neutralisation von Mikroben, Antigenen und Toxinen, die in den Darm gelangen. Über das sekretorische IgA können so Rückschlüsse auf den Zustand der Darmschleimhaut gezogen werden. Erhöhte sIgA-Wert deuten auf eine erhöhte Abwehrreaktion, z.B. gegen Mikroben, Antigene oder Toxine und damit auf Entzündungsgeschehen auf der Darmschleimhaut hin.

Erniedrigte Werte zeigen, dass das Immunsystem der Darmschleimhaut nicht ausreichend aktiv ist, d.h. der Darm nicht regulär funktioniert und eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut vorliegen kann.

Normwerte:

  • im Stuhl bis 510 – 2040 µg/ml

Weitere Marker

Weitere Marker, die zur Bestimmung der Entzündungs- oder des Immunsystemstatus im Darm herangezogen werden können, sind das Eosinophile Protein X im Stuhl (EPX) und Beta-Defensin-2.

Leicht erhöhte EPX-Werte sprechen für eine Reizung der Darmschleimhaut durch Antigene in der Nahrung, stark erhöhte Werte deuten hingegen auf eine stärkere Reizung, z.B. in Form eines Parasitenbefalls oder IgE- bzw. IgG4-vermittelte Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten hin.

Beta-Defensin-2 ist Teil des unspezifischen Immunsystems und dient der breiten Abwehr mikrobieller Erreger und Toxine. Den Defensinen wird ein modulierender Effekt auf die Histaminfreisetzung aus den Mastzellen der Darmschleimhaut zugeschrieben. Sie bewirken eine Freisetzung von Histamin, wenn zu wenig vorhanden ist und haben einen hemmenden Effekt, wenn zu viel bzw. ausreichend Histamin im Darm vorhanden ist. Niedrige Werte sprechen für eine veränderte Konzentration von Histamin im Darmraum. Sind die Werte hingegen erhöht, spricht das für eine stärkere Abwehrreaktion auf Antigene oder Mikroben [3].

Hier kannst du einen Musterbefund einsehen. 

(Alle Normwerte können abhängig vom Labor auch niedriger oder höher liegen.)


Referenzen

[1] Drago S, Asmar R El, Pierro M Di, Clemente MG, Sapone ATA, Thakar M, et al. Gliadin, zonulin and gut permeability: Effects on celiac and non-celiac intestinal mucosa and intestinal cell lines. Informa UK Ltd UK; 2009 Aug 26 [cited 2015 Apr 14]; Available from: http://informahealthcare.com/doi/abs/10.1080/00365520500235334

[2] Fasano A. Intestinal permeability and its regulation by zonulin: diagnostic and therapeutic implications. Clin Gastroenterol Hepatol. United States; 2012 Oct;10(10):1096–100.

[3] Kirkamm R, Martin M. Spezielle Labordiagnostik in der naturheilkundlichen Praxis. 1. Auflage. München: Elsevier GmbH; 2014.