Dass psychische Erkrankungen auf dem Vormarsch sind, wissen wir alle aus den Medien. Auch der Verbrauch an Psychopharmaka steigt zeitgleich stetig. Leider haben nur wenige Ärzte andere Antworten, als die Pillen, die alles richten sollen. Zugegebener Maßen ist die Literatur zu diesem Thema im deutschsprachigen Raum auch wirklich sehr spärlich gesäht. Ganz anders natürlich in Amerika, wo das Thema durch Pioniere wie Carl Pfeiffer, Linus Pauling und viele andere in den letzten siebzig Jahren auch intensiv aus naturheilkundlicher Sicht betrachtet wurde. Insbesondere die Begründung der orthomelekularen Medizin hat auch im psychiatrischen Bereich sehr positive Ergebnisse erzielt.

Nun gibt es auch auf dem deutschsprachigen Büchermarkt neue Literatur zu diesem immer wichtiger werdenden Thema. Wir wissen, dass die Behandlung mit Psychopharmaka nicht mehr dem Stand der Wissenschaft entspricht. Nach den Forschungen von William J. Walsh, Leiter des gemeinnützigen Walsh Research Institutes, erweisen sich natürliche Therapien ohne Medikamente als deutlich wirksamer.

In mehr als 30 Jahren Forschungstätigkeit hat Walsh Dysbalancen in der Nährstoffversorgung von Patienten mit Depressionen, ADHS, Autismus, Alzheimer oder Schizophrenie feststellen können. Basierend darauf entwickelte er eine Behandlungsmethode mit Nährstoffen, die ganz ohne Nebenwirkungen auskommt und individuell abgestimmt werden kann. Von Kupferüberschuss, über Über- und Untermethylierung, Zink- oder B-Vitamin-Mangel bis hin zur Epigentik findet sich in Walshs Buch ein umfangreiches Nachschlagewerk zum Thema. Aufgrund der vielen möglichen Abstufungen geht Walsh nicht auf Mischtypen ein.

Für mich ist das Buch ein weiterer wichtiger Baustein für das Verständnis des engen Zusammenspiels zwischen Gehirn, Nährstoffversorgung und Lebenswandel. Im Gegensatz zu anderen Büchern, die das Thema behandeln, gefällt mir besonders gut, dass auch die Psychotherapie und ihre Methoden als parallele Therapie gewürdigt werden. Viel zu viele Menschen glauben, dass wir nur die Biochemie verändern müssen, um ein neuer Mensch zu werden. Leider reicht diese Betrachtung selbstverständlich nicht aus.

Fazit

William J. Walshs Buch ist ein wirklich guter Leitfaden für Therapeuten und interessierte Laien, die besser verstehen wollen, welche natürlichen Optionen bei der Behandlung psychischer Veränderungen zur Verfügung stehen. Auch wenn der Bereich Ernährung in diesem Buch keine zentrale Rolle spielt, so ergibt sich aus diesem Buch doch ein sehr umfangreiches Verständnis über die biologischen und biochemischen Zusammenhänge, die die Funktionalität unserer Psyche beeinflussen. Für Laien ist das Buch nicht ganz leicht verständlich, für Therapeuten dafür umso aufschluss- und vor allem hilfreicher.

Und für alle, die es lieber im Original lesen: