Läuft man heute durch die Supermärkte und Drogerien, fällt dem ein oder anderen auf, dass sich immer mehr glutenfreie Produkte in unseren Regalen finden. Natürlich sind diese Produkte ähnlich wie Diabetikerprodukte nicht per se gesünder. Vielmehr sind sie für Menschen mit einer Glutenunverträglichkeit oder Zöliakie gedacht. Aber was deutet eigentlich darauf hin, dass Gluten ein Problem für die eigene Gesundheit sein kann?

Was ist Glutenintoleranz oder Zöliakie?

Die prominenteste und bekannteste Form der Glutenintoleranz ist Zöliakie, auch als einheimische Sprue bezeichnet. Zöliakie kann in jedem Alter auftreten und wird gemeinhin als Autoimmunerkrankung bezeichnet. Bleibt die Zöliakie unerkannt, kommt es zu einer chronischen Entzündung der Dünndarmschleimhaut und einer Zerstörung der Darmzotten.  Zöliakie hat eine starke erbliche Komponente und betrifft vermutlich nur etwa 1% der Weltbevölkerung. Allerdings ist die Zahl steigend. Laut einer aktuellen Studie der Mayo Clinic[1], hat die Häufigkeit von Zöliakie in den letzten 50 Jahren um das 4,5 fache zugenommen. Das ist alarmierend.

Das Auftreten von Zöliakie ist in den letzten 50 Jahren dramatisch angestiegen.

Neben der klassischen Zöliakie, welche sich üblicherweise durch einem Gentest mit 99%er Sicherheit nachweisen lässt, gibt es ebenfalls starke Hinweise auf das Vorhandensein einer Nicht-Zöliakie-Glutensensibilität. Hier kann eine Zöliakie nicht nachgewiesen werden, aber die Symptomatik verbessert sich deutlich, wenn auf glutenhaltige Getreide verzichtet wird.

Glutenintoleranz, ohne dass eine Zöliakie vorliegt, ist ein reales Phänomen und sollte ernst genommen werden.

Sowohl im Tierversuch als auch beim Menschen lässt sich nachweisen, dass Gluten einen negativen Effekt auf die Darmschleimhaut haben kann[2]. Glutenin, eines der beiden Bestandteile von Gluten, besitzt die Fähigkeit an bestimmte Rezeptoren, die sich an der Oberfläche der Darmzellen befinden, zu binden. Dies erhöhte die Durchlässigkeit der Darmzellen und ermöglicht, dass unvollständig zerlegte Nahrungsbestandteile in die Blutbahn gelangen[3]. Das wiederum, löst im Körper eine Immunreaktion aus, die üblicherweise auch mit Entzündungsprozessen einhergeht. Ein dauerhaftes Vorhandensein von Entzündung belastete den Organismus stark.

Die Sensibilität gegenüber Gluten ist sehr individuell und kann durch externe Faktoren, wie Stress, Krankheit und diverse Medikamente beeinflusst werden. Eine Sensibilität gegenüber Gluten kann, aber muss sich nicht in Störungen des Magen-Darm-Traktes äußern.

Ich habe hier eine Liste der 5 häufigsten Zeichen einer Glutenintoleranz zusammengefasst. Die Liste ist bei weitem nicht vollständig und kann auch nicht als alleiniges Diagnosewerkzeig dienen. Treffen 2 oder mehr Punkte auf Dich zu, dann ist die Wahrscheinlichkeit einer Glutenintoleranz relativ hoch. Probiere einmal 2 Wochen ALLE Arten von Getreide von Deinem Speiseplan zu streichen und beobachte selber wie es Dir geht. (Vorsicht: auch in Wurst, Eiscreme, Süßigkeiten etc. ist Getreide verarbeitet)

5 Zeichen für Glutenintoleranz:

1. Allergien, Heuschnupfen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten etc.

Wer bereits unter Allergien oder anderen Nahrungsmittelunverträglichkeiten leidet, hat unter Umständen schon einen beschädigten Darm. Im Darm ist unser Immunsystem zu Hause, das bei den genannten Erkrankungen bereits geschwächt ist und überreagiert. Eine Beschäftigung mit der Gesundheit des Darms kann dazu führen, dass Allergien weniger belastend sind und Nahrungsmittelunverträglichkeiten sogar gänzlich verschwinden.

2. Verdauungsprobleme, Durchfall, Blähbauch, Blähungen, Verstopfung (besonders bei Kindern)

Sämtliche Verdauungsprobleme sind ein Hinweis darauf, dass etwas verzehrt wurde, was nicht vertragen wird. Auch wer ständig unter einem aufgeblähten Bauch leidet, sollte einmal darauf achten, wann dieser Blähbauch auftritt. Viele Menschen wachen morgens auf und haben einen flachen Bauch, der aber nach dem Frühstück bis zum Abend hin nach und nach runder wird. Das ist keineswegs normal, sondern ein erstes Zeichen einer Lebensmittelunverträglichkeit. Oft spielt aufgrund der hohen Verzehrmenge in unserer Gesellschaft Gluten eine Rolle.

3. Vorliegen von Autoimmunerkrankungen[4]

MS, Hashimoto, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa u.v.m. – Autoimmunerkrankungen gehen oft mit einer Zöliakie oder eine Glutenunverträglichkeit einher, sodass die Symptomatik durch den strengen Verzicht auf glutenhaltige Produkte in vielen Fällen deutlich verbessert werdeen kann.

4. Hauterkrankungen wie Schuppenflechte, Akne, follikuläre Hyperkeratose[5]

Zöliakie – aufgrund ihrer Vielfältigkeit auch als Chamäleonkrankheit bezeichnet – kann auch die Haut betreffen. Nach dem Darm unser größtes Organ kann durch Schuppenflechten, Akne oder auch chronische Erkrankungen wie die Dermatitis herpetiformis Duhring darauf hinweisen, dass das Gluten in unserer getreidereichen Ernährung ein Problem darstellt. Bei letzterer Erkrankungen kann sogar bei allen Patienten eine Zöliakie festgestelllt werden.[6]

5. Konzentrationsstörungen, Stimmungsschwankungen, Depressionen, ADD, Migräne

Dass unsere Ernährung eine Auswirkung auf unsere Psyche hat, stellen besonders viele Menschen fest, die aufgrund von unerklärlichen Stimmungsschwankungen, zahlreichen Migräneanfällen etc. testweise auf Gluten auf ihrem Speiseplan verzichten. Viele psychische Erkrankungen werden durch die andauernde Entzündung des Körpers, der damit zusammenhängenden erhöhten Histaminfreisetzung als Reaktion des Immunsystems und anderen bio-chemischen Zusammenhängen nahezu befeuert und verschwinden beim Verzicht auf das Klebeeiweiß Gluten schlagartig. [7]

 

Referenzen

[1] Rubio–Tapia, A., Kyle, R. A., Kaplan, E. L., Johnson, D. R., Page, W., Erdtmann, F., … & Murray, J. A. (2009). Increased prevalence and mortality in undiagnosed celiac disease. Gastroenterology, 137(1), 88-93.

[2] De Punder, K., & Pruimboom, L. (2013). The dietary intake of wheat and other cereal grains and their role in inflammation. Nutrients, 5(3), 771-787.

[3] Fasano, A. (2011). Zonulin and its regulation of intestinal barrier function: the biological door to inflammation, autoimmunity, and cancer. Physiological reviews, 91(1), 151-175.

[4] Ebok, Anette. 2011.Zöliakie – Grundlagen, Diagnostik, Ernährungsumstellung. Ernährungsumschau 4 (2011)

[5]Caproni, M., Bonciolini, V., D’Errico, A., Antiga, E., & Fabbri, P. (2012). Celiac Disease and Dermatologic Manifestations: Many Skin Clue to Unfold Gluten-Sensitive Enteropathy. Gastroenterology research and practice. 2012.

[6]Deutsche Zöliakie Gesellschaft e.V., Dermatitis herpetiformis Duhring

[7]Potocki P., Hozyasz K. (2002). Psychiatric symptoms and coeliac disease, Psychiatr Pol. 2002 Jul-Aug;36(4):567-78