Hand aufs Herz: wann hast du deine erste Diät gemacht? Auch schon mit 14 oder 15? Läufst du auch schon dein Leben lang von einer Diät zur nächsten? Dann hast du einen Fakt sicherlich auch schon verinnerlicht wie ein Mantra: „Zu viel Essen macht dick.“

In einer Gesellschaft in der ständig Essen um uns herum ist, scheint es leichter zu viel als zu wenig zu essen. Die Logik, die uns Jahrzehnte begleitet ist einleuchtend. Weniger essen, heißt weniger wiegen. Wie oft hab ich in den letzten Wochen den Satz gehört „Aber ich esse doch so gut wie gar nichts und trotzdem nehme ich nicht ab.“ Und genau hier liegt das Problem, denn zu wenig Nahrung bringt eine ganze Reihe von Problemen mit sich, die wir mit dem Zählen von Kalorien oder auch Kohlenhydraten nicht lösen können. Hier sind 5 typische Zeichen, dass auf deinem Teller nicht genug Essen liegt.

Du nimmst nicht ab

Eines der Paradoxe beim Abnehmen ist, dass wir essen müssen um unser Normalgewicht zu erreichen. Viele Menschen, die auf die große Abnehm-Reise gehen, treiben Sport wie wild und genehmigen sich zum Mittagessen nur einen Salat. Empfehlungen für Mahlzeiten mit 600 oder 700 kcal scheinen dann, als wöllte man sie mästen. Aber das Gegenteil ist der Fall. Ein erwachsener Mensch hat einen Grundumsatz von rund 1.300-1.500kcal, die wir nur durch unsere reine Existenz und ganz ohne Bewegung verbrauchen. Wenn wir normal essen, liefern wir unserem Körper nur die Nährstoffe, die er braucht um nicht in den „Hungermodus“ zu verfallen.

Wenn wir regelmäßig weniger essen, als unser Körper braucht, dann verändert sich unser gesamter Stoffwechsel in einer Art und Weise, die einen Gewichtsverlust allein aus hormonellen Gründen verhindert. Das Schilddrüsenhormon T3 fällt[1], das Stresshormon Cortisol wird verstärkt ausgeschüttet[2] und damit wird auch die Produktion unserer Geschlechtshormone zurück gefahren[3]. Mit einem erhöhten Cortisolspiegel passieren übrigens noch einige andere Sachen: wir lagern mehr Wasser ein und unser Stoffwechsel und unsere Verdauung verlangsamt sich, denn Cortisol ist das Signal für die „Fight-or-Flight“-Reaktion. Der Säbelzahntiger oder ich. Wozu brauche ich dabei Verdauung und Fortpflanzung?

Dieses Chaos im Körper und in seinen Hormonkreisläufen sorgt dafür, dass du an deinen Fettpolstern festhältst und du es schwer haben wirst weiter abzunehmen.

Du verlierst büschelweise Haare

Das passiert besonders oft bei Menschen, die auf Low-Carb umstellen und hat ebenfalls in erster Linie eine hormonelle Ursache. Haarausfall ist ein Zeichen für eine unzureichende Nährstoffzufuhr in Form von Kalorien, Eiweiß oder auch beidem und sowohl der Abfall der Geschlechtshormone als auch die Beeinträchtigung der Funktion der Schilddrüse können bei zu wenig Nahrung dafür sorgen, dass dein Haar zusehends dünner wird.

Dir ist ständig kalt

Kalte Hände, kalte Füße? Wir Frauen finden das sowieso normal. Wir sammeln die Hitze um unseren Uterus, der an erster Stelle steht, wenn es um Temperatur geht. Menschen verbrauchen einen Großteil der täglichen Energiezufuhr für die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur, die uns energetisch recht teuer kommt. Essen wir also nicht genug, dann wird die Temperatur auch runtergedreht[4]. Wenn dir also auch im Sommer ständig kalt ist, dann ist das ein gutes Zeichen dafür, dass dein Körper nicht genug Energie für die Produktion von Körpertemperatur bekommt. Es mag zwar sein, dass die Kalorienrestriktion zu einem längeren Leben führt, wie diese Studie schreibt, aber ich persönlich möchte mich nicht zu meinem 100. Geburtstag zittern.

Du hast ständig Verstopfungen

Es ist ganz offensichtlich, dass nichts raus kommen kann, wenn nichts rein geht, aber es ist natürlich absurd zu glauben, dass hinten unser Essen in einer anderen Farbe raus kommt. Das meiste, was wir in unserem Stuhl finden, sind nur tote Bakterien. Hinzu kommen vor allem Ballaststoffe, die für uns Menschen nicht verdaulich sind. Verstopfungen können zwar eine ganze Reihe von Ursachen haben, aber gerade bei Low-Carbern sieht man immer wieder, dass vor allem der Gemüseanteil an der Nahrung viel zu niedrig ist um einen voluminösen Stuhl zu produzieren.

Weniger offensichtlich ist, dass die Verstopfung auch durch die Irritation der Schilddrüse ausgelöst werden kann. Verstopfungen sind bei Schilddrüsenunterfunktionen durchaus ein gängiges Problem, da die Hormone der Schilddrüse auch auf die Bewegungen (Peristaltik) des Darms Einfluss nehmen. Wenn, wie oben beschrieben, das Schilddrüsenhormon T3 nicht mehr ausreichend gebildet werden kann, dann leidet diese erleichternde Körperfunktion.

Deine Stimmung (und dein Blutzucker) fährt Achterbahn

Im englischen gibt es den schönen Slang-Begriff „hangry“, der die Folgen einer Blutzuckerachterbahn ziemlich gut beschreibt. Das Wort ist eine Kombination aus hungry (=hungrig) und angry (=verärgert, ärgerlich) und drückt aus, was mit Menschen passiert, die auf einem ständigen Blutzuckerachterbahn unterwegs sind. Das gilt natürlich in erster Linie für die, die von Weißbrot, Muffins und Schokoriegeln leben, aber auch für dich, wenn du unregelmäßig und unzureichende Mengen isst.

So hat eine Studie mit 107 Paaren über 21 Tage gezeigt, dass die Fähigkeit den Partner mit Gemeinheiten zu bedenken, deutlich steigt, wenn der Blutzuckerspiegel der Probanden niedrig ist[5].

Auch wenn die Blutzuckerachterbahn in erster Linie mit einer zuckerreichen Ernährung in Verbindung gebracht wird, so ist eine Very-Low-Carb Ernährung bei manchen Menschen ähnlich kontraproduktiv und führt zu einem niedrigen Blutzucker, der über die Leber im Rahmen der Glykogenolyse oder der Glukoneogenese nicht ausgeglichen werden kann. Die Folge sind nicht nur Hunger, Stress (Cortisol!), Schwindelgefühle und starkes Schwitzen, sondern auch Stimmungsschwankungen, Schwächegefühle und Verwirrtheit.

 


Referenzen

[1]      E. P. Weiss, D. T. Villareal, S. B. Racette, K. Steger-May, B. N. Premachandra, S. Klein, and L. Fontana, “Caloric restriction but not exercise-induced reductions in fat mass decrease plasma triiodothyronine concentrations: a randomized controlled trial.,” Rejuvenation Res., vol. 11, no. 3, pp. 605–9, Jun. 2008.

[2]      A. J. Tomiyama, T. Mann, D. Vinas, J. M. Hunger, J. DeJager, and S. E. Taylor, “Low Calorie Dieting Increases Cortisol,” Psychosom. Med., vol. 72, no. 4, pp. 357–364, May 2010.

[3]      N. I. Williams, J. L. Reed, H. J. Leidy, R. S. Legro, and M. J. De Souza, “Estrogen and progesterone exposure is reduced in response to energy deficiency in women aged 25-40 years.,” Hum. Reprod., vol. 25, no. 9, pp. 2328–39, Sep. 2010.

[4]      R. C. D. O. J. O. H. L. F. Andreea Soare, “Long-term calorie restriction, but not endurance exercise, lowers core body temperature in humans,” Aging (Albany NY), vol. 3, no. 4. Impact Journals, LLC, p. 374, 01-Apr-2011.

[5]      B. J. Bushman, C. N. Dewall, R. S. Pond, and M. D. Hanus, “Low glucose relates to greater aggression in married couples.,” Proc. Natl. Acad. Sci. U. S. A., vol. 111, no. 17, pp. 6254–7, Apr. 2014.