Wenn ich erzähle, dass ich mich nach Paleo-Prinzipien ernähre, dann kommt gerade von Sportlern gerne mal der Einwand, dass das für sie ja viel zu wenig Kohlenhydrate wären. Klar, Sport ist seit jeher die Entschuldigung für Pasta-Parties und den Verzehr großer Mengen anderer Getreide- und Zuckerzubereitungen. Das Vorurteil, dass Paleo kohlenhydratarm wäre, ist weit verbreitet.

Aber das stimmt nur zum Teil. Paleo ist so Low Carb, wie du es machst und es gibt eine Reihe von Gründen bewusst Kohlenhydrate in die Ernährung einzubauen.

Sicher kommen wir mit Paleo nur schwer in den High Carb Bereich, aber auch das hat ja seinen Grund.

Und weil ich kein Freund von Tapioka, Cassava und Co. bin (Stichwort: saisonal und regional), gibt es hier heute meine liebsten Paleo-tauglichen Kohlenhydratquellen.

Süßkartoffeln

Süßkartoffeln kennt mittlerweile jeder. Sie sind natürlich die Paleo-Kohlenhydratquelle Nummer eins. Leider sind sie natürlich auch wesentlich teurer als unsere konventionellen, weißen Kartoffeln. Im Einzelhandel sind sie zudem oft weder aus regionaler noch europäischer Quelle zu beziehen. Für mich ist die Süßkartoffel deshalb eher ein nettes Gimmick, aber keinesfalls eine Nahrungsgrundlage.

Ich habe die Diskussion neulich auf Instagram angestoßen und da gibt es Leute, die nebenan Bauern haben, die Süßkartoffeln anbauen. Dann spricht natürlich nichts dagegen zuzuschlagen. Wie wäre es zum Beispiel mal mit diesem Süßkartoffelbrot?

Kürbis

kuerbisse

Gemüsestand auf dem Wochenmarkt – im Herbst ist Kürbiszeit!

Gerade jetzt im Herbst ist Kürbis das richtige, um die Kohlenhydratspeicher für den Winter aufzufüllen. Nach der Metabolic Winter Theorie ist der Herbst sowieso die einzige Jahreszeit in der wir bei Kohlenhydraten so richtig zulangen sollten, denn nur dann sind die Früchte reif, die uns das Plus an Glukose liefern, die wir dann in Fett auf die Rippen packen können.

Jedenfalls muss Kürbis keinesfalls langweilig sein. Es gibt mittlerweile überall zahlreiche Sorten, vom klassischen Hokkaido bis zum Spaghetti-Kürbis. Und man kann außer Kürbissuppe auch noch so einiges anderes damit machen.

Wie wäre es zum Beispiel mit Kürbis-Hack-Auflauf oder Ofengemüse? Oder einfach ein Gemüsecurry mit Kürbis?

Alles, was das Wort -rübe enthält (oder auch unter der Erde wächst)

Insbesondere in der ketogenen Ernährung schon fast verpönt, sind unsere guten einheimischen Rüben echt etwas Tolles! Dir fallen außer Mohrrüben keine anderen ein?

wurzelgemuese

Das Gemüseregal ist voller Wurzelgemüse – wie wäre es mal mit Steckrüben?

Wie wäre es zum Beispiel mit:

  • Roter, weißer oder gelber Beete
  • Steckrüben
  • Mairübchen oder Teltower Rübchen
  • Pastinaken
  • Rettich
  • Topinambur
  • Knollensellerie

Unsere Rüben sind im Gegensatz zu Tapioka und Cassava nicht nur regional erhältlich, sondern auch tolle Nährstofflieferanten. Alles, was unter der Erde wächst ist reich an Mineralien. Darüber hinaus sind die Flavonoide, die für die bunten Farben sorgen, auch wirksame Entzündungshemmer.

Übrigens sind in einer Scheibe Brot so viele Kohlenhydrate, wie in zwei großen Möhren, die man mit etwas Butter, Orangensaft und Ingwer locker mal als Beilage schafft. Oder wie wäre es mal mit roter Beete aus dem Ofen?

Nüsse

Wenn du nicht gerade unter einer Nussallergie leidest, dann sind Nüsse für dich ebenfalls eine gute Kohlenhydratquelle. 100g Walnüsse enthalten rund 14g Kohlenhydrate, 100g Mandeln sogar etwa 22g. Und das können vor allem die, die sich viel bewegen und die Kohlenhydrate gebrauchen können, wirklich schnell mal weg snacken.

Übrigens gibt es einen Trend zu Leistung ohne Kohlenhydrate. Auch das funktioniert für nach einer Gewöhnungsphase wunderbar.

Obst

Wenn auch überwiegend in Form von Glukose, Fructose und Ballaststoffen, so enthält natürlich auch Obst so einiges an Kohlenhydraten. In der Low Carb Ernährung beschränken wir den Obstkonsum auf etwa zwei Handvoll pro Tag. Das ist bei Paleo nicht unbedingt nötig. Eine mittelgroße Banane liefert zum Beispiel schon 25g Kohlenhydrate. Der ein oder andere Athlet schafft davon locker zwei Stück am Tag weg.

„Grauzonen“

Du hast Paleo für vier Wochen ausprobiert? Wunderbar. Dann kommt jetzt für dich die Phase der Anpassung deiner Ernährung. Nicht alles, was auf der Paleo-No-Go-Liste steht ist per se ungesund oder als Nahrungsmittel ungeeignet. Wer schon länger dabei ist, weiß, dass Paleo vor allem eins ist: eine Blaupause. Mit Leben füllst du es ganz individuell, meist nach deiner eigenen Verträglichkeit und deinen Vorlieben. Das heißt natürlich nicht, dass es ab morgen wieder Weizenbaguette von der Tankstelle gibt, sondern, dass du das ein oder andere gute Lebensmittel wieder in deinen Alltag einbauen kannst.

Mal was anderes: blaue Kartoffeln.

Mal was anderes? Neulich gesichtet: blaue Kartoffeln.

Wer nicht gerade strikt nach dem Autoimmunprotokoll leben muss oder will, hat nach der Reset-Phase so einiges an Möglichkeiten Kohlenhydrate in den Alltag einzubauen.

Dazu gehören für viele Paleos zum Beispiel:

  • geschälter Reis (Antinährstoffe sitzen in der Schale, deshalb nicht so gern Vollkornreis)
  • glutenfreie Haferflocken (Pimp your porridge!)
  • weiße Kartoffeln (sie sind nicht so schlecht wie viele glauben!)
  • Buchweizen (Pfannkuchen gefällig?)
  • Hirse

Und für alle, denen die Transportkilometer egal sind, natürlich auch Quinoa, Amaranth, Erdmandeln und und und.

Wichtig ist, dass du auf die Signale deines eigenen Körpers achtest. Dann ist Paleo das, was es eigentlich sein soll: ein Rahmen für deine individuelle, gesunde und natürliche Ernährung.