In unserer Jugend sind Pickel und Mitesser etwas ganz selbstverständliches. Die Hormone spielen verrückt, das Gefühlschaos ist groß. Kein Wunder, dass sich das auch in unseren Gesichtern widerspiegelt, oder?

Nahezu 100% der Westeuropäer haben in ihrer Jugend Akne, aber bei vielen heilen die unschönen Entzündungen im Gesicht und auf dem Rücken auch bis zum 30. Lebensjahr nur schwer oder gar nicht ab. Eine Studie in Hamburg kam vor einigen Jahren zu dem Schluss, dass rund 27% der 896 untersuchten Personen zwischen dem ersten und dem 87sten Lebensjahr unter Akne litten1. Der Altersschnitt der untersuchten Leute lag bei 42. Es ist also ein recht häufiges Problem, auch über die Schulzeit hinaus.

Akne: in Jäger-Sammler-Gesellschaften unbekannt

Was bei uns so selbstverständlich ist, ist allerdings keinesfalls von der Natur so vorgesehen. Im Gegenteil. Viele Wissenschaftler haben beobachtet, dass Akne bei Kulturen, die als Jäger-Sammler-Gesellschaften leben, überhaupt nicht vorkommt2. Trotzdem bestreiten viele Hautärzte den Zusammenhang zwischen Lebensstilfaktoren und insbesondere Ernährung und Akne. Stattdessen werden scharfe Reinigungsmittel oder gar Kontrazeptiva (die Pille) verschrieben. Dabei kommt das, was uns da blüht tatsächlich von innen und eine angepasste Ernährung kann sich sehr positiv auf Pickel und Mitesser auswirken.

 

Wie entsteht Akne?

Ein Pickel oder ein Mitesser (medizinisch: Komedon) entsteht durch eine Entzündung des Haarfollikels in der Haut-Pore, die durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren entsteht.

In der Pore befinden sich Talgdrüsen. Der daraus abgegebene Talg (Sebum) sorgt dafür, dass unsere Haut schön geschmeidig bleibt. Außerdem hat Talg eine Schutzfunktion: er schützt vor Krankheiten, aber auch vor Chemikalien und anderen Umwelteinflüssen. Zu guter Letzt ist der Talg auch dafür da, die toten Zellen aus dem Follikel an die Oberfläche der Haut zu transportieren. Das Problem bei Akne setzt sich nun aus 4 Faktoren zusammen, die wir schon lange kennen. Erstens, ist die Pore am „Ausgang“ verstopft. Zweitens, wird vom Körper zu viel Talg produziert. Drittens, sammeln sich Bakterien an, die viertens zu einer Entzündung führen.

 

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Bildquelle: Dr. Loren Cordain3, übersetzt

Ich möchte an dieser Stelle nicht zu sehr ins Detail gehen, deshalb kurz: die Verstopfung entsteht durch einen Fehler im Lebenszyklus der Hautzellen, der dazu führt, dass die Hautzellen nicht rechtzeitig absterben. Der verzögerte Zelltod und ein verkleben der Zellen verstopfen die Pore.

Die Überproduktion an Talg wird durch zu viel Testosteron im Blutkreislauf hervorgerufen. Testosteron wird wohl von Männern (Hoden) als auch Frauen (Eierstöcke) produziert. Die Verfügbarkeit des Hormons für den Körper wird durch ein in der Leber produziertes Hormon namens sex hormone binding globulin (SHBG) reguliert. Wenn dieses Hormon nur in geringem Maße im Blut vorhanden ist, verbleibt das Testosteron im Blut und ist für alle möglichen Gewebe zugänglich. Unsere Ernährung hat auf beides einen Einfluss. Darauf, wie viel Testosteron wir in unseren Hoden oder Eierstöcken produzieren und darauf wieviel SHBG in der Leber produziert wird um die Menge Testosteron in Balance zu halten. Dazu später mehr.

Ist die Pore nun verstopft und wird zudem mehr Talg produziert, bietet die Pore ein herrliches Umfeld für Bakterien, die sowieso auf unserer Haut leben. Substanzen, die durch diese Bakterien abgesondert werden, alarmieren nun unser Immunsystem, das sofort mit einer Entzündungsreaktion antwortet. Je intensiver das Immunsystem mit der Produktion des Entzündungsmediators Zytokin antwortet, desto schlimmer wird auch der Pickel.

Warum entsteht Akne?

Die Frage, die man danach stellen sollte ist: Warum ist das so? Warum funktioniert das programmierte Zellsterben in der westlichen Welt nicht so gut, wie bei den Urvölkern? Warum haben wir zu viel Testosteron im Blut?

Den Grund dafür sucht die Wissenschaft seit einiger Zeit in der Zusammenstellung unserer Ernährung. Im Gegensatz zu vielen Urvölkern besteht unsere Nahrung vielfach aus Lebensmitteln mit einem zu hohen glykämischen Index (GI). Der GI gibt an, wie schnell Kohlenhydrate aus unserer Nahrung eine Auswirkung auf den Blutzuckerspiegel haben. Kohlenhydrate aus Lebensmitteln mit einem hohen GI gehen demnach schnell ins Blut, aus Lebensmitteln mit einem niedrigen GI langsamer. Es geht dabei nicht um die Menge an Kohlenhydraten, die durch die Lebensmittel zugeführt werden, sondern lediglich um die Geschwindigkeit der Aufnahme der Kohlenhydrate ins Blut. Der GI selbst sagt noch nicht viel aus, deshalb wurde das Konzept später durch die glykämische Ladung (GL) ergänzt. Die GL errechnet sich aus dem GI x der Menge an Kohlenhydraten pro Portion. Die GL berücksichtigt im Gegensatz zum GI also auch die Qualität der Lebensmittel. Studien haben gezeigt, dass eine Ernährung mit einem reduzierten GI keineswegs zu einer Besserung der Akne beiträgt4, eine Ernährung mit einer niedrigeren glykämischen Ladung hingegen schon eher5. (Man muss dazu sagen, dass das Studiendesign der Studien, die keinen Zusammenhang feststellen können, oft fragwürdig ist. Eine Ernährung mit GI-reduzierten Fertiglebensmitteln ist noch lange keine gesunde Ernährung und kann somit schlecht als guter Vergleich dienen.)

Die glykämische Last ist deshalb so wichtig bei Akne, weil Kohlenhydrate die Ausschüttung von Insulin durch die Bauchspeicheldrüse beeinflussen. Insulin sorgt dafür, dass der Zucker aus unserem Blut in die Zellen transportiert wird. Essen wir den ganzen Tag Lebensmittel mit einer hohen glykämischen Last, muss unser Körper fortwährend Insulin ausschütten um den Zucker in die Zellen transportieren zu können. Insulin ist aber nicht nur der „Blutzuckerwegputzer“, sondern auch eine Art Masterhormon, das andere Hormone steuert. Eines dieser Hormone ist IGFBP-3 (insulin like growth factor binding protein 3), das verantwortlich für den pünktlichen Zelltod ist. Ein hoher Insulinspiegel im Blut führt dazu, dass der Spiegel an IGFBP-3 im Blut sinkt, was wiederum dazu führt, dass der programmierte Zelltod verzögert wird. Weiterhin führt Insulin zu einem Anstieg des Hormons IGF-1 (insulin like growth factor 1), das für das Wachstum der Zellen zuständig ist. Zu viel IGF-1 heizt das Wachstum der Hautzellen an und bindet zudem IGFBP-3, das zusätzlich daran gehindert wird für einen pünktlichen Zelltod zu sorgen. In unserem Follikel führt das dann zu jeder Menge halb und nicht richtig abgestorbener Zellen. Zudem fördert ein hoher IGF-1 Spiegel die Produktion von Testosteron in Hoden und Eierstöcken und regt darüber die Talgproduktion im Follikel an3. IGF-1 ist auch in größeren Mengen in Milchprodukten enthalten.

Lebensmittel mit einer hohen glykämischen Last sind beispielsweise:

  • Weißbrot, Baguette, Zwieback, Weizenmischbrot, Knäckebrot
  • Reis
  • Hirse
  • Kuchen
  • Kartoffelbrei (instant und selbstgemacht)
  • Konfitüre, Marmelade
  • Schokolade
  • Trockenfrüchte etc.

Eine umfangreiche Tabelle vieler Lebensmittel ist hier zu finden: http://jumk.de/glyx/

Es gibt aber noch eine ganze Reihe anderer Faktoren, die zu einer unreinen Haut beitragen

  • Raffinierte Pflanzenöle enthalten zu viel Omega-6 und zu wenig Omega-3, was das Entzündungsgeschehen im Körper durch das Hormon IL-1 alpha anregt und das Verkleben der Zellen begünstigt.
  • Milchprodukte hemmen durch den hohen Kalziumgehalt die Absorption, also die Aufnahme, von Zink. Zink ist ein wichtiger Entzündungshemmer und in guter Qualität z.B. in Kohl und grünem Blattgemüse vertreten.
  • Auch das Rauchen bringt den Organismus durcheinander und fördert die Entstehung von Akne1.

Welche Ernährung bei Akne?

Die Ernährung bei Akne sollte

  1. Gesamtkalorienzufuhr, Zucker und Fettzufuhr aus raffinierten Pflanzenölen beschränken
  2. Die Insulinausschüttung eindämmen und IGF-1, durch die Reduktion von Milchprodukten und Lebensmitteln mit einer hohen glykämischen Last reduzieren6.

Ernährungsstile mit einem hohen Anteil an Gemüse und Obst und einem geringen Anteil von Lebensmitteln mit einer hohen glykämischen Last, eignen sich deshalb besonders für eine Reduzierung von Akne. Dazu gehört eine natürliche Low-Carb-Ernährung ebenso wie die Paleo-Ernährung. Wichtig ist es, die Elimination von Lebensmitteln wie Zucker und/oder Getreideprodukten nicht durch eine erhöhte Zufuhr tierischen Proteins zu kompensieren, sondern den Schwerpunkt auf pflanzliche Nahrung aus Gemüse zu legen und mit qualitativ hochwertigem Fleisch, Fisch und guten Fetten, die auch der Stabilisierung des Omega-3:Omega-6 Verhältnisses dienen können, zu ergänzen. Eine vegane Ernährung kann nützlich zur Bekämpfung von Akne sein, ist allerdings in ihrer 100%igen Ausführung nicht auf längere Zeit ratsam.


 

Referenzen

  1. Schäfer T, Nienhaus A, Vieluf D, Berger J, Ring J. Epidemiology of acne in the general population: the risk of smoking. Br J Dermatol. 2001;145(1):100-104. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11453915. Accessed March 2, 2015.
  2. Cordain LP, Staffan Lindeberg, MD, PhD; Magdalena Hurtado, PhD; Kim Hill, PhD; S. Boyd Eaton, MD; Jennie Brand-Miller P. Acne vulgaris. BMJ. 1994;308:831-833.
  3. Cordain. The Dietary Cure for Acne‎.; 2006. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?db=pubmed&cmd=Retrieve&dopt=AbstractPlus&list_uids=TDbcPQAACAAJ\npapers://f0c76c90-5375-47b0-9b04-48b6fd877a16/Paper/p727.
  4. Reynolds RC, Lee S, Choi JYJ, et al. Effect of the glycemic index of carbohydrates on acne vulgaris. Nutrients. 2010;2:1060-1072. doi:10.3390/nu2101060.
  5. Smith RN, Mann NJ, Braue A, Makelainen H, Varigos GA. A low-glycemic-load diet improves symptoms in acne vulgaris patients: a randomized controlled trial. Am J Clin Nutr. 2007;86(1):107-115.
  6. Melnik BC. Dietary intervention in acne: Attenuationof increased mTORC1 signaling promoted by Western diet. Dermatoendocrinol. 2012;4(1):20-32. doi:10.4161/derm.19828.

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