Es geistern ja die wildesten Gerüchte über die Nebenwirkungen oder Gesundheitsrisiken einer ketogenen oder LCHF Ernährung herum. Auch wenn sich sicherlich nicht jeder ketogen ernähren muss, so zeigen viele gut gemachte Studien, dass ein kohlenhydratreduzierter Ernährungsansatz für die meisten von uns positive Effekte hat[1] [2].

Ich möchte das wirklich noch einmal in aller Deutlichkeit hervorheben. Wir haben hier eine Ernährungsintervention (nutritional therapy), die:

  • Blutzucker bei Diabetikern normalisiert, wie das sonst nur mit Medikamenten möglich ist
  • Entzündungsmarker verbessert
  • Cardio-Vaskuläre Risikomarker verbessert
  • Epileptische Anfälle reduziert oder sogar verhindert
  • Symptome vieler Auto-Immunerkrankungen verbessert
  • Symptome vieler chonisch-enzündlicher Erkrankungen verbessert

Also eine Ernährungsform, die unglaublich viele positive Effekte hat und richtig durchgeführt, wesentlich nährstoffdichter und vitaminreicher als eine klassische DGE Ernährung ist, und die in dieser oder ähnlicher Form unserem evolutionären Erbe sehr viel ähnlicher ist, als die DGE Ernährung[3].

Woher kommen die Daten?

Ein großer Kritikpunkt an LCHF oder ketogenen Ernährung ist, dass es keine Langzeitstudien gibt (was nicht ganz richtig ist, denn weit mehr als 200.000 Jahre Menschheitsgeschichte sollte doch lang genug sein? Aber das nur am Rande), wie es das allerdings genauso wenig für eine vegane Ernährung gibt.

In den letzten Jahren ist das Interesse an kohlenhydratreduzierten und ketogenen Ernährungsstrategien stätig gewachsen und somit auch die Zahl an schönen und gut gemachten Studien. Bis dahin, waren die einzigen Daten zu dem Thema, beinahe ausschließlich aus dem Bereich der Epilepsie bei Kindern. Die ketogene Ernährung wurde bis zur Entwicklung der krampflösenden Medikamente, als einzige Therapie bei Kindern mit Epilepsie eingesetzt[4]. Die ketogene Ernährung wird heute vor allem bei Kindern eingesetzt, die schlecht oder gar nicht auf Medikamente ansprechen – mit Erfolg[5].

Nierensteine bei Kindern mit Epilepsie

Die Entwicklung von Nierensteinen bei Kindern mit Epilepsie ist ein bekanntes Problem. Der eine Faktor ist, dass diese Kinder eine Vielzahl an Medikamenten einnehmen müssen, welche an sich schon die Nieren belasten und auch das Risiko für Nierensteine erhöhen. Hier sind vor allem die Carboanhydrasehemmer im Fokus.

Die Frage ist also, entwickeln MEHR Kinder durch die ketogene Ernährung Nierensteine, als sie alleine durch die Medikamente bekommen würden?

Die Antwort ist nicht ganz klar. Es scheint schon so, dass Kinder die einer ketogene Ernährung folgen etwas häufiger Nierensteine haben, als Kinder, die nur die Medikamente bekommen. Allerdings könnte das auch mit der Formulierung der Diät zu tun haben. In einer aktuellen skandinavischen Studie kommen die Forscher zu folgendem Schluss:

Die Supplementierung mit Kaliumcitrat reduzierte signifikant das Auftreten von Nierensteinen bei Kindern mit Epilepsie[6].

Daten nicht ein zu eins übertragbar

Wenn wir von Kindern mit Epilepsie sprechen, dann sprechen wir von kranken Kindern, die schon sehr lange, sehr viele Medikamente nehmen müssen und das natürlich eine große Last für die Nieren darstellt. Außerdem sehen wir, dass die einfache Einnahme von Kalium, die Effekte schon deutlich reduziert. Um das Ganze weiter in einen Kontext zu setzen, muss  man auch wissen, dass die ketogene Ernährung, wie sie für diese Kinder umgesetzt wird, einerseits extrem strikt ist und andererseits wenig mit echten Lebensmitteln zu tun hat.

Viele Kinder und Eltern setzen auf vorgemischte Produkte, die sehr hoch an Omega-6 Fettsäuren sind und einfach hochverarbeitete Kunstprodukte darstellen. Ein „evolutionärerer“ Ansatz könnte hier sicher auch nicht schaden und ich wäre auf eine Studie gespannt, die genau das untersucht.

Doch wie schaut die Sache für gesunde Menschen aus?

Also, wer seine ketogene Ernährung auf Pflanzenfette, Maltodextrin, Proteinshakes und Vitamintabletten basieren lässt, wird andere Ergebnisse haben, als jemand der grünes Gemüse, Innereien, Eier und Fisch konsumiert.

Es gibt bis dato keine Evidenz, dass eine gut formulierte ketogene Ernährung in irgend einer Weise schädlich ist oder dass eine höhere Proteinaufnahme zu Nierenschäden führen würde[7]. Sollten bereits organische Schäden vorliegen, ist das Bild sicher wieder ein anderes. Wer also bereits Nierenschäden hat, sollte wohl sicherlich mit dem Protein aufpassen und das auf jeden Fall mit dem behandelnden Arzt absprechen.

Was kannst Du tun um Nierensteine zu vermeiden?

Vitamin-Balance

Die Frage ist ja eigentlich, warum bilden sich die Steine überhaupt? Es gibt viele verschiedenen Steine, die häufigsten Nierensteine bestehen aus Calcium oder Oxalat. Auch wenn es noch nicht 100%tig geklärt ist, warum manche Menschen zu Nierensteinen neigen und andere nicht, so gibt es doch einige Strategien, die Sinn machen.

Wir brauchen Vitamin D um Calcium ordentlich verstoffwechseln zu können. Aber damit Vitamin D seinen Job machen kann, brauchen wir auch die richtigen Mengen Vitamin A und Vitamin K2. Erst das richtige Verhältnis dieser Vitamine stellt sicher, dass das Calcium auch im Knochen landet und nicht in den Gefäßen.

Kalium

Da die Einnahme von Kaliumcitrat das Auftreten von Nierensteinen bei den Kindern mit Epilepsie signifikant verringert hat, würde es nahe liegen, auf ausreichend Kalium in der Ernährung zu achten. Eine gute Quelle für Kalium ist selbst gemachte Knochenbrühe und Avocado, Fenchel und Kohl.

Fructose

Fructose wird, anders als Glucose, ausschließlich in der Leber verstoffwechselt. Dabei entsteht einerseits Harnsäure und gleichzeitig wird auch die Exkretion von Harnsäure reduziert[8].

Und wieder der Darm

Das Vorkommen des Bakteriums Oxalobacter formigenes im Darmtrakt kann das Risiko, Nierensteine zu bekommen, um bis zu 70 Prozent senken. Das besagt die Studie einer Arbeitsgruppe des Boston University’s Slone Epidemiology Center. Die Bostoner Forscher geben an, dass der Schutz-Effekt des Bakteriums wahrscheinlich auf einer Verstoffwechselung von Oxalat im Verdauungstrakt beruht[9].


Referenzen

[1]Accurso, Anthony, et al. „Dietary carbohydrate restriction in type 2 diabetes mellitus and metabolic syndrome: time for a critical appraisal.“ Nutrition & metabolism 5.1 (2008): 9

[2] Bueno, Nassib Bezerra, et al. „Very-low-carbohydrate ketogenic diet v. low-fat diet for long-term weight loss: a meta-analysis of randomised controlled trials.“ British Journal of Nutrition 110.07 (2013): 1178-1187.

[3] Eaton, S. Boyd. „The ancestral human diet: what was it and should it be a paradigm for contemporary nutrition?.“ Proceedings of the Nutrition Society 65.01 (2006): 1-6.

[4] Lefevre, Frank, and Naomi Aronson. „Ketogenic diet for the treatment of refractory epilepsy in children: a systematic review of efficacy.“ Pediatrics 105.4 (2000): e46-e46.

[5] Lambrechts, Danielle AJE, et al. „The MCT-ketogenic diet as a treatment option in refractory childhood epilepsy: A prospective study with 2-year follow-up.“ Epilepsy & Behavior 51 (2015): 261-266.

[6] Hallböök, Tove, et al. „Effectiveness of the ketogenic diet used to treat resistant childhood epilepsy in Scandinavia.“ European Journal of Paediatric Neurology 19.1 (2015): 29-36.

[7] Sarathy, Barati P. „Nutritional Management of Renal Disease.“ Nephrology Nursing Journal 31.4 (2004): 455-456.

[8] Nakagawa, Takahiko, et al. „A causal role for uric acid in fructose-induced metabolic syndrome.“ American Journal of Physiology-Renal Physiology 290.3 (2006): F625-F631.

[9] David W. Kaufman u. a.: Oxalobacter formigenes May Reduce the Risk of Calcium Oxalate Kidney Stones. In: J Am Soc Nephrol. Nr. 19, 2008, S. 1197–1203