young woman turns the mirror

Überteuertes Eiweißpulver, Ananas-Diät und FDH – es ist wieder soweit: alles was die Diätenlandschaft zu bieten hat, wird dieser Tage mit jeder Menge Verve ausprobiert.

Dabei ist es eigentlich noch nicht einmal eine kontroverse oder neue Erkenntnis, dass Diäten nicht funktionieren. Wie wäre es also dieses Jahr einmal mit dem Vorsatz Diäten aufzugeben?

Iss‘ weniger, beweg Dich mehr: das war gestern.

Viele Jahre war das der Stein der Weisen, wenn es um das Thema aktives Gewichtsmanagement geht. Wer das nicht hinbekommt, gilt als schwach, nicht diszipliniert genug oder sogar zu dumm um die Konsequenzen des grenzenlosen Futterns zu verstehen (in etwa so dumm wie Alkoholiker und Raucher).

Nach Uschi Glas‘ fürchterlicher Ananas-Diät sind heute Eiweiß-Diäten und vor allem Shakes im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde, um den Kilos einfach und ohne Aufwand den Garaus zu machen. Zumindest kurzfristig. Denn nachdem der letzte Shake geschlürft ist, setzen sofort wieder die normalen Essgewohnheiten ein und der ganze Tanz beginnt von vorne. Viel zu oft sogar mit noch mehr Pölsterchen an Hüften, Po und Bauch. Zahlreiche Meta-Studien haben in den letzten 20 Jahren immer wieder gezeigt, dass Diäten für die Mehrheit der Probanden nicht erfolgreich sind. Nur ein kleiner Prozentsatz schafft es das Gewicht langfristig, d.h. länger als 5 Jahre, zu halten. Es kann also nicht nur an dem liegen, was wir da so auf unseren Tellern haben, oder?

Nein; die Idee, dass nur Willensstärke uns zu Heidis Figürchen verhilft, ist leider sehr kurz gegriffen. Wo wären wir als Volk, wenn es uns zu über 60% am Willen mangeln würde? Kaum auszudenken, wenn diese Übergewichtsquote damit zusammen hängen würde.

Vielmehr ist unser Gewicht das Ergebnis einer ganzen Reihe von Faktoren, die wir als Betroffene manchmal überhaupt nicht sehen können. Wir stecken so fest in unseren Gewohnheiten, sind den Nachrichten der Werbung und der Massenmedien unbewusst ausgeliefert, haben so eingefahrene Ansichten, leben unter Volldampf einfach so vor uns hin, hinterfragen unseren Alltag nur selten.

All das hat mit unserem Gewicht zu tun. Ob wir wollen, oder nicht. Abnehmen gelingt mit einer Veränderung der Lebensgewohnheiten – so anstrengend das klingt, so erfolrgreich ist es. Und dazu gehört mehr als nur das Essen.

Robert Betz, einer der erfolgreichen Populärpsychologen unserer Zeit, erzählt seinem Publikum, dass es kein Übergewicht gibt:

 Jeder Mensch hat sein seelisches Idealgewicht.

In meinen Augen könnte dieser Satz wahrer nicht sein. Schon die deutsche Sprache hat eine wunderbare Redewendung dafür: er oder sie hat ein „dickes Fell“. Unser Übergewicht schützt uns vor dem was von außen kommt, manchmal auch vor dem, was wir selber über uns denken(!), und es schirmt uns ab dagegen. So ungern ich Dir das sage: dagegen kommen keine Eiweiß-Shakes und keine Kalorientabellen an. Dahinter stecken zahlreiche bio-chemische Prozesse, die durch eine Veränderung der Ernährung allein nicht zu verändern sind. Achtsamkeit, aktives Stressmanagement, Bewusstsein und Reflektion sind hier die Stichworte. Bewegung, Ernährung und alles andere kommt dann bei manchem ganz von allein.

Willst Du wissen, was ich meine?

Stell Dich nackt vor den Spiegel und beobachte genau, was es in Dir denkt. Die meisten denken sowas wie: ohgoddohgodd! Aber das, was Du da siehst, ist Dein Werk, mit Deinem Alltag und mit all Deinen Gedanken, Gefühlen und Taten erschaffen. Es gibt keinen Grund sich dafür zu beschimpfen.

Kaum einer schaut sich an und ist stolz auf das, was er oder sie da sieht. Stolz auf einen Körper, der uns durch unser Leben trägt. Stolz auf das, was er für seinen Körper getan hat als Dankeschön dafür, dass er so gut funktioniert und im Wissen, dass nur das, was er da tut auch seine Leistungsfähigkeit bis ins Alter erhält. Was denkst Du über Dich und Deinen Körper? Ist Dein Körper Dir das wert? Wie sieht Dein innerer Dialog aus?

Glaubst Du hässlich, fett, nicht gut genug zu sein? Der Stress, den allein Deine Gedanken über Dich selbst in Dir erzeugt, verhindert, dass Du das mit dem Abnehmen schaffst.

Das ist das, was wirklich gemeint ist, wenn wir sagen:

Abnehmen beginnt im Kopf

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