Vor einigen Monaten ist mir im Zuge meiner Weiterbildungen im Bereich des Coachings und der Beratung ein Konzept zum Thema Allergien begegnet, das ich besonders spannend fand und sofort ausprobieren musste: der schnelle Allergie-Prozess. Hierbei geht es um die psychosomatische Seite der Allergie.

Ich selbst habe ja seit meiner Kindheit eine Hausstauballergie, habe aber in den letzten zehn Jahren die ein oder anderen Bugs entwickelt, die mich zeitweise auf alles mögliche mit allergischem Schnupfen reagieren ließen. Sämtliche Kreuzallergene gehörten dazu, bestimmte Formen von Stress, ebenso durfte ich aber den ein oder anderen Tag damit verbringen, wenn ich morgens kalte Füße bekam.

Allergie als mangelnde Abgrenzung

Meine eigenen Beobachtungen der letzten Jahre sagen, dass es sich bei einer Allergie auf psychosomatischer Ebene um ein Abgrenzungsproblem handelt. Das kann unterschiedliche Ursachen haben, geht aber sehr häufig mit einem Trauma einher. Konkret reagiert das Immunsystem auf einen Stoff in der Umwelt und kann nicht unterscheiden, ob dieser Stoff schädlich oder unschädlich ist. Wenn wir davon ausgehen, dass unser Körper nur Dinge tut, die uns einen Vorteil bringen, dann könnte man für die Allergie feststellen, dass der Körper im Moment des Kontaktes mit dem potentiellen Allergen etwas erlebt, das ihn in Stress und Abwehrreaktion versetzt. In der Folge reagiert das Immunsystem und bekämpft alles, was nicht zu uns gehört. Die Anwesenheit des Allergens ist dann so etwas wie Zufall oder unglücklicher Umstand und die Zellen des Immunsystems produzieren auch dagegen Antigene.

Wenn das so ist, dann wäre das eine Erklärung dafür, dass Impfungen immer wieder mit der Entstehung von Allergien in Verbindung gebracht werden. Das als Trägereiweiß benutzte Hühnereiweiß bereitet bei manchen Menschen im Anschluss Probleme. Eine Impfung hat ja die Aufgabe das Immunsystem in Aktion zu versetzen. Die Anwesenheit von Hühnereiweiß ist dann nur unglücklicher Umstand. Ähnlich ist das mit Säuglingen, für die die Trennung von der Muttermilch einen Trennungs- und Abgrenzungsprozess bedeutet. Die erste Zufütterung erfolgt meist mit Lebensmitteln mit erhöhtem allergenen Potential: Getreide, Kuhmilch, Möhren usw. Stress durch Abgrenzung und Kontakt mit dem Allergen ergibt eine Allergie. Ähnliches kann auch im Erwachsenenalter passieren, etwa durch traumatische Ereignisse oder aber auch traumatische Zeiten, d.h. anhaltende Lebensumständen, die uns eigentlich widerstreben. Auch hier wird unser Abwehrsystem aktiv und eine Allergie auf alles mögliche könnte entstehen. Soviel zu meiner Beobachtung.

Nun gibt es dafür auch wissenschaftliche Untersuchungen. So wurde zum Beispiel bei Meerschweinchen dieses Ursache-Wirkungs-Prinzip getestet. Die Forscher nutzten dazu den Geruch von Pfefferminz und injizierten gleichzeitig eine Substanz, die eine Immunreaktion auslösen würde. Nachdem die Wissenschaftler das fünfmal in kurzen Abständen wiederholt haben, versuchten sie die Immunreaktion ohne die Injektion auszulösen. Sie füllten den Käfig also erneut mit Pfefferminzgeruch und siehe da: sie verzeichneten eine unmittelbare Immunantwort [1].

Allergie als Phobie des Immunsystems

Irgendwann im letzten Jahr kam ich dann mit dem schnellen Allergie-Prozess in Kontakt, der meine Vermutung bestätigte. Der schnelle Allergie-Prozess ist ein Werkzeug aus dem Modell des neurolinguistischen Programmierens (NLP), der von einem der Mitentwickler dieses Kommunikationsmodells, Robert B. Dilts, entwickelt wurde. Dilts begegnete in den 80er Jahren bei einem seiner Seminare zum Thema Glaubenssysteme und Gesundheit dem Immunologen Dr. Michael Levi. Levi war angesehener Forscher und erhielt in den 1950er Jahren den Award der World Health Association für den Nachweis, dass Viren infektiös sind. Am Rande des Seminars erwähnte Levi beiläufig, dass eine Allergie letztlich nichts anderes sei, als eine Phobie des Immunsystems.

Dilts wurde hellhörig, denn für Phobien und Ängste jeglicher Art gibt es im Modell von NLP sehr effektive Werkzeuge, die diese in kurzer Zeit auflösen. Die Interpretation der Allergie als Phobie ergab für ihn intuitiv sofort einen Sinn. In einem seiner Bücher schreibt er, dass er schon zahlreichen Leuten begegnet war, die nach psychologischen Veränderungsprozessen auch andere Reaktionen auf ihre Allergene zeigten [2]. Ebenso ist bekannt, dass Menschen aus Allergien „herauswachsen“. Wenn es also stimmt, dann kann man das Immunsystem vielleicht sogar über die Sprache verändern? Es geht bei Allergien immerhin um das erworbene Immunsystem, also Zellen, die ohnehin lernfähig sind. Wenn diese also das eine lernen können, dann vielleicht auch das andere. Dilts begann also seine Theorie bei einzelnen Personen zu testen und ein mentalen Coaching-Prozess zu entwickeln, der Menschen dabei hilft, die Fehlregulation des Immunsystems zu korrigieren. Seine Kollegen Tim Hallbom und Suzi Smith machten nachher aus dem zunächst dreistufigen Prozess den schnellen Allergie-Prozess.

Was genau passiert beim schnellen Allergie-Prozess?

Ich möchte hier keine Anleitung für den Prozess geben. Ich möchte an dieser Stelle für Allergiker erklären, was in diesem Prozess passiert. Nachdem der Coach die Fehlregulation des Immunsystems erklärt hat, geht es zunächst darum, ob die Allergie für dich persönlich mittlerweile eine Funktion ausübt. Wer beispielsweise auf Gräser reagiert, mag sich wunderbar in dem Umstand eingerichtet haben, dass er nie den Rasen mähen muss. Die Fragestellungen lauten also: wer wäre ich ohne die Allergie? Wie wäre mein Leben? Wäre das akzeptabel für mich? Unter Umständen sind hier weitere Veränderungsprozesse nötig, um die Rolle der Allergie im Leben des Einzelnen zu klären.

Im Anschluss wird eine Substanz gesucht, die dem Allergen ähnlich ist, auf die das Immunsystem jedoch keine Reaktion zeigt. Bei einer Milchallergie, könnte das zum Beispiel Kokosmilch sein; bei einer Allergie auf Gräser, zum Beispiel Zimmerpflanzen. Im Anschluss folgt ein Visualisierungsprozess in dem das Immunsystem „lernt“, auf das Allergen ebenso zu reagieren, wie auf die Substanz, auf die es keine Reaktion zeigt. Im Ergebnis begreift das Immunsystem, wie es anders reagieren kann und stellt die überschießende Immunreaktion ein.

Es ist mir völlig klar, dass dieser Prozess bei dir lieber Leser einiges an Skepsis hervorrufen mag. Wenn es sowas gäbe, warum nutzt man das nicht in der Medizin? Im Prinzip tut man das mit der in der Schulmedizin angewendeten Desensibilisierung, die eine ähnliche Idee verfolgt. Mentale Prozesse werden beim Allergologen allerdings nicht betrachtet. Wir schrauben eben lieber an der Biochemie.

Meine Erfahrung

Für mich hat der Prozess wunderbar funktioniert. Nicht auf Anhieb, das muss ich zugeben, denn meine Allergien hatten für mich mittlerweile eine psychologische Funktion. Gesund zu sein kann eine Herausforderung an anderen Stellen bedeuten. Außerdem fiel es mir durchaus schwer zu akzeptieren, dass es so einfach sein könnte. Als ich den Prozess das erste Mal durchlief, stellte ich danach ein verändertes Körpergefühl fest. Wenn man auf Kälte reagiert, so, wie ich das getan habe, merkt man das sofort. Meine ersten Gedanken waren eine Endlosschleife aus „Das kann nicht sein. Das kann nicht sein. Das kann nicht sein. Das kann nicht sein.“ … solange, bis der Schnupfen wieder da war und mir die Augen zuschwollen. Ich habe dann ein paar Tage gebraucht mich mit dem Gedanken anzufreunden, dass das möglich sein könnte. In den folgenden Wiederholungen habe ich dann eine deutliche Verbesserung auch zulassen können und seither erreicht.

Für jeden Menschen mit starken Allergien sei erwähnt, dass eine Testung im Anschluss keinesfalls ohne ärztliche Aufsicht erfolgen sollte. Allergien können tödlich sein.

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Referenzen

[1] Russell, M., Dark, K. A., Cummins, R. W., Ellman, G., Callaway, E., & Peeke, H. V. (1984). Learned histamine release. Science (New York, N.Y.), 225(4663), 733–4. Retrieved from http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/6205449

[2] Dilts, R. B., Hallbom, T., & Smith, S. (2006). Identität, Glaubenssysteme und Gesundheit (5. Auflage). Paderborn: Junfermann Verlag. http://amzn.to/2B4Ysvl

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