Hattest Du schon einmal das Gefühl von „Schmetterlingen im Bauch“ oder wenn es darum ging eine Entscheidung zu treffen, ein „Bauchgefühl“? Ausdrücke wie diese finden sich nicht zu unrecht im Sprachgebrauch. Wir alle wissen, dass eine unangenehme Situation „auf den Magen“ schlagen kann, doch wie weit der Darm auf Gefühle, Immunsystem und allgemeines Wohlbefinden Einfluss nimmt, ist den wenigsten bekannt[1].

Das Darm-Hirn

Beinahe der gesamte Verdauungstrakt ist von einem feinen Netzwerk aus Nervenzellen umgeben. Die Anzahl der Nervenzellen übersteigt die des Rückenmarks um ein 4-5-faches. Dieses  Darm-Hirn wird auch als enterisches oder intrinsisches Nervensystem (ENS) bezeichnet. Das ENS ist ein eigenständiges Nervensystem, welches unabhängig vom autonomen Nervensystem arbeitet. Lange dachte man, dass die Aufgabe ausschließlich auf die Regulation der Verdauungsvorgänge beschränkt ist, heute weiß man, dass es weit darüber hinaus geht. Das ENS kontrolliert unter anderem die Darmperistaltik, die Ausschüttung von Enzymen und die Bildung von Neurotransmittern. Es gibt 30 verschiedene Neurotransmitter im ENS, der Großteil davon ist ident denen des zentralen Nervensystems. 90% des Serotonin und 50% des Dopamin im Körper werden im Darm gebildet[2].

Wir finden im ENS Nervenzellen, die den Astrozyten des Zentralnervensystems ähnlich sind, außerdem findet sich eine Diffusionsbarriere rund um die Blutgefäße, die das ENS versorgen, ähnlich der Blut-Hirn-Schranke.

Das enterische Nervensystem zieht sich von der Speiseröhre bis zum Anus[3].

Darm-Hirn Achse

Das Nervensystem des Darms, ist über den Vagusnerv (Nervus vagus) direkt mit dem Gehirn verbunden. Studien an Wirbeltieren zeigen, dass das ENS weiter funktioniert, auch wenn der Vagusnerv durchtrennt wird. Dies unterstützt die Eigenständigkeit dieses Nervensystems.

Die Gesunderhaltung des Darms und die optimale Zusammensetzung der Mikroorganismen im Darm, sind untrennbar miteinander verbunden. Eine Fehlbesiedelung oder pathogene Keime wie Clostridium difficile interagieren mit dem Immunsystem und führen zur Ausschüttung von entzündungsfördernden Botenstoffen[4]. Sie können in weiterer Folge auch die Bildung von Neurotransmittern beeinflussen. So sehen wir eine ungünstige Darmflora bei Menschen mit Angstzuständen und Depressionen. Im Gegensatz dazu, scheint eine günstige Darmflora den genau gegenteiligen Effekt zu haben. Nicht nur halten sie pathogene Keime im Zaum, sondern interagiere auch in einer Weise mit dem Immunsystem, dass Stress- und Entzündungsreaktionen abgedämpft werden.

Der Darm und die Gehirngesundheit

Die Darmflora schein auch einen wesentlichen Beitrag zur Gehirngesundheit zu leisten. Spezielle Ratten, die ohne Darmflora gezüchtet werden, sogenannte germ-free mice, zeigen Defizite in Schlüsselenzymen, die für die Gehirnzellenentwicklung essenziell sind. Dieser „Gehirndünger“, BNDF (Brain Derived Neurotropic Factor) findet sich in gleicher Form auch im menschlichen Gehirn. Ein niedriger BNDF-Wert ist mit klinischer Depression, Angstzuständen und anderen psychiatrischen Erkrankungen verbunden[5].

Andere Auffälligkeiten bei diesen Mäusen, sind auch Veränderungen bestimmter Neurotransmitterrezeptoren. Rezeptoren, die auch an der Regulation von Stimmung und Angst beteiligt sind. Auf der anderen Seite gibt es gewissen Probiotika, die die Verfügbarkeit von Tryptophan erhöhen können, dem Vorläufer von Serotonin.

Abschließende Worte

So wie wir Neuronen im Gehirn haben, haben wir auch Neuronen im Darm. Es gilt mittlerweile als gesichert, dass die Darmbakterien über den Vagusnerv mit unserem Gehirn kommunizieren. Sie beeinflussen Neurotransmitterproduktion und Neurotransmitteraufnahme und somit auch Stimmungskontrolle, Aggression, Depression und psychisches Wohlbefinden[6].


Referenzen

[1] http://www.hopkinsmedicine.org/health/healthy_aging/healthy_body/the-brain-gut-connection

[2] https://en.wikipedia.org/wiki/Enteric_nervous_system

[3] Anderson, Richard B., Donald F. Newgreen, and Heather M. Young. „Neural crest and the development of the enteric nervous system.“ Neural crest induction and differentiation. Springer US, 2006. 181-196.

[4] Sources: Dinan, T., Cryan, J., Regulation of the stress response by the gut microbiota: Implications for psychoneuroimmunology. Psychoneuroimmunology (2012) 37, 1369-1378

[5] Wang, Y. Kasper, LH. The role of micro biome in central nervous system disorders. Brain Behav. Immun. (2014)

[6] Bravo, Javier A., et al. „Ingestion of Lactobacillus strain regulates emotional behavior and central GABA receptor expression in a mouse via the vagus nerve.“ Proceedings of the National Academy of Sciences 108.38 (2011): 16050-16055.